Märkte / Aktien

SMI schliesst unter 11’000

Die Schweizer Börse gibt deutlich nach. Fast alle SMI-Werte verlieren. Tech-Aktien stehen unter Druck. Wallstreet büsst ein.

(AWP/SPU) Steigende Inflationssorgen haben den Aktienmarkt auf breiter Front belastet. Der Leitindex SMI (SMI 11'969.94 +0.4%) schloss am Dienstag unter der Marke von 11’000 und damit so tief wie seit Mitte März nicht mehr. Händler verwiesen vor allem auf die US-Inflationserwartungen, die am Vortag aufgrund steigender Rohstoffpreise auf den höchsten Stand seit zehn Jahren gestiegen waren.

Das Geschäft verlief laut Händlern aber weniger hektisch, als dies angesichts der zum Teil kräftigen Kurseinbussen zu erwarten wäre. «Die Anleger haben noch zu wenig Angst vor einem Crash, weil sie noch auf schönen Gewinnen sitzen», erklärte ein Börsianer. Zudem tue eine kleine Korrektur nur gut und sei auch nichts Überraschendes.

Aus den USA kamen negative Impulse für den hiesigen Handel. Die drei wichtigen Wallstreet-Indizes lagen bei Börsenschluss in Europa allesamt im Minus. So gab der aussagekräftige S&P 500 (S&P 500 4'246.60 -0.19%) 1% nach. Der Dow Jones (Dow Jones 34'299.33 -0.27%) büsste nach seinem jüngsten Rekord 1,3% ein. Weniger deutlich nach unten ging es für Technologiewerte. So erholte sich der Nasdaq Composite vom Tagestief und notierte 0,4% tiefer.

Fast nur Verlierer im SLI

Nahezu alle SMI-Werte verloren. Lediglich Swisscom (SCMN 530.80 +0.91%) konnten sich ins Plus retten. Im Fokus standen jedoch Swiss Life (SLHN 462.60 +0.26%). Der Lebensversicherer hatte im Startquartal 2021 in der Schweiz weniger Prämien eingenommen. Demgegenüber konnte das Kommissionsgeschäft weiter ausgebaut werden. Die Gruppe sieht sich mit den bis Ende Jahr gesetzten Zielen nach wie vor auf Kurs.

Alcon (ALC 64.42 +0.88%) gaben weiter nach. Der Augenheilkundekonzern will nicht nur organisch, sondern auch via Übernahmen wachsen. Dabei werde das gesamte Spektrum in der Augenheilkunde angeschaut, sagte CEO David Endicott in einem am Dienstag veröffentlichten Interview mit The Market.

ABB (ABBN 31.12 -0.48%) konnten nicht von einer Analystenempfehlung profitieren. Goldman Sachs (GS 371.30 -0.43%) hatte das Kursziel für die Aktien des Industriekonzerns von 37.50 auf 39 Fr. erhöht. Das Rating lautet «Buy».

Weitere zyklische Valoren wie der Zementhersteller Holcim (HOLN 56.60 +0.28%) und die Chemietitel Sika (SIKA 296.80 +0.61%), die eigentlich von den zahlreichen Hilfsprogrammen für die Wirtschaft profitieren müssten, wurden verkauft.

Auch die Schwergewichte büssten ein. So gaben Novartis (NOVN 84.88 +0.7%) und Roche (ROG 346.05 +0.7%) nach. Der Pharmakonzern Roche wird am diesjährigen Krebskongress Asco eine Vielzahl an Daten aus klinischen Studien zur Behandlung von zwanzig verschiedenen Krebsarten vorstellen.

Nestlé (NESN 115.02 +0.37%) schlossen im Minus. Die Nestlé-Gesundheitssparte übernimmt das US-Unternehmen Nuun, das auf die funktionelle Flüssigkeitszufuhr spezialisiert ist. Finanzielle Details zur Übernahme würden nicht kommuniziert, teilte Nestlé am Montagabend mit.

