Märkte / Aktien

SMI schliesst trotz Minus über 10’000

Die Einigung im Brexit beflügelt den Schweizer Leitindex nur kurz. Nestlé belasten stark. Roche erholen sich. Temenos und Inficon brechen ein.

(AWP/Reuters/SPU) Der Schweizer Aktienmarkt hat am Donnerstag nach einem Auf und Ab leicht im Minus geschlossen. Der Swiss Market SMI (SMI 9985.28 -2.16%) stand bereits bei Eröffnung 0,1% im Minus. Im frühen Handel weitete er die Verluste leicht aus. Vor dem Mittag fand der Leitindex den Weg ins Plus und baute seine Gewinne klar aus. Rückenwind bekam der Aktienmarkt zwischenzeitlich von der Nachricht, dass es bei den Brexit-Verhandlungen zu einem Durchbruch gekommen war. Dies bestätigten Premierminister Boris Johnson und EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker. Doch der Brexit-Effekt verpuffte rasch, und der SMI beendete den Handelstag schwächer, aber über der Marke von 10’000.

In New York legten die Kurse mehrheitlich zu. Die drei grossen Wallstreet-Indizes gewannen bei Börsenschluss in Zürich. Für eine Stimmungsaufhellung sorgten ermutigende Firmenbilanzen, sagte Peter Cardillo, Chef-Volkswirt des Vermögensberaters Spartan. Die Leitindizes Dow Jones (Dow Jones 25766.64 -4.42%) lag mit 0,1%. Der breiter gefasste S&P stieg 0,4%. Avancen von 0,4% fuhr auch der Nasdaq Composite ein.

Auf Unternehmensseite bescherte ein überraschend starkes Kundenwachstum der Online-Videothek Netflix ein Kursplus. Der Überschuss von Morgan Stanley fiel unter anderem dank eines starken Anleihegeschäfts ebenfalls höher aus als erwartet. Die Aktien der Bank legten zu. Enttäuscht reagierten Anleger dagegen auf den Umsatz- und Gewinnrückgang bei IBM.

Nestlé waren am schwächsten

Nestlé (NESN 100.08 -1.65%) konnten dem SMI keine positiven Impulse verleihen – im Gegenteil, die Aktien verloren deutlich. Händler sprachen von Gewinnmitnahmen nach dem starken Lauf der Titel. Der Lebensmittelmulti war in den ersten neun Monaten wie von Analysten erwartet organisch um 3,7% gewachsen. Positiv beurteilte der Markt, dass der Konzern in den nächsten Jahren bis zu 20 Mrd. Fr. an die Aktionäre – vor allem über Aktienrückkäufe – ausschütten will.

Verluste fuhren auch die Bankaktien um UBS (UBSG 10.79 -2.53%) und Credit Suisse (CSGN 11.09 -2.63%) ein.

Roche (ROG 316.85 -1.74%) bildeten ein Gegengewicht und sorgten mit Avancen für Stabilität im SMI. Die Papiere des Pharmakonzerns erholten sich von den deutlichen Abgaben nach der gestrigen Zahlenpublikation. Die Aktien von Rivale Novartis (NOVN 82.94 -2.48%) gewannen leicht.

Fester präsentierten sich die Versichererwerte wie Swiss Life (SLHN 431.4 -3.06%), Swiss Re (SREN 93.48 -1.56%) und Zurich Insurance (ZURN 378.5 -3.05%).

Die Anteile von Swatch Group (UHR 221.8 -2.63%) und Richemont (CFR 64.32 -2.58%) stiegen. Grund dafür war der Anstieg der Uhrenexporte um 10% im September. Die Uhrenhersteller konnten den Rückgang in Hongkong auf anderen Märkten mehr als wettmachen.

Temenos auf Talfahrt

Im SMIM (SMIM 2560.564 -2.18%) standen Temenos (TEMN 139.35 -4.09%) stark unter Druck. Wider Erwarten hatte der Bankensoftwareanbieter für einmal die Erwartungen nicht erfüllt. Er blieb im dritten Quartal des laufenden Jahres zwar auf Wachstumskurs. Während in den USA das Geschäft auf Hochtouren lief, gab es in der Region Naher Osten/Afrika (MEA) aber einen Dämpfer.

