Märkte / Aktien

SMI: Bärenmarkt hält an

Die Schweizer Börse hat sich am Dienstag von ihrer freundlicheren Seite gezeigt.

(AWP/Reuters)  Gewissen Rückenwind gab es aus China, wo sich die Hoffnung auf eine baldige Lockerung der äusserst restriktiven Coronamassnahmen in Shanghai positiv auswirkten. Und auch die US-Konjunkturdaten liessen die Händler zumindest ein Stückweit aufatmen: So haben die Detailhandelsumsätze (ohne Autoverkäufe) im April etwas stärker zugenommen als erwartet. Und auch die Industrie steigerte ihre Produktion stärker als angenommen.

Doch wirkliche Sprünge nach oben bleiben nach wie vor Wunschdenken. Einerseits sorge der Ukraine-Krieg nach wie vor für Unsicherheit und gleichzeitig gingen die Inflationszahlen nach oben – nun machten sich Rezessionsängste breit, hiess es im Handel. «Solange sich die Situation nicht beruhigt, geht es im besten Fall seitwärts weiter», kommentierte ein Händler. Stimmungs- und volumenmässig sei der Tag ohne viel Action verlaufen, sagte ein anderer.

Der SMI (SMI 10'741.21 -0.65%) schloss 0,50% höher bei 11’730,44 Punkten. Der SLI, in dem die 30 wichtigsten Aktien enthalten sind, legte um 0,88% zu auf 1’825,11 und der breite SPI (SXGE 13'834.34 -0.63%) um 0,50% auf 15’076,84 Zähler. Im SLI standen sich bei Handelsschluss 25 Gewinner und fünf Verlierer gegenüber.

Nach einem freundlicheren Start nahmen die Schwergewichte Nestlé (NESN 111.44 -0.85%) und Novartis (NOVN 80.85 -0.42%) dem Markt im späteren Handel weitgehend den Wind aus den Segeln. Gegen Handelsschluss drehte mit Roche auch noch das dritte Schwergewicht im Bunde in den roten Bereich, allerdings mit 0,02% nur minimal. Bei Nestlé handelte es sich laut einem Händler höchstens um eine minimale Gegenbewegung. Die Titel seien schliesslich immer noch hoch bewertet, betonte er.

Als grösste Verlierer unter den Blue Chips gingen Sonova (SOON 304.00 -0.10%) aus dem Handel. Der Hörgerätehersteller hat bei der Vorlage seiner Jahreszahlen 2021/22 zwar beim Umsatz die Erwartungen leicht übertroffen und auf Gewinnseite wie erwartet abgeschnitten. Allerdings ist die Ebita-Marge wegen der Übernahmen etwas tiefer ausgefallen, als die Experten sich erhofft hatten.

Ebenfalls negativ gingen Givaudan (GIVN 3'357.00 -1.38%) aus dem Handel, die allerdings in den letzten paar Tagen deutlich zugelegt haben.

Auf der anderen Seite des Spektrums fanden sich die Finanzwerte. Allen voran Julius Bär (BAER 44.04 -1.50%) mit einem Plus von 3,9%, gefolgt von Partners Group (PGHN 860.20 -1.42%), Credit Suisse (CSGN 5.42 -3.15%) und UBS (UBSG 15.39 -1.79%). Die Finanzwerte hatten am Vortag – mit Ausnahme von CS – noch allesamt Abschläge verzeichnet.

ABB (ABBN 25.46 -0.90%) legten nach dem Investorentag 2,4% zu. Unter anderem hatte der Chef der Antriebstechnik-Sparte in Aussicht gestellt, dass sich die Nachfrage nach elektrischer Energie bis 2040 verdoppeln dürfte.

Wachstumswerte wie VAT Group (VACN 227.60 -1.39%), Straumann (STMN 114.65 +1.51%), AMS Osram (AMS 8.60 -1.83%) oder Temenos (TEMN 81.62 -1.73%) waren ebenfalls gefragt und legten zwischen 2,1% und 2,4% zu. Konjunktursensitive Werte wie Holcim (HOLN 40.85 -1.85%), Sika (SIKA 220.00 -0.05%), Kühne + Nagel (KNIN 226.00 -0.04%) und Schindler (SCHP 174.10 -0.37%) gewannen ebenfalls zwischen 1,2% und 2,1%.

In den hinteren Reihen stiegen Clariant (CLN 18.18 +3.30%) um 7,4% an. Der Chemiekonzern gilt nach der geplanten Auflösung des Management Agreements zwischen Clariant und Hauptaktionär Sabic wieder als Übernahmekandidat, wie es am Markt hiess.