Tech-Aktien unter Druck

Im Index der mittelgrossen Unternehmen gab es keine Gewinner. Starke Abschläge verbuchten im Sog der Nasdaq die Technologietitel AMS und Logitech (LOGN 116.00 +0.22%). Auch am breiten Markt fielen Technologietitel wie Inficon (IFCN 1'088.00 -0.91%), Sensirion (SENS 65.50 -1.21%) und Comet (COTN 253.50 -0.2%) stark.

Deutlich abwärts ging es auch für die volatilen Aktien des Reisedetailhändlers Dufry (DUFN 62.94 +1.12%). Zudem standen Industriewerte wie Georg Fischer (FI-N 1'313.00 +0.08%) oder OC Oerlikon (OERL 10.43 -0.76%) auf den Verkaufszetteln.

Auf den hinteren Rängen schlugen sich Zur Rose (ROSE 367.50 +1.52%) wacker. Citigroup (C 73.82 -1.78%) hatte das Rating von «Neutral» auf «Buy» erhöht. Das Kursziel beträgt 400 Fr.

Am breiten Markt legten Leclanché (LECN 0.89 0%) zu. Der Batteriehersteller beliefert die Canadian Pacific Railway (CP 80.26 -0.35%) (CP) mit seiner Technologie und steigt damit ins Eisenbahngeschäft ein.

Evolva (EVE 0.19 +0.11%) gewannen. Die ZKB hatte die Abdeckung für Evolva mit der Einstufung «Marktgewichten» aufgenommen. Damit werde der volatile Titel «salonfähig» bei Anlegern, hiess es.

Asien mit deutlichen Verlusten

Der Ausverkauf bei den US-Technologietiteln am Montag belastete auch den Handel in Asien. An der japanischen Börse schlug die Pandemiesituation zusätzlich auf die Stimmung, sie verbesserte sich nicht, und einige Präfekturen denken über strengere Einschränkungsmassnahmen nach. Der Leitindex Nikkei 225 verlor 3,1%, der marktbreitere Topix gab 2,4% nach. Der südkoreanische Kospi tendierte 1,2% schwächer und der australische S&P/ASX 200 bei –1,1%. In Hongkong notierte der Hang Seng (Hang Seng 28'436.84 -0.7%) 2% tiefer. Auf dem chinesischen Festland bot sich ein optimistischeres Bild, der CSI300 avancierte 0,4% und der Shanghai Composite 0,2%.

Dollar über 90 Rappen

Der Euro legte am Dienstag zugelegt. Am Abend kostete die Gemeinschaftswährung zum Dollar 1.2160 $. Am Morgen war der Euro zeitweise nur mit 1.2123 $ gehandelt worden. Der Franken fiel zum Euro ebenfalls relativ deutlich zurück. Der Euro notierte bei Börsenschluss in Europa bei 1.0973 Fr. Der Dollar gewann zum Franken leicht an Wert und kostete zuletzt 0.9022 Fr. nach 0.9005 am Morgen.

Ölpreis stabil

Der Ölpreis tendierte am Dienstag seitwärts. Am Abend kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent (Brent 74.20 -0.05%) rund 68.50 $. Die nach einem Cyberangriff ausgefallene US-Ölpipeline soll nach Angaben des Betreibers bis Ende der Woche wieder weitgehend laufen. Der Ausfall der Pipeline, über den ein grosser Teil der Ölversorgung der amerikanischen Ostküste läuft, hat am Erdölmarkt bisher nur zeitweise für steigende Preise gesorgt. Ein längerer Ausfall dürfte jedoch zu Engpässen in der Benzin- und Dieselversorgung führen. Nach Medienberichten klagen Tankstellen bereits über Knappheit.

Gold (Gold 1'855.55 -0.18%) notierte etwas leichter, aber relativ fest über der Marke von 1800 $. Die Feinunze des Edelmetalls lag um 17.30 Uhr MESZ bei 1832 $.

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