Märkte / Aktien

SMI schliesst schwächer, aber über 12’500

Nach den gestrigen Avancen verliert die Schweizer Börse. Wallstreet gibt klar nach. Der Ölpreis ist so hoch wie 2014. Der Euro liegt unter 1.04 Fr.

(AWP/Reuters/SPU) Der Schweizer Aktienmarkt hat am Dienstag schwächer, aber über dem Tagestief geschlossen. Die Anleger seien wegen der zahlreichen Probleme verunsichert, hiess es am Markt. Und solange sich kein Licht am Ende des Tunnels zeige, werde der Negativtrend wohl anhalten. Seit dem der SMI (SMI 11'647.17 +1.35%) am ersten Handelstag des Jahres mit 12’997 Zählern noch ein Rekordhoch erreicht hatte, hat er bis dato bald 500 Punkte verloren.

Auch die New Yorker Börse büssten ein. Die drei wichtigen Indizes verloren allesamt markant, nachdem Wallstreet gestern feiertagsbedingt geschlossen gewesen waren. Der S&P 500 büsste bei Börsenschluss in Europa 1,5% ein. Der Dow Jones notierte 1,4% schwächer. Deutliche Verluste waren ebenfalls an der Technologiebörse zu beobachten. Der Nasdaq Composite verlor 2%.

Die fast 70 Mrd. $ schwere Übernahmeofferte von Microsoft bescherte Activision Blizzard den grössten Kurssprung seit mehr als 27 Jahren. Die Aktien des Anbieters von Videospielen wie «Call of Duty» oder «Candy Crush» stiegen rund 30%. Anders sah es bei Goldman Sachs aus. Der Gewinn des Geldhauses sei hinter den Erwartungen zurückgeblieben, monierte Analyst Daniel Fannon von der Investmentbank Jefferies. Grund hierfür seien unter anderem höhere Kosten und Rückstellungen für faule Kredite.

Vor allem den Inflations- und Zinssorgen und damit verbundenen Konjunkturängsten lösten Gewinnmitnahmen bei den Aktien aus, sagten Händler. Doch auch an den Anleihemärkten fallen die Kurse und dies treibt die Renditen auf neue Höchststände. Die Anleger befürchteten eine Beschleunigung des geldpolitischen Kurswechsels der US-Notenbank. «Kein Wunder lassen vor allem die Werte, die 2021 überdurchschnittlich stark gestiegen sind nun auch überdurchschnittlich stark Luft ab», sagte ein anderer Händler.

Viele Verlierer im SMI

Viele SMI-Werte gaben nach. Gegen den Trend stemmten sich Versicherer. So schlossen Swiss Re (SREN 80.36 +1.80%) und Swiss Life (SLHN 555.60 +0.51%) im Plus. Zurich Insurance (ZURN 441.70 +0.00%) entwickelten sich wesentlich besser als der Markt.

Geringe Gewinne respektive unterdurchschnittliche Verluste waren bei defensiven Valoren zu beobachten. So beendeten Swisscom (SCMN 574.40 +0.35%) und die Schwergewichte Nestlé (NESN 116.58 +2.05%) den Handel fester. Novartis (NOVN 87.12 -0.80%) und Roche bauten einen Grossteil ihrer Verluste ab. Bei Roche hatte sich am Morgen ein Bernstein-Analyst positiv zu Wort gemeldet und gemeint, Roche sollte man 2022 halten.

Credit Suisse (CSGN 6.97 +3.20%) büssten nach einer anfänglichen Stabilisierung ein. Die Titel der Grossbank hatten gestern nach dem abrupten Wechsel im Präsidium nachgegeben.

Zudem setzten die Aktien des Vermögensverwalters Partners Group (PGHN 1'048.00 +3.40%) ihre jüngste Schwächephase fort.

Zyklische Papiere waren schwach, was sich durch Verluste in ABB (ABBN 29.36 +1.94%), Sika (SIKA 267.00 +4.71%), Geberit (GEBN 531.20 +2.75%) oder Holcim (HOLN 48.00 +0.82%) zeigte. Holcim ist weiterhin auf Einkaufstour. Kurz nach einem grösseren Zukauf in Frankreich übernimmt der Schweizer Baustoffkonzern mit PTB-Compaktuna (PTB) einen belgischen Bauspezialisten im Bereich Energieeffizienz- und Renovierungslösungen. Umsatzgrösse oder Kaufpreis werden nicht genannt.

Schlusslicht im SMIM (SMIM 2'822.78 +2.93%) waren Straumann (STMN 119.70 +7.55%), die Aktien des Dentalunternehmens gehören zu den besten Werten 2021.

