Märkte / Aktien

SMI geht schwächer ins Wochenende

Der Schweizer Aktienmarkt kann die Avancen nicht halten. Zykliker sind stark, Defensive schwach. Der Dollar holt Verluste zum Franken wieder auf.

(AWP/SPU) Der Schweizer Aktienmarkt ist am Freitag im weiteren Handelsverlauf von seinem Erholungskurs abgekommen. Der Swiss Market Index SMI (SMI 9242.44 -0.31%) notierte bei Eröffnung 4,5% höher, über der Marke von 9100. Im frühen Handel kam er bereits zurück. Noch vor dem Mittag rutschte er in den negativen Bereich. Unentschlossene Anleger an der Wallstreet sorgten auch in Zürich für Verunsicherung. Der SMI schloss 1,8% tiefer bei 8624.

Vom Tiefpunkt am Montag bei 7650 Punkten hatte der SMI in der laufenden Woche rund 1000 Punkte gutgemacht. Die von verschiedenen Notenbanken in der laufenden Woche angekündigten Massnahmen scheinen damit zumindest für den Moment zu fruchten. Die Volatilität blieb aber auch am Freitag trotz einem leichten Rückgang sehr hoch. Für grössere Schwankungen sorgten vor dem Wochenschluss auch der grosse Verfallstermin, der sogenannte Hexensabbat.

An der Wallstreet pendelten die Kurse zwischen Gewinn- und Verlustzone. Bei Börsenschluss in Europa standen die drei Hauptindizes in New York im Minus. So notierte der Dow Jones (Dow Jones 21052.53 -1.69%) 1% leichter. Der breiter gefasste S&P 500 (SP500 2488.65 -1.51%) verlor 1,5%. Von einem Plus von 2,5% kam der Index der US-Technologiebörse, der Nasdaq Composite, zurück. Er lag um 17.30 Uhr MEZ 0,5% tiefer.

Derweil waren Anleger an den europäischen Märkten zuversichtlicher, sie sorgten für Avancen an der Börse. Der Dax (DAX 9525.77 -0.47%) in Frankfurt und der Euro Stoxx 50 (Euro Stoxx 50 2662.99 -0.95%) schlossen deutlich im Plus.

SMI-Schwergewichte belasteten

Angeführt wurde der SMI von konjunktursensitiven Aktien wie LafargeHolcim (LHN 34.32 -0.58%), Sika (SIKA 154.2 1.38%) oder Adecco (Adecco 35.37 -2.54%). Klar fester zeigten sich auch die Luxusgüterkonzerne Richemont (CFR 49.96 -1.69%) und Swatch Group (UHR 182.35 -3.06%).

Die zuletzt massiv verkauften UBS (UBSG 8.656 -1.5%) und Credit Suisse (Credit Suisse 7.626 -1.14%) gaben ihre frühen Avancen preis. Credit Suisse waren am Vortag im zweistelligen Bereich nach oben geschossen, UBS immerhin um beinahe 8%.

Die Versicherertitel um Swiss Re (SREN 71.18 -0.45%), Zurich Insurance (ZURN 303.2 -9%) und Swiss Life (SLHN 305.6 -1.77%), die zuletzt ausverkauft worden sind, zeigten sich im weiteren Handelsverlauf uneinheitlich.

Defensive Titel waren für den Leitindex eine Belastung. Neben den Schwergewichten wie Nestlé (NESN 102.36 1.27%) oder Roche (ROG 322.7 0%) büssten auch Swisscom (SCMN 531.8 0.3%) und Givaudan (GIVN 2995 0.34%) ein. Roche hatten am Vortag getragen von hoffnungsvollen Nachrichten im Zusammenhang mit Tests für ein Medikament zur Behandlung von Patienten mit einer schweren Coronavirus-Lungenentzündung über 6% zugelegt.

