Märkte / Aktien

SMI geht tiefer ins Wochenende

Am Schweizer Aktienmarkt hält die Vorsicht an. Novartis und Nestlé belasten den Leitindex. AMS und Temenos sind schwach.

(AWP/Reuters/SPU) Zum Wochenschluss haben sich Investoren am Schweizer Aktienmarkt weiter zurückgehalten. Der Swiss Market Index SMI (SMI 10539.17 0.19%) stand bei Eröffnung bereits 0,2% tiefer. Im frühen Handel gab er noch etwas weiter nach. Damit rutschte der Leitindex unter die Marke von 10’000. Gegen die Mittagszeit baute er seine Verluste jedoch ab und arbeitete sich somit wieder über die viel beachtete Grenze. Am Nachmittag dominierten wieder die Verkäufe, folglich fiel die Marke von 10’000 erneut. Auf Wochensicht verzeichnete der SMI eine negative Entwicklung.

Schwächer aufgelegt war am Freitag auch Wallstreet. Der Dow Jones (Dow Jones 27657.42 -0.88%) notierte bei Börsenschluss in Zürich mit –0,3%. Der breiter gefasste S&P 500 (SP500 3319.46 -1.12%) büsste leicht – um 0,1% – ein. Der Index der Technologiebörse Nasdaq Composite zeigt sich mit –0,5% am schwächsten.

Die Anleger fokussierten sich auf das Wochenende, wenn das britische Parlament über den Brexit-Deal entscheidet, auf den sich die EU und Grossbritannien am Donnerstag geeinigt hatten. Im Parlament könnte es knapp werden. Fraglich ist, ob im Fall einer Ablehnung eine erneute Verlängerung der EU-Mitgliedschaft möglich ist.

Aber auch schwache Wirtschaftsdaten aus China belasteten den Aktienmarkt. Im Reich der Mitte war die Wirtschaft im dritten Quartal um 6% gewachsen – das ist der niedrigste Wert seit fast dreissig Jahren. Marktteilnehmer sahen dies als eine direkte Folge der seit mittlerweile etwa einem Jahr anhaltenden Zollstreitigkeiten mit den USA. In puncto Zölle erheben die USA ab dem heutigen Freitag auf Flugzeugimporte aus der EU Strafzölle in Höhe von 10%. Darüber hinaus soll es auf weitere EU-Produkte Aufschläge von bis zu 25% geben.

Roche stiegen, Novartis fielen

Unter den Schweizer Blue Chips handelten die defensiven Titel von Swisscom (SCMN 499.5 -0.22%) fester. Leicht im Plus schlossen zudem Geberit (GEBN 528.4 -0.11%).

UBS (UBSG 10.98 -1.52%) und Credit Suisse (CSGN 9.792 -2.42%) standen bei Handelsende kaum verändert. UBS leistet zur Beilegung eines Geldwäschereiverfahrens in Italien Zahlungen über insgesamt 10,3 Mio. €. Damit kann sie ein laufendes Verfahren der italienischen Behörden beilegen, wie sie am Freitag entsprechende Medienberichte bestätigt hat. Im Sommer hatte sie in Italien bereits 101 Mio. € bezahlt.

Die Genussscheine von Roche (ROG 343.1 1.84%) wiesen eine freundliche Tendenz auf. Der Pharmakonzern hatte im Nachgang der Umsatzzahlen am Mittwoch für die ersten neun Monate Lob von Analysten erhalten. Derweil gaben die Aktien des Konkurrenten Novartis (NOVN 82.93 0.77%) nach.

Ähnlich sah es beim Lebensmittelkonzern Nestlé (NESN 108.42 -0.9%) aus, der am Donnerstag seine Zahlen vorgelegt hatte. Die Aktien verloren erneut. Hier hatten sich zum Wochenschluss verschiedene Experten wie Royal Bank of Scotland oder Goldman Sachs (GS 194.86 0.02%) eher zurückhaltend geäussert und mindestens ihre Kursziele gesenkt. Beim Brokerhaus CFRA sprachen die Experten sogar neu eine Verkaufsempfehlung aus. Derweil erhöhte Baader Helvea das Kursziel von 110 auf 113 Fr. und beliess die Einstufung auf «Buy».

Die Luxusgüterwerte um Swatch Group (UHR 215.6 -0.46%) und Richemont (CFR 63.76 -1.97%) konnten ihre leichten Gewinne nicht halten und drehten ins Minus.

