Märkte / Aktien

SMI geht etwas fester ins Wochenende

Die Schweizer Börse tendiert nur dank der Schwergewichte aufwärts. Viele Zykliker verlieren. Partners Group stehen im Fokus. Gold und Öl büssen deutlich ein.

(AWP/SPU) Der Schweizer Aktienmarkt hat zum Wochenschluss konsolidiert. Dass der Leitindex leicht im Plus schloss, verdankte er einzig den drei Schwergewichten. Bei Eröffnung am Freitag notierte der SMI (SMI 10'607.79 -1.32%) 0,2% niedriger. Im frühen Handel tendierte er seitwärts. Vor dem Mittag wagte er sich in positives Terrain und baute am Nachmittag die Avancen aus bis an die Marke von 10’900. Doch diese Avancen hielten nur kurzzeitig. Der Markt befinde sich auf einem hohen Niveau und sei überkauft, sagten Händler. Zudem hielten sich die Anleger auch zurück, weil in den USA, wo am Montag der Martin-Luther-King-Feiertag begangen wird, ein langes Wochenende bevorstehe.

So kamen aus New York weitere Signale der Vorsicht. Die drei wichtigen Wallstreet-Indizes lagen bei Börsenschluss in Europa im Minus. Der S&P 500 (S&P 500 3'839.00 +1.95%) büsste 0,9% ein. Der Index der Technologie Nasdaq Composite verlor 1%. Der Dow Jones (Dow Jones 31'496.30 +1.85%) lag 0,8% im Minus.

Das vom künftigen US-Präsidenten Joe Biden vorgestellte 1,9 Bio. $ schwere Konjunkturpaket sei erwartet worden und sollte keine stärkeren Kursimpulse mehr geben, sagte ein Händler. «Das dürfte in den Kursen eskomptiert sein.» Mit einer Summe in dieser Grösse hätten die Märkte bereits am Vortag gerechnet.

Pharmawerte stützten

Novartis (NOVN 76.89 -1.68%) gaben dem Markt eine starke Stütze. Die Deutsche Bank (DBK 10.57 +2.13%) hatte die Abdeckung des Pharmatitels mit dem Rating «Buy» und dem Kursziel 100 Fr. wieder aufgenommen.

Die Genussscheine von Rivale Roche (ROG 298.00 -1.96%) avancierten ebenfalls. Der Lebensmitteltitel Nestlé (NESN 98.57 +0.07%), ein weiteres Marktschwergewicht, gewann. Dank der drei Schwergewichte konnte sich der SMI überhaupt im Plus halten.

Partners Group (PGHN 1'083.00 -3.43%) legten zu. Der Private-Equity-Spezialist hatte bei den verwalteten Vermögen 2020 die 100-Mrd.-$-Schwelle klar übersprungen und erwartet für das angelaufene Geschäftsjahr einen weiteren Neugeldzufluss. Credit Suisse (CSGN 12.75 -1.7%) hob das Kursziel von 1100 auf 1180 Fr. an und bestätigte die Kaufempfehlung.

UBS (UBSG 14.35 -0.66%) erhielten Unterstützung von der Bank Berenberg, die die Grossbank neu mit «Buy», nach zuvor «Hold», empfiehlt.  Citigroup (C 70.23 +0.6%) und Barclays (BARC 171.54 +2.76%) hatten das Kursziel für einzelne Banken erhöht. Doch sowohl UBS als auch Credit Suisse bauten nach Bekanntgabe guter Geschäftszahlen grosser US-Banken ihre Gewinne ab.

Richemont (CFR 85.94 -2.21%) drehten ins Minus. Laut Händlern hatten sich mehrere Analysten positiv über den Luxusgüterhersteller geäussert. Nach dem starken Kursanstieg der vergangenen Wochen und vor dem Quartalsbericht nächste Woche seien die Meinungen wohl gemacht, sagte ein Händler. Auch Swatch Group (UHR 274.60 -1.86%) gehörten zu den Verlierern.

Klar verloren ABB (ABBN 27.06 -1.28%) nach der Ratingsenkung von «Overweight» auf «Equal Weight» durch Barclays.

Weitere Gewinnmitnahmen belasteten Geberit (GEBN 555.20 -0.54%). Die Aktien des Sanitärtechnikspezialisten waren gestern nach der Vorlage guter Zahlen unter Druck geraten. UBS erhöhte das Kursziel für Geberit von 550 auf 560 Fr., beliess aber die Einstufung auf «Neutral».