Dufry und Flughafen Zürich erholt

Klare Gewinne auf tiefem Niveau verzeichneten die arg gebeutelten Aktien von Dufry (DUFN 24.52 -9.19%) und Flughafen Zürich (FHZN 103.8 -1.89%). Der Flughafen reduziert den Betrieb. Die Reduktion des Betriebs von Fluggesellschaften und Frachtbetrieben habe einen negativen Einfluss, der noch nicht beziffert werden könne. Um dem zu begegnen, hat der Flughafen Kurzarbeit beantragt, Kosten- und Investitionssenkungen beschlossen und die Kreditlinien voll ausgeschöpft.

Gut aufgelegt waren auch Gesundheitswerte, die zuletzt Federn lassen mussten. Straumann (STMN 654 -3.82%), Vifor Pharma (VIFN 133.4 -0.07%) und Sonova (SOON 156.05 -4.26%) schlossen klar im Plus.

Während AMS (AMS 7.822 -11.32%) sich wenig verändert präsentierten, schossen Osram (OSR 32.96 3%) an der Frankfurter Börse in die Höhe. Das Vertrauen der Investoren in die Übernahme des Münchner Lichtkonzerns Osram durch AMS wächst wieder, nachdem AMS-Chef Alexander Everke sich zuversichtlich gezeigt hatte, dass es trotz des Kursverfalls der AMS-Aktie genügend Investoren gebe, die die zur Finanzierung geplante Kapitalerhöhung zu zeichnen bereit seien.

Am breiten Markt zogen Interroll (INRN 1518 -3.8%) markant an. Der Logistiktechnikspezialist hatte 2019 mehr verdient und erhöht die Dividende.

Implenia (IMPN 33.5 1.89%) legten ebenfalls stark zu. Der Baukonzern ergreift Massnahmen, um in Zeiten der Coronakrise die Mitarbeiter zu schützen, aber den Betrieb so gut wie möglich aufrechtzuerhalten.

Sulzer (SUN 62.45 -0.95%) und Burckhardt Compression (BCHN 180.2 1.24%) machen mit grossen Gewinnen auf sich aufmerksam. Dies dürfte laut Händlern mit der Erholung des Ölpreises zusammenhängen.

Hoffnung an Asiens Börsen

Die asiatischen Börsen notierten mehrheitlich höher. Starke Kursgewinne verzeichnete der südkoreanische Leitindex Kospi mit einem Plus von 6,5%. Aufwärts ging es auch für den Hang Seng in Hongkong mit einer Avance von 2,8%.

Seitwärts tendierten die beiden chinesischen Festlandindizes Shanghai Composite und Shenzhen Composite. Der australische Leitindex S&P/ASX 200 kletterte 0,7%. Hier profitierte die Stimmung von der Ankündigung der Notenbank, mit der ersten Runde einer quantitativen Lockerung zu beginnen. Die Börse in Tokio blieb wegen eines Feiertages geschlossen.

Gewinnmitnahmen beim Dollar

Der Eurokurs stieg am Freitag zwar, kam aber deutlich von seinem Plus zurück. Bei Handelsende in Zürich lag er unter der Marke von 1.07 $ bei 1.0669 $. Gegenüber dem Schweizer Franken zeigte sich der Euro stabil. Der Kurs lag um 17.30 Uhr MEZ bei 1.0535 Fr. Der Dollar machte nach dem Mittag zum Franken die Verluste des Morgens wieder wett. Er lag bei Handelsende in Zürich bei 0.9878 Fr.

Ölpreis klar erholt

Der Ölpreis setzte am Freitag seine Erholung fort. Die Notmassnahmen führender Notenbanken im Kampf gegen die wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise vom Vortag wirkten weiter stützend auf die Kursentwicklung. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent (Brent 34.89 17.55%) kostete bei Börsenschluss in Europa knapp 29 $. Gold (Gold 1617.05 0.31%) erholte sich, konnte die zwischenzeitlich erreichte Marke von 1500 $ aber nicht halten. Der Preis pro Feinunze lag zuletzt bei 1484 $.

Leser-Kommentare