Märkte / Aktien

SMI schliesst über 9400

Die Schweizer Börse erholt sich vom Tagestief. Nur Zurich Insurance sind stabil. Sunrise ziehen an. Straumann stehen unter Druck.

(AWP/SPU) Am Schweizer Aktienmarkt ist es am Donnerstag deutlich abwärts gegangen. Der Swiss Market Index SMI (SMI 9926.03 2.16%) verlor bei Eröffnung lediglich 0,5% und stand damit unter der Marke von 9600. Im frühen Handel weitete der Leitindex seine Verluste aus und unterschritt 9500. Am Nachmittag rutschte der SMI noch tiefer in den roten Bereich und unter 9400. Bis Handelsschluss setzte dann eine kleine Erholungsbewegung ein, dennoch betrug das Minus 1,9%. Nach der schwungvollen Erholung war den Börsen weltweit zuletzt schon etwas die Luft ausgegangen. Dass die Nervosität derzeit wieder grösser ist, zeigte auch der Volatilitätsindex VSMI. Mit einem Plus von gut 25% zog er deutlich an.

Auch in New York dominierten erneut die Verkäufer. Als Folge gaben die drei Hauptindizes an der Wallstreet zwar nach, erholten sich aber bis Handelsende in Zürich von ihren anfänglich deutlichen Verlusten. Der S&P 500 (SP500 3029.73 -0.21%) büsste 0,6% ein. Der Dow Jones (Dow Jones 25400.64 -0.58%) verlor 0,3%. Der Nasdaq Composite der Technologiebörse gab 0,7% nach.

Daten vom US-Arbeitsmarkt sorgten für Pessimismus. So waren vergangene Woche 2.98 Mio. Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe gestellt worden. Experten hatten mit einer Zunahme von 2.5 Mio. gerechnet. Zudem sorgten die jüngsten Aussagen wichtiger Akteure rund um das Coronavirus eher für eine grössere Unsicherheit. So hatte erst der medizinische Berater des Weissen Hauses, Anthony Fauci, vor einer zu schnellen Lockerung der Beschränkungen gewarnt. Er befürchte, dass dies zu einer zweiten Ausbruchswelle der Pandemie führen könnte. Nun sind es aber auch die Aussagen des US-Notenbankchefs Jerome Powell, die den Markt in Moll-Stimmung versetzen. Denn laut Powell dürften noch weitere Hilfsprogramme nötig sein, um wenigstens eine U-förmige Erholung der Weltwirtschaft zu erreichen.

Zurich Insurance stabil

Zurich Insurance (ZURN 314.2 2.21%) wechselten mehrfach die Vorzeichen und schlossen praktisch unverändert. Beim Versicherer konzentrierten sich Investoren auf die Zahlen zum ersten Quartal. So war der Konzern in den ersten drei Monaten in der Schadenversicherung gewachsen. Allerdings dürfte er mit Blick auf die Coronakrise einen beträchtlichen Schaden davontragen. Deutlich schwächer waren die anderen beiden Vertreter der Branche, Swiss Re (SREN 67.2 -0.59%) und Swiss Life (SLHN 344.1 -1.09%), aufgelegt.

Mit einem vergleichsweise kleinen Minus hielten sich die Genussscheine von Roche (ROG 341.25 2.76%) besser als der Gesamtmarkt. Analysten zeigten sich teilweise positiv überrascht von den Daten zum Produktkandidaten Tiragolumab in Kombination mit dem Immuntherapeutikum Tecentriq. Die Daten wurden mit Spannung erwartet, da sie einen neuen Weg im Bereich der Immunonkolgie ebnen könnten.

Die anderen beiden Schwergewichten, namentlich Nestlé (NESN 102.84 1.5%) und Novartis (NOVN 83.38 2.71%), wirkten nur im frühen Handel stabilisierend. Zunehmend wurden sie zur Belastung für den Gesamtmarkt. Zudem büsste mit dem gestrigen Gewinner Alcon (ALC 61.04 4.16%) ein weiterer defensiver Titel ein, allerdings erholten sich die Aktien spürbar vom Tagestief. Am Mittwoch hatten die Papiere des Augenheilspezialisten nach den Quartalszahlen deutlich zugelegt.

Deutlich tiefer schlossen unterdessen erneut Zykliker wie ABB (ABBN 19.285 2.01%) und Adecco (ADEN 46.67 1.97%). Die Valoren der Grossbanken UBS (UBSG 10.495 0.72%) und Credit Suisse (CSGN 9.13 2.7%) erholten sich bis Handelsende von ihren zeitweise deutlichen Abgaben.

