Märkte / Aktien

SMI schliesst über 8700 – Wallstreet uneinheitlich

Die Schweizer Börse gewinnt klar. Die US-Märkte drehen ins Plus. Der Dollar schiesst hoch auf 98 Rappen. Der Ölpreis zieht an.

(AWP/SPU) Der Schweizer Aktienmarkt hat sich am Donnerstag zum dritten Mal in den vergangenen fünf Börsentagen auf Erholungskurs befunden. Bei Handelsende in Zürich resultierte ein grosses Plus. Während die beiden letzten Versuche von Freitag und Dienstag an den beiden Folgetagen jeweils zunichtegemacht wurden, scheint trotz weiterhin sehr hoher Volatilität eine Bodenbildung über der Marke von 8000 Punkten möglich. Der Swiss Market Index SMI (SMI 9242.44 -0.31%) notierte bei Eröffnung 1,2% höher. Im frühen Handel stieg er über die Marke von 8500. Vom Tageshöchst kam er aber im weiteren Handelsverlauf deutlich zurück. Mit Eröffnung der Wallstreet blieb vom Gewinn fast nichts mehr übrig. Später am Nachmittag wurde die Gewinne stark ausgeweitet. Der SMI schloss über der Marke von 8700. Erneut zeichnete sich der Handel durch starke Schwankungen aus.

In New York wagten sich die Anleger nicht so recht aus der Deckung. Die drei Hauptindizes wiesen bei Handelsende in Zürich kleine klare Richtung auf und schwankten um den gestrigen Schlusskurs. Der Dow Jones (Dow Jones 21052.53 -1.69%) notierte unverändert. Der breiter gefasste S&P 500 (SP500 2488.65 -1.51%) lag leicht im Minus. Fester präsentierte sich der Index der Technologiebörse, der Nasdaq Composite gewann rund 1,5%.

Zumindest wurde das Sentiment von den in der Nacht auf Donnerstag angekündigten Stützungsmassnahmen der EZB etwas gestützt. Sie hatte im Kampf gegen die wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise ein Notkaufprogramm für Anleihen angekündigt, das sogenannte Pandemic Emergency Purchase Program (PEPP). Trotz des aktuellen Kursanstiegs werden die Massnahmen der EZB – ein zweites «Whatever it takes», nennt es die Commerzbank (CBK 3.09 -1.28%) – aber durchaus auch kritisch gewürdigt. Die bisherigen Stützungsmassnahem der EZB und der amerikanischen Notenbank würden wirkungslos verpuffen, hiess es etwa in einem Kommentar der IG Bank. Die aktuelle Lage verdeutliche, dass die Marktteilnehmer derzeit nicht einfach mit expansiven Massnahmen abgespeist werden könnten.

SMI-Banken massiv höher

Im SMI schlossen nach deutlichen Schwankungen während des Tages alle zwanzig Werte im Plus. Einen Gewinn im zweistelligen Prozentbereich fuhren Credit Suisse (Credit Suisse 7.626 -1.14%) ein. Die Bank ist laut einer Mitteilung anlässlich einer Investorenkonferenz im laufenden ersten Quartal 2020 bislang gut unterwegs und hat mehr verdient als in der Vorjahresperiode. Auch UBS (UBSG 8.656 -1.5%) legten klar zu.

Die Schwergewichte um Novartis (NOVN 81.65 1.08%) und Nestlé (NESN 102.36 1.27%) sorgten für Auftrieb. Selbst Roche (ROG 322.7 0%) schlossen höher, wobei der Genussschein vom Abzug der Dividende in Höhe von 9 Fr. pro Papier belastet wurde.

Stärker präsentierten sich die Aktien der Luxusgüterhersteller. Wobei Swatch Group (UHR 182.35 -3.06%) wesentlich besser schloss als Richemont (CFR 49.96 -1.69%). Die Nachfrage aus dem Ausland nach Uhren ist im Februar stark zurückgegangen, besonders die Exporte nach China sind eingebrochen. Swatch-Group-CEO Nick Hayek sagte am Donnerstag, die Lage in Festlandchina scheine sich zu normalisieren.

