Märkte / Aktien

SMI klar im Minus

Die Schweizer Aktienbörse gab am Mittwoch nach einem festeren Start im Verlauf die Gewinne wieder ab und rutschte klar in die Verlustzone.

(AWP/Reuters) Händler machten dafür die wieder gestiegenen Sorgen, dass eine zu starke Straffung der US-Geldpolitik die Konjunktur abwürgen und dies die Weltwirtschaft beeinträchtigen könnte. Auslöser waren Worte von US-Notenbankchef Jerome Powell am Dienstag. Demnach soll die Geldpolitik solange gestrafft werden, bis die Inflation wieder im Griff ist.

Dazu kommen Befürchtungen, dass den erhofften Lockerungen in der Bekämpfung der Covidpandemie in China bald wieder Verschärfungen folgen könnten. Zudem enttäuschte nach Amazon (AMZN 106.32 -2.39%) und Walmart (WMT 121.41 -0.42%) auch der US-Einzelhändler Target. Steigende Kosten schmälerten die Margen und die Teuerung schränke die Konsumenten zunehmend ein. Dies liess laut Händlern die Kurse an der Wall Street deutlich nachgeben. Zusätzlich drückten Kursverluste beim SMI-Schwergewicht Nestlé (NESN 111.44 -0.85%) den hiesigen Markt. «Die Börsen stehen auf tönernen Füssen», sagte ein Händler. Den Anlegern fehle einfach das Vertrauen in eine nachhaltige Erholung. Immer mehr Marktteilnehmer seien davon überzeugt, dass der Bärenmarkt anhalten werde.

Der SMI (SMI 10'741.21 -0.65%) schloss nach einem Tageshoch bei 11’783 Punkten um 1,29% niedriger auf dem Tagestief von 11’579,14 Zählern. Der SLI, in dem die 30 wichtigsten Aktien enthalten sind, fiel um 1,48% auf 1798,11 und der breite SPI (SXGE 13'834.34 -0.63%) um 1,44% auf 14’859,42 Zählern. Sämtliche SLI-Werte büssten an Terrain ein.

Ein Grossteil des Indexrückgangs ging zu Lasten des Nahrungsmittelschwergewichts Nestlé. Damit war die Nestlé-Aktie für fast zwei Drittel des SMI-Rückgangs verantwortlich.

Den prozentual stärksten Abschlag setzte es aber für Sonova (SOON 304.00 -0.10%). Der Hörgerätehersteller hatte am Vortag zwar für 2021/22 solide Zahlen vorgelegt, die Analysten aber mit der Ebita-Marge nicht überzeugen können. Zudem zählt Sonova wie Straumann (STMN 114.65 +1.51%) und Lonza (LONN 509.00 +0.91%) zu den Wachstumswerten, die sich seit einiger Zeit wie viele, an der Nasdaq gehandelte Titel im Korrekturmodus befinden.

Grössere Einbussen gab es auch für die Luxusgüterwerte. Richemont (CFR 101.65 -1.12%) sackten um 2,4% und Swatch um 3,1% ab. Aber auch wenig konjunktursensitive Titel wie Givaudan (GIVN 3'357.00 -1.38%) und Swisscom (SCMN 527.40 +1.15%) konnten sich den Abgaben nicht entziehen.

Bei den Technologietiteln schlugen sich VAT Group (VACN 227.60 -1.39%) und AMS Osram (AMS 8.60 -1.83%) besser als Temenos (TEMN 81.62 -1.73%). Logitech (LOGN 49.87 -0.70%) erhielten eine Stütze durch eine Kaufempfehlung der UBS (UBSG 15.39 -1.79%). Im Frühhandel hatte der Titel noch im Plus notiert.

Holcim (HOLN 40.85 -1.85%) verloren 1,3%. Ein Pariser Berufungsgericht hat die Anklage gegen den Zementkonzern wegen Beihilfe zu Verbrechen gegen die Menschlichkeit bestätigt. Holcim-Fusionspartner Lafarge wird vorgeworfen, er soll vor Jahren in Syrien mit der Terrorgruppe Islamischer Staat zusammengearbeitet haben und Mio. an die Terroristen bezahlt haben.

