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SMI: Freitags-Plus nach einer schwachen Börsenwoche

Nach dem hohen Verlust am Donnerstag erholt sich die Schweizer Börse. Das Tageshoch rückt aber in die Ferne. Die Wallstreet drückt auf die Kurse.

(AWP/SPU) Der Schweizer Aktienmarkt hat den Handel am Freitag im Plus beendet, aber deutlich unter dem Tageshoch vom Vormittag. Am Schluss einer schwachen Woche kam es somit zu einer Erholung, auch wenn sie im Handelsverlauf an Kraft einbüsste. Zu gross war der Abwärtsdruck von der Wallstreet.

Der Swiss Market Index SMI (SMI 9594.31 -0.53%) stand bei Eröffnung noch 0,9% höher. Im frühen Handel baute der Leitindex seine Avancen sogar noch aus. Am Nachmittag schaltete er jedoch einige Gänge zurück und gab einen grossen Teil der Avancen preis. Er schloss mit 9472 wieder klar unter der Marke von 9500. Am Donnerstag hatte der SMI kräftige Einbussen von 2% verzeichnet und war auf den tiefsten Stand seit Ende März gefallen.

US-Anleger waren gar nicht auf Erholung an der Wallstreet gestimmt. Der Dow Jones (Dow Jones 25343.17 -1.68%) verlor bei Handelsschluss in Europa 1%. Der breiter gefasste S&P 500 (SP500 2807.47 -1.71%) fiel 1,2%. Der Index der Technologiebörse Nasdaq Composite gab 1,5% nach. Trotz des unsicheren Marktumfeldes wagte sich der Fahrdienstvermittler Uber nun an die Börse.

Weiterhin stand der Handelskrieg zwischen den USA und China im Mittelpunkt des Börsengeschehens. Ungeachtet der laufenden Handelsgespräche hatten die USA die Sonderzölle auf Einfuhren aus China in der Nacht zum Freitag mehr als verdoppelt. China kündigte unmittelbar danach «notwendige Gegenmassnahmen» an.

Viele Gewinner im SMI

Bei Eröffnung in Zürich handelten noch alle Werte im Schweizer Leitindex mit Aufschlägen. Erst im weiteren Handelsverlauf zeigten sich mit Givaudan (GIVN 2636 0.08%) und SGS (SGSN 2538 -1.51%) Verlierer. Am Nachmittag büssten auch die Genussscheine von Roche (ROG 269.5 0.8%) ihre Gewinne ein und drehten ins Minus. Zudem entfernten sich die meisten Valoren von ihren Höchstständen, womit die Erholung teilweise verpuffte.

LafargeHolcim (LHN 50.14 -3.05%) legten deutlich zu. Die Devestitionsstrategie des Zementkonzerns in Asien kam bei Anlegern gut an. Auch ABB (ABBN 18.8 -1.85%) stiegen. Der Technologiekonzern erhielt einen Grossauftrag für die Übertragung von Windstrom aus der Nordsee.

Klar waren auch die Avancen von Alcon (ALC 59.3 -0.19%). Die Aktien des Augenheilspezialisten haben sich seit dem Börsengang auch während der letzten Korrekturphase durch Widerstandsfähigkeit ausgezeichnet.

Die Schwergewichte Nestlé (NESN 99.32 -0.36%) und Novartis (NOVN 84.7 0.62%) avancierten. Novartis hatte am Neurologen-Fachkongress AAN neue Daten zu ihrem MS-Mittel Gilenya vorgelegt. Die vollständigen Ergebnisse der Assess-Studie zeigen demnach, dass Patienten, die an der schubförmig remittierenden Multiplen Sklerose (RRMS) leiden, bei einer Therapie mit Gilenya deutlich weniger Schübe hatten als solche, die mit Glatirameracetat behandelt wurden.

