Märkte / Aktien

SMI schliesst über 10’500

Die Schweizer Börse zieht am Dienstag erneut an. Pharmaschwergewichte legen zu, Bankaktien bleiben zurück. Wallstreet liegt im Plus.

(AWP/SPU) Nach dem freundlichen Wochenanfang hat der Schweizer Aktienmarkt auch am Dienstag klar fester geschlossen. Der SMI (SMI 10216.28 0.05%) eröffnete zwar unverändert, aber lag kurz darauf bereits im Plus. Noch im frühen Handel erreichte er die Marke von 10’500. Am Nachmittag festigte der Leitindex sich auf diesem Niveau. So hoch hatte er letztmals vor dem Coronaeinbruch im März gestanden. Bis zum Handelsende in Zürich baute der Schweizer Aktienmarkt seine Gewinne etwas ab, für einen Schlusskurs über der Hürde von 10’500 reichte es dennoch.

Auch in New York legten die Kurse zu. Die drei Hauptindizes an der Wallstreet lagen bei Handelsende in Europa im Plus. Der S&P 500 (SP500 3298.46 1.6%) avancierte 0,9%. Der Dow Jones (Dow Jones 27173.96 1.34%) gewann 0,5%. Der Nadaq Composite der Technologiebörse stand 1,4% höher.

Nach überraschend guten Konjunkturdaten aus China war auch der Frühindikator Empire State Index, der die Geschäftstätigkeit des produzierenden Gewerbes im Bundesstaat New York misst, besser als erwartet ausgefallen. Die US-Industrie hat derweil ihre Produktion leicht hochgefahren. Die Firmen – einschliesslich Versorger – stellten im August 0,4% mehr her als im Vormonat, wie die amerikanische Notenbank Federal Reserve am Dienstag in Washington mitteilte. Dies war zwar der vierte Anstieg in Folge, er fiel aber geringer aus als erwartet.

Schon am Vortag hatten Händler auf die Coronahoffnungen verwiesen. Nachrichten von Konzernen wie Pfizer (PFE 36.05 0.81%) oder AstraZeneca über ihre laufenden Forschungsbemühungen weckten die Hoffnung an den Märkten, dass bis Ende des Jahres doch noch ein Impfstoff gegen das Virus auf den Markt kommt. Nach und nach dürfte sich die Aufmerksamkeit der Anleger dann aber auf die Zinsentscheidung der US-Notenbank Fed am morgigen Mittwochabend richten.

Roche und Novartis vorn

Von den zwanzig SMI-Werten legten vor allem die Pharmariesen zu. Die Genussscheine von Roche (ROG 330.95 -0.26%) standen an der Spitze des SMI. Bei Novartis (NOVN 80.31 0.14%) verwiesen Händler auf eine Mitteilung des kalifornischen Generalstaatsanwalts, wonach man einen Vergleich mit Novartis geschlossen habe. Bei den Vorwürfen ging es um mögliche Zahlungen des Konzerns an Ärzte, damit diese bestimmte Mittel des Konzerns bevorzugt verschreiben. Novartis zahlt den Berichten zufolge 11,8 Mio. $.

Auch die Aktien des Augenheilspezialisten Alcon (ALC 52.08 0.31%) stiegen deutlicher als der Markt. Lonza (LONN 568.8 0.42%) machten ihrem bisherigen Ruf als Börsenliebling 2020 einmal mehr alle Ehre. Der Pharmazulieferer hatte vom amerikanischen Krebs- und Infektionsspezialisten Humanigen einen Auftrag erhalten. Die beiden Unternehmen wollen gemeinsam die Kapazitäten für die Herstellung des Produktkandidaten Lenzilumab erweitern, der auf seine Tauglichkeit zur Behandlung von Covid-19 überprüft wird. Lonza ist über die Zusammenarbeit mit dem US-Biotech-Unternehmen Moderna bereits aktiv in der Coronabekämpfung.

