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SMI: Anleger steigen wieder ein

Der Schweizer Aktienmarkt hat den Handel am Freitag zum Ende einer erneut bewegten Börsenwoche klar im Plus abgeschlossen.

(AWP/Reuters)  Von guten US-Vorgaben getragen rückte der Schweizer Leitindex SMI (SMI 11'647.17 +1.35%) über die Marke von 11’600 Punkten vor und baute die Gewinne bis zum Schluss aus. Tags zuvor war der SMI im Tief noch bis auf 11’300 Stellen abgerutscht. Auf der Schnäppchenjagd haben die Anleger vor allem bei jenen Aktien zugegriffen, die durch den jüngsten Markteinbruch in die Knie gezwungen wurden. Dass es nach drei Wochen mit Verlusten am Ende knapp nicht für ein Wochenplus gereicht hat, war auf die neuerlichen Abgaben des Schwergewichts Roche zurückzuführen.

Trotz der kräftigen technischen Erholung zum Wochenschluss bleibt die Lage an den Finanzmärkten angespannt. Mit dem Ukraine-Krieg, den Engpässen in den globalen Lieferketten und vor allem mit Blick auf die grossen Inflations- und Zinssorgen halten die Bären weiterhin gute Verkaufsargumente in ihrer Hand. Immerhin hätten die Anleger die Hoffnung nicht aufgegeben, dass die US-Notenbank nicht ohne Rücksicht auf mögliche wirtschaftliche Schäden die Zinsen stark anheben werde, hiess es am Markt.

Bis Börsenschluss gewann der SMI 1,25% hinzu und schloss mit 11’650,42 Punkte auf Tageshoch. Im Vergleich zur letzten Woche verblieb dennoch ein Minus von 0,7%. Der SLI, in dem die 30 wichtigsten Aktien enthalten sind, stieg am Freitag um 1,84% auf 1813,61 Zähler und der breite SPI (SXGE 14'941.43 +1.58%) um 1,36% auf 14’982,04 Zähler. Im SLI standen sich zum Schluss 28 Gewinner und zwei Verlierer gegenüber.

Unter den Blue Chips waren einige der zuletzt arg gebeutelten Wachstumswerte unter den grössten Gewinnern zu finden: So machten Papiere wie jene von Straumann (STMN 119.70 +7.55%) und Sonova (SOON 342.00 +6.08%) stark an Boden gut. Der Hörsystemspezialist wird am Dienstag die Jahreszahlen 2021/22 publizieren.

Auf dem Vormarsch waren auch Tech-Werte wie AMS Osram (AMS 11.40 +4.78%) oder VAT Group (VACN 278.00 +5.22%). Beide Titel hatten in den beiden vergangenen Wochen grosse Verluste erlitten. Nicht ganz so gut konnten Logitech (LOGN 57.06 +3.48%) verlorenes Terrain aufholen. Dabei wurden die Titel des Computerzubehörherstellers von der Bank Julius Bär (BAER 49.26 +3.23%) zum «Kauf» empfohlen und CEO Bracken Darrell zeigte sich in einem Interview für die künftige Entwicklung des Geschäfts gewohnt zuversichtlich.

Bei weiteren zyklischen Werten schwangen Lonza (LONN 572.80 +4.56%), Adecco (ADEN 37.15 +4.41%), Kühne + Nagel (KNIN 257.50 +1.18%) oder Holcim (HOLN 48.00 +0.82%) obenaus. Bei Holcim tobt derzeit ein Bieterwettkampf um die zum Verkauf stehenden indischen Töchter des Zementkonzerns, was die Aktie zusätzlich stützt. Weiter kletterten Alcon (ALC 71.64 +2.64%) oder die Luxusgüterwerte Richemont (CFR 103.85 +9.55%) und Swatch mit der Hoffnung auf ein baldiges Ende der strikten Corona-Lockdowns im wichtigen chinesischen Markt um 1,4% respektive 2,1% in die Höhe.

Gut zulegen konnten auch die Grossbankentitel UBS (UBSG 17.99 +1.35%) und Credit Suisse (CSGN 6.97 +3.20%), während auf der Gegenseite der Roche GS (ROG 329.80 -0.96%) -Bons weiter an Terrain einbüsste. Die Woche liessen Hiobsbotschaften aus der Krebsforschung den Kurs von Roche einbrechen. Händler sprachen auch von Umschichtungen in die Konkurrenzpapiere von Novartis (NOVN 87.12 -0.80%), die am Freitag um 1,4% zulegten. Nestlé (NESN 116.58 +2.05%) gewannen 0,7%.

