Märkte / Aktien

SMI schliesst nach klaren Gewinnen über 11’200

Die Schweizer Börse bleibt auf Rekordkurs. Die Zykliker und Schwergewichte beflügeln den Leitindex. Gold handelt über 1600 $.

(AWP/SPU) Der Schweizer Aktienmarkt hat sich zur Wochenmitte erneut in starker Verfassung präsentiert. Der Swiss Market Index SMI (SMI 9049.3 0.59%) stieg bei Eröffnung «lediglich» 0,3%. Im weiteren Handel eilte der Leitindex aber von Rekord zu Rekord und festigte sich über der Marke von 11’200. Der aktuelle Höchststand lautet 11’264. In Frankfurt schrieb der Dax (DAX 9667.41 0.36%) mit 13’789 den höchsten Schlusskurs seiner Geschichte.

Der Apple-Schock sei verdaut, sagten Händler. Der Kursrückgang vom Vortag sei eine willkommene Konsolidierung auf hohem Niveau gewesen. Die Anleger liessen sich nicht aus der Ruhe bringen. «Natürlich bleibt das Coronavirus nicht ohne Folgen», sagte ein Händler. Aber die Probleme würden nur als vorübergehender Engpass in der Lieferkette betrachtet. «Die Chinesen werden das im Laufe des Jahres aufholen.»

Am Vortag hatte mit Apple (AAPL 247.74 -4.14%) ein weiteres Unternehmen gewarnt, dass es wegen des Coronavirus zu Produktionsstörungen und damit verbunden zu tieferem Umsatz im ersten Quartal kommen dürfte. Da China die grösste Werkbank der Weltwirtschaft sei, seien sehr viele Firmen, die in dem Land produzieren liessen oder auf Lieferanten aus dem Reich der Mitte angewiesen seien, davon betroffen. «Das ist eigentlich wenig überraschend», sagte ein Händler. Wichtig sei, dass dieser Rückstand wirklich aufgeholt werden könne.

Auch in New York stiegen die Kurse. Die drei wichtigen Wallstreet-Indizes lagen bei Börsenschluss in Europa allesamt im Plus. So avancierte der Dow Jones (Dow Jones 21636.78 -4.06%) 0,5%. Der breiter gefasste S&P 500 (SP500 2541.47 -3.37%) legte 0,6% zu. Ein Plus von 0,9% verzeichnete der Index der Technologiebörse, der Nasdaq Composite.

Viele Gewinner im SMI

Im Schweizer Leitindex präsentieren sich nahezu alle Aktien stärker. Nur Swisscom (SCMN 533.8 3.65%) und UBS (UBSG 8.978 -1.01%) schlossen minimal im Minus. Aktien aus dem zyklischen Bereich, die am Vortag Terrain eingebüsst hätten, stünden nun wieder auf der Einkaufsliste, hiess es am Markt. So zogen die Titel der Bauchemiefirma Sika (SIKA 155.35 -0.96%), des Automationskonzerns ABB (ABB 16.505 -6.54%), des Sanitärtechnikers Geberit (GEBN 420.4 -1.2%) und des Zementherstellers LafargeHolcim (LHN 33.65 -1.72%) an.

Die Genussscheine von Roche (ROG 305.75 3.07%) standen höher. Die US-Arzneimittelbehörde FDA hatte dem Pharmakonzern für Tecentriq bei Lungenkrebs die vorrangige Prüfung zugestanden. Zudem kam Nestlé (NESN 97.84 0.41%) Unterstützung für den Markt. Novartis (NOVN 76.6 0.79%) schlossen zwar fester, konnten mit den anderen beiden Schwergewichten aber nicht mithalten.

Die Valoren von Richemont (CFR 51.82 -2.04%) und Swatch Group (UHR 186.8 0.19%) legten zu. Die Luxusgüterwerte zählten am Vortag mit Abschlägen von je 2,5% zu den grössten Verlierern.

Vifor Pharma erholt

Im SMI schwankten die Tech-Werte. Bei Handelsende in Zürich lagen die Chipaktien AMS (AMS 9.23 -1.28%), die Titel des Computer- und Gamingzubehörherstellers Logitech (LOGN 40.48 2.61%) und des Softwareherstellers Temenos (TEMN 121.65 0.83%) im Plus.

Vifor Pharma (VIFN 124.4 -4.78%) erholten sich von den deutlichen Verlusten am Vortag, die durch eine Verkaufsempfehlung ausgelöst worden waren.

Die Aktien des Dentalimplantatherstellers Straumann (STMN 703.4 -0.68%) avancierten und erreichten erneut die Marke von 1000 Fr.

Clariant (CLN 15.68 0.71%) standen unter Druck. Händler sprachen von Gewinnmitnahmen. Clariant-Chef Hariolf Kottmann hat im FuW-Interview die Möglichkeit einer grossen Firmentransaktion angesprochen. Das sorgte laut Händlern bei Anlegern für Zurückhaltung.

Am breiteren Markt schlossen Sulzer (SUN 58.75 0.94%) leichter, obwohl der Anlagenbauer 2019 deutlich mehr Bestellungen hereingeholt und den Umsatz klar gesteigert hatte. Daher soll die Dividende um 0.50 auf 4 Fr. je Aktie erhöht werden.

Valora (VALN 160.6 -2.78%) waren gefragt. Der Detailhandelskonzern hatte ertragsmässig besser als erwartet abgeschnitten und stellt eine unveränderte Dividende in Aussicht.

GAM (GAM 1.843 2.39%) legten am Tag vor der Veröffentlichung des Jahresergebnisses klar zu. Die Käufer spekulieren wohl darauf, dass wie der Praktikus von «Finanz und Wirtschaft» am Dienstag berichtet hat, dem angeschlagenen Finanzdienstleister der Turnaround endlich glückt und es ihm gelingt, wieder Neugelder anzuziehen.

Asien mehrheitlich im Plus

In Asien erholten sich die Aktienindizes am Mittwoch überwiegend. Die chinesischen Behörden meldeten leicht sinkende Ansteckungen mit dem Virus in der Volksrepublik. Es war der niedrigste Wert seit dem 29. Januar. Der Nikkei 225 gewann 0,9%, der breiter gefasste Topix legte 0,4% zu. Der Hang Seng in Hongkong rückte 0,4% vor, Chinas Leitindex CSI 300 gab dagegen 0,2% ab. Der südkoreanische Kospi sank um 0,1%, der australische S&P/ASX 200 stieg um 0,4%

Euroschwäche hielt an

Der Euro notierte zum Dollar am Mittwochabend unter der Marke von 1.08 $. Die Gemeinschaftswährung kostete um 17.30 Uhr MEZ 1.0794 $. Sie ist so wenig wert wie seit knapp drei Jahren nicht mehr. Ein Grund dafür ist die schwache Verfassung der Euroraumkonjunktur. Gegenüber dem Franken bewegte sich der Euro in einer engen Bandbreite. Bei Handelsende in Zürich die Einheitswährung bei 1.0615 Fr. Der Dollar bewegte sich zum Franken mit 0.9831 Fr. ebenfalls seitwärts.

Ölpreis klar höher

Der Ölpreis stieg am Mittwoch markant. Händler nannten neue Angebotsrisiken als Grund für den Anstieg. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent (Brent 22.76 -2.9%) kostete bei Börsenschluss in Europa gut 59 $. Der Goldpreis notierte fester bei 1605 $ pro Feinunze.

Leser-Kommentare