Derweil gaben die Grossbanken UBS (UBSG 9.678 -2.97%) und Credit Suisse (CSGN 8.766 -1.64%) nach. Am Vortag noch hatten Fusionsspekulationen die beiden Titel angetrieben. Hinter dem freundlichen Gesamtmarkt blieben auch die Versicherer wie Swiss Re (SREN 67.3 -1.26%), Swiss Life (SLHN 339.9 -1.62%) oder Zurich Insurance (ZURN 319.1 -0.87%) zurück.

Tech-Werte schwächer

Im SMIM (SMIM 2549.392 -0.22%) fielen die Technologiewerte wie AMS (AMS 18.595 -0.16%) oder Temenos (TEMN 126.95 1.64%) mit Verlusten auf. Vor der «Apple (AAPL 112.28 3.75%) Show», die am Abend anstehe, seien viele Investoren vorsichtig, war zu hören. Von Experten werden nämlich eher keine bahnbrechenden News im Bereich iPhone erwartet, worin bekanntlich AMS-Sensoren verbaut werden.

Besser erging es den Gesundheitstiteln wie Vifor Pharma (VIFN 126.15 1%), Straumann (STMN 864.2 -0.09%) oder Sonova (SOON 205.1 -0.24%).

Helvetia (HELN 73 -1.15%) konnte mit den Zahlen nicht überzeugen.

Im breiten Markt waren mit Siegfried (SFZN 573 0.88%) die Aktien eines weiteren Gesundheitsunternehmens gesucht. Sollte der Impfstoffkandidat zugelassen werden, den die deutsche BioNTech zusammen mit Pfizer entwickelt, wird der Zofinger Pharmazulieferer ihn abfüllen. Baader Helvea erhöhte daraufhin das Kursziel für Siegfried auf 557 von 520 Fr. und beliess die Einstufung auf «Add».

Aryzta (ARYN 0.5785 0.43%) sprangen nach einer Wende im Machtkampf um das VRP-Amt beim Backwarenunternehmen an.

Die Neuaufstellung von Leclanché (LECN 0.54 -1.82%) schien nicht alle zu überzeugen, wie das Minus der Aktien des Westschweizer Energiespeicherspezialisten zeigte.

Asien uneinheitlich

Trotz der positiven Vorgaben aus New York vom Montag zeigten sich die asiatischen Börsen uneinheitlich. In Tokio notierte der Nikkei 225 0,4% tiefer, während der breiter gefasste Topix 0,6% verlor. Die chinesischen Aktienmärkte konnten dagegen leicht von der Publikation positiver Wirtschaftsdaten profitieren. So war die chinesische Industrieproduktion im August gegenüber dem Vorjahr um 5,6% gestiegen. Auch der Einzelhandelsumsatz legte im vergangenen Monat erstmalig in diesem Jahr zu. Die Festlandindizes Shanghai Composite und Shenzhen Composite avancierten um 0,2 respektive 0,5%. Auch der Hang Seng in Hongkong stieg 0,2%. Der Taiex in Taiwan gewann 0,5%, während der australische Leitindex S&P/ASX 200 praktisch unverändert schloss.

Euro zeitweise bei 1.19 $ 

Der Euro büsste am Dienstag zum Dollar nach anfänglicher Stärker ein. Die Gemeinschaftswährung stieg kurzzeitig über 1.19 $. Gute Konjunkturdaten aus den USA liessen aber den Dollar stärker werden. Um 17.30 Uhr MESZ lautete der Kurs 1.1852 $. Zum Franken zeigte sich der Euro mit 1.0765 Fr. leichter. Derweil erholte sich der Dollar auch gegenüber dem Franken bemerkbar, somit baute der Greenback seine Verluste ab und notierte bei 0.9085 Fr.

Ölpreis etwas höher

Der Ölpreis bewegte sich am Dienstag zunächst klar aufwärts, gab am Nachmittag aber einen Grossteil seiner Gewinne preis. Bei Börsenschluss in Europa kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent (Brent 41.78 0.12%) wieder etwas weniger als 40 $. Der Goldpreis stand kaum verändert bei 1953 $ pro Feinunze.

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