Märkte / Aktien

SMI geht mit über 10’000 ins Wochenende

Die Schweizer Börse setzt am Freitag die Avancen auf breiter Front fort. Vor allem Finanzwerte sind gefragt. Nur Nestlé bremsen. Der Euro steigt über 1.10 Fr.

(AWP/Reuters/SPU) Der Schweizer Aktienmarkt hat zum Wochenschluss den Aufwärtstrend der beiden Vortage fortgesetzt. Der Swiss Market Index SMI (SMI 11154.53 -0.96%) legte bei Eröffnung lediglich 0,1% zu. Im frühen Handel baute er die Gewinne aus und festigte sich somit über der Marke von 9900. Nach der Mittagszeit überschritt er die 10’000 Punkte. Bei Handelsschluss in Zürich lag der Leitindex bei 10’017. Am Vortag war der Leitindex um 0,7% gestiegen.

Auch in New York herrschte Kauflaune. Der Dow Jones (Dow Jones 29132.82 -0.73%) notierte am Freitag um 17.30 Uhr MESZ 1,8% fester. Der breiter gefasste S&P 500 (SP500 3360.72 -0.75%) gewann ebenfalls 1,8%. Der Index der Technologiebörse Nasdaq Composite legte sogar 1,9% zu.

Getragen wurde die gute Stimmung von der Zuversicht der Anleger für einen positiven Ausgang der Handelsgespräche der USA mit China. Die Verhandlungen liefen «wirklich gut», hatte US-Präsident Donald Trump gesagt und damit die Hoffnung auf einen Deal geweckt. Das Verhältnis sei besser als in der jüngeren Vergangenheit. «Alle wollen, dass etwas Signifikantes passiert!»

Nach einer angedeuteten Annäherung zwischen Grossbritannien und Irland im Brexit-Streit keimte auch dort die Hoffnung auf einen Kompromiss auf. Die EU und Grossbritannien loten derzeit die Chancen einer Einigung aus.Die EU-Staaten haben ihren Verhandlungsführer Michel Barnier Diplomaten zufolge zu einer weiteren Runde intensiver und geheimer Gespräche über ein Brexit-Abkommen mit Grossbritannien ermächtigt. «Es ist ein Tunnel mit einem sehr kleinen Licht am Ende», sagte einer der Diplomaten am Freitag.

Viele Gewinner im SMI

In der Schweiz waren Firmennachrichten am Freitag eher spärlich. Das wird sich kommende Woche aber ändern, wenn unter anderen der Pharmariese Roche (ROG 345.65 -1.57%), der Lebensmittelmulti Nestlé (NESN 109.36 -0.09%) sowie der Bankensoftwarehersteller Temenos (TEMN 159.65 -3.01%) ihre Angaben zum dritten Quartal veröffentlichen.

Im SMI gewannen SGS (SGSN 2644 -0.19%) deutlich. Vontobel (VONN 73.3 -1.61%) stufte das Rating für die Aktien des Warenprüfkonzerns von «Hold» auf «Buy» hoch und erhöhte das Kursziel von 2350 auf 2800 Fr.

Auch die Bankaktien um UBS (UBSG 13.025 0.89%) und Credit Suisse (CSGN 13.565 0%) legten klar zu. Die anderen Finanzwerte um die Versichereraktien Swiss Life (SLHN 512.6 -1.69%), Zurich Insurance (ZURN 434.3 -1.27%) und Swiss Re (SREN 107.3 -8.13%) schlossen mit Avancen.

Fester zeigten sich mit Swatch Group (UHR 247.2 -0.32%) und Richemont (CFR 72.22 -0.96%) die Valoren der Luxusgüterhersteller. Am Mittwochabend hatte der Weltmarktführer LVMH (MC 411.7 -1.42%) einen unerwartet guten Quartalsbericht veröffentlicht.

Erneut bildeten Nestlé das Schlusslicht. Gestern hatten die Aktien des Nahrungsmittelkonzerns als Einzige ohne Avancen geschlossen. Die anderen beiden Schwergewichte – Roche und Novartis (NOVN 94.56 -1.31%) – präsentierten sich zwar fester, blieben aber hinter dem Gesamtmarkt zurück.