Ähnlich erging es den Valoren des Bauchemiekonzerns Sika (SIKA 248.80 -1.27%).

Temenos weiter unter Druck

Im SMIM (SMIM 2'901.14 -1.19%) schnitten reisenahe Werte wie die Aktien des Reisedetailhändlers Dufry (DUFN 59.80 -4.59%) oder Flughafen Zürich (FHZN 160.50 -1.11%) besser ab als der Gesamtmarkt. Der Flughafen-CEO sagte in einem Interview, dass Projekte und Investitionen nach hinten geschoben werden.

Bank of America (BAC 36.93 +1.18%) senkte das Rating für Kühne + Nagel (KNIN 240.00 -2.24%) in einer Branchenstudie von «Buy» auf «Neutral». Das Kursziel beliess der Analyst allerdings unverändert auf 220 Fr. Die Aktien des Logistikers verloren.

Bei Temenos (TEMN 130.00 -0.19%) setzte sich der Abwärtstrend fort. Seit Jahresanfang hat die Softwareschmiede rund 10% ihres Werts eingebüsst, nach einem Minus von einem Fünftel im Jahr zuvor.

Mittelgrosse Industriewerte wie OC Oerlikon (OERL 10.22 -1.26%), Georg Fischer (FI-N 1'262.00 -2.55%) oder Schindler (SCHP 253.70 -0.39%) PS gaben klar nach.

Inficon gesucht 

Am breiten Markt fielen Inficon (IFCN 992.00 -1.59%) positiv auf. Die Messtechnikfirma hatte 2020 zwar mehr Umsatz generiert, musste jedoch einen Rückgang beim Betriebsgewinn hinnehmen.

Die Titel der Zehnder (ZEHN 69.30 -1.7%) Group korrigierten in ihrem langen Aufwärtstrend. Der Raumklimaspezialist hatte detailliertere Zahlen zum vergangenen Geschäftsjahr vorgelegt.

Die Aktien von EFG (EFGN 6.72 +0.3%) profitierten von einer Kurszielerhöhung der Citigroup von 6.40 auf 7.50 Fr. Das Rating lautet «Neutral».

ObsEva (OBSV 2.81 -15.36%) sprangen in die Höhe. Eine Präsentation auf der JPMorgan-Healthcare-Konferenz sorgt für Euphorie.

Auffällig grosse Verluste verzeichneten die Aktien des Automobilzulieferes Autoneum (AUTN 165.10 +0.36%).

Asiens Börsen mehrheitlich im Minus

Auch in Asien kam es wie bereits am Donnerstag an Wallstreet zu Gewinnmitnahmen. Der Nikkei 225 verlor 0,6%. Beim Hang Seng in Hongkong ging es 0,1% hoch. Der koreanische Kospi fiel 2% zurück. Der Shanghai Composite notierte 0,3% im Plus.

Euro unter 1.21 $

Der Eurokurs gab am Freitag weiter nach. Am Abend fiel die Gemeinschaftswährung bis auf 1.2082 $. Sie kostete damit so wenig wie zuletzt vor gut einem Monat. Der Dollar legte dagegen auf breiter Front zu. So stieg die US-Valuta auch zum Franken wieder über die Marke von 89 Rappen. Konkret zog der Dollar bis Börsenschluss in Europa auf 0.8903 Fr. an. Der Euro verlor zum Franken weiter und entfernte sich von der 1.08-Marke. Um 17.30 Uhr MEZ lag der Kurs bei 1.0760 Fr.

Ölpreis verlor klar

Der Ölpreis gab am Freitag markant nach. Marktbeobachter sprachen von einer Gegenbewegung, nachdem die Notierung im Verlauf der Woche stark gestiegen war. Ein Barrel (159 Liter) Nordseeöl kostete bei Handelsende in Europa rund 54.50. $. Gold (Gold 1'700.17 +0.16%) notierte ebenfalls klar leichter. Die Feinunze des Edelmetalls lag bei 1825 $.

Bitcoin schwankte stark um Allzeithoch

Die älteste und wichtigste Cyber-Devise arbeitete sich zwischenzeitlich wieder an die Marke von 40’000 $ vor. Am Freitagnachmittag kam sie aber wieder zurück und büsste an Wert ein. Zeitweise machte sie ihre Verluste der vergangenen Tage, die sie von einem Rekordhoch bei knapp 42’000 $ bis auf 30’000 $ gedrückt hatten, weitgehend wett.

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