Märkte / Aktien

SMI schliesst nach Verlusten über 11’100

Die Schweizer Börse gibt nach. Schwergewichte belasten. An Wallstreet büssen Tech-Aktien ein. Der Dollar kostet weniger als 90 Rappen.

(AWP/Reuters/SPU) Zum Start in die verkürzte Auffahrtswoche hat der Schweizer Aktienmarkt erst einmal den Rückwärtsgang eingelegt. Am Nachmittag fiel er unter die Marke von 11’100, erholte sich bis Handelsende aber von diesem Tagestief. Damit nahmen Investoren nach der positiven Vorwoche wieder Gewinne mit. Mit einem Plus von 1,4% hatte der SMI (SMI 11'968.27 +0.39%) in der vorangegangenen Woche einen Teil der Verluste aus den beiden Vorwochen wettgemacht – und das, obwohl die US-Jobdaten am Freitag deutlich schlechter als erwartet ausgefallen waren. An der Börse wurden sie als Garant für eine weiterhin lockere Geldpolitik der Notenbanken gesehen.

Grundsätzlich sei die Stimmung denn auch weiterhin gut – auch wenn sich aktuell eine gewisse Zurückhaltung bemerkbar mache. Investoren verliessen sich einfach weiter darauf, dass die Notenbanken die Geldschleusen geöffnet liessen, hiess es aus dem Handel. «Prinzipiell sieht man in Zeiten der Pandemie in dem Zusammenspiel aus lockerer Fiskal- und Geldpolitik ein ordentliches Sicherheitsnetz», kommentierte ein Börsianer. Für Aktien sei dies die beste aller möglichen Welten: Die Wirtschaft sei robust, die Unternehmensgewinne stark, aber keine Straffung der Geldpolitik und mehr Haushaltsausgaben stünden in Aussicht, sagte ein Stratege.

Die Anleger in den USA hielten sich bedeckt. Die drei wichtigen Wallstreet-Indizes wiesen bei Börsenschluss in Europa in unterschiedliche Richtungen. Während des Dow Jones (Dow Jones 34'299.33 -0.27%) 0,9% zulegte und einen Rekordwert erreichte, büsste der S&P 500 (S&P 500 4'246.60 -0.19%) 0,1% ein. Deutlicher verlor die Technologiebörse. Der Nasdaq Composite fiel 1,5%.

Gesundheitswerte schwächer

Die mit Abstand grössten Verluste verzeichneten Alcon (ALC 64.44 +0.91%). Noch vor einer Woche hatten sie bei annähernd 70 Fr. notiert. Allerdings wurden die Quartalszahlen als tendenziell enttäuschend aufgenommen. In der Folge habe sich das Chartbild in der vergangenen Woche kräftig eingetrübt, erklärte ein Experte.

Aber nicht nur Alcon wurden verstärkt auf den Markt gegeben, aus der Gesundheitsbranche ging es auch für Lonza (LONN 665.80 +0.85%), Roche (ROG 346.10 +0.71%) und Novartis (NOVN 84.90 +0.72%) abwärts. Allerdings war das tatsächliche Minus bei Lonza etwas weniger ausgeprägt, da die Papiere an diesem Tag ex Dividende (3 Fr.) gehandelt wurden.

Die Kursverluste der beiden Pharmaschwergewichte zusammen mit dem Minus bei Nestlé (NESN 115.02 +0.37%) stellten denn auch die massgeblichen Belastungsfaktoren für den Gesamtmarkt dar.

Auf der Verliererliste waren auch die Aktien von Sika (SIKA 296.50 +0.51%) und Geberit (GEBN 676.20 +0.54%) zu finden. Beide hatten in der Vorwoche zu den Favoriten gezählt, sodass einige Investoren hier erst einmal die Gewinne einstrichen.

Uneinheitlich präsentierte sich derweil die Finanzbranche. So gehörten die Anteilsscheine der Credit Suisse (CSGN 9.61 -0.25%), der UBS (UBSG 14.59 -0.55%) und von Partners Group (PGHN 1'394.00 -0.04%) zu den Verlierern, während Swiss Life (SLHN 462.90 +0.33%) und Zurich Insurance (ZURN 377.00 +0.8%) gewannen. Die Versicherer Swiss Life und Zurich werden sich an den kommenden beiden Tagen mit Updates zum ersten Quartal zu Wort melden. Schon im Vorfeld herrsche eine gewisse Zuversicht, war zu hören.

Deutlich büssten die Aktien des Computer- und Gamingzubehörherstellers Logitech (LOGN 115.85 +0.09%) ein. Die Börsenlieblinge der vergangenen 14 Monate standen am Montag in einem schwachen Marktumfeld deutlich unter Druck. Händler verwiesen auf die schwache Entwicklung europäischer und US-amerikanischer Technologietitel.

Etwas besser schlugen sich die Anteilsscheine von AMS. Sie drehten ins Minus. Es hiess in einer aktuellen Studie von Vontobel (VONN 71.70 +0.7%), dass sich das Risikoprofil des Sensorenherstellers verbessert habe.

