Märkte / Aktien

US-China-Konflikt lässt Kurse fallen

Die Schweizer Börse rutscht erneut klar abwärts. Wallstreet startet äusserst schwach in die Woche. Öl und Gold verteuern sich.

(AWP/SPU) Der Schweizer Aktienmarkt hat zum Wochenauftakt markant an Terrain verloren. Die Angst vor einer Eskalation des Handelsstreits der USA mit China dränge die Anleger aus risikoreicheren Anlagen in die als sichererer geltenden Währungen Franken oder Yen sowie ins Gold (Gold 1498.26 -0.25%). «Risk off lautet die Devise», sagte ein Händler. Hierzulande ging derweil die Quartalsberichterstattung weiter. Diese Woche werden mit LafargeHolcim (LHN 46.78 0.02%) (Mittwoch), Alcon (ALC 59.12 -1.2%) (Donnerstag) und Richemont (CFR 76.96 -0.28%) (Freitag) gleich drei SMI-Unternehmen über den Geschäftsgang in der Periode Januar bis März berichten.

Der Swiss Market Index SMI (SMI 9805.5 -0.43%) stand bei Eröffnung noch unverändert. Im frühen Handel notierte er schwächer und rutschte vor dem Mittag sogar unter die Marke von 9400. Mit der Ankündigung Chinas, ab Juni neue Zölle auf US-Güter einzuführen, rauschten die Notierungen weiter bachab. In der vergangenen Woche hatte der SMI deutlich an Terrain eingebüsst (–2,8%), wobei vor allem die Grossbankwerte und einige Zykliker stark unter Druck standen.

Einen sehr schwachen Start in die Woche verzeichneten auch die US-Märkte. An der Wallstreet trennten sich die Anleger reihenweise von ihren Aktien. Folglich notierte der Dow Jones (Dow Jones 26252.24 0.19%) bei Börsenschluss in Europa 2,3% tiefer. Der breiter gefasste S&P 500 (SP500 2922.95 -0.05%) gab ebenfalls 2,3% nach. An der Technologiebörse Nasdaq Composite fielen die Kurse 3,2%. Besonders Apple (AAPL 212.46 -0.08%) standen unter Druck. Das Oberste US-Gericht hatte eine Sammelklage gegen den i-Phone-Konzern zugelassen.

Alcon stabil

Im Schweizer Leitindex gab es keine Gewinner. Alcon stemmten sich als Fels in der Brandung gegen den Abwärtstrend. Doch der Druck war am Nachmittag auch für die Aktien des Augenheilspezialisten zu gross geworden, sie gaben ihre zwischenzeitlichen Avancen preis. Mit Nestlé (NESN 108.3 -0.5%) und Roche (ROG 271.9 -0.69%) verhinderten zwei Schwergewichte, deren Verluste vergleichsweise gering waren, ein noch stärkeres Abrutschen im Leitindex.

Die Aktien des Zementherstellers LafargeHolcim verloren klar, während sich VR-Präsident Beat Hess in der Sonntagspresse sehr optimistisch zeigte. «Wir liegen seit Jahresbeginn an der Spitze aller SMI-Werte. Das Geschäft läuft seit Mitte letzten Jahres sehr gut. Sie sehen daran, es geht in die richtige Richtung vorwärts», sagte er in der «NZZ (NZZ 4725 -1.56%) am Sonntag».

Die Analysten der US-Investmentbank Goldman Sachs (GS 202.42 0.87%) zeigten sich weiter sehr zuversichtlich für die Grossbanktitel Credit Suisse (CSGN 11.34 1.48%) und UBS (UBSG 10.44 1.36%). Den Aktien half dies aber nicht, sie gaben deutlich nach. Für beide Titel wurde das Kursziel auf über 18 Fr. erhöht. Diese Ansicht wird allerdings nicht von allen Investoren geteilt. Die Analysten der britischen Barclays (BARC 138.99 -0.19%) jedenfalls hatten ihr Kursziel für UBS auf 11.80 Fr. gesenkt, mit der Empfehlung «Untergewichten». Ausserdem in den Nachrichten: Einem Medienbericht zufolge sind die Gespräche zwischen UBS und Deutsche Bank über eine Fusion von DWS festgefahren.

Am Ende des SMI-Tableaus notieren die Valoren der Luxusgüterhersteller Swatch Group (UHR 270.2 0.3%) und Richemont.

AMS am SMIM-Ende

Im SMIM (SMIM 2523.011 -0.34%) fielen die Titel des Chipherstellers AMS (AMS 40.55 -0.81%) mit deutlichen Verlusten auf. Händlern zufolge würde eine Eskalation des Handelskonflikts die Österreicher gleich doppelt treffen. Ebenfalls deutlich tiefer notierten andere Techwerte wie Logitech (LOGN 39.5 0.18%) oder Temenos (TEMN 161.1 -2.36%). Klar schwächer schlossen auch die Papiere des Vermögensverwalters GAM (GAM 3.746 -0.53%) und des Vakuumventilherstellers VAT Group (VACN 116.45 0.74%). OC Oerlikon (OERL 9.055 0.17%) verloren ebenfalls.

Barry Callebaut (BARN 1955 -0.05%) konnten sich als einzige der mittelgrossen Aktien in positives Terrain vorarbeiten.

Im breiten Markt setzten Polyphor (POLN 4.5 0%) ihre rasante Talfahrt fort, nachdem sie am Freitag nach schwachen Studiendaten für den wichtigsten Produktkandidaten Murepavadin fast die Hälfte an Wert eingebüsst hatten.

Mobilezone (MOB 9.36 0.86%) profitierten von der Übernahme, die die Mobiltelefonkette in Deutschland durchgeführt hatte.

Relativ gesucht waren derweil die Papiere von SIG Combibloc (SIGN 12.58 -0.94%). UBS hatte sie auf «Buy» mit Kursziel 12.80 Fr. hochgestuft.

Handelsstreit belastete auch Asiens Börsen

Die asiatischen Aktienindizes starteten schwach in die Woche. Es dominierte die Unsicherheit über den Handelskonflikt. Trotz staatlicher Stützungskäufe gab der chinesische CSI 300 1,2% ab. In Tokio verlor der Nikkei 225 0,7%. Die Börse Hongkong blieb geschlossen.

Euro und Dollar tiefer zum Franken

Der Franken zeigte sich zum Wochenauftakt gegenüber dem Dollar und dem Euro stärker. So handelte die europäische Gemeinschaftswährung zum Franken bei Börsenschluss in Europa klar tiefer bei 1.1313 Fr. Der Greenback kostete 1.0067 Fr. Zur US-Währung zeigte sich der Eurokurs stabil. Die Notierung um 17.30 Uhr MESZ lautete 1.1237 $.

Goldpreis legt klar zu

Aus Furcht vor einem Versorgungsengpass deckten sich Anleger mit Rohöl ein. Die Sorte Brent (Brent 60.32 -0.36%) aus der Nordsee verteuerte sich zwischenzeitlich auf gut 72 $ je Barrel. Bis zum Handelsschluss in Europa baute der Ölpreis einen Teil seiner Gewinne ab. Genährt wurden die Spekulationen von Aussagen Saudi-Arabiens, zwei Öltanker seien bei Sabotageangriffen beschädigt worden. Daneben bereiteten den Investoren die wachsenden Spannungen zwischen den USA und dem Iran Kopfschmerzen, sagte Abhishek Kumar, Chefanalyst des Branchendienstes Interfax Energy.

Der Goldpreis notierte ebenfalls fester bei 1298 $ pro Feinunze. Das war der höchste Stand seit etwa einem Monat.

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