Überdurchschnittlich stark fielen auch die Vertreter der Technologiebranche zurück. So gaben allen voran Temenos (TEMN 95.36 +2.91%) nach, AMS Osram (AMS 11.40 +4.78%) und Logitech (LOGN 57.06 +3.48%) folgen. Händler verwiesen auf die Wallstreet. Schwach waren auch die Überfliegeraktien des Vakuumventileherstellers VAT Group (VACN 278.00 +5.22%).

Die Valoren des Uhrenherstellers Swatch Group (UHR 235.10 +4.03%) erholten sich vom Tagestief. In einer Branchenstudie hatten die Experten von Morgan Stanley (MS 86.45 +1.71%) Rating und Kursziel gesenkt. Wegen des geografischen Mix rechnen sie bei Swatch Group für 2021 mit einem Umsatzrückgang. Einen ersten Hinweis auf die Entwicklung in der Branche wird am (morgigen) Mittwoch bereits Konkurrent Richemont (CFR 103.85 +9.55%) liefern, der Zahlen zum Schlussquartal 2021 vorlegen wird.

Stabil schlossen Vifor, nachdem die australische CSL bei der Übernahme vorwärtsmacht und den Angebotsprospekt veröffentlicht hatte. Start ist am 2. Februar. Der Übernahmepreis bleibt bei 179.25 $, was aktuell rund 164 Fr. entspricht.

Die Papiere des Schokoladenkonzerns Lindt & Sprüngli (LISN 99'900.00 +2.36%) fielen nach Zahlen zurück. Das Unternehmen hat den krisenbedingten Einbruch hinter sich gelassen und beim Umsatz das Vorkrisenjahr 2019 deutlich übertroffen.

Massive Verluste fuhren GAM (GAM 1.03 +7.53%) ein. Auch 2021 wird für den Vermögensverwalter ein Verlustjahr. 

Gemischtes Bild in Asien

Die asiatischen Aktienmärkte zeigten im heutigen Handel eine insgesamt uneinheitliche Tendenz. In Tokio notierte der Nikkei 225 um 0,3% tiefer, während der breiter gefasste Topix um 0,3% nachgab. Die Bank of Japan publizierte höhere Inflationserwartungen, was die Kurse belastete. Die Titel auf dem chinesischen Festland entwickelten sich derweil gemischt. Der CSI 300 gewann 0,7%, der Shanghai Composite legte 0,5% zu, und der Shenzhen Composite liess marginal um 0,1% nach. Das Land erreichte 2021 laut statistischen Daten mit 8,1% im Jahresvergleich die beste Wirtschaftswachstumsrate seit 2011. Damit wurden die Prognosen nicht ganz erreicht, die Erwartungen für das vierte Quartal separat wurden aber übertroffen. Der Hang Seng in Hongkong verlor derweil 0,6% und der südkoreanische Leitindex Kospi 1%. In Australien schloss der S&P/ASX 200 um 0,1% schwächer.

Euro unter 1.14 $ und 1.04 Fr.

Der Euro rutschte am Dienstag deutlich unter 1.14 $ sowie unter 1.04 Fr. Die Gemeinschaftswährung kostete am Abend 1.1345 $. In der Nacht hatte der Euro noch klar über 1.14 $ notiert. Zum Franken fiel der Euro gar unter die Marke von 1.04 auf 1.0398 Fr. und steht damit tiefer als am Morgen oder am Vorabend. Dagegen gewann der Dollar auch zum Franken an Wert und wurde bei Börsenschluss in Europa mit 0.9167 Fr. höher als am Morgen gehandelt.

Brent so teuer wie seit 2014 nicht mehr

Der Ölpreis setzte am Dienstag seine jüngste Rally fort. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent stieg auf den höchsten Stand seit 2014. Ein Fass der Nordseesorte kostet am Abend 86.50 $. Die Ölpreise befinden sich seit einiger Zeit auf einem Höhenflug. So stieg der Brent-Preis allein in den ersten Wochen in diesem Jahr um rund 12%, nachdem er im vergangenen Jahr um rund die Hälfte angezogen hatte. Seit dem Tief im Corona-Crash im Frühjahr 2020 summiert sich das Plus auf fast 450%.

Gold gab etwas nach, hielt sich aber mit einem Preis von 1816 $ pro Feinunze weiter über der Marke von 1800 $.

Bitcoin tendierte abwärts und lag bei Börsenschluss in Europa bei gut 41’500 $.

Leser-Kommentare

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Hansruedi Bissegger 18.01.2022 - 20:03

Straumann macht Zahnimplantate, nicht Hörsysteme !