Märkte / Aktien

SMI schliesst etwas fester

Die Schweizer Börse sucht am Dienstag die Richtung. Zyklische Titel legen zu. Wallstreet gibt keine Impulse. Der Euro notiert über 1.06 Fr.

(AWP/Reuters/SPU) Der Schweizer Aktienmarkt hat sich am Dienstag über der Marke von 9700 gefestigt. Der Swiss Market Index SMI (SMI 9824.54 1.4%) notierte bei Eröffnung praktisch unverändert. Im frühen Handel drehte er ins Plus, gab seine Gewinne aber rasch preis. Bis Handelsende in Zürich pendelte er zwischen Gewinn- und Verlustzone. Letztlich reichte es zu einem kleinen Plus. Am Vortag hatte sich der Leitindex mit einem Plus von 2,7% aus dem Handel verabschiedet.

Die Investoren blieben grundsätzlich auch nach dem fulminanten Wochenstart in Kauflaune, kommentierte ein Händler. So würden Anleger die Flut an negativen Konjunkturdaten für den Moment beiseiteschieben und sich stattdessen auf die positiven Entwicklungen bei den Neuinfektionen und die weitere Lockerung der Restriktionen fokussieren.

Darüber hinaus weckten die Nachrichten aus der Pharmaindustrie über einen vielversprechenden Impfkandidaten die Hoffnung auf eine möglicherweise schnellere wirtschaftliche Erholung. Zudem wirkten laut Händlern die Aussagen von Fed-Chef Jerome Powell nach, dass die Notenbank noch viel Munition im Waffenschrank habe. Aber auch die Meldung, dass Deutschland und Frankreich 500 Mrd. € für den Wiederaufbau der europäischen Wirtschaft einsetzen wollen, kam gut an.

In New York hielten sich die Anleger nach dem Kaufrausch vom Montag zurück. Der S&P 500 (SP500 2955.45 0.24%) notierte bei Börsenschluss in Europa 0,2% im Plus. Der Dow Jones (Dow Jones 24465.16 -0.04%) handelte kaum verändert mit –0,1%. Der Nasdaq Composite der Technologiebörse verzeichnete einen Gewinn von 0,7%. Nach solch einem Kurssprung seien Gewinnmitnahmen ganz normal, sagte Randy Frederick, Manager beim Brokerhaus Charles Schwab.

Finanzwerte wieder zurück im Plus

Im SMI waren zyklische Titel gut aufgelegt, was sich an den Avancen von Sika (SIKA 179.45 1.38%), ABB (ABBN 18.66 2.3%) und Geberit (GEBN 467.7 2.34%) zeigte. Die Luxusgüterhersteller Swatch Group (UHR 181.35 1.2%) und Richemont (CFR 53.5 2.57%) konnten ebenfalls Gewinne einfahren. Richemont hatte im Rahmen einer Bond-Emission über drei Tranchen insgesamt 2 Mrd. € am Finanzmarkt aufgenommen. Die Transaktion sei bei Anlegern auf grosses Interesse gestossen, teilte die Gruppe am Montagabend mit.

Die Aktien von Credit Suisse (CSGN 8.144 2.06%), die gestern an der Spitze des Leitindex standen, wechselten mehrfach die Vorzeichen, schlossen aber fester. Auch UBS (UBSG 9.638 1.39%) waren fester. Derweil notierten die Versicherer um Swiss Re (SREN 63.08 1.91%), Zurich Insurance (ZURN 292.9 2.45%) und Swiss Life (SLHN 322.2 2.06%) tiefer.

Unterschiedlich präsentieren sich die beiden Pharmaschwergewichte Roche (ROG 349 0.61%) und Novartis (NOVN 83.11 1.13%). Während Roche eine US-Zulassung erhalten hat, ist es bei Novartis die EU-Zulassung für die Gentherapie Zolgensma. Die Titel des Nahrungsmittelriesen Nestlé schlossen fester. JDE Peet’s, Nestlés Konkurrent auf dem Kaffeemarkt, soll in den nächsten Wochen an die Euronext-Börse in Amsterdam gehen.

Swisscom (SCMN 492.7 -0.04%) gaben deutlich nach. Sie wurden von der Kooperation der Konkurrenten Sunrise und Salt belastet.