Oerlikon legten 2,3% zu, nachdem der Industriekonzern neue Mittelfristziele bekanntgegeben hat. Das Unternehmen erwartet ein jährliches Umsatzwachstum von 4% bis 6% eine operative Ebitda-Marge von jährlich 17% bis 19% nach bisher 16% bis 18%.

Auch Aryzta (ARYN 1.06 +0.28%) fielen positiv auf. Der Backwarenhersteller profitierte von einer weiteren Kaufempfehlung durch die UBS, die über die nächsten zwölf Monate mit einer Kursverdoppelung rechnet, wie es am Handel hiess.

Obseva legten nach Zahlen 2,6% zu. Medmix gingen mit einem kleinen Plus von 0,4% aus dem Handel und konnten damit den gestrigen Absturz nicht wettmachen, der auf die Nachricht folgte, dass das Geschäft in Polen eingestellt werden musste wegen der Sanktionen gegen Grossaktionär Vekselberg. Sulzer (SUN 59.30 -1.33%) legten ebenfalls um 0,4% zu.

US-Börsen: Hoffnung auf Erholung

Erfreuliche Konjunkturdaten und positive Signale aus Asien haben die US-Börsen am Dienstag wieder in die Erfolgsspur gebracht. Zum Wochenbeginn hatten sie sich angesichts hartnäckiger Wachstumssorgen noch schwer getan. Nun aber gewann der Leitindex Dow Jones Industrial im frühen Handel 0,97% auf 32’535 Punkte. Der S&P 500 als marktbreiter Index legte um 1,30% auf 4’060 Punkte zu. Der technologielastige Nasdaq 100 (NDX 11'658.26 +0.18%) kletterte um 1,65% auf 12 445 Zähler nach oben.

An den asiatischen Aktienmärkten gab es moderate Gewinne. Experten zufolge steigt die Zuversicht, dass der Corona-Lockdown in Shanghai gelockert werden könnte. In der chinesischen Metropole wurden den dritten Tag in Folge keine Neuinfektionen gemeldet, was als Bedingung für eine Milderung der scharfen Virus-Massnahmen gilt. Die harten Massnahmen zur Eindämmung des Virus gelten als ein Grund für die globalen Lieferkettenprobleme, die das Wachstum gefährden.

Gute Nachrichten kamen auch aus den USA: Der Konsum in der grössten Volkswirtschaft der Welt zeigt keine Anzeichen von Schwäche. Die Einzelhandelsumsätze stiegen im April erneut an, wenn auch geringfügig schwächer als erwartet. Ausserdem steigerte die US-Industrie ihre Produktion im April erneut und zudem deutlicher, als Analysten errechnet hatten. Der Zuwachs folgt auf solide Anstiege in den Monaten zuvor.

Schlechte Nachrichten verkraften müssen hingegen die Anleger von Walmart (WMT 121.51 -0.34%) . Der grösste US-Einzelhändler ächzt angesichts von Inflationsdruck und Lieferkettenproblemen unter hohen Kosten. Nach einem deutlichen Gewinnrückgang im Auftaktquartal kürzte der Shopping-Riese seine Jahresziele. Die Titel rutschten auf den tiefsten Stand sei Ende Februar und verloren am Dow-Ende fast 9%.

Besser als Walmart machte es der Baumarktkonzern Home Depot (HD 275.98 +0.77%) , der nach einem erfolgreichen Auftaktquartal optimistischer auf das Gesamtjahr schaut. Die Papiere zogen um 2% an. Händler lobten vor allem den überraschenden Umsatzanstieg auf vergleichbarer Fläche.

Die Anteile von Twitter (TWTR 37.37 -1.14%) versuchten sich nach ihrem Verlust von 17% in zwei Handelstagen zu stabilisieren und legten moderat zu. Der Tech-Milliardär und Tesla-Chef Elon Musk beisst sich beim angekündigten Kauf des Kurznachrichtendienstes an seinem Vorwurf fest, der Dienst habe viel mehr Fake-Accounts als angegeben. Unklar bleibt, ober er damit den Preis drücken will – oder versucht, den Boden für einen Ausstieg aus dem Deal zu bereiten.

Die Aktien von in den USA gelisteten chinesischen Technologieunternehmen trieb die Aussicht auf regulatorische Erleichterungen an. So gewannen die Papiere der Internet-Konzerne Alibaba (BABA 113.86 -1.87%) und Tencent (TCEHY 45.22 -2.54%) , die des Suchmaschinenbetreibers Baidu (BIDU 148.04 -2.17%) und die des E-Commerce-Plattformbetreibers JD.com zwischen vier und mehr als 7%. JD.com hatte zudem mit seinem Nettoumsatz im ersten Quartal positiv überrascht.