Nebst Roche gaben zu Wochenschluss auch Swisscom (SCMN 574.40 +0.35%) nach. Hier war im Handel von einer Konsolidierung die Rede, nachdem die Titel sich während des jüngsten Markteinbruchs gut gehalten hatten.

In der zweiten Reihe rückten die Papiere von Molecular Partners (MOLN 7.33 +5.62%) um 14% vor nach den am Vortag publizierten Erstquartalszahlen. Ausserdem wurden auch Wachstumswerte wie Dottikon, Polypeptide oder Medacta (MOVE 109.60 +4.58%) stärker gekauft. Und die volatilen Titel von Meyer Burger (MBTN 0.4338 +4.53%) konnten den jüngsten Einbruch mit kräftigen Avancen auffangen.

Zur Rose (ROSE 107.30 +4.38%) gewannen 3,6%. «Ob das E-Rezept heute kommt oder erst morgen, wichtig ist, dass es kommt. Und daher sind die aktuell tiefen Kurse richtige Schnäppchenpreise», sagte ein Händler. Stark fallende Kurse waren bei Titeln wie Talenthouse (THAG 0.2360 +2.61%) oder Lalique (LLQ 39.00 +4.28%) zu sehen.

Stabilisierungs-Versuch an US-Börsen

Nach einer bislang sehr schwachen Börsenwoche haben die US-Börsen am Freitag erneut den Versuch einer Stabilisierung unternommen. Derartige Versuche waren im bisherigen Wochenverlauf am Ende stets gescheitert. Der Leitindex Dow Jones Industrial legte im frühen Handel um 1,03% auf 32’056 Punkte zu. Auf Wochensicht zeichnet sich gleichwohl ein Verlust von 2,6% ab. Am Vortag war der Dow auf den tiefsten Stand seit März vergangenen Jahres abgesackt.

Für den marktbreiten S&P 500 ging es am letzten Handelstag der Woche um 1,74% auf 3998 Punkte aufwärts. Der von Technologieunternehmen dominierte Nasdaq 100 (NDX 12'276.79 +2.79%) stieg stärker um 2,77 % auf 12’276 Punkte. Er steuert auf Wochensicht dennoch auf ein Minus von 3,3% zu.

Den Marktstrategen der Deutschen Bank zufolge beruhigten neue Aussagen des US-Notenbankchefs zum Zinserhöhungskurs die Anleger etwas. Jerome Powell habe damit die Sorgen über einen grossen Zinsschritt gedämpft, heisst es in einem Kommentar. Zuletzt hatten Ängste, dass die Notenbanken mit Leitzinserhöhungen zur Bekämpfung der hohen Inflation das globale Wirtschaftswachstum abwürgen könnten, die Aktienkurse unter Druck gesetzt.

Für Aufsehen sorgte der Kursrutsch von Twitter (TWTR 40.17 +1.64%) . Die von Elon Musk vorübergehend ausgesetzte Übernahme des Online-Dienstes brockte der Twitter-Aktie einen Verlust von 10% ein. Die Papiere fielen auf das Niveau von vor dem Übernahmeangebot zurück. Musk will nach eigener Aussage erst Berechnungen abwarten, dass Twitter-Accounts, hinter denen keine echten Nutzer steckten, tatsächlich weniger als 5% aller Accounts ausmachten. Er sei aber weiter an der Übernahme interessiert, betonte der Milliardär.

Dagegen ging es für die zuletzt schwer gebeutelten Tesla-Papiere um 5,5% nach oben. Die Titel des Elektroautobauers hatten über ein Viertel verloren, seitdem Musk Mitte April sein Interesse an Twitter öffentlich gemacht hatte.

Die Aktionäre von Robinhood konnten sich sogar über einen Kurssprung von mehr als 17% freuen, nachdem bekannt geworden war, dass sich Sam Bankman-Fried – Chef der Kryptowährungsbörse FTX – mit 7,6% an dem Online-Broker beteiligt hat.

 

Dollar zum Franken weiter über Parität

Der Dollar notiert zum Schweizer Franken weiterhin über der Parität nachdem diese am gestrigen Donnerstag erstmals seit Ende 2019 erreicht wurde. Aktuell steht das Währungspaar bei 1,0015. Um den Mittag herum wurde die Marke kurzzeitig wieder unterschritten. Angesichts der jüngsten Kursverluste des Euro gerät auch die EUR/USD-Gleichheit immer stärker in den Blick.

