Märkte / Aktien

SMI schliesst bei 9900

Die Schweizer Börse bewegt sich erst im späten Handel aufwärts. Es gibt erneut Hoffnungen im Handelsstreit. Der Euro legt zum Franken klar zu.

(AWP/SPU) Der Schweizer Aktienmarkt hat am Donnerstag nach deutlichen Gewinnen im späten Handel über der Marke von 9900 geschlossen. Dabei stand der Swiss Market Index SMI (SMI 10048.75 0.85%) bei Eröffnung noch unverändert. Auch im weiteren Handelsverlauf zeigte er sich über lange Strecken unentschlossen und pendelte zwischen der Gewinn- und der Verlustzone. Mit Wallstreet-Eröffnung fand der Schweizer Markt den Weg ins Plus und baute seine Avancen mit einem Schlussspurt aus.

Auch in New York waren die Anleger positiv gestimmt. Die drei viel beachteten Indizes legten bei Börsenschluss in Zürich allesamt zu. Der Dow Jones (Dow Jones 27024.8 0.89%) avancierte 0,8%. Der breiter gefasste S&P 500 (SP500 2995.68 1%) stieg 0,9%. Auch der Index der Technologiebörse Nasdaq Composite legte 0,9% zu.

Kurstreibend erwiesen sich neue Entwicklungen im Handelsstreit zwischen den USA und China. In dem seit Monaten anhaltenden Konflikt trifft US-Präsident Donald Trump am Freitag den chinesischen Vize-Ministerpräsidenten Liu He in Washington. Das teilte Trump am Donnerstag per Twitter (TWTR 40.28 1.26%) mit. «Grosser Tag der Verhandlungen mit China», schrieb Trump. «Sie wollen einen Deal machen, aber will ich das? Ich treffe den Vize-Ministerpräsidenten morgen im Weissen Haus.» Es ist der zweite Tag, an dem hochrangige Handelsgespräche stattfinden.

Kaum Impulse kamen indes von dem am Vorabend veröffentlichten Protokoll der jüngsten Zinssitzung der US-Notenbank. Demnach sehen die Mitglieder des Fed wachsende Gefahren für die wirtschaftliche Entwicklung in den USA. Fed-Chef Jerome Powell signalisierte derweil in einer Rede am vergangenen Dienstag eine weitere Zinssenkung noch in diesem Jahr. Auch die europäischen Währungshüter diskutierten bei der letzten Zinssitzung angeregt ihre unterschiedlichen Ansichten, wie aus den EZB-Protokollen vom Donnerstag hervorging.

19 Gewinner im SMI

Im Schweizer Leitindex schlossen fast alle Valoren mit Gewinnen. Die Aktien von Swatch Group (UHR 264.6 1.19%) und Richemont (CFR 73.1 1.11%) legten beispielsweise klar zu. Hoffnungen auf eine Entspannung im Handelsstreit und der unerwartet gute Quartalsbericht des Luxusgüterkonzerns LVMH (MC 398.85 -1.52%) sorgten für anziehende Kurse. Der französische Weltmarktführer hatte den Umsatz trotz Protesten in Hongkong im dritten Quartal um 11% gesteigert.

Mit Givaudan (GIVN 2885 2.2%) hatte am Donnerstag der erste Blue-Chip-Konzern den Reigen der Zwischenberichte in der Schweiz eröffnet. Der Aromen- und Riechstoffhersteller hatte in den ersten neun Monaten des 2019 weiter zugelegt und vor allem beim organischen Wachstum die Erwartungen der Analysten geschlagen. Die Aktien stiegen.

Die Aktien von LafargeHolcim (LHN 47.94 1.05%) gewannen klar. Der Zementriese hatte sich aus dem Bieterrennen um das Bauchemiegeschäft des Chemiekonzerns BASF zurückgezogen. Anleger reagierten auf die Nachricht mit Erleichterung.

Zu den grösseren Gewinnern zählten zudem die Banken Credit Suisse (CSGN 12.245 2.25%) und UBS (UBSG 11.235 1.49%).

Derweil hielten unterdurchschnittliche Entwicklungen der schwergewichtigen Titel den Index etwas zurück. Besonders die Valoren des Nahrungsmittelkonzerns Nestlé (NESN 105.94 -0.11%) blieben hinter dem Markt zurück und wiesen als einzige kein Plus auf. Im Vergleich zeigten sich die Papiere der Pharmaunternehmen Novartis (NOVN 86.33 0.43%) und Roche (ROG 290.25 0.71%) freundlicher.

