Märkte / Aktien

SMI schliesst stabil

Der Schweizer Aktienmarkt wurde zur Wochenmitte von den Zinssorgen ausgebremst schliesst aber stabil.

(AWP) Der Schweizer Aktienmarkt hat sich am Mittwoch nach den klaren Abgaben des Vortages wieder stabilisiert. Die Indizes schlossen nur wenig verändert. Weiterhin lasteten die Sorgen um die Inflation und um die bevorstehenden Zinserhöhungen in den USA auf der Stimmung der Investoren, kommentierte ein Marktbeobachter.

Für Nervosität sorgten insbesondere Mutmassungen, wonach die US-Notenbank Fed angesichts der hohen Teuerungsraten die Zinsen im März gleich um 50 statt nur um 25 Basispunkte erhöhen könnte. Aber auch der schwelende Ukraine-Konflikt und ein eher enttäuschender Start in die Bilanzsaison in den USA wurden als Belastungsfaktoren angeführt. Hierzulande vollführten allerdings die Richemont-Titeln nach starken Quartalszahlen einen Kurssprung.

Der SMI (SMI 11'466.28 +1.39%) schloss 0,03 im Minus auf 12’525,69 Punkten. Der SLI, in dem die 30 wichtigsten Aktien enthalten und die Schwergewichte gekappt sind, gewann dagegen 0,15% auf 2005,46 Zähler während der breite SPI (SXGE 14'719.65 +1.30%) 0,21% auf 15’843,44 einbüsste. Im SLI schlossen 17 Titel im Plus und 13 im Minus.

Im Fokus standen am Berichtstag die Titel des Luxusgüterkonzerns Richemont (CFR 92.50 +0.81%), die einen Kurssprung vollführten und im Tagesverlauf gar ein neues Rekordhoch erreichten. Die Analysten zeigt sich von den Umsatzzahlen im Weihnachtsquartal beeindruckt. Auch gegenüber dem Vor-Corona-Niveau habe Richemont das Wachstum noch beschleunigt.

Im Sog von Richemont gewannen die Aktien der Rivalin Swatch deutlich. Allerdings habe Richemont die Latte sehr hoch gelegt. Dies werde es für Swatch schwer machen, den Markt mit den möglicherweise kommende Woche anstehenden Zahlen zu überzeugen, hiess es.

Zu den klaren Gewinnern gehörten auch Adecco (ADEN 36.31 +1.99%). Unterstützung erhielten die Titel des Personalvermittlers von den UBS-Analysten, die den Titel gleich um zwei Schritte auf «Buy» von «Sell» hochstuften. Sie erwarten im laufenden Jahr ein gutes organisches Wachstum für das Unternehmen, sollten doch die Personalmärkte von der anhaltenden Aufholjagd bei Neueinstellungen und einer steigenden Lohninflation profitieren.

Auch weitere typische Zykliker wie Sika (SIKA 260.90 +1.64%), Schindler (SCHP 190.40 +1.71%) oder ABB (ABBN 29.03 +1.47%) gewannen deutlich. Die Titel des Hörgerätespezialisten Sonova (SOON 325.40 +0.68%) profitierten von guten US-Absatzstatistiken, hiess es im Markt: So hätten diese deutliche Marktanteilsgewinne bei den Kriegsveteranen gezeigt.

Die Bankentitel konnten von guten Quartalsergebnissen der US-Institute Morgan Stanley (MS 82.77 +4.28%) und Bank of America (BAC 36.14 +6.72%) nicht profitieren: Hierzulande ging es für die Grossbankenaktien der UBS (UBSG 17.78 +3.19%) und vor allem der skandalgeplagten Credit Suisse (CSGN 6.80 +3.31%) klar abwärts.

Durchzogen zeigten sich die SMI-Schwergewichte. So konnten die Titel des Pharmakonzerns Roche den Handelstag im Plus beschliessen, während die Aktien der Rivalin Novartis (NOVN 87.68 +1.13%) deutlich nachgaben. Klare Abgaben gab es für die seit Jahresbeginn sehr schwach gelaufenen Nestlé-Titel. Händler berichteten von Margenängsten im Vorfeld der Veröffentlichung der Jahresergebnisse.

Abwärts ging es auch mit Technologie-Titeln wie den Aktien des Chipherstellers AMS, die laut Händlern unter enttäuschenden Margenvorgaben des niederländischen Rivalen ASML (ASMLa 521.00 +4.05%) litten, oder des Computermäuse-Herstellers Logitech (LOGN 56.46 -0.88%).

Deutliche Abgaben erlitten auch die Versicherungsaktien von Swiss Life (SLHN 548.20 +1.93%), für welche die Citigroup (C 53.39 +7.32%) die Kaufempfehlung strich. Die grössten Kursverluste im SLI gab es für die Aktien des Bankensoftware-Unternehmens Temenos (TEMN 99.80 +0.83%).

Am breiten Markt legten Tornos (TOHN 5.94 -1.00%) nach guten Zahlen des Maschinenherstellers zu Umsatz und Auftragseingang zu. Kursgewinne gab es auch für die Titel von Burkhalter (BRKN 78.80 +1.03%) und Poenina (PNHO 54.40 +0.00%). Die beiden im Bereich Gebäudetechnik tätigen Unternehmen gaben Fusionsverhandlungen bekannt.

