Märkte / Aktien

SMI schliesst nach Kurssprung fester

Die Schweizer Börse schiesst zeitweise 3% in die Höhe. Nachrichten von BioNTech und Pfizer beflügeln. Wallstreet satt im Plus. Der Franken schwächelt.

(AWP/GAH/SPU) Der Schweizer Aktienmarkt hat am Montag beflügelt vom Ausgang der US-Präsidentenwahlen an den Aufwärtstrend der vergangenen Woche angeknüpft. Kurz nach dem Mittag befeuerten positive Daten zum Impfstoff von BioNTech (BNTX 247.68 -1.06%) und Pfizer (PFE 41.49 -0.43%) die Kurse. Der Swiss Market Index SMI (SMI 11'961.34 +0.58%) stieg bei Eröffnung 0,7% und baute die Avance kurzzeitig auf mehr als 3% aus. Im weiteren Verlauf des Nachmittags kamen die Kurse wieder vom Tageshöchst bei 10’644 zurück. Es reichte aber für einen Schlusskurs über der Marke von 10’400. In der vergangenen Woche hatte der Leitindex 7,7% gewonnen.

Das deutsche Biotech-Unternehmen BioNTtech und Partner Pfizer stehen mit ihrem potenziellen Coronaimpfstoff vor dem Durchbruch. Sie sind die weltweit ersten Unternehmen, die erfolgreiche Daten aus der für eine Zulassung entscheidenden Studie vorgelegt haben.

Auch in New York zogen aufgrund dieser Nachricht die Kurse mehrheitlich markant an. Nur die Technologiewerte blieben etwas zurück. So wies der Nasdaq Composite bei Börsenschluss in Zürich ein Plus von 1,2% auf. Der breit gefasste S&P 500 (S&P 500 4'464.33 -0.22%) zog 2,9% an und erreichte ein neues Allzeithoch. Der Dow Jones schoss 4% in die Höhe. In Frankfurt schaffte der Dax sein grösstes Tagesplus seit Mai. Auch der EuroStoxx 50 zog kräftig an.

Am Aktienmarkt kam ausserdem der Sieg von Joe Biden gut an. Während zyklische und Finanzwerte stark gesucht waren, folgten defensive Titel mit einem gewissen Abstand. Die Börse setze grosse Hoffnungen in den neuen Präsidenten, hiess es. Zudem falle mit der Wahl eine grosse Unsicherheit weg, was den Weg für eine Erleichterungsrally frei gemacht habe, so die Meinung.

Die Anleger hoffen auf ein grosses Infrastrukturprogramm, auf mehr internationale Zusammenarbeit und weniger Konfrontationen mit dem neuen Präsidenten, hiess es am Markt. Zudem dürfte eine geteilte Regierung in den USA nur zu moderaten politischen Massnahmen in Bezug auf Steuern und Ausgaben führen. Die Republikaner würden wahrscheinlich die Kontrolle über den Senat behalten. Dies schränke die Möglichkeiten der Demokraten ein, etwa wichtige Initiativen wie die Rücknahme von Steuersenkungen umzusetzen. Zudem bleibe das Tiefzinsumfeld erhalten. Über all dem sollten die Anleger aber nicht vergessen, dass sich die Coronapandemie weiter ausbreitet, wurde  auch gemahnt.

Richemont gesucht

Die meisten SMI-Werte gewannen stark. Zulegen konnten vor allem die bisherigen «Corona-Verlierer»: Unter den Blue Chips waren das etwa die gebeutelten Luxusgüteraktien Richemont (CFR 109.90 +1.2%) und Swatch Group (UHR 251.00 +0.28%). Richemont hatten zuvor bereits von Anschlusskäufen und positiven Kommentaren nach der Bilanzvorlage am Freitag profitiert.

Kräftig Schub erhielten ebenso Finanzwerte wie die Versichereraktien Swiss Life (SLHN 483.80 +1.17%), Swiss Re (SREN 81.26 +1.09%), Zurich Insurance (ZURN 392.10 +0.44%) oder auch die Bankwerte Credit Suisse (CSGN 9.79 +1.92%) und UBS (UBSG 15.88 +0.6%).

Die stärksten als defensiv geltenden Werte waren Alcon (ALC 72.52 -0.14%). Der Augenheilspezialist präsentiert morgen Abend seine Quartalszahlen. Die Pharmawerte Novartis (NOVN 76.93 +0.61%) legten zu. Roche (ROG 360.25 +0.87%) belasteten derweil stark. Dies lag laut Händlern aber weniger an den Befürchtungen, dass die Demokraten die Regulierungen betreffend Medikamentenpreise verschärfen könnten. «Vielmehr schalten die Anleger auf Risk-on-Modus um», sagte ein Händler.

Im Minus schlossen zudem Nestlé (NESN 114.82 +0.35%). Als Verlierer fielen die Aktien des Riechstoff- und Aromenherstellers Givaudan (GIVN 4'221.00 -0.14%), des Bauchemiekonzerns Sika (SIKA 311.00 +0.91%) und des Sanitärtechnikers Geberit (GEBN 707.60 +0.97%) auf.

Lonza (LONN 721.80 +0.36%) blieben zurück. Die Aktien des Life-Science-Konzerns hatten vergangene Woche ein neues Allzeithoch erreicht. Hier dürfte es sich vor allem um Gewinnmitnahmen handeln.

