Märkte / Aktien

SMI über Tagestief schwächer – Roche und Nestlé belasten

Der Schweizer Aktienmarkt ist am Dienstag mit deutlichen Abschlägen in die verkürzte Handelswoche nach Ostern gestartet.

(AWP/Reuters) Im Fahrwasser steigender Kurse an der Wall Street, die von erfreulichen Daten vom US-Immobilienmarkt unterstützt wurde, konnte der Markt die Verluste im Späthandel noch eingrenzen. Spezifische Gründe für die Schwäche konnten Händler nicht ausmachen. Aber es gebe viele Unsicherheitsfaktoren, die das Umfeld grundsätzlich schwierig machten, hiess es am Markt. Vor allem der Krieg in der Ukraine, die Lockdowns in China, hohe Rohstoff- und Energiepreise und die geldpolitischen Perspektiven trübten die Stimmung und dämpften die Risikobereitschaft.

Kräftige Kursverluste der beiden SMI-Schwergewichte Roche und Nestlé (NESN 111.64 +2.91%) belasteten den SMI (SMI 10'823.12 +3.54%) noch zusätzlich. Ob die Berichtssaison zum ersten Quartal positive Impulse setzen könne, werde sich weisen müssen. Diese Woche werden u.a. ABB (ABBN 25.46 +1.96%), Nestlé, Holcim (HOLN 43.72 +1.86%) und Schindler (SCHP 172.05 +4.53%) Quartalszahlen liefern. Zudem sollte der Markt auch durch die üppigen Dividendenzahlungen eine Unterstützung erhalten. «Vom Milliarden schweren Dividendensegen dürfte einiges wieder reinvestiert werden», meinte ein Händler.

Der SMI bewegte sich zwischen 12’212 und 12’384 Punkten und schloss um 1,55% tiefer auf 12’281,42 Zählern. Der SLI, in dem die 30 wichtigsten Aktien enthalten sind und in dem die Gewichtung der Schwergewichte gekappt ist, büsste derweil 1,17% auf 1907,22 und der breite SPI (SXGE 13'945.94 +3.37%) 1,23% auf 15’758,19 Zähler ein. Bei den 30 Blue Chips schlossen 16 tiefer und 13 höher. Holcim waren unverändert. Die höhere Nervosität kam auch am Volatilitätsindex VSMI zum Ausdruck, der 10% zulegte.

Am stärksten auf den SMI drückten die Abgaben beim Schwergewicht Roche. Die Grossbank UBS (UBSG 16.00 +6.03%) hat das Rating für die Titel des Pharmariesen auf «Sell» von «Neutral» gesenkt. Der Analyst äusserte sich zwar nicht generell negativ, es dürfte aber viel Positives bereits im Kurs enthalten sein. Die Aktien des Konkurrenten Novartis (NOVN 80.60 +3.03%) hielten sich wie zuletzt des Öfteren deutlich besser.

Die Aktien des Nahrungsmittelriesen Nestlé standen vor den am Donnerstag anstehenden Quartalsumsatzzahlen unter Druck und belasteten den Gesamtindex ebenfalls. Analysten rechnen mit einer leichten Verlangsamung beim Mengenwachstum. Damit drückten alleine die beiden Schwergewichte Roche und Nestlé den SMI um rund 150 Punkte.

Am Ende der Blue-Chips Tabelle standen vor allem Aktien, die heute ex-Dividende gehandelt wurden und deren prozentuale Verluste damit vor allem optisch sehr hoch waren. Dazu zählten u.a. Swiss Re (SREN 75.12 +2.96%), Adecco (ADEN 33.86 +1.83%) oder Geberit (GEBN 477.00 +4.74%).

Klar im Minus notierten mit Lonza (LONN 512.80 +5.08%) und Givaudan (GIVN 3'310.00 +4.91%) und zwei Titel, die im letzten Jahr zu den Favoriten gehört hatten, dieses Jahr aber ziemlich Mühe haben.

Mit Abstand grösster Gewinner bei den Standardwerten waren Temenos (TEMN 84.84 +4.79%). Die Aktien des Bankensoftware-Hauses haben 2022 viel an Kurswert eingebüsst, inzwischen aber einen Teil davon wieder aufgeholt. Bei Temenos bewegten regelmässig Spekulationen den Kurs, hiess es im Handel. Ein potentielles Übernahmeangebot für das Unternehmen sei jedenfalls immer latent im Hinterkopf der Investoren.

Im Plus notierten u.a. auch AMS Osram (AMS 9.33 +4.10%), Kühne+Nagel, CS, ABB und Logitech (LOGN 53.38 +3.73%), ohne dass es dazu fundamentale News gegeben hätte. VAT machten einen Teil des Verlustes wett, den sie am vergangenen Donnerstag nach Zahlenvorlage verzeichnet hatten.

Im breiten Markt schlossen Dufry (DUFN 35.07 +2.04%) nach einem Tageshoch auf 42,85 Franken noch um 1,6% höher auf 41,22 Franken. Auslöser des Kurssprungs war ein Bericht von Bloomberg über einen angeblichen Zusammenschluss von Dufry mit der italienischen Autogrill (AUL 6.51 -2.40%).