Die Einbussen wirkten sich auch auf andere Titel im Sektor aus. AMS (AMS 33.91 -3.31%) und Logitech (LOGN 36.97 -2.4%) verloren.

Etwas schwächer handelten die Aktien von GAM (GAM 3.278 -1.44%). Der mit Problemen kämpfende Asset-Manager hatte im dritten Quartal weitere Abflüsse verzeichnet.

Von einem Analystenkommentaren belastet wurden Kühne + Nagel (KNIN 139.75 -1.9%). Goldman Sachs (GS 205.69 -4.68%) hatte die Aktien des Logistikkonzerns von «Neutral» auf «Sell» gesenkt.

Am breiten Markt wurden Inficon (IFCN 675 -4.46%) markant tiefer gehandelt. Das Unternehmen aus dem Halbleiterbereich wies Quartalszahlen aus, die unter den Prognosen liegen. Davon wurden auch die Valoren des Ostschweizer Vakuumventilherstellers VAT Group (VACN 134.1 -1.83%) belastet. «Der Halbleitersektor läuft insgesamt nicht gut», sagte ein Händler und erwähnt als weitere Bespiele Cicor und U-Blox (UBXN 75.65 -2.83%).

Rieter (RIEN 112.6 -2.6%) gaben klar nach. UBS empfahl die Titel des Maschinenbauers neu mit «Sell», nach «Neutral». Das Kursziel lautet neu 115 Fr. (zuvor 138 Fr.).

Die Papiere des Mischkonzerns Conzzeta (CON 977 -2.2%) stiegen hingegen und wetzten damit die Kursscharte vom Vortag aus.

Anleger in Asien vorsichtig

Die Furcht vor einem weltweiten Wirtschaftseinbruch aufgrund des US-chinesischen Handelsstreits sorgte an den asiatischen Börsen für Zurückhaltung bei den Anlegern. In Japan, an der grössten Börse der Weltregion, verlor der Leitindex Nikkei 500 rund 0,1%. In China stagnierte der Leitindex Shanghai Composite, und in Südkorea handelte der Kospi mit Verlusten (–0,4%). In Hongkong avanciert der Hang Seng dagegen 0,5%.

Franken im Hoch

Der Franken erstarke am Donnerstag sowohl zum Dollar als auch zum Euro. Mit der Einigung auf ein Brexit-Abkommen kletterte der Euro zwar in der Spitze bis in den Bereich von 1,1060 Fr. Dann sackte die europäische Einheitswährung ab und fiel sogar unter die Marke von 1.10 Fr. Um 17.30 Uhr MESZ kostete der Euro 1.0977 Fr. Der Dollar gibt zum Franken nach und stand bei 0.9883 Fr.

Der Euro legte zum Dollar zeitweise klar auf 1.1140 $ zu und damit auf den höchsten Stand seit Ende August. Am Abend fiel er wieder etwas zurück und lag bei 1.1112 $. Das Pfund schoss mit der Brexit-Entwicklung nach oben, büsste aber die gesamten Avancen zum Dollar, Euro und Franken wieder ein und wurde bei Börsenschluss in Europa sogar teilweise deutlich schwächer gehandelt.

Ölpreis leichter

Der Ölpreis fiel am Donnerstag. Händler nannten neue Lagerdaten aus den USA als Grund. Bei Börsenschluss in Europa kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent (Brent 51.62 -2.71%) 59 $. Der Goldpreis bewegte sich leicht aufwärts und lag bei 1494 $ pro Feinunze.

Bitcoin leicht über 8000 $

Bitcoin (Bitcoin 8789.43 -5.78%), die grösste und bekannteste der mehr als 2300 Kryptowährungen, rang am Donnerstag weiter mit der Marke von 8000 $. Nachdem die Grenze gestern unterschritten worden war, notierte Bitcoin Donnerstagabend wieder leicht darüber.