Relativ gut kamen die Aktien von ABB (ABBN 25.46 -0.90%) durch den Tag. Der Industriekonzern informierte am zweiten Tag seiner Investorenveranstaltung über den Bereich Prozessautomation.

Zu den «besseren Blue Chips» zählten neben den Pharmariesen Roche GS (ROG 318.55 -0.34%) und Novartis (NOVN 80.85 -0.42%) noch zyklische Werte wie Adecco (ADEN 32.44 -0.64%) und der Versicherer Swiss Life (SLHN 465.00 -0.73%). Dagegen rutschten Credit Suisse (CSGN 5.42 -3.15%) und UBS, Zurich und Swiss Re (SREN 73.98 -0.70%) stärker zurück.

Im breiten Markt wurden die Aktien von Dätwyler nach der Senkung der Jahresziele abgestraft. Der Industriekonzern rechnet für 2022 noch mit einen Umsatz zwischen 1,15 und 1,20 Mrd. Franken. Die Ebit-Marge soll zwischen 13% und 16% liegen.

Einmal mehr gaben Zur Rose (ROSE 71.65 -2.91%) markant nach. Der Handel mit den Papieren der Versandapotheke verläuft nicht selten volatil.

Die Aktien von Medmix (MEDX 21.14 -0.09%) setzten den seit Montag andauernden Abwärtstrend fort. Das Unternehmen leidet darunter, dass Polen im Zusammenhang mit russischen Oligarchen Sanktionen ausgesprochen hat.

Aktien New York: Dämpfer für jüngste Erholung

An der Wall Street ist am Mittwoch die jüngste Erholung ins Stocken geraten. Nach der ersten halben Handelsstunde sank der Leitindex Dow Jones Industrial um 1,34% auf 32’216 Punkte. Börsianer verwiesen auf erneut aufgekommene Sorgen, dass eine zu straffe Gangart der US-Notenbank Fed die Konjunktur ausbremsen könnte.

Für den marktbreiten S&P 500 ging es um 1,54% auf 4’026 Punkte nach unten. Der technologielastige Nasdaq 100 (NDX 11'658.26 +0.18%) verlor 1,72% auf 12’348 Zähler. Die US-Bauwirtschaft entwickelte sich im April eher schwach. Die Zahl neu begonnener Häuser und die Anzahl der Baugenehmigungen ging zurück.

Der US-Einzelhändler Target schockte seine Aktionäre mit einer Senkung der Gewinnprognose, was die Papiere auf den tiefsten Stand seit November 2020 drückte. Zuletzt verloren sie ein Viertel. Target verwies auf den deutlichen Kostenanstieg im ersten Quartal, wodurch das Unternehmen in diesem Jahr weniger profitabel wirtschaften dürfte als zunächst angepeilt.

Bereits am Vortag war der Aktienkurs des Branchenriesen Walmart nach einer Kürzung der Prognose um mehr als 11% eingebrochen. Am Mittwoch fielen sie weiter und erreichten den tiefsten Stand seit Sommer 2020.

Nach Quartalszahlen sprangen hingegen die Titel des Discount-Einzelhändlers TJX um fast 11% hoch. Anleger honorierten damit die stärkere Margenentwicklung im Vergleich zu Walmart und Target, hiess es von Marktteilnehmern.

Der Baumarktkonzern Lowe’s enttäuschte mit seiner Umsatzentwicklung auf vergleichbarer Fläche. Die Anteile sanken um 2%. Im Gegensatz zu Lowe’s hatte der Wettbewerber Home Depot (HD 275.10 +0.45%) am Vortag ein positives Ausrufezeichen gesetzt. Dennoch gaben nun auch Home Depot deutlich nach.

