Märkte / Aktien

Schweizer Börse legt wieder den Rückwärtsgang ein

Der Ausverkauf hat sich am Mittwoch fortgesetzt. Die Ölpreise und das britische Pfund sind auf historische Tiefstände gefallen.

(AWP/CF) Die Furcht vor den wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Pandemie hat an der Schweizer Börse am Mittwoch wieder Überhand genommen. Nach einer Erholung am Vortag setzten wieder Verkäufe ein und der Swiss Market Index (SMI (SMI 9242.44 -0.31%)) sank. Experten erklärten, offenbar erwarteten Investoren eine Deflation, eine Spirale fallender Preise und rückläufiger Investitionen.

Bei Unternehmen, die stark von der Konjunktur abhängig sind, brachen die Kurse am deutlichsten ein. So zum Beispiel der Zementriese LafargeHolcim (LHN 34.32 -0.58%). Die Aktien der ebenfalls im Baubereich tätigen Sika (SIKA 154.2 1.38%) ermässigten sich ebenso deutlich. Starke Einbussen verzeichneten auch Versicherungswerte wie Swiss Re (SREN 71.18 -0.45%). Die EU-Versicherungsaufsicht EIOPA ermahnt die Branche, in der Krise ihr Geld zusammenzuhalten.

Zu den raren Kursgewinnern gehörten der Duft- und Aromenhersteller Givaudan (GIVN 2995 0.34%) und der Warenprüfkonzern SGS (SGSN 2230 0.45%). UBS (UBSG 8.656 -1.5%) war stabil. Die Grossbank hat die Coronavirus-Krise bisher weitgehend unbeschadet überstanden. Der Finanzinvestor Partners Group zieht den Kauf von eigenen Titeln im Rahmen des jährlichen Aktienkaufprogramms zur Deckung seiner Mitarbeiterbeteiligungsprogramme vor, um von der aktuell tiefen Bewertung zu profitieren. Die Anteile notierten praktisch unverändert.

Medacta und Evolva verlieren zweistellig

Im breiten Markt sanken BKW (BKW 78.4 0%). Der Stromkonzern hat 2019 den Gewinn und stellt eine höhere Dividende in Aussicht. (Lesen Sie hier mehr.)

Noch deutlicher verloren Medacta (MOVE 50.8 1.6%). Marco Gadola verlässt den Verwaltungsrat der Medizintechnikfirma in Richtung Mitbewerber Medartis (MED 36.5 4.58%).

Evolva (EVE 0.1716 -0.58%) sackten ab. Das Biotechunternehmen hat 2019 den Umsatz gesteigert und einen geringeren negativen freien Cashflow ausgewiesen. Für das laufende Jahr stellt das Unternehmen einen Ebitda etwa auf Vorjahreshöhe in Aussicht.

Eine Übersicht über die Gewinner und die Verlierer finden Sie hier.

Coronavirus-Angst setzt Wall Street weiter zu

Die Furcht vor den wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Pandemie hat die Wall Street trotz eines geplanten billionenschweren US-Konjunkturprogramms weiter fest im Griff. «Es herrscht Panikstimmung», sagte Peter Cardillo, Chefökonom des Vermögensberaters Spartan. Offenbar erwarteten Investoren eine Deflation, eine Spirale fallender Preise und rückläufiger Investitionen.

An der Wall Street rutschen die Leitindizes Dow Jones (Dow Jones 21052.53 -1.69%), Nasdaq und S&P 500 (SP500 2488.65 -1.51%) bis zum hiesigen Börsenschluss ab, nachdem sie am Dienstag deutlich zugelegt hatten. Dabei markierte der Dow mit 19’871,45 Punkten den niedrigsten Stand seit drei Jahren.

Nach seiner jüngsten Stabilisierung schliesst auch der deutsche Leitindex Dax (DAX 9525.77 -0.47%) am Mittwoch schwächer. Am Dienstag hat der deutsche Leitindex dank geplanter neuer Geldspritzen der US-Notenbank Fed 2,3% im Plus bei 8939,1 Punkten geschlossen.

Im Fokus der Anleger standen BMW (BMW 44.75 -0.26%). Nach Volkswagen (VOW 138.5 27.06%) reagiert nun auch de Münchner Autobauer auf das Coronavirus. Er fährt die Produktion herunter und erwartet zudem einen Gewinnrückang.

Reiseverbote drücken Ölpreis weiter nach unten

Die Ölpreise sind am Mittwoch weiter eingebrochen. Auch wenn die Verluste geringer ausfallen als an den vergangenen Handelstagen, liegen die Preise für wichtige Ölsorten zuletzt auf historisch niedrigen Niveaus. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent (Brent 34.89 17.55%) kostet rund 90 Cent weniger als am Vortag und notiert auf dem niedrigsten Niveau seit 2016.

Der Preis für ein Barrel der amerikanischen Sorte WTI (WTI 27.51 14.39%) ist derweil erstmals seit 2002 unter die Marke von 25$ je Barrel gerutscht. Das US-Öl kostet rund 2$ weniger als am Dienstag.

Britisches Pfund fällt auf 35-jähriges Tief

Das britische Pfund steht an den Finanzmärkten angesichts der Virus-Krise unter erheblichem Druck. Am Mittwoch fiel das britische Pfund in US-Dollar auf den tiefsten Stand seit 35 Jahren. Mit 1,1757 $ wurde der niedrigste Wechselkurs seit dem Jahr 1985 erreicht. Unterboten wurde sogar der tiefe Fall nach dem Brexit-Referendum im Jahr 2016. Britische Staatsanleihen, normalerweise eine als sicher geltende Anlage, gaben ebenfalls stark nach.

Der Kurs des Euro hat am Mittwochnachmittag seine jüngsten Verluste deutlich ausgeweitet. Die Euro in US-Dollar (EURUSD 1.08124 -0.3%) sackte unter 1,09 $ und notierte zuletzt bei 1,0851 $. Am Morgen war sie noch kurzzeitig bis auf 1,1045 Dollar gestiegen.

Der Euro in Franken (EURCHF 1.0553 0%) notiert wieder bei einer Marke von 1,0538 Fr. – dem Tief, das er erst vor zwei Tagen erreicht hatte. Seit dem Sommer 2015, nachdem die SNB (SNBN 4580 6.76%) den Mindestkurs aufgehoben hatte, hat das Euro/Franken-Paar nicht mehr so tief notiert wie in den letzten Wochen. Der US-Dollar in Franken (USDCHF 0.97615 0.18%) macht dagegen Boden gut und hat bei 0,9725 Fr. die 0,97er Marke wieder zurückerobert.

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