Talenthouse (THAG 0.1900 -2.56%) verloren 10%. Das Unternehmen wollte nach Börsenschluss seinen Halbjahresbericht veröffentlichen.

US-Aktienmarkt eröffnet mit Plus – J&J auf Rekordhoch

Trotz eines erneuten Plädoyers eines führenden US-Notenbankers für drastischere Zinserhöhungen zeigten sich Aktienanleger an der Wall Street in Kauflaune. Der Leitindex Dow Jones.DJI legte am Dienstag zum Handelsauftakt um 0,6% zu. Auch der breiter gefasste S&P 500.SPX lag mit 0,1% leicht im Plus, während die technologielastige Nasdaq.IXIC stagnierte.

James Bullard, Chef der Federal Reserve von St. Louis, sprach sich für eine Anhebung des US-Schlüsselsatzes auf 3,5% bis zum Jahresende und auf dem Weg dahin für Schritte von 0,75 Prozentpunkten aus. Das macht andere Anlagen als Aktien normalerweise attraktiver.

Bei Investoren standen Johnson & Johnson (JNJ 182.29 +1.46%) (J&J)JNJ.N im Rampenlicht. Die Papiere des Konsumgüter- und Pharmakonzerns legten um knapp 4% zu und erreichten ein Rekordhoch.

Devisen: Euro legt etwas zu – USD/CHF (USD/CHF 0.9570 -0.05%) auf Jahreshoch

Der Euro hat am Dienstag im Verlauf etwas zugelegt. Aktuell notiert die Gemeinschaftswährung bei 1,0789 $. Das ist etwas mehr als im frühen Handel.

Zum Franken hat sich der Euro über der Marke von 1,02 Fr., die er im Frühhandel zurückerobert hatte, gehalten und wird derzeit zu 1,0229 gehandelt nach 1,0190 noch am Morgen. Der US-Dollar baut derweil zum Franken die Gewinne weiter aus und kostet derzeit 0,9484 Fr. Auf diesem Niveau gehandelt wurde der «Greenback» letztmals im Juni 2020.

Der Handel verlief in vergleichsweise ruhigen Bahnen. Konjunkturdaten aus der ersten Reihe wurden nicht veröffentlicht. Im Fokus stehen am Devisenmarkt derzeit die unterschiedlichen Reaktionen der EZB und der US-Notenbank Fed auf die hohe Inflation. Während die EZB nur zögerlich aus ihrer lockeren Geldpolitik aussteigt, hat die Fed ihren Zinssatz bereits im März erstmals in der Pandemie angehoben und eine Reihe von weiteren Erhöhungen in Aussicht gestellt.

Am Montag hatte der Präsident der US-Notenbank von St. Louis, James Bullard, nachgelegt. Er schloss sogar einen ungewöhnlich hohen Zinsschritt von 0,75 Prozentpunkten nicht aus, auch wenn dies nicht sein Basisszenario sei. Höhere Zinsen machen eine Währung für Anleger attraktiver. Der Euro geriet daher am Montag unter Druck. Er erholte sich am Dienstag aber wieder.

Yen zum Dollar auf 20-Jahretief

Derweil reagierte der japanische Yen stärker als der Euro auf die Äusserungen Bullards. Die japanische Währung beschleunigte ihre Talfahrt zum US-Dollar und fiel auf einen weiteren 20-jährigen Tiefstand. Im Gegensatz zur Fed will die japanische Zentralbank an ihrer extrem lockeren Geldpolitik festhalten. Allerdings ist die Inflation in Japan auch deutlich schwächer als in den Vereinigten Staaten.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,82955 (0,82908) britische Pfund und 138,40 (136,32) japanische Yen und 1,0208 (1,0189) Schweizer Franken fest.

Ölpreise fallen etwas

Die Ölpreise haben am Dienstag nach den jüngsten Gewinnen etwas nachgegeben. Am Morgen kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 113,06 $. Das waren 10 Cent weniger als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI (WBS 117.46 +2.28%)) fiel um 27 Cent auf 107,94 $.

Am Ölmarkt sorgen sich die Anleger weiter um die Nachfrage aus dem wichtigen Verbrauchsland China. Nach einem starken Start in das Jahr hat Chinas Wirtschaft deutlich an Schwung verloren. Die Lockdowns und andere Einschränkungen durch die strikte Null-Covid-Strategie bremsen die zweitgrösste Volkswirtschaft spürbar. Nun könnten stützende Konjunkturmassnahmen erforderlich werden.

Zudem blicken die Anleger nach Libyen. Angesichts von Demonstrationen gegen den Premierminister musste das Sharara-Ölfeld jüngst geschlossen werden. Es wird befürchtet, dass die Ölproduktion des Landes noch weiter sinkt.

Leser-Kommentare

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Donald Duck 19.04.2022 - 10:42

Der SMI steht arg unter Druck und wird dies auch in den kommenden Wochen sein. Grund sind die fehlenden Gas und Strom Verträge der Schweiz. Der Bund hat die Sicherung verschlafen! Ich rate deshalb dringend von Schweizer Aktien ab!