AMS und Temenos mit Abgaben

Im SMIM (SMIM 2640.598 0.28%) fielen AMS (AMS 18.2 -0.44%) mit klaren Verlusten auf. Die Aktien wurden kurz vor Börsenschluss vom Handel ausgesetzt. Das Unternehmen lanciert eine neue Offerte zur Übernahme von Osram. Am Dienstag legt es Zahlen vor.

Temenos (TEMN 134.85 -1.64%) setzten ihre Talfahrt fort. Nach enttäuschenden Wachstumszahlen waren die Aktien des Bankensoftwareherstellers gestern rund 15% eingebrochen.

Durch die Kursverluste wurde auch der dritte grosse Tech-Wert im SMIM, Logitech (LOGN 64.78 1.43%), belastet. Auch der Unterhaltungselektronikhersteller gewährt am Dienstag Einblick in seine Bücher.

Derweil erholten sich zeitweise VAT Group (VACN 173.3 3.71%) nach den gestrigen Verlusten. Schlechte Zahlen von Inficon hatten den Branchennachbarn aus dem Halbleitersektor belastet. Auch Inficon (IFCN 747 -0.13%) machten einen kleinen Teil der Einbussen wett.

Zudem stiegen Dormakaba (DOKA 527 1.15%). Anleger freuten sich offenbar auf die Quartalszahlen des Schliesstechnikspezialisten, die ebenfalls am Dienstag veröffentlicht werden. Im weiteren Handelsverlauf schalteten die Aktien einen Gang zurück.

Die Valoren von BB Biotech (BION 68.95 1.47%) drehten ins Plus. Die Gesellschaft war im dritten Quartal wieder in die Verlustzone gerutscht. Andere Titel aus der Gesundheitsbranche wie Sonova (SOON 220.2 -0.99%), Straumann (STMN 939.2 1.16%) und Vifor Pharma (VIFN 140.05 2.86%) gaben nach.

Die Papiere von Schindler (SCHP 256.4 1.83%) handelten etwas fester. In der Branche gab es interessante Gerüchte: Kone ist angeblich wegen einer zu niedrigen Offerte für die Liftsparte von ThyssenKrupp (TKA 5.592 -2.37%) durchgefallen.

Cosmo höher, Edisun tiefer

Im breiten Markt schlossen Cosmo (COPN 87.9 -0.9%) höher, dies nach einer Lizenzvereinbarung für das Antibiotikum Aemcolo in den USA.

Pläne für eine erneute Kapitalerhöhung belasteten die Papiere des Stromspezialisten Edisun (ESUN 111.5 3.72%).

Stadler Rail (SRAIL 38.78 -1.52%) stiegen leicht. Ein Konsortium unter der Führung des Thurgauer Zugherstellers hat einen Lieferungs- und Wartungsauftrag aus Spanien nun fest erhalten.

Gemischtes Bild in Asien

Die Märkte in Asien präsentierten sich uneinheitlich. Nach schwachen Wachstumszahlen aus China verloren die grossen Indizes nach anfänglichen Gewinnen. Der Nikkei erreichte zeitweise seinen höchsten Stand seit Dezember, lag bei Handelsschluss in Tokio allerdings nur 0,2% höher. Der breiter gefasste Topix korrigierte dagegen 0,1%. Deutlich waren die Verluste in China. Der Shanghai Composite lag 1,4% im Minus, auch der CSI 300 büsste 1,4% ein. Der Hang Seng in Hongkong fiel um 0,6%. Südkoreas Kospi gab um 0,8% nach.

Euro fester

Der Euro zeigte sich am Freitag stabil bis freundlich. Die Gemeinschaftswährung kostete bei Börsenschluss zur US-Währung 1.1140 $. Zum Franken trat sie – nach zwischenzeitlichen Gewinnen – bei einem Kurs von 1.0988 Fr. auf der Stelle. Der Dollar verlor zur Schweizer Valuta minimal. Der Kurs um 17.30 Uhr MESZ lag bei 0.9865 Fr.

Ölpreis bei 60 $

Der Ölpreis notierte nach leichten Gewinnen bei knapp 60 $ pro Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent (Brent 43.06 -0.37%). Der Goldpreis zeigte sich unverändert bei 1491 $ pro Feinunze.

Bitcoin verlor

Bitcoin (Bitcoin 10938.961294 -0.06%) gab am Freitag nach und rutschte unter die Marke von 8000 $. Die grösste Kryptowährung notierte am Freitagabend bei 7900 $.