Märkte / Aktien

SMI schliesst klar unter 12’000

Die Schweizer Börse büsst nach dem Erreichen der historischen Marke ein. Wallstreet notiert deutlich schwächer. Der Dollar erreicht 92 Rp.

(AWP/SPU) Die Schweizer Börse hat am Freitag die seit Monatsanfang andauernde Rekordjagd nicht fortsetzen können. Der Leitindex drehte nach einem freundlichen Handelsauftakt ins Minus. Die Marke von 12’000 konnte der SMI (SMI 12'056.21 +0.14%) nicht halten. Am Nachmittag weitete er die Verluste noch aus und schloss bei 11’949. Händler verwiesen vor allem auf den grossen Eurex-Verfall, der für die Abgaben verantwortlich sei. Am heutigen sogenannten Hexensabbat verfallen Optionen und Futures auf Aktien und Indizes. Dabei kommt es regelmässig zu starken Kursausschlägen und hohen Umsätzen.

Negative Impulse aus New York lasteten zudem auf der Schweizer Börse. Die drei wichtigen Wallstreet-Indizes gaben bei Börsenschluss in Europa allesamt klar nach. Der S&P 500 (S&P 500 4'464.33 -0.22%) verlor 1,1%. Der Dow Jones büsste 1,4% ein. Nur wenig besser hielt sich die Technologiebörse. Der Nasdaq Composite lag 0,8% im Minus.

Die Signale der US-Notenbank Fed, dass die Geldpolitik in Zukunft nicht mehr ganz so expansiv sein könnte, belasteten die Märkte nicht sonderlich. Es sei vielmehr erwartet worden, dass sich das Fed in dieser Weise äussern könnte. «Das haben die Märkte absorbiert», sagte ein Börsianer. Wichtig sei, dass das Fed die Inflation wirklich im Griff behalte. «Und das dürfte sie, wenn sie allmählich auf das Bremspedal drückt», sagte der Händler. Das Fed hatte nicht nur – wie die SNB (SNBN 5'120.00 -0.39%) – die ultra-expansive Geldpolitik bestätigt, sondern auch Hinweise auf eine in Zukunft weniger expansive Geldpolitik gegeben.

Finanzwerte korrigierten

Bei den Schwergewichten stieg der Lebensmitteltitel Nestlé (NESN 117.06 +0.15%) auf ein Allzeithoch. Die Aktien des Pharmariesen Novartis (NOVN 77.54 -0.01%) konnten die Aufholjagd gegenüber Roche (ROG 355.80 -0.56%) nicht fortsetzen. Roche konsolidierten knapp unter dem Rekordhoch.

Viele zyklische Werte bauten nach anfänglichen Avancen ihre Gewinne ab oder drehten gar ins Minus. Dazu gehörten die Papiere wie die des Sanitärtechnikers Geberit (GEBN 715.40 +0.62%), die vorübergehend ein neues Rekordhoch markierten. Aber auch Sika (SIKA 314.00 +0.29%), ABB (ABBN 30.29 +0.63%), Holcim (HOLN 45.04 +0.27%) oder SGS (SGSN 2'783.00 -0.32%). Dabei notierten zeitweise auch Sika so hoch wie noch nie.

Die Luxusgüterhersteller Swatch Group (UHR 244.20 -0.49%) und Richemont (CFR 111.85 +1.64%) drehten ins Minus.

Bei den Blue Chips setzten die Finanzwerte die Konsolidierung vom späten Handel am Vortag fort. So schlossen die Bankaktien UBS (UBSG 16.07 +0.85%), Credit Suisse (CSGN 9.63 +0.42%), Julius Bär (BAER 65.40 -0.27%) und Partners Group (PGHN 1'577.50 +0.16%) sowie die Versicherer Swiss Re (SREN 81.58 -0.17%), Zurich und Swiss Life (SLHN 486.80 +0.5%) klar schwächer.

Die Finanzwerte hatten am Vortag zunächst positiv darauf reagiert, dass die US-Geldpolitik etwas restriktiver werden könnte, denn höhere Zinsen bedeuten höhere Renditen, bessere Margen und mehr Ertrag. Doch mit der Erholung des US-Bondmarktes setzte laut Händlern eine gewisse Ernüchterung ein. Die Rendite der zehnjährigen Staatsanleihe ist mit rund 1,5% wieder so tief wie vor dem Fed-Entscheid.

Bei den SMIM-Werten stiegen Werte aus dem Gesundheitssektor wie Straumann (STMN 1'884.50 +1.75%) oder Sonova (SOON 374.20 -0.21%).

Kühne + Nagel (KNIN 295.90 +1.58%) fielen kaum auf. Wie VR-Präsident Klaus-Michael Kühne in einem Interview mit der «NZZ» sagte, ist das operative Geschäft während der gesamten Coronapandemie praktisch ohne Beeinträchtigungen weitergelaufen.

Tech-Werte präsentierten sich uneinheitlich. Während sich Temenos (TEMN 117.35 -0.51%) im Plus halten konnten, büssten AMS und Logitech (LOGN 82.46 -0.72%) deutlich ein.

Am breiten Markt ragten Bobst (BOBNN 81.55 +0.12%) positiv hervor. Der Maschinenbauer erwartet ein positives Halbjahresergebnis und hat zudem die Prognose für das ganze Jahr erhöht.

Andere Industriewerte hatten einen schweren Stand wie Verluste in Swiss Steel (STLN 0.36 +1.69%), Starrag (STGN 47.00 -1.26%), Gurit (GUR 1'672.00 +1.33%), Mikron (MIKN 7.70 -0.52%) oder Schweiter (SWTQ 1'346.00 +0.45%) zeigten.

Asien mehrheitlich im Plus

In Asien entwickelten sich die Kurse am Freitag, abgesehen von Japan, mehrheitlich positiv. In Japan verlor der Topix 0,9%, der Nikkei 225 (–0,2%) gab ebenfalls leicht nach. Der Leitindex von Hongkong, der Hang Seng (Hang Seng 26'126.93 +0.42%), notierte 0,8% höher. Gemessen am CSI 300 legten die Aktien von Festlandchina 0,4% zu. Der koreanische Kospi avancierte 0,1%. In Australien wurde der S&P/ASX 200 0,5% höher gehandelt.

Dollar klar fester

Der Dollar zeigte sich weiter stark. Damit setzte sich der Abwärtstrend der europäischen Einheitswährung nach den zum Teil kräftigen Kursverlusten an den vergangenen beiden Handelstagen weiter fort. Bei Börsenschluss kostete der Euro zur US-Währung 1.1850 $. Auch zum Franken setzte der Dollar seit dem Zinsentscheid der US-Notenbank Fed und der Schweizerischen Nationalbank (SNB) den Aufwärtstrend fort. Um 17.30 Uhr MESZ kostete ein Dollar 0.9230 Fr. Der Euro präsentierte sich 1.0940 Fr. wenig verändert.

Ölpreis erholte sich

Der Ölpreis drehte am Freitag nach den deutlichen Abschläge vom Vortag ins Plus. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete am Abend 73.50 $. Gold stabilisierte sich etwas, konnte aber zwischenzeitlich klare Gewinne nicht halten. Damit verharrte das Edelmetall mit einem Preis von 1775 $ pro Feinunze unter der 1800-$-Marke.

Der Bitcoin (Bitcoin 61'948.00 +1.83%) pendelte nach Verlusten weiter zwischen 35’000 und 40’000 $. Seit dem Einbruch Mitte Mai handelt die Kryptowährung in dieser Spanne.