Märkte / Aktien

SMI schliesst etwas höher

Der Schweizer Aktienmarkt hat am Montag nach einem bewegten Verlauf etwas fester geschlossen.

(AWP/Reuters) Vor allem die Kursgewinne der drei Marktschwergewichte verhalfen dem Leitindex SMI (SMI 10'906.82 +0.77%) zu einer positiven Tendenz. Andere Börsen in Europa neigten dagegen zur Schwäche. Die Straffung der Geldpolitik, schlechtere Wachstumsaussichten und die geopolitischen Risiken verunsicherten die Anleger und dämpften ihren Risikoappetit, hiess es am Markt.

Die jüngsten Konjunkturdaten aus China seien enttäuschend, sagten Händler. Die Wirtschaft im Reich der Mitte leidet weiterhin unter der rigorosen Corona-Politik. Negative Daten aus den USA trübten die Stimmung noch zusätzlich ein. Konkret ist die Stimmung in den Industrieunternehmen im US-Bundesstaat New York im Mai deutlich stärker als von Analysten erwartet eingebrochen und signalisiert einen Rückgang der wirtschaftlichen Aktivität in der Industrie. Der Empire-State-Index fiel zum Vormonat um 36,2 Punkte auf minus 11,6 Punkte. Kursweisende Impulse erhoffen sich die Anleger nun vom Treffen der G7-Finanzminister am Mittwoch sowie von den Reden mehrerer FED-Sprecher.

Der SMI schloss nach einem Tagestief bei 11’585 Punkten um 0,19% höher auf 11’672,23 Zählern. Der SLI, in dem die 30 wichtigsten Aktien enthalten sind und in dem die Gewichtung der einzelnen Titel gekappt ist, sank dagegen um 0,24% auf 1809,19 Zähler. Derweil legte der breite SPI (SXGE 14'045.97 +0.72%) um 0,13% auf 15’001,59 Zähler zu. 22 Titel im SLI schlossen tiefer und acht höher.

Angeführt wurden die Gewinner von Novartis (NOVN 82.04 +1.79%). Die beiden anderen Marktschwergewichte Roche und Nestlé (NESN 112.58 +0.84%) waren ebenfalls fester und trugen so zum Gewinn des SMI bei. Dabei dürften laut Händlern Schnäppchenjäger und Investoren auf der Suche nach einer sicheren Anlage zum Kursgewinn beigetragen haben.

Zu den grössten Gewinnern unter den Blue Chips zählten zudem die Aktien von Adecco (ADEN 33.34 -1.54%). Die Aktie des Personalvermittlers setzte damit den Erholungstrend vom Freitag fort.

Mit den Aktien von Givaudan (GIVN 3'298.00 -0.36%) war ein weiterer defensiver Titel gefragt. Sonova  zogen ebenfalls an. Der Hörsystem-Spezialist wird am Dienstag den Jahresabschluss 2021/22 veröffentlichen.

Zu den Gewinnern zählte auch der Titel des Luxusgüterherstellers Richemont (CFR 103.15 +0.98%). Dagegen zählten die Papiere von Rivale Swatch zu den grösseren Verlierern bei den Standardwerten, nachdem Morgan Stanley (MS 77.44 -0.49%) das Kursziel auf 254 von 280 Fr. gesenkt und die Empfehlung «Underweight» bestätigt hatte.

Die Aktien von Credit Suisse (CSGN 5.74 +0.35%) schlossen gegen den allgemein etwas schwächeren Trend der Finanzwerte ebenfalls etwas höher. Die Grossbank rückte mit verschiedenen Medienberichten in den Fokus. So könnten ihr bei der Abwicklung der «Greensill-Fonds» bald weitere Barmittel für die Investoren zufliessen. Zudem könnte es einem weiteren Medienbericht zufolge noch in diesem Jahr zu einem Chefwechsel kommen. Die Bank kommentierte die Gerüchte nicht.

Die meisten anderen Finanzwerte, darunter Julius Bär (BAER 45.83 +1.26%), Swiss Life (SLHN 471.70 -0.06%), UBS  und Zurich, gaben dagegen nach.

Unter Druck standen Technologiewerte wie Temenos (TEMN 84.70 -0.17%), AMS Osram (AMS 9.41 +0.79%), Logitech (LOGN 52.82 -1.05%) und VAT, die zwischen 3,1 und 2,1% verloren.

Holcim (HOLN 42.81 -2.08%) schlossen nach einem zunächst festeren Start um -0,9% in der Verlustzone. Der Baustoffkonzern will sein Indien-Geschäft verkaufen. Analysten begrüssen den Schritt aus strategischer Sicht.

In den hinteren Reihen waren Medmix (MEDX 21.96 +0.73%) unter den grössten Verlierern zu finden. Für den ehemaligen Medmix-Mutterkonzern Sulzer (SUN 62.30 +1.14%) ging es um 4,0% abwärts. Das Geschäft in Polen der beiden Firmen wird durch lokale Sanktionen beeinträchtigt.

Zur Rose  waren ebenfalls sehr schwach. Händler verwiesen auf das Hickhack um die Einführung des E-Rezepts in Deutschland.

Das Gegenstück bildeten Werte wie Lalique (LLQ 34.00 -2.86%), Ascom (ASCN 7.00 +1.01%) und Metall Zug (METN 1'925.00 +2.12%), die mehr als 6% gewannen. Obseva stiegen am Tag vor Bilanzvorlage um 9,6%.