Reisenahe Aktien legten massiv zu

Reisenahe Aktien schossen in die Höhe. Dazu gehörten die Aktien Flughafen Zürich (FHZN 168.30 +0.36%), die Titel des Reisedetailhändlers Dufry (DUFN 51.50 +1.46%) sowie die Valoren der Online-Reiseplattform LM Group (LMN 42.10 +2.18%). Starke Avancen verbuchten auch Orascom (ODHN 11.30 +0.89%), Jungfraubahn und Titlis-Bahnen (TIBN 46.80 -0.21%).

Besonders schwach präsentierten sich nach den Impfstoff-Nachrichten die Aktien des bisherigen Coronaprofiteurs Logitech (LOGN 81.26 -1.91%). Der Computer- und Gamingzubehörhersteller hatte zuletzt Umsatz und Gewinn aufgrund der zunehmenden Digitalisierung massiv gesteigert.

Stark waren auch die Verluste beim Labortechnikausrüster Tecan (TECN 545.00 +1.11%).

Im SMIM (SMIM 3'348.12 -0.02%) fielen Vifor Pharma (VIFN 124.00 -1.04%) mit Avancen auf. Über eine Lizenzvereinbarung mit dem US-Unternehmen Angion Biomedica sichert sich das Unternehmen Zugang zum Transplantationsmarkt. Aktien von Branchennachbarn wie diejenigen des Dentalimplantatherstellers Straumann (STMN 1'806.50 +1.23%) oder des Hörsystemespezialisten Sonova (SOON 359.60 +0.33%) avancieren markant.

Gewinne fuhren AMS ein. Der Chiphersteller dürfte davon profitieren, dass wegen des geteilten Kongresses die Technologieriesen weniger stark als befürchtet an die Kandare genommen werden könnten.

Julius Bär (BAER 64.96 +0.31%) gewannen klar. Die Privatbankgruppe hat mit dem US-Justizministerium (DOJ) eine Einigung im Fall Fifa erzielt und dafür eine Rückstellung von 79,7 Mio. $ gebildet.

Am breiten Markt stiegen Ypsomed (YPSN 152.80 -0.39%) deutlich. Der Medizintechniker spannt mit Lonza und Schott zusammen, um die eigene Patch-Injektor-Plattform YpsoDose weiterzuentwickeln.

Valora (VALN 181.80 -1.2%) zogen an. Der Detailhändler hatte positive Zahlen zum dritten Quartal vorgelegt. Vorsichtig zeigte er sich allerdings beim Umsatzausblick.

Neben den Aktien der Onlineapotheke Zur Rose (ROSE 369.00 +0.82%) wiesen auch die Titel der Biotech-Unternehmen Molecular Partners (MOLN 18.30 -0.87%) oder Relief Therapeutics (RLF 0.10 -4.85%) massive Verluste auf.

Immobilienwerte gefragt

Die Aktien von SPS Swiss Prime Site (SPSN 93.85 +0.86%), des grössten börsennotierten Schweizer Immobilienkonzerns, stiegen klar. Die Titel der Nummer Zwei PSP (PSPN 116.90 +1.3%) Swiss Property gewannen. Intershop (ISN 586.00 +0.69%) zogen an. Diese Firmen sind schwergewichtig auf Gewerbe- und Büroimmobilien fokussiert. Gesucht waren auch Mobimo (MOBN 314.00 +0.48%). Das Portfolio von Mobimo enthält im Gegensatz zu den obenerwähnten Unternehmen mit fast 40% einen grossen Anteil an Wohnimmobilien.

Asien klar im Plus

In Asien legten die Börsen am Montag deutlich zu. In Tokio stieg der Nikkei 225 um 2,1% und der breiter diversifizierte Topix 1,4%. Der Hongkonger Hang Seng gewann 1,3%, und auf dem chinesischen Festland avancierte der CSI 300 um 1,9%. Der koreanische Kospi kletterte 1,3% nach oben, und die Börse in Taiwan gewann 1,2%.

Euro bei knapp 1.08 Fr. – Dollar über 0.91 Fr.

Der Franken kam am Montag unter Druck. So wurde die europäische Gemeinschaftswährung zum Franken bei 1.0780 Fr. gehandelt. Der Dollar erholte sich bis 17.30 Uhr mit einem Kurssprung und kostete zur Schweizer Währung 0.9130 Fr. Am Freitag war er mit 0.8983 Fr. auf den tiefsten Stand seit Aufhebung des Euromindestkurses durch die SNB (SNBN 5'100.00 -0.39%) im Jahr 2015 gefallen. Der Euro rauchte zum Dollar im Späten Handel bergab und lag bei Börsenschluss in Europa mit einem Kurs von 1.1810 $ weit unter der zuvor erreichten Marke von 1.19 $.

Im Fokus stand die türkische Lira. Nach der überraschenden Abberufung des Notenbankchefs und dem Rücktritt des Finanzministers hat sich der neue Notenbankchef des Landes, Naci Agbal, zu Wort gemeldet. «Notwendige geldpolitische Entscheidungen werden unternommen», teilte er in einer am frühen Montagmorgen in Ankara veröffentlichten Stellungnahme mit. Am Devisenmarkt setze die türkische Lira nach den Aussagen zu einer deutlichen Kurserholung angesetzt. Zuvor war sie am Freitag im Handel mit dem Dollar und dem Euro auf Rekordtiefs gerutscht. Am Abend mussten für den Dollar 8.15 Lira und für den Euro 9.60 Lira gezahlt werden. Zeitweise wurde der Euro für mehr als 10 Lira gehandelt.

Ölpreis stieg klar, Goldpreis büsste stark ein

Der Ölpreis legte zum Wochenstart massiv zu. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete am Abend 42.50 $. Gold verlor markant und notierte bei 1855 $ pro Feinunze.