Die Aktien der Grossbanken Credit Suisse (CSGN 11.63 -2.39%) und UBS (UBSG 11.83 -1.78%), die am Donnerstag zu den grössten Verlierern gehört hatten, bauten ihre Gewinne ab. Credit Suisse wurde vom Genfer Arbeitsgericht wegen missbräuchlicher Kündigung und Verletzung der Fürsorgepflicht zur Zahlung von 4 Mio. Fr. an einen früheren Mitarbeiter verurteilt.

Vifor schüttelten Dividendenabgang ab

Die Aktien von Vifor Pharma (VIFN 139.6 -0.61%) wurden ex Dividende von 2 Fr. gehandelt, verzeichneten aber dennoch kräftige Gewinne. Vontobel (VONN 54.3 -1.99%) erhöhte das Kursziel für die Titel des Pharmaunternehmens von 136 auf 140 Fr. und beliess die Einstufung auf «Hold». Laut den Analysten stellen Konkurrenzmittel nur eine geringe Gefahr für Vifor dar.

Zudem standen die SMIM-Werte AMS (AMS 36 -4.56%), Temenos (TEMN 179.1 -0.69%) und Logitech (LOGN 37.48 -3.72%) höher. Die Aktien des Chipherstellers AMS und des Computerzubehörspezialisten Logitech standen am Donnerstag nach negativen Branchenneuigkeiten stark unter Druck. Auch andere grosse Verlierer von Donnerstag, VAT Group (VACN 109.05 -2.81%) und Georg Fischer (FI-N 848.5 -2.97%), schlossen fester.

Schindler (SCHP 216.9 -0.6%) legten zunächst kräftig zu. Dann schalteten die Aktien des Lift- und Rolltreppenherstellers einen Gang zurück. Der deutsche Industriekonzern ThyssenKrupp will seine Aufzugssparte an die Börse bringen.

Schwächer waren hingegen Dormakaba (DOKA 675 -5.46%). HSBC (5 658.7 -0.23%) hatte laut Händlern die Empfehlung von «Hold» auf «Reduce» gesenkt.

Polyphor auf rasanter Talfahrt

Am breiten Markt fielen Polyphor (POLN 12 -6.25%) mit einem Kurssturz auf. Die Pharmafirma unterbricht die Patientenrekrutierung für die Murepavadin-Phase-III-Studie.

Arbonia (ARBN 11.28 -0.53%) stiegen. Kepler Cheuvreux hatte laut Händlern die Empfehlung von «Hold» auf «Buy» erhöht.

Leclanché (LECN 1.7 -2.86%) litten aufgrund einer Entwicklung an der gestrigen GV. Die Aktionäre des Energiespeicherherstellers hatten die Nennwertreduktion abgelehnt und reichten damit nicht Hand für eine Restrukturierung der Bilanz.

Uneinheitliche Vorgaben in Asien

Die asiatischen Börsen lieferten ein gemischtes Bild ab. Der Nikkei 225 in Japan verlor 0,3%, der breitere Topix gab 0,1% nach. Im Plus handelte hingegen die Börse in Hongkong, wo der Hang Seng (Hang Seng 27267.13 -1.58%) 1% höher notierte. Der chinesische CSI 300 zog deutlich an, um 2,6%. Der koreanische Kospi (Kospi 2061.85 -0.28%) gewann 0,4% und der australische ASX 0,2%.

Euro unter 1.14 Fr.

Der Euro notierte zur US-Währung weiter über der Marke von 1.12 $ bei 1.1245 $ um 17.30 Uhr MESZ. Der Franken erstarkte zum Dollar und zum Euro. Der Dollar kostete 1.0108 Fr., und der Euro wurde unter der Marke von 1.14 Fr. zu 1.1366 Fr. gehandelt.

Fester Ölpreis

Der Ölpreis festigte sich trotz der weiteren Eskalation des Handelsstreits zwischen den USA und China. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent (Brent 67.33 -4.91%) kostete bei Handelsschluss in Europa gut 70 $. Gold (Gold 1284.62 0.87%) handelte etwas höher bei 1287 $ pro Feinunze.

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