Euro gibt nach

Der Euro hat am Mittwoch nachgegeben. Der Kurs der europäischen Gemeinschaftswährung fiel auf 1,0502 $. Am Morgen hatte sie noch etwas höher notiert.

Dagegen hat der Franken gegenüber Dollar und Euro zugelegt. Der Euro notiert derzeit wieder unter der Marke von 1,04 Fr. bei 1,0394 Fr. Am Vortag stand der Euro noch bei 1,0455. Derweil hat der Dollar, der noch am Dienstag über der Parität gehandelt wurde, weiter nachgegeben und kostet zuletzt noch 0,9897 Fr.

Belastet wurde der Euro von der trüben Stimmung an den Finanzmärkten und Kursverlusten an den Aktienmärkten. Die Leitwährung Dollar war daher gefragt. Zeitweise fiel der Euro erneut unter 1,05 $. Am Dienstag hatte der Euro wegen gestiegener Erwartungen an Leitzinserhöhungen durch die EZB noch merklich zugelegt.

Nach eher schwachen Daten aus der US-Bauwirtschaft war der Dollar nur kurzzeitig unter Druck geraten. So sank die Zahl der Baugenehmigungen und der Baubeginne. Die Bauwirtschaft leidet unter steigenden Hypothekenzinsen und gestiegenen Materialkosten aufgrund von Lieferengpässen.

Deutlich unter Druck stand das britische Pfund, das seine kräftigen Vortagsgewinne zum Dollar fast komplett abgab. Hatten am Dienstag noch robuste Arbeitsmarktdaten für Auftrieb gesorgt, belasteten am Mittwoch Inflationsdaten. Der Preisauftrieb auf der Insel blieb zwar sehr hoch, die Inflationsrate lag aber etwas unter den Markterwartungen.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,84670 (0,84400) britische Pfund, 135,76 (136,32) japanische Yen und 1,0486 (1,0457) Schweizer Franken fest.

Die Feinunze Gold kostete am Nachmittag in London 1’814 $. Das war ein Dollar weniger als am Vortag.

Ölpreise legen zu

Die Ölpreise sind am Mittwoch gestiegen. Am Mittag kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 1’12,99 $. Das waren 1,06 $ mehr als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI (WBS 117.46 +2.28%)) legte um 1,41 $ auf 1’14,81 $ zu.

Für Auftrieb sorgt am Ölmarkt weiter die Aussicht auf eine etwas gelockerte Corona-Politik in China. Nach Wochen mit drastischen Ausgangssperren in der Wirtschaftsmetropole Shanghai sind dort den vierten Tag in Folge keine neuen Virus-Infektionen gemeldet worden. Der sehr strenge Corona-Kurs Chinas belastet die zweitgrösste Volkswirtschaft der Welt schwer und dämpft die Energienachfrage.

Preisauftrieb kam auch von neuen Lagerdaten aus den USA. Der Verband American Petroleum Institute (API) meldete am Vorabend einen deutlichen Rückgang der landesweiten Erdölbestände. Am Mittwochnachmittag veröffentlicht die US-Regierung ihre wöchentlichen Bestandszahlen.

Der Brent-Preis lag jedoch weiter unter seinem am Dienstag erreichten Tageshoch von über 115 $. «Offensichtlich ist die Luft auf diesem Niveau aber bei aktueller Nachrichtenlage noch zu dünn», zeigte sich Commerzbank-Experte Carsten Fritsch mit Blick auf weiteres Aufwärtspotenzial skeptisch. «Zum einen sind die Hoffnungen auf mehr Lockerungen in China und eine entsprechende Erholung der Ölnachfrage im zweitwichtigsten Absatzmarkt noch zu vage, zum anderen ist das Ölembargo der EU gegen Russland fürs Erste nochmal verschoben.» Zudem sollte sich die Meldung preisbelastend auswirken, dass die USA die Sanktionen gegen Venezuela lockern könnte.

