Märkte / Aktien

Abgaben auf breiter Front an der Schweizer Börse

Der SMI verlor am Donnerstag, verteidigte aber die 12'400-Punktemarke.

(AWP) An der Börse ist am Donnerstag der zuletzt gesehene Rekordlauf abrupt gestoppt worden. Von zunehmenden Coronasorgen und der Angst vor einer eher früher als später geplanten Straffung der US-Geldpolitik belastet, verkauften die Anleger Aktien und strichen so zuvor erzielte Kursgewinne ein. Der Leitindex SMI (SMI 12'175.77 -0.01%) verlor vom Start weg stark an Terrain und fiel am Nachmittag kurz gar unter 12’300 Punkte, dies nachdem er am Vortag bei 12’573 Stellen noch ein Allzeithoch gesetzt hatte. Mit Blick auf die nur leichten Abgaben an der Wall Street konnte sich der SMI bis Handelsende immerhin vom Tagestief absetzen.

Mehrere Themen setzten am Donnerstag vor allem zyklischen Aktien zu. Vorherrschend war die Sorge vor einer nächsten Coronawelle, die der Erholung der Weltkonjunktur zusetzen könnte. Vor allem die steigenden Coronazahlen in Asien seien beunruhigend, hiess es. Zugleich plant China Gesetze, die reiche Staatbürger an die Kandare nehmen sollen. Zu reden gab auch die US-Geldpolitik. Die Anleger fürchten sich davor, dass die US-Notenbank Fed noch in diesem Jahr mit der Reduktion der Wertpapierkäufe beginnt. Das Protokoll zur jüngsten Zinssitzung lieferte Hinweise dazu. Das nährte die Nervosität an der Börse, was am Anstieg des Volatilitätsindex VSMI abzulesen war.

Bis Handelsende verlor der SMI 1,13 Prozent auf 12’403,58 Punkte. Der SLI, in dem die 30 wichtigsten Aktien enthalten sind, büsste 1,39 Prozent auf 2003,67 Stellen und der breite SPI (SXGE 15'540.56 -0.13%) 1,07 Prozent auf 15’892,53 Zähler ein. Bis auf Alcon (ALC 72.96 +0.25%) und Nestlé (NESN 118.82 +0.87%) schlossen sämtliche 30 SLI-Titel tiefer.

Uhrentitel gaben nach

Die grössten Verlierer bei den Blue Chips waren Richemont (CFR 135.70 -0.22%) und Swatch. Gründe dafür waren die steigenden Corona-Infektionszahlen in den für die beiden Uhrenkonzerne wichtigen asiatischen Märkte und die regulatorischen Einschränkungen, die China für Reiche plant. Da half es auch nicht, dass sich Swatch-CEO Nick Hayek in einem Interview mit der Finanz und Wirtschaft bezüglich Aussichten weiterhin optimistisch äusserte und die Schweizer Uhrenexporte im Juli um 30% angestiegen waren.

Unter erhöhtem Abgabedruck standen auch von der Konjunkturentwicklung geprägte Aktien wie Holcim (LHN 44.36 -0.43%) oder Adecco (ADEN 44.55 -0.65%), während Logitech (LOGN 71.12 -2.17%) Händlern zufolge unter dem Einfluss von Leerverkäufen litten. Bei Geberit (GEBN 702.20 -0.17%) wurden trotz guter Zahlen zum ersten Halbjahr ebenfalls Gewinne mitgenommen (mehr dazu hier). Gleiches war bei Straumann (STMN 1'905.50 -0.55%) und Sonova (SOON 335.40 -0.59%) zu sehen. Letztere wurden von der Zahlenenttäuschung des Konkurrenten GN Resound belastet.

Defensive Papiere waren gesucht

Aktien mit einem defensiven Anstrich schlugen sich derweil besser als der Markt: Nestlé konnten sogar das Kursniveau des Vortages verteidigen, während die Papiere des Augenheilmittelspezialisten Alcon gut im Plus schlossen. Der Alcon-Kurs hatte am Vortag nach dem Zwischenbericht bereits um kräftige 14% zugelegt und ein Allzeithoch erreicht.

Besser als der Markt schnitten auch SGS (SGSN 2'851.00 +0.04%), die Genussscheine von Roche (ROG 362.25 -0.33%), Dauerbrenner Lonza (LONN 718.40 +0.25%) oder die defensiven Swisscom-Aktien ab. Dagegen konnte sich der Pharmariese Novartis (NOVN 73.57 -0.31%) dem Abwärtssog nicht entziehen und auch die Grossbanken UBS (UBSG 16.14 -0.77%) und Credit Suisse (CSGN 8.84 -0.63%) verloren stark an Wert.

Am breiten Markt rückten Meyer Burger (MBTN 0.40 -9.9%) entgegen dem Trend deutlich vor, nachdem der Solarpanelhersteller seine vor einiger Zeit eingeleitete Transformation als abgeschlossen erklärte und die Geschäftsziele bestätigte (lesen Sie hier mehr).

Kursgewinne verbuchten auch die Titel von Relief Therapeutics (RLF 0.06 -1.54%). US-Kooperationspartner NRx hatte positive Studienergebnisse zum Einsatz von Zyesami (Aviptadil) bei Patienten mit lebensbedrohlichem Covid-19 veröffentlicht.

Ansonsten konnten Firmen, die eigentlich gute Ergebnisse zum ersten Halbjahr veröffentlichten, an der Börse nicht brillieren. So fielen nach der Zahlenvorlage die Aktien von Ascom (ASCN 11.70 -1.35%), Feintool (FTON 53.40 -0.56%), Meier Tobler (MTG 17.05 +0.29%) und Siegfried (SFZN 792.50 -0.56%) zum Teil deutlich zurück (mehr zu Siegfried hier und klicken Sie hier für Ascom).