Ölpreise steigen erneut auf siebenjährige Höchststände

Die Ölpreise sind auch am Mittwoch im Aufwind geblieben. Die beiden wichtigsten Rohölsorten Brent und WTI (WBS 110.38 -1.53%) kletterten im Handelsverlauf abermals auf siebenjährige Höchststände. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete bis zu 89,05 $. Ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) wurde mit bis zu 87,42 $ gehandelt. Das sind jeweils die höchsten Niveaus seit Oktober 2014.

Die Ölpreise verloren im Tagesverlauf zwar etwas an Schwung, zogen zuletzt aber wieder an. Am späten Nachmittag notierte Brent wieder 1,3 Dollar in der Gewinnzone. Bei WTI betrug das Plus 1,8 $. Haupttreiber am Ölmarkt war zuletzt eine Explosion an einer wichtigen Erdölpipeline zwischen dem Irak und der Türkei. Der Grund ist bisher unbekannt. Türkische Offizielle sagten jedoch der Nachrichtenagentur Bloomberg, dass die Pipeline wieder in Betrieb sei.

«Es wiederholt sich damit das Muster der letzten Wochen: Nachrichten über Angebotsausfälle lassen die Preise deutlich steigen und wenn diese behoben sind, fallen die Preise nicht auf das vorherige Niveau zurück», schrieb Rohstoff-Experte Carsten Fritsch von der Commerzbank (CBK 7.71 +6.55%).

Die Explosion fiel in eine Zeit mit angespanntem Angebot. Schon seit Wochen bleibt der Ölverbund Opec+ mit seiner Produktion hinter den Erwartungen zurück. Hinzu kommen Spannungen zwischen den jemenitischen Huthi und einer gegnerischen Koalition, angeführt von dem Ölriesen Saudi-Arabien. Zugleich wird die Nachfrage durch die Omikron-Welle des Coronavirus weniger stark beeinträchtigt als ursprünglich befürchtet.

Ähnlich äusserte sich am Mittwoch die Energieagentur IEA. Das globale Ölangebot gehe zurück, während die Nachfrage in Richtung Vor-Pandemie-Niveau steige, teilte die IEA in Paris mit. Das Ölkartell Opec hatte in seinem Monatsbericht vom Dienstag ebenfalls von einer robusten Erdölnachfrage gesprochen.

Euro behauptet sich bei über 1,13 $

Der Euro hat sich zur Wochenmitte etwas von seinen Vortagesverlusten erholt. Im Tageshoch kostete die Gemeinschaftswährung 1,1354 $ und damit etwas mehr als am Morgen. Zuletzt notierte der Eurokurs bei 1,1347 $.

Gegenüber dem Franken wurde der Euro am Mittwoch nahe der Marke von 1,04 gehandelt. Aktuell liegt die Gemeinschaftswährung mit 1,0391 knapp unter dieser Marke. Der US-Dollar geht entsprechend im Tagesverlauf wenig verändert mit 0,9160 Fr. um.

Belastet wurde die Gemeinschaftswährung jüngst vor allem durch den aufwertenden Dollar. Grund sind steigende Zinserwartungen an die US-Notenbank Federal Reserve (Fed). An den Finanzmärkten wird erwartet, dass die Fed der hohen Inflation von zuletzt sieben Prozent mit einer schärferen Geldpolitik begegnet.

Zwar rechne der Markt damit, dass in den USA der Zinszyklus im März beginnt und recht straff mit vier Anhebungen in diesem Jahr durchgezogen werde, schrieb Devisenexpertin Antje Praefcke von der Commerzbank. Aber die Notenbank-Sitzung nächste Woche werde insofern spannend, da «die Fed ihr Statement entsprechend ändern muss, plant sie die erste Zinserhöhung auf der darauf folgenden Sitzung und möchte sie den Markt verbal darauf vorbereiten».

In der Eurozone hingegen wird für dieses Jahr noch nicht mit Zinsanhebungen gerechnet. Dennoch stieg die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen am Mittwoch erstmals seit 2019 wieder leicht über die Nulllinie. Ausschlaggebend ist die grosse Bedeutung der US-Finanzmärkte, die den Zinsauftrieb in die Eurozone trägt. Nach derzeitiger Markteinschätzung dürfte die EZB jedoch erst im kommenden Jahr mit Leitzinsanhebungen beginnen.

Datenseitig blieb es zur Wochenmitte ansonsten eher ruhig. Inflationsdaten aus Grossbritannien fielen zwar höher als erwartet aus, bewegten das Pfund aber kaum. Im Dezember stieg die Teuerung mit 5,4% auf einen 30-jährigen Höchststand. Die britische Notenbank hatte bereits 2021 mit einer ersten Zinsanhebung in der Pandemie reagiert, weitere Erhöhungen werden erwartet. Der US-Immobilienmarkt blieb im Dezember auf Wachstumskurs, wie Zahlen zu den Baugenehmigungen und Baubeginnen zeigten.