US-Dollar sackt ab

Der Dollar hat am Dienstag zum Euro und zum Schweizer Franken deutlich an Wert eingebüsst. Bis zum Nachmittag kletterte der Kurs des EUR/USD-Währungspaares auf 1,0534 $. Der Euro kostete damit über einen Dollar-Cent mehr als am Morgen.

Auch gegenüber dem Schweizer Franken liess der Dollar deutlich nach und fiel um den Mittag herum wieder unter die Parität. Zuletzt kostete der Dollar 0,9924 Fr. Am Morgen hatte er noch deutlich mehr als 1 Fr. gekostet. Das EUR/CHF-Paar tendierte zuletzt mehr oder weniger seitwärts und lag zuletzt bei 1,0455.

Die insgesamt freundliche Stimmung an den Finanzmärkten stützte den Euro. Die Weltleitwährung Dollar wurde hingegen weniger gesucht. Für etwas Hoffnung sorgte die Aussicht auf weniger Corona-Beschränkungen in China. In der Wirtschaftsmetropole Shanghai wurden den dritten Tag in Folge keine Neuinfektionen gemeldet. Die harten Beschränkungen sorgen für Lieferkettenprobleme weltweit. Europäische Volkswirtschaften wie Deutschland und die Schweiz sind besonders stark vom internationalen Handel abhängig.

Der Euro hat sich seit Wochenbeginn etwas von seinen herben Verlusten in den vergangenen Wochen erholt. Vor wenigen Tagen hatte die Gemeinschaftswährung mit 1,0350 $ einen fünfjährigen Tiefstand erreicht. Wesentlicher Grund war der aufwertende Dollar, der seit längerem von den jüngsten Zinserhöhungen und der Aussicht auf weiter deutlich steigende Leitzinsen profitiert.

Rückenwind von steigenden Zinserwartungen erhält nun allerdings auch der Euro. An den Geldmärkten wurde am Dienstag mit Zinsanhebungen durch die EZB um insgesamt einen Prozentpunkt in diesem Jahr gerechnet. Die Erwartungen sind in den vergangenen Wochen Zug um Zug gestiegen. Hintergrund ist die hohe Inflation, die viel höher liegt als das Inflationsziel der EZB.

Deutlich stieg am Dienstag auch das britische Pfund. Gegenüber dem Dollar legte es um mehr als 1% zu. Analysten verwiesen auf neue Daten vom britischen Arbeitsmarkt, die abermals robust ausfielen und weitere Zinsanhebungen durch die Bank of England wahrscheinlich machen. Die Währungshüter haben ihren Leitzins seit vergangenen Herbst schon viermal angehoben und sind unter den grossen Notenbanken damit Vorreiter.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,84400 (0,85045) britische Pfund und 136,32 (135,01) japanische Yen fest.

Ölpreise legen etwas zu

Die Ölpreise haben am Dienstag etwas zugelegt. Zuletzt kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 114,93 $. Das waren 68 Cent mehr als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI (WBS 117.46 +2.28%)) stieg um 57 Cent auf 114,80 $.

«Der Preisanstieg ist auf Optimismus zurückzuführen, dass der Corona-Lockdown in Shanghai gelockert werden könnte», kommentierte Carsten Fritsch, Rohstoffexperte bei der Commerzbank (CBK 6.69 -4.59%). Es verweist auf Aussagen des stellvertretenden Bürgermeisters, laut denen die Einschränkungen bis zum 1. Juni aufgehoben werden könnten.

In der 25-Millionen-Einwohner-Metropole Shanghai wurden den dritten Tag in Folge keine Neuinfektionen gemeldet, was als Bedingung für eine Milderung der scharfen Virus-Massnahmen gilt. «Der seit Ende März währende Lockdown in Shanghai war ein spürbarer Belastungsfaktor für die Ölnachfrage», schreibt Fritsch. China ist einer der grössten Ölverbraucher der Welt.

Nach wie vor befinden sich die Ölpreise auf sehr hohem Niveau. Der Krieg Russlands gegen die Ukraine hat an den Rohstoffmärkten zu hoher Verunsicherung und einem deutlich geringeren Angebot an Rohöl geführt. Hintergrund sind zahlreiche Sanktionen vornehmlich westlicher Länder gegen Russland, das eines der grössten Ölförderländer der Welt ist.

 

 

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