Denn der Euro hat am Freitag weiter unter der Marke von 1,04 $ notiert. Am Nachmittag kostet die Gemeinschaftswährung 1,0393 $. Der Euro bewegte sich so auf dem Niveau vom Morgen. Zeitweise hatte der Euro mit 1,0350 $ den tiefsten Stand seit Anfang 2017 erreicht. Zum Franken notiert die Gemeinschaftswährung aktuell mit 1,0409 jedoch wieder über der 1,04 Marke.

Belastet wird der Euro schon seit längerem durch die Zinserhöhungen der US-Notenbank Fed, die dem Dollar starken Auftrieb verleihen. Die am Freitag veröffentlichten Importpreise bestätigten die zuletzt zu beobachtende Tendenz leicht rückläufiger Inflationsraten, wenn auch von sehr hohem Niveau aus. Der immer noch sehr hohe Inflationsdruck spricht jedoch für weitere deutliche Leitzinserhöhungen in den USA.

Devisen-Experte Ulrich Leuchtmann von der Commerzbank (CBK 8.08 +0.62%) verweist zudem auf das Risiko einer Energiekrise und einer Rezession in Europa. Hintergrund ist die Gefahr, dass Russland seine Energielieferungen nach Europa wegen des Ukraine-Kriegs einstellen könnte. Russland hatte am Mittwoch Sanktionen gegen die Firma Gazprom (OGZPY 1.10 -46.60%) Germania und andere ehemalige Tochterunternehmen des russischen Gaskonzerns verhängt. Noch ist die Versorgung laut der deutschen Bundesregierung nicht gefährdet. Ein vollständiges Energieembargo Russlands würde aber das stark abhängige Europa deutlich härter treffen als die USA.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,85115 (0,85293) britische Pfund und 133,91 (133,85) japanische Yen fest.
m.

Ölpreise legen erneut zu

Die Ölpreise haben am Freitag an ihre Vortagsgewinne angeknüpft. Zuletzt kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 111,09 $. Das waren 3,64 $ mehr als am Donnerstag. Der Preis für ein Fass der US-amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI (WBS 114.32 +3.20%)) stieg um 3,97 $ auf 110,09 $.

Die Ölpreise machten die deutlichen Verluste zu Wochenbeginn mittlerweile zu einem grossen Teil wieder wett. Am Dienstag war der WTI-Preis zeitweise unter 100 $ gefallen. «Der jüngste Preisanstieg erfolgte, obwohl sich das EU-Ölembargo gegen Russland verzögern könnte, da Ungarn dieses weiterhin blockiert», kommentierte Commerzbank-Experte Carsten Fritsch.

Der Ölmarkt befindet sich seit einiger Zeit in einem Spannungsverhältnis zwischen gegenläufigen Kräften. Für steigende Erdölpreise sprechen bereits seit einigen Wochen die Angebotsbedingungen. Das Verhältnis zwischen dem Westen und Russland hat sich wegen des Ukraine-Kriegs deutlich verschlechtert. Als Folge von Sanktionen findet das russische Rohöl in westlichen Ländern kaum noch Abnehmer.

Belastet werden die Rohölpreise dagegen durch die trüben konjunkturellen Aussichten. Ein grosses Thema ist derzeit die strikte Corona-Politik Chinas, die eine herbe Belastung für die Konjunktur der global zweitgrössten Volkswirtschaft darstellt. Aufgrund der hohen Bedeutung Chinas für den Welthandel ergeben sich auch Risiken für die globale Wirtschaftsentwicklung.

Bitcoin erobert 30’000er-Marke zurück

Nach dem jüngsten Ausverkauf decken sich Anleger wieder mit Bitcoin ein. Die Cyber-Devise verteuert sich um knapp 8% auf 30’716 $. «Abzuwarten bleibt, ob sich der Erholungsversuch nachhaltig ausgestaltet», sagt Analyst Timo Emden von Emden Research. «Sämtliche zuletzt zu beobachtende Gegenbewegungen waren temporärer Natur und wurden regelmäßig wieder abverkauft.» Die Zinserhöhungsängste und die Furcht vor den Folgen des Kurskollapses des Stablecoins TerraUSD seien ja nicht aus der Welt.

 

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