Weitere Zykliker wie Kühne + Nagel (KNIN 319.10 +0.16%) und Adecco (ADEN 64.32 +0.82%) waren am Montag gesucht.

Dagegen gehörten Flughafen Zürich (FHZN 170.60 +1.07%) zu den schwächsten Werten im SMIM (SMIM 3'357.34 +0.18%).

Im breiten Markt verteuerten sich EFG (EFGN 7.21 -0.69%), nachdem der Präsident der Privatbank im FuW-Interview sagte, er sei sehr zufrieden mit dem Start ins neue Jahr.

Die Aktien des Flugzeugzulieferers Montana Aerospace (AERO 38.60 -4.34%) dürften im Rahmen des Börsengangs an der Schweizer SIX am oberen Ende der Angebotsspanne platziert werden. Anleger, die weniger als 25.65 Fr. pro Aktie böten, drohten leer auszugehen, wie mit der Transaktion betraute Banken am Montag erklärten. Die Bücher würden am Dienstag um 14 Uhr geschlossen. Die ursprüngliche Angebotsspanne reichte von 24.15 bis 25.65 Fr. je Titel. Erstmals am Börsenparkett in Zürich gehandelt werden sollen die Titel am 12. Mai.

Sensirion (SENS 65.50 -1.21%) fielen kaum auf. Der Sensorenhersteller stärkt sein Vertriebsnetz in China. Die Firma Burnon International sei ein neuer Vertriebspartner für die Produkte des Zürcher Unternehmens, hiess es in einer Mitteilung vom Montag. Finanzielle Angaben wurden keine gemacht.

The Native kann den drohenden Konkurs wohl abwenden. Die Aktien schossen in die Höhe. Die Basler Aufsichtsbehörde betrachte die Konkursandrohung als nichtig, teilte die Beteiligungsgesellschaft am Montag mit.

Asiens Börsen mehrheitlich freundlich

Noch unter dem Eindruck des enttäuschenden Arbeitsmarktberichts in den USA am Freitag und der nachlassenden Sorgen um Inflation und höhere Zinsen konnten sich die asiatischen Börsen am Montag auf hohem Niveau halten. Der japanische Leitindex Nikkei 225 gewann 0,5%, in Hongkong verlor der Hang Seng hingegen 0,3%. Eine Rekordmarke erreichte der Kospi in Seoul, Südkorea, mit einem Plus von 1,7% und 3252 Punkten. Der Shanghai Composite gab 0,1% nach.

Euro zum Dollar auf Hoch seit Februar

Der Euro hat zu Beginn der Woche den höchsten Stand seit über zwei Monaten erreicht. Am Montagvormittag stieg der Kurs der Gemeinschaftswährung zeitweise bis auf 1.2178 $ und damit auf den höchsten Stand seit Ende Februar. Bei Börsenschluss in Europa kostete der Euro 1.2169 $. Der Dollar verlor aber auch zum Franken an Boden und sank unter die Marke von 0.90 Fr. Um 17.30 Uhr MESZ notierte er bei 0.8990 knapp darunter. Das Euro/Franken-Paar zeigte sich bei einem Stand von 1.0941 etwas schwächer gegenüber Freitagabend.

Hackerangriff trieb Ölpreis nur zwischenzeitlich

Der Ölpreis gab am Montag etwas nach. Zuletzt kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent (Brent 74.30 +0.08%) 68 $. Der Markt hatte am Montag keine klare Richtung gefunden. Der Cyberangriff auf eine wichtige Pipeline für Benzin und andere Ölprodukte in den USA hatte nur für vorübergehend Auftrieb gesorgt. Nach einem Cyberangriff vom vergangenen Freitag war der Betrieb einer der grössten Benzin-Pipelines in den USA weiterhin vorübergehend eingestellt. Es sei Erpressungs-Software im Spiel gewesen, teilte der Betreiber Colonial Pipeline in der Nacht zum Sonntag mit. Bei solchen Attacken werden Daten auf Computern verschlüsselt, die Angreifer verlangen meist Lösegeld für die Freigabe. Das Unternehmen arbeitet daran, zum Normalbetrieb zurückzukehren.

Gold (Gold 1'855.03 -0.21%) legt zu. Die Feinunze festigte sich mit einem Stand von 1841 $ pro Feinunze über der Marke von 1800 $.

Ethereum mit Rekordpreis

Die zweitwichtigste Cyber-Devise Ethereum durchbrach die Rekordmarke von 4000 $. Die Kryptowährung hat ihren Kurs seit Jahresbeginn mehr als vervierfacht und damit den Kryptoprimus Bitcoin (Bitcoin 39'089.00 -2.97%) weit hinter sich gelassen. Bitcoin notierte am Abend unter 58’000 $. Ähnlich wie bei Bitcoin gibt es bei Ethereum keine zentrale Stelle, die die Transaktionen steuert, überwacht und speichert. Dies übernimmt das Netzwerk aus allen Nutzern. Dort werden alle Daten dezentral überprüft und verschlüsselt gespeichert.

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