Euro legt zum Dollar leicht zu

Der Euro hat am Montag zum US-Dollar etwas zugelegt. Am frühen Nachmittag kostet die Gemeinschaftswährung 1,0432 $. Am Morgen lag der Kurs zeitweise nocht unter 1,04 $. Gegenüber dem Schweizer Franken notiert der Euro derweil mit 1,0432 etwas höher. Auch der Dollar konnte den Kurs über Parität zum Franken weiter festigen; der Kurs liegt bei 1,0040 Fr.

Der Euro notiert damit zum Dollar über einen halben Cent über seinem am Freitag markierten Fünfjahrestief. Belastend wirkt seit einiger Zeit die Aussicht auf deutlich steigende Zinsen. Ein Test der Parität zum Dollar bleibt nach Einschätzung der Dekabank wahrscheinlich. Die Experten verweisen auf die im Vergleich zu den USA ausgeprägteren Konjunkturrisiken in der Eurozone. So ist die EU stark von russischem Erdöl und Erdgas (NG 6.39 +3.52%) abhängig.

Die Wirtschaft der Eurozone bleibt weiterhin durch eine hohe Inflation und schwächelndes Wachstum geprägt. So hat die EU-Kommission in ihrer Frühjahrsprognose die Inflationserwartungen für 2022 fast verdoppelt auf 6,1%. Gleichzeitig verringerte sie ihre Prognosen für das Wirtschaftswachstum deutlich. Schon in ihrer Winterprognose im Februar hatte die Brüsseler Behörde die Vorhersagen unter anderem wegen der hohen Energiepreise und der Omikron-Welle angepasst. Der Krieg in der Ukraine und vor allem die hohen Preise für Energie und andere Rohstoffe üben weiter Druck aus.

Ölpreise geben zu Wochenbeginn nach

Die Ölpreise sind am Montag mit Abschlägen in die neue Woche gestartet. Am Markt wurden vor allem schwache Wirtschaftsdaten aus China als Grund genannt. Am Mittag kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 110,73 $. Das waren 82 Cent weniger als am Freitag. Der Preis für ein Fass der US-amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI (WBS 117.46 +2.28%)) fiel um 63 Cent auf 109,86 $.

«Massgeblich sind die schwachen chinesischen Konjunkturdaten, denn die Lockdown-Massnahmen hinterlassen – anders als an den Industriemetallmärkten – am zweitgrössten Ölabsatzmarkt der Welt unmittelbare Wirkung», erklärte Commerzbank-Expertin Barbara Lambrecht. Schon seit einiger Zeit ruft die strikte Corona-Politik der Volksrepublik Sorgen hervor, die Wirtschaftstätigkeit des Landes könnte erheblich unter den scharfen Ausgangssperren leiden.

Dies scheint sich mehr und mehr zu bewahrheiten: Neue Produktionsdaten aus der Industrie und Umsatzzahlen vom Einzelhandel enttäuschten deutlich. Schon vor einigen Wochen hatten wichtige Konjunkturindikatoren wie die Einkaufsmanagerindizes in diese Richtung gedeutet.

Als Hoffnungsschimmer wurde am Markt auf die etwas weniger angespannte Infektionslage in Shanghai verwiesen. Damit steigt die Hoffnung, dass die Wirtschaftsmetropole bald nicht mehr so stark von den Corona-Beschränkungen belastet wird. China ist die zweitgrösste Volkswirtschaft der Welt und einer der grössten Energieverbraucher.

Goldpreis fällt unter 1’800 $

Gold steht an den internationalen Finanzmärkten weiter unter Druck. Am Montag fiel der Preis für eine Feinunze (etwa 31,1 Gramm) an der Rohstoffbörse in London bis auf 1’787 $. Das war der tiefste Stand seit Ende Januar. Schon am Freitag wurde die runde Marke von 1’800 $ kurzzeitig unterschritten. In Euro gerechnet kostete eine Feinunze Gold am Montag im Tief 1’716 $. Das war der tiefste Stand seit Ende März.

Seit Mitte April geht es mit dem Goldpreis in der Tendenz nach unten. Seither hat Gold etwa 9% an Wert verloren. Seit Jahresbeginn liegt Gold jedoch nur leicht in der Verlustzone. Im mehrjährigen Vergleich kann der Goldpreis deutliche Zugewinne vorweisen. Auf Sicht von fünf Jahren beispielsweise ergibt sich ein Preiszuwachs von 40%.

Fachleute nennen vor allem den steigenden Dollarkurs als derzeitige Belastung. Der Dollar erhält seit längerem kräftigen Rückenwind durch die straffere Geldpolitik der US-Notenbank Fed, die sich mit deutlichen Zinsanhebungen gegen die hohe Inflation stemmt. Da Gold überwiegend in der US-Währung gehandelt wird, verteuert ein steigender Dollarkurs den Goldkauf für Anleger aus anderen Währungsräumen und lastet auf deren Nachfrage.

Die Rohstoffexperten der Commerzbank (CBK 7.27 -0.79%) verweisen darüber hinaus auf eine zuletzt schwache Investorennachfrage. An der Börse handelbare Fonds (ETF) hätten in den vergangenen Wochen nicht nur weniger Gold nachgefragt, sondern unter dem Strich sogar abgestossen, schreibt Experte Daniel Briesemann in einem Kommentar. «In den letzten drei Wochen summieren sich die Abflüsse auf 58 Tonnen.»

 

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