Sunrise mit klaren Gewinnen

Im SMIM (SMIM 2618.348 0.68%) gewannen Sunrise (SRCG 80.1 -0.19%) deutlich. Der einflussreiche Stimmrechtsberater ISS empfiehlt, die bis zu 2,8 Mrd. Fr. schwere Kapitalspritze für den UPC-Kauf abzulehnen. Das gab den Aktien Auftrieb.

Die anfänglich schwachen Aktien von AMS (AMS 45.46 4.55%) drehten im Handelsverlauf ins Plus. Obwohl die geplante Übernahme des Lichtkonzerns Osram (OSR 38.25 0.16%) gescheitert ist, bleibt der Sensorenhersteller an Osram interessiert. Gespräche über eine mögliche Kooperation haben bereits stattgefunden.

Mit Sonova (SOON 228.2 0.44%), Temenos (TEMN 171.95 1.57%) und Vifor Pharma (VIFN 156 0.22%) gehörten diejenigen Papiere zu den Verlierern, die sich im bisherigen Jahresverlauf deutlich besser als der Markt entwickelt haben.

Clariant (CLN 21.07 1.64%) stiegen. Der Chemiekonzern hat einen neuen Grossaktionär: Israel Englander hält mit seinem Hedge Fund Millennium neu 3,45%. Auch andere Industriewerte im SMIM wie OC Oerlikon (OERL 10.07 1.77%), Georg Fischer (FI-N 902.5 1.75%) oder VAT Group (VACN 128.95 1.06%) schlossen fester.

Auch Bossard (BOSN 146.4 0.62%) gewannen. Die Schraubenhandelsfirma hatte im dritten Quartal besser als erwartet abgeschnitten.

Am breiten Markt stiegen die Aktien von Ascom (ASCN 10.08 -0.59%) leicht, nachdem der Technologiekonzern einen 1,3 Mio. Fr. schweren Auftrag aus Deutschland erhalten hatte.

Aryzta (ARYN 0.883 3.2%) zogen auf tiefem Niveau an. Der Backwarenkonzern hatte in Nordamerika mit Christine Prociv und Tuan Nguyen zwei neue Manager (Senior Executives) eingestellt.

Hochdorf (HOCN 79.3 -0.75%) fielen mit einem Minus auf. Bei dem in Schwierigkeiten geratenen Milchverarbeiter gebe es viele Fragezeichen, wie es weitergehen könne, sagte ein Händler. «Vor allem droht eine Kapitalerhöhung, wenn die Wende nachhaltig geschafft werden soll.»

Asien leicht im Plus

Die asiatischen Börsen notierten am Donnerstag grossteils leicht positiv. Der Nikkei 225 (Nikkei 225 22207.21 1.87%) in Tokio gewann 0,4%. Auch der Shanghai Composite (+0,5%) und der Hang Seng (+0,4%) in Hongkong schlossen höher. Nach dem gestrigen Feiertag ging es mit dem koreanischen Kospi (–0,4%) nach unten.

Euro klar fester zum Franken

Der Euro knüpfte am Donnerstag an die Kursgewinne vom Vortag an. Die Gemeinschaftswährung stieg zum Dollar auf 1.1015 $. Zum Franken bewegte sie sich deutlich aufwärts. Das Währungspaar Euro-Franken stand bei Handelsschluss in Europa bei 1.0970 Fr. Der Dollar zog zur Schweizer Währung auf 0.9963 Fr. an, nachdem sich das Währungspaar über den Tag gesehen volatil präsentiert hatte.

Wieder aufgekommene Hoffnungen auf einen Brexit-Deal lockten Anleger in das Pfund Sterling zurück. Die britische Währung verteuerte sich auf 1.2233 $. Dem britischen Premierminister Boris Johnson und seinem irischen Kollegen Leo Varadkar zufolge gibt es einen Weg zu einer möglichen Einigung.

Goldpreis tiefer

Der Ölpreis stieg am Donnerstag etwas, zwischenzeitlich waren die Avancen deutlich gewesen. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent (Brent 59.12 -0.22%) kostete bei Börsenschluss in Europa knapp 59 $. Der Goldpreis bewegte sich abwärts. Die Feinunze lag um 17.30 Uhr MESZ bei 1493 $.

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