Dufry profitierten von Gerichtsurteil in Brasilien

Im SMIM (SMIM 2863.245 -0.47%) verzeichneten die Aktien von Dufry (DUFN 84.5 -0.45%) ein klares Kursplus. Dufry kann in Brasilien Steuern zurückfordern. Es wird mit einem einmaligen positiven Effekt von 40 bis 50 Mio. Fr. gerechnet.

Gewinne fuhren die Tech-Werte wie AMS (AMS 40.17 -0.3%), Temenos oder Logitech (LOGN 41.9 -1.06%) ein. Zudem stiegen Flughafen Zürich (FHZN 172.7 0.41%). Das Passagieraufkommen am Flughafen Zürich war im September im Vergleich zum Vorjahr erneut leicht gestiegen. Insgesamt nahm die Anzahl Passagiere um 0,3% auf 2,89 Mio. zu, wie die Flughafenbetreiberin am Donnerstagabend mitgeteilt hatte. Deutlich zulegen konnten auch die Bankaktien von Julius Bär (BAER 48.36 -1.77%).

Auf der anderen Seite waren die Gesundheitstitel von Vifor Pharma (VIFN 181.15 0.5%) mit einem klaren Verlust zu finden. Baader Helvea senkte das Rating für Vifor Pharma von «Buy» auf «Hold». Das Kursziel blieb allerdings unverändert 170 Fr. Der Analyst verwies auf zwei «hochriskante» klinische Studien, die im vierten Quartal eintreffen sollen. Bei erfolgreichem Ausgang dürften die Vifor-Aktien um 4 bis 5% steigen, bei negativem Ausgang könnten sie 1 bis 2% nachgeben. Vor diesem Hintergrund nahmen die heutigen Verlusten die Folgen eines negativen Ausgangs um ein Vielfaches vorweg.

Auch am breiten Markt fielen Finanzwerte wie Leonteq (LEON 47.34 -0.84%) und Vontobel mit Avancen auf.

Arbonia (ARBN 11.26 -1.92%) gewannen. Laut einem Händler ist es erfreulich, dass der Bauzulieferer im russischen Stupino einen neuen Produktionsstandort in Betrieb genommen hatte.

Schweiter (SWTQ 1284 0.31%) wurden indes von einer Analysteneinschätzung belastet. Baader Helvea senkte das Rating für die Valoren des Industriekonzerns von «Buy» auf «Hold» und reduzierte das Kursziel von 1210 auf 1000 Fr.

Asien im Plus

Von Tokio bis Sydney waren die Anleger optimistisch in Sachen Handelskonflikt. Der japanische Topix konnte um 0,8% zulegen, der Nikkei 225 kletterte um 1,2% nach oben. Der Hang Seng in Hongkong legte um 2,6% zu und der Shanghai Composite um 0,4%. In Seoul stieg der Kospi knapp 1%. Der australische S&P/ASX 200 machte 0,7% an Boden gut.

Euro über der Marke von 1.10 Fr.

Der Euro legte am Freitag nach den Kursgewinnen der vergangenen Handelstage weiter zu. Der Franken schwächte sich derweil sowohl zum Euro als auch zum Dollar ab. Das Währungspaar Euro-Franken lag bei Börsenschluss in Europa über der Marke von 1.10 bei 1.1020 Fr. Der Dollar festigte sich zur Schweizer Valuta und kostete 0.9977 Fr. Europas Gemeinschaftswährung lag zum Dollar mit einem Stand 1.1046 $ erneut im Plus.

Die Hoffnung auf ein Happy End im Brexit-Drama beflügelte das Pfund Sterling erneut. Damit summierte sich die Aufwertung zum Dollar binnen zwei Tagen auf knapp 4%. Das war die grösste Rally seit fast elf Jahren. Zum Euro war es mit einem Plus von gut 3% der grösste Kurssprung seit viereinhalb Jahren.

Ölpreis klar höher, Goldpreis klar tiefer

Der Ölpreis stieg am Freitag deutlich. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent (Brent 59.35 0.32%) kostete bei Börsenschluss in Europa bei 60 $. Auf einem iranischen Tanker in der Nähe der saudi-arabischen Hafenstadt Dschidda hatte sich eine Explosion ereignet. Das Schiff sei schwer beschädigt, es laufe Öl in das Rote Meer, berichtete die halbamtliche Nachrichtenagentur Isna am Freitag. Der Goldpreis gab deutlich nach. Um 17.30 Uhr MESZ stand er bei 1480 $ pro Feinunze.