Märkte / Aktien

SMI schliesst leichter

Die Schweizer Börse zeigt sich unentschlossen. Schwergewichte sind schwächer. VAT ziehen kräftig an. Der Franken erstarkt.

(AWP/SPU) Der Schweizer Aktienmarkt hat am Mittwoch nach langer Richtungssuche im Minus geschlossen. Der Leitindex SMI (SMI 12'355.54 -1.63%) stand bei Eröffnung 0,3% höher. Im frühen Handel drehte er ins Minus und rutschte unter 12’700. Vom Tagestief erholte er sich jedoch und pendelte über weite Strecken um 12’700. Die am Vortag eingeleitete Aufholbewegung nach dem schwachen Start ins Jahr 2022 fand damit vorerst ein Ende. Die Nachrichtenlage mit Blick auf Schweizer Unternehmen war noch immer dünn.

Von den New Yorker Börsen kam Unterstützung. Die drei wichtigen Wallstreet-Indizes lagen bei Börsenschluss in Europa im Plus. So gewann der S&P 500 0,4%. Der Dow Jones avancierte 0,2%. Gewinne verzeichnete auch die Technologiebörse. Der Nasdaq Composite notierte 0,4% fester.

Fed-Chef Powell bekräftigte, dass das Fed die milliardenschweren Anleihenkäufe im März abschliessen und darauf den Leitzins im Lauf des Jahres erhöhen werde. Credit Suisse (CSGN 8.8800 -2.72%) etwa geht davon aus, dass die Geldpolitik wohl so weit gestrafft wird wie nötig, um die Inflation einzudämmen. Allgemein werden die Aussagen Powells aber als wenig überraschend taxiert. Die Bank Mirabaud wiederum verweist darauf, dass mittlerweile verschiedene Banken vier Zinsschritte des Fed im laufenden Jahr prognostizieren und dass dies allenfalls mit den für den heutigen Nachmittag angesagten neuesten Inflationsdaten aus den USA zu tun haben könnte. Dort ist die Inflation auf den höchsten Wert seit den 1980er Jahren gestiegen.

Schweizer Anleihen über 0%

Erstmals seit 2015 musste die Eidgenossenschaft Investoren wieder eine positive Rendite bei einer Auktion von Bundesanleihen mit einer Restlaufzeit von zehn Jahren bieten. Wie die Eidgenössische  Finanzverwaltung am Mittwoch mitteilte, lag die Emissionsrendite der Papiere, die im Juni 2032 auslaufen bei 0,048%. Zugeteilt wurden am Mittwoch 249 Mio. Fr. während Gebote über 409 Mio. Fr. eingegangen waren. Das letzte Mal, dass es eine positive Rendite über 10 Jahre gab, war im Juni 2015 bei einer Auktion von Obligationen mit 10,1 Jahren Restlaufzeit. Damals lag die Rendite bei 0,248%. Noch im Jahr 2021 lag die Verzinsung von Anleihen mit zehn bis elf Jahren Restlaufzeit im Schnitt bei –0,268%. In den vergangenen Wochen war die zehnjährige Marktverzinsung der «Eidgenossen» stetig gestiegen bis auf rund 0,04% am Dienstag. Am Mittwoch war sie allerdings wieder auf unter null gesunken, wie Daten von Bloomberg zeigen.

Roche belasteten

Die grössten Abgaben verzeichneten Roche, was den Gesamtmarkt klar nach unten zog. Zuversichtliche Aussagen des Pharmachefs vom Vortag oder die Marktlancierung eines neuen Cobas-Tests für das professionelle Blutzuckermanagement fielen kaum ins Gewicht. Beobachter erklärten sich die Verluste mit einem Entscheid der US-Regierung, die Kostenübernahme von Alzheimermedikamenten durch Medicare zu begrenzen. Davon dürfte auch das sich noch in der Entwicklung befindliche Präparat Gantenerumab der Basler betroffen sein.