Julius Bär, Sonova und Sunrise gefragt

Im Fokus standen unter anderem die Aktien der Privatbank Julius Bär (BAER 39.05 3.64%), sie legten klar zu. Die Kundenaktivitäten hatten in den ersten vier Monaten stark zugenommen und damit für einen Schub bei der Profitabilität gesorgt. Allerdings hatten die Verwerfungen an den Finanzmärkten auch einen deutlichen Rückgang der Kundenvermögen verursacht.

Sonova (SOON 212.3 4.12%) zogen an. Nachdem der Hörsystemspezialist bereits Ende März seine Umsatzprognose gesenkt hatte, zeigten die Jahreszahlen 2019/20 nun, dass er zwar erneut gewachsen war. Zum Jahresende spürte er die Coronapandemie jedoch deutlich. Auch mit Blick nach vorne präsentiert sich die Lage angespannt.

Mit Straumann (STMN 766.8 1.13%) und Vifor Pharma (VIFN 152.1 3.79%) waren auch andere Valoren aus dem Gesundheitssektor gesucht.

Insgesamt reagierten Investoren auf die überraschende Kooperation auf dem Schweizer Telecommarkt positiv. Sunrise (SRCG 82.2 0.06%) und Salt spannen beim Ausbau des Glasfasernetzes zusammen.

Dufry (DUFN 26.14 3.65%) erholten sich weiter. Die Aktionäre des Reisedetailhändlers hatten am Montag dem Dividendenverzicht und den Kapitalmassnahmen zugestimmt.

AMS (AMS 13.575 1.5%) verloren. Wie man laut Händlern schon in der Vergangenheit sehen konnte, reagierten sie in der Regel besonders sensibel auf Nachrichten zu den Handelsbeziehungen zwischen den USA und China. Derzeit machten wieder Sorgen über eine Eskalation die Runde, begründeten Börsianer die Verluste.

Im breiten Markt legten Lem (LEHN 1320 0.15%) deutlich zu. Der Elektronikkomponentenhersteller schliesst das per Ende März beendete Geschäftsjahr 2019/20 mit weniger Umsatz, aber mehr Gewinn ab.

Ausserdem stiegen Valora (VALN 181.4 0.78%) munter. Die SBB erlassen Geschäften, die vom behördlichen Lockdown betroffen sind, teils die Miete. Inwiefern der Kioskbetreiber davon profitiert, ist nicht ganz klar. Darüber hinaus hatte ein VR-Mitglied von Valora ein sehr grosses Aktienpaket gekauft, das knapp 1,3% der Titel ausmacht.

Zudem fielen die Aktien von Aryzta (ARYN 0.4682 12.82%) und Meier Tobler (WMN 11.25 -9.64%) mit grossen Avancen auf.

Asien mit Gewinnen

Die asiatischen Märkte wurden am Dienstag durch die Neuigkeiten eines möglichen Impfstoffs und die Aussicht auf eine schnellere wirtschaftliche Erholung beflügelt. In Tokio legte der Nikkei 225 (Nikkei 225 21271.17 2.55%) 1,5% und der Topix 1,8% zu. Der chinesische CSI 300 lag 0,8% im Plus, während der Shanghai Composite 0,7% gewann. In Hongkong stieg der Hang Seng um fast 2%. Der südkoreanische Kospi avancierte 2,3%. Auch der australische Index ASX kletterte um mehr als 2% nach oben.

Euro erstarkt

Der Eurokurs legte am Dienstag unter dem Strich moderat zu. Am Abend kostete die Gemeinschaftswährung 1.0943 $ und damit etwas mehr. Zeitweise war der Euro bis auf 1.0976 $ gestiegen, er konnte die Gewinne aber nicht halten. Zum Franken kann sich der Euro über der Marke von 1.06 halten. Er bewegte sich allerdings in engen Spannen. Um 17.30 Uhr MESZ notierte er bei 1.0627 Fr. Der Dollar bewegte sich mit einem Kurs von 0.9714 Fr. nur leicht tiefer als noch am Morgen.

Ölpreis tiefer

Der Ölpreis büsste nach der jüngsten Erholung ein. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent (Brent 36.27 1.82%) kostete bei Börsenschluss in Europa knapp 35 $. Am Vortag hatten die Preise für Brent und WTI (WTI 33.75 2.12%) erstmals seit über einem Monat die Marken von 35 und 30 $ überwunden. Gold (Gold 1730.84 0.21%) notierte etwas fester bei einem Preis von 1740 $ pro Feinunze.

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