Märkte / Aktien

SMI schliesst im Minus

Der Schweizer Aktienmarkt kann am Donnerstag das Rekordhoch nicht halten. Im Fokus sind zwei Versicherer sowie ein Zementkonzern gestanden.

(AWP/CF) Der Schweizer Aktienmarkt kann am Donnerstag sein am Morgen erreichtes Allzeithoch nicht verteidigen. Für Vorsicht sorgen laut Börsianern die weltweit hohen Inflationsraten und die wieder tobende Corona-Pandemie mit Rekordinfektionszahlen in einigen Ländern. Der Franken ist zeitgleich zum Euro auf den höchsten Stand seit 2015 gestiegen.

Für Gesprächsstoff sorgte auch der Ölpreis. In der Nacht fielen die Preise für Nordseeöl und US-Rohöl auf einmonatige Tiefstände. Die jüngste Rally der Energiepreise gilt als ein Treiber der globalen Inflation.

Angeführt wurde das Gewinnerfeld bei den Blue Chips von Sika (SIKA 309.80 -1.21%). Nach der Übernahmeankündigung von MBCC vergangene Woche haben weitere Analysehäuser ihre Kursziele für den Bauzulieferer erhöht.

Mit Holcim (HOLN 49.01 -1.55%) ging es auf der anderen Seite nach unten. Händlern zufolge kann der Zementhersteller mit den neuen Zielen, die er anlässlich eines Investorentages veröffentlicht hat, zwar durchaus punkten. Einige Analysten hätten sich aber ambitioniertere Mittelfristziele erhofft. Zudem habe der Konzern mögliche Grossübernahmen angedeutet (lesen Sie hier die Einschätzung von FuW-Redaktorin Gret Heer).

Nach der Publikation der Uhrenexportzahlen für Oktober zogen Swatch Group (UHR 267.10 -4.74%) etwas an. Laut den Experten sind die Exportzahlen «leicht positiv» zu werten. Die Zahlendetails sprächen aber eher für Richemont (CFR 127.00 -3.35%) als für Swatch, da erneut das obere Preissegment an verkauften Uhren am besten abgeschnitten habe. Richemont sind aber derzeit nach dem starken Kursanstieg der vergangenen Wochen anfällig für Gewinnmitnahmen.

Auch Zurich Insurance (ZURN 438.20 -1.77%) hielt am Donnerstag einen Informationstag für die Investoren ab, die Aktie brillierte ebenfalls nicht. Der Versicherer hat seine strategischen Ziele für die Periode 2020 bis 2022 bekräftigt, aber auch hier sind kurstreibende Nachrichten ausgeblieben.

Mit Baloise (BALN 161.10 +0.12%) stand zudem ein weiterer Versicherer im Fokus der Anleger. Die Valoren schliessen tiefer. Die grosse Euphorie blieb damit aus. Der Versicherer hat das Geschäftsvolumen deutlich gesteigert und höhere Prämieneinnahmen verzeichnet. Zudem kommt die hohe SST-Quote bei den Anlegern gut an. Angst dürfte jedoch die hohe Summe für Unwetterschäden machen (lesen Sie hier mehr).

Relief Therapeutics (RLF 0.0652 -4.12%) kletterten wieder einmal massiv in die Höhe, die desaströse Jahresbilanz beschönigt dies indes kaum. Das Biotechunternehmen hat sein American Depositary Receipt (ADR)-Programm in den Vereinigten Staaten lanciert. Diese können ab Markteröffnung in den USA gehandelt werden.

Eine Übersicht über die Gewinner und die Verlierer finden Sie hier.

Türkische Lira weiter unter Druck

Der Euro hat am Donnerstag zugelegt. Im Mittagshandel kostete die Gemeinschaftswährung 1,1345 $. Am Morgen hatte sie noch etwas niedriger notiert. Gegenüber dem Franken hält sich der Euro bei 1,0511 und damit über der Marke von 1,05 Fr. Der US-Dollar hat sich dagegen im Tagesverlauf um fast einen halben Rappen auf 0,9264 Fr. verbilligt.

Am Mittwoch war der Euro zeitweise unter 1,13 $ gefallen und erreichte den tiefsten Stand seit Mitte 2020. Ausschlaggebend sind vor allem die nach wie vor sehr lockere Ausrichtung der EZB-Geldpolitik und die angespannte Corona-Lage in vielen Euroländern. Entscheidende Konjunkturdaten aus dem Währungsraum standen am Donnerstag nicht an, es äussern sich aber einige hochrangige Zentralbanker. In den USA werden zudem wöchentliche Zahlen zum Arbeitsmarkt veröffentlicht. Die US-Notenbank Fed berücksichtigt den Arbeitsmarkt stark bei ihrer Geldpolitik. Sie steuert auf eine weniger expansive Politik zu.

Die türkische Lira ist nach der Zinssenkung der türkischen Notenbank zu Euro und Dollar auf neue Rekordtiefs gefallen. Trotz einer sehr hohen Inflationsrate hat die Notenbank den Leitzins erneut gesenkt. Nach der Zinssenkung liegt der Leitzins mit 15 Prozent noch deutlicher unter der Inflationsrate. Diese hatte im Oktober bei fast 20% gelegen. Bereits an den vergangenen Tagen war die Lira von einem Rekordtief zum nächsten gesunken. Kritiker monieren, Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan nehme Einfluss auf die Notenbank. «So entsteht kein Vertrauen», erklärte Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank (VPBN 98.00 -1.90%). Allerdings stellte die Zentralbank in Aussicht, die Zinssenkungen im Dezember zu beenden.

Ölpreise fallen auf einmonatige Tiefstände

Die Ölpreise haben am Donnerstag ihre Abschläge der vergangenen Tage zunächst ausgeweitet. In der Nacht fielen die Preise für Nordseeöl und US-Rohöl auf einmonatige Tiefstände. Bis zum Mittag konnten sich die Preise aber zumindest etwas erholen. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete zuletzt 80,02 $. Das waren 26 Cent weniger als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI (WBS 87.35 +0.11%)) fiel um 45 Cent auf 77,91 $.

Ausschlaggebend für die Preisabschläge der vergangenen Tage sind Spekulationen um eine teilweise Freigabe nationaler Erdölreserven durch grosse Volkswirtschaften. Am Donnerstag erklärte China, ein solcher Schritt sei geplant, Details wurden jedoch nicht genannt. Es wäre bereits das zweite Mal innerhalb weniger Monate, dass China auf seine Ölreserven zurückgreift.