Bitcoin stoppt Talfahrt – TerraUSD erneut unter Druck

Die Kryptowährung Bitcoin bleibt nach den schweren Turbulenzen der Vorwoche weiter unter Druck, kann aber die jüngste Talfahrt vorerst stoppen. Gegenüber dem restlichen Kryptomarkt legt die «Krypto-Leitwährung» sogar an Gewicht zu.

Auf der Handelsplattform des US-Kryptohändlers Coinbase kostete ein Bitcoin am Mittwochvormittag rund 29’850 $ und damit rund 5% weniger als noch vor Wochenfrist. Vor knapp einer Woche was indes bei 25’338 $ der niedrigste Stand seit Juli 2021 markiert worden. Die Marktkapitalisierung der «Krypto-Leitwährung» fiel damit innerhalb der letzten sieben Tage um nochmals rund 10 Mrd. $ auf knapp 570 Mrd.

Dass sich der Bitcoin-Kurs besser hält als der Restmarkt, registriert man auch im Handelsraum der Zuger Crypto Finance: «Da sich der Markt jüngst im Ausverkaufsmodus befand, sahen wir eine grosse Rotation in Bitcoin», heisst es in einem aktuellen Marktkommentar. Investoren seien bestrebt aus den riskanteren digitalen Vermögenswerten herauszukommen.

Dies erklärt auch, warum die Marktdominanz des Bitcoin im Nachgang des Kollaps des Terra-Stablecoin (UST) wieder zugelegt hat. Aktuell macht die Marktkapitalisierung des Bitcoin 42% des Gesamtmarktes (1,34 Bio. $) aus. Diese Dominanz könnte sich laut den Händlern von Crypto Finance noch deutlich akzentuieren, falls das makroökonomische Umfeld weiterhin unsicher bleibt.

Viele Anleger fürchten derweil gemäss Marktbeobachtern im Nachgang des UST-Debakels eine scharfe Reaktion der Regulatoren. Die hohen Verluste von Kleinanlegern könnte die Regulationsvorhaben beschleunigen, heisst es etwa in einem Kommentar der UBS. So versprach etwa die US-Finanzministerin Janet Yellen noch in diesem Jahr einen Regulierungsvorschlag für Stablecoins.

Der neugewonnenen Marktmacht des Bitcoin müssen indes weitere grosse Blockchain-Währungen Tribut zollen. Die Verluste auf Wochensicht von Ether und Co. bewegen sich zwischen 6% (BNB) und knapp 25% (AVAX).

Der Kursverfall von TerraUSD geht unterdessen weiter. Der Kurs der Kryptowährung, der eigentlich eins zu eins an den des US-Dollar gekoppelt sein soll, fiel der Branchendienst CoinMarketCap.com zufolge am Mittwoch auf bis zu neun US-Cent. «Durch den jüngsten Kollaps fürchten Börsianer nun regulatorische Konsequenzen», sagte Analyst Timo Emden von Emden Research.

TerraUSD gehört zu den sogenannten Stablecoins. Ihre Kurse sind an andere Werte gebunden. Damit sollen Kurskapriolen, wie sie bei anderen Cyber-Devisen wie Bitcoin an der Tagesordnung sind, vermieden werden. Denn bei diesen entscheidet allein Angebot und Nachfrage über den Preis. Während die meisten Anbieter von Stablecoins die Kursbindung mit Einlagen beispielsweise in Dollar oder Gold gewährleisten, ist TerraUSD ein «dezentraler» oder «algorithmischer» Stablecoin. Hier soll automatisiert ein komplexer Mechanismus von Handelsgeschäften mit anderen Kryptowährungen den Kurs bei einem US-Dollar pro TerraUSD halten. Mit einer Marktkapitalisierung von insgesamt 1,2 Mrd. $ ist TerraUSD laut CoinMarketCap.com die Nummer 48 der Kryptowährungen.

Vor knapp zwei Wochen brach die Kursbindung von TerraUSD an den Dollar, weil Investoren in Luna verloren. Handelsgeschäfte mit dieser frei handelbaren Internet-Währung sollten die Stabilität von TerraUSD gewährleisten.

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