Dahinter gaben auch die weiteren Schwergewichte Nestlé (NESN 121.04 -0.13%) und Novartis (NOVN 79.87 -1.87%) ab. Und die ebenfalls defensiven Swisscom (SCMN 518.40 -0.42%) waren genauso wenig gefragt. Der Telecomkonzern zieht sich aus Frankreich zurück.

Die grosse Mehrheit der Gewinner wurde von ABB (ABBN 33.58 -2.36%), Holcim (HOLN 50.26 -1.84%) und Partners Group (PGHN 1'303.00 -3.45%) angeführt. Alcon (ALC 71.20 -2.04%) erhalten von der Marktlancierung neuer Tropfen für trockene Augen auf dem europäischen Markt etwas Rückenwind.

VAT Group (VACN 375.40 -2.04%) stiegen klar. Das Unternehmen hat am Morgen überraschend erste Zahlen zum Geschäftsjahr 2021 publiziert und dabei neue Rekordwerte für Umsatz, Auftragseingang und Gewinnmarge gemeldet.

Auch die Aktien der Onlinebank Swissquote (SQN 158.80 -4.34%) erholten sich am Berichtstag deutlich, nachdem sie Ende der vergangenen und zu Beginn der laufenden Woche einen deutlichen Rückschlag erlitten hatten. Die Swissquote-Gruppe übernimmt die Keytrade Bank Luxembourg, die ebenfalls Online-Wertpapierhandel anbietet. Die Akquisition wurde in Marktkreisen positiv kommentiert.

Zu Bobst (BOBNN 76.40 -2.24%) hiess es an der Börse, dass die Titel nach den Gewinnmitnahmen zum Jahresanfang nun reif für eine Gegenbewegung seien.

Molecular Partners (MOLN 27.20 +0.37%) knüpften an die starke Performance der Vortage an.

Zudem legten die Titel des Textilmaschinenherstellers Rieter (RIEN 183.80 -3.87%) zu. Auch TX Group (TXGN 149.20 -1.06%), die Aktien des Medienunternehmens, das auch FuW herausgibt, stiegen ohne Nachrichten massiv.

Asiens Börsen stärker

Die Börsen in Asien folgten am Mittwoch den starken Vorgaben des US-Marktes. Überall treiben insbesondere Kursaufschläge bei den als besonders zinsempfindlich geltenden Tech-Aktien, die zuletzt besonders unter Druck standen. In Tokio legte der Nikkei 225 mehr als 1,9% zu, der breiter gefasste Topix kletterte um 1,6% nach oben. Auf dem chinesischen Festland rückte der CSI 300 um 1% vor, der Shanghai Composite zeigte sich 0,9% fester. Der Hang Seng in Hongkong stieg um 2,7%. Der südkoreanische Kospi (KCI - -) avancierte 1,5%. In Australien konnten der ASX 200 und der ASX 300 annähernd 0,7% zulegen.

Franken stark

Der Eurokurs ist am Mittwoch über 1,14 $ gestiegen. Die Gemeinschaftswährung wurde am Abend mit 1.1425 $ gehandelt. Es ist der höchste Stand seit Mitte November 2021. Am Mittag hatte sie noch rund einen halben Cent niedriger notiert. Der als sicherer Hafen geltende Franken gewann sowohl zum Euro als auch zum Dollar deutlich an Wert. Das Euro-Franken-Währungspaar rutschte unter die Schwelle von 1.05 Fr. und notierte bei Börsenschluss in Europa bei 1.0447 Fr. Derweil konnte der Dollar zum Franken die Marke von 0.92 Fr. nicht halten und kostete nur noch 0.9143 Fr. Damit notiert er so tief wie zuletzt zu Jahresbeginn.

Ölpreis hält Vortagesgewinn

Der Ölpreis stabilisiert sich nach seinem Höhenflug am Dienstag. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostet rund 83.50 $. Der Ölpreis hat am Dienstag von der wieder gestiegenen Risikofreude an den Kapitalmärkten profitiert.

Gold hielt sich über der Marke von 1800 $ bei 1823 $ pro Feinunze.

Bitcoin tendierte aufwärts. Die Cyberdevise kostete am Abend rund 43’500 $.

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