Straumann am SMIM-Ende

Straumann (STMN 796.4 6.99%) gerieten massiv unter Druck. Der Dentalimplantathersteller baut rund 9% seiner Belegschaft ab, um Kosten zu sparen. Aus den Depots wurden auch Sonova (SOON 206 3.52%) und Vifor Pharma (VIFN 149.8 4.72%) geworfen. Sie bewegten sich im Einklang mit dem europäischen Sektor. So gehörte die Gesundheitsbranche zu den grössten Verlierern europaweit. Der deutsche Merck-Konzern hatte zudem wegen der Coronakrise seine Erwartungen gekappt.

Im SMIM (SMIM 2463.318 2.58%) legten Sunrise (SRCG 80.15 -0.12%) nach Zahlen zum ersten Quartal zu. Das Telecomunternehmen hatte besser als erwartet abgeschnitten, und auch der Ausblick wurde als ermutigend eingestuft.

Im späten Handel machten die Aktien des Reisedetailhändlers Dufry (DUFN 29.63 -2.85%) mit starken Avancen auf sich aufmerksam.

Verluste verzeichnen die Tech-Werte wie AMS (AMS 15.185 4.76%), Temenos (TEMN 147 3.52%) oder Logitech (LOGN 55.38 5.17%). Die Aktien des österreichischen Chipherstellers AMS bauten ihr Minus zwar ab, sie waren jedoch schon am Mittwoch unter die Räder gekommen und mit einem Verlust von annähernd 9% aus dem Handel gegangen. Der Konzern teilte im Zuge der milliardenschweren Übernahme von Osram (OSR 39.11 0.2%) mit, das bedingte Kapital um rund 10% erhöhen zu wollen. Dadurch soll die Schuldenlast gemindert werden.

Clariant (CLN 18.16 2.08%) kamen schlecht weg. Der Verwaltungsrat des Spezialchemiekonzerns schlägt der Generalversammlung vor, auf die Zahlung der regulären Dividende zu verzichten. Bestätigen sollen sie dagegen die ausserordentliche Barausschüttung von 3 Fr. pro Aktie.

Die Papiere Flughafen Zürich (FHZN 130.4 0.62%) notierten nach historisch tiefen Verkehrszahlen im Minus. Und bereits am Vortag hatten sie in Erwartung der Zahlen deutlich nachgegeben.

Am Morgen reagierten Investoren noch positiv auf die Nachrichten vom Backwarenkonzern Aryzta (ARYN 0.5375 1.99%). Er prüft alle strategischen und finanziellen Optionen. Mit zunehmendem Handel fiel die Aktie aber tiefer.

Die Aktien des Online-Apothekers Zur Rose (ROSE 186.8 2.64%) fielen mit Gewinnen auf. Hier befeuerte der Konkurrent Shop Apotheke (SAE 95.1 6.26%) die Fantasie.

Asien folgt Wallstreet

An den Märkten in Asien/Pazifik notierten die Kurse nach schwachen Vorgaben aus New York vom Mittwoch schwächer. In Tokio verlor der Nikkei 225 (Nikkei 225 21866.23 -0.23%) um 1,7%. Der breiter gefasste Topix gab 1,9% nach. Der Hongkonger Hang Seng sinkt 1,4%. Der Shanghai Composite gab 0,9% nach. In Seoul büsste der Kospi 1,1% ein. Der australische S&P/ASX 200 verlor 1,2%.

Euro zeitweise unter 1.08 $

Der Euro rutschte am Donnerstag zum Dollar unter die Marke von 1.08. Bei Handelsende in Europa lag die Gemeinschaftswährung aber wieder darüber bei einem Kurs von 1.0812 $. Zum Franken blieb sie auf dem jüngsten Niveau von knapp über 1.05 Fr. stecken. Um 17.30 Uhr ging sie zu 1.0508 Fr. um. Der Dollar notierte zur Schweizer Währung nach zwischenzeitlichen Gewinnen im Tagesverlauf bei 0.9714 Fr.

Ölpreis höher

Der Ölpreis bewegte sich am Donnerstag aufwärts. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent (Brent 34.99 -0.31%) lag bei Börsenschluss in Europa bei gut 30 $. In der Corona-Krise fällt der weltweite Ölverbrauch nach Einschätzung der IEA weniger stark als zunächst befürchtet. Ausgangsbeschränkungen für Menschen werden vielerorts gelockert, Unternehmen arbeiten wieder, wie der Interessenverband führender Industriestaaten am Donnerstag in Paris mitteilte. Gold (Gold 1721.01 0.69%) notierte nach den gestrigen Gewinnen erneut im Plus bei nunmehr 1730 $ pro Feinunze.

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