Von markanten Verlusten erholten sich die Aktien des Personalvermittlers Adecco (Adecco 35.37 -2.54%). Hinter dem Gesamtmarkt blieben wieder die Versicherer zurück. Zumindest konnten Swiss Re (SREN 71.18 -0.45%), Swiss Life (SLHN 305.6 -1.77%) und Zurich Insurance (ZURN 303.2 -9%) im späten Handel ins Plus drehen.

Dufry schiessen hoch

Im SMIM (SMIM 2087.724 -0.95%) fielen die Aktien des Computer- und Gamingzubehörspezialisten Logitech (LOGN 42.09 1.69%) mit einem Kurssprung auf. Andere Tech-Werte wie Temenos (TEMN 108.6 -3.04%) oder AMS (AMS 7.822 -11.32%) blieben indes zurück. Bei AMS verweisen Händler auf eine Medienmitteilung von Osram (OSR 32.96 3%) Licht. Die ehemalige Siemens-Tochter reagiert mit Kurzarbeit und der vorübergehenden Schliessung von Werken auf die Coronaviruskrise. Zudem setzt sie die diesjährigen Zielvorgaben aus.

Die arg gebeutelten Aktien des Reisedetailhändlers Dufry (DUFN 24.52 -9.19%) kletterten in die Höhe, Flughafen Zürich (FHZN 103.8 -1.89%) drehten nach einem schwachen Handelsstart ins Plus und letgen klar zu.

Bucher (BUCN 251.4 0%) Industries fielen zurück. Das Unternehmen hatte die sofortige Schliessung der Werke in Frankreich angekündigt, wo es stark verankert ist.

Klare Abgaben müssen erneut die Aktien des Dentalimplantatherstellers Straumann (STMN 654 -3.82%) hinnehmen.

Die Titel der Versandapotheke Zur Rose (ROSE 136 3.03%) verzeichneten nach den Jahreszahlen einen Gewinn.

Gemischtes Bild in Asien – Südkoreas Börse crashte

In Asien notierten die Börsen am Donnerstag uneinheitlich. Der japanische Leitindex Nikkei 225 (Nikkei 225 17820.19 0.01%) lag rund 1% im Minus. Der marktbreite Topix gewann dagegen mehr als 1%. Düsterer sah es in Südkorea aus. Der Kospi (Kospi 1727.27 0.12%) fiel mehr als 8%.

Der Hang Seng (Hang Seng 23236.11 -0.19%) gab rund 3% nach, und auch die Börsen in Festlandchina notierten schwächer. Der CSI 300, der die 300 wichtigsten in Shenzhen und Schanghai kotierten Unternehmen umfasst, verlor rund 1,5%.

Dollar weiter stark

Der Euro konnte sich am Donnerstag zum Dollar nicht über der Marke von 1.09 $ halten. Nach massiven Verlusten von 2,3% am späten Nachmittag fiel sogar die 1.07. Der Euro wurde um 17.30 Uhr zum Greenback bei 1.0687 $ gehandelt. Gegenüber dem Franken verlor der Euro ebenfalls. Bei Börsenschluss in Europa lag er bei 1.0530 Fr. Der Dollar zog auch zum Franken stark an und notierte am Nachmittag mit 0.9850 Fr. klar über 0.98 Rappen, dies nachdem er bereits die Marke von 97 Rappen zurückerobert hatte.

Ölpreis zog auf sehr tiefem Niveau an

Der Ölpreis erholte sich am Donnerstag nach der Talfahrt der vergangenen Handelstage merklich. Bei Börsenschluss in Europa kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent (Brent 34.89 17.55%) 26.50 $. Der Goldpreis bewegte sich etwas abwärts und notierte bei 1475 $ pro Feinunze wieder unter der Marke von 1500 $.

Leser-Kommentare