Märkte / Aktien

SMI schliesst unter 10’000-Punkte-Marke

Die Aussicht auf weiterhin weit offene Geldschleusen der Zentralbanken haben die Anleger an die Börse gelockt. Der Schweizer Leitindex liegt aber wieder unter der psychologisch wichtigen Marke.

(AWP/SPU/CF) Der Schweizer Aktienmarkt hat am Donnerstag mit Gewinnen gehandelt, allerdings ist er wieder unter die 10000-Punkte-Marke gefallen. Die Marke hat der SMI (SMI 9770.39 -0.56%) erst vor zwei Tagen erstmals überschritten. Die Kursgewinne verdankt der Leitindex der US-Notenbank Fed. Sie hat am Vorabend ihre jüngste Zinsentscheidung veröffentlicht und dabei die Tür für eine Zinssenkung in diesem Jahr geöffnet.

Allerdings heben zahlreiche Strategen hervor, dass Wachstumssorgen der Grund für diese Haltung seien. Den Börsen in Übersee verhilft die US-Notenbank damit dennoch zu einer freundlichen Tendenz. Währenddessen haben sowohl die Bank of England als auch die japanische Zentralbank angekündigt, an ihrem geldpolitischen Kurs nicht rütteln zu wollen.

Schweizer Börse knapp unter 10’000

Der Swiss Market Index SMI hat bei Eröffnung 0,5% gewonnen und ist in der Folge noch weiter bis auf ein Tages- und folglich Allzeithöchst von 10’062 gestiegen. Am Nachmittag hat der Leitindex an Fahrt verloren und hat sich gegen Börsenschluss wieder unter die psychologisch wichtige Marke begeben.

Am Donnerstag sind starke Uhrenwerte schwachen Bankaktien gegenüber gestanden. Die Papiere von Richemont (CFR 75.34 0.21%) und Swatch Group (UHR 264.4 -0.26%) haben von starken Uhrenexportdaten für den Monat Mai profitiert. Das Exportvolumen von Schweizer Uhren hat gegenüber dem Vorjahr sogar zweistellig zugelegt, was zuletzt vor gut einem Jahr der Fall war.

Derweil hat sich bei den Aktien von Credit Suisse (CSGN 11.095 -0.94%) und UBS (UBSG 10.225 -0.39%) die Entwicklung der US-Renditen bemerkbar gemacht. So rentieren die wichtigen zehnjährigen US-Treasuries erstmals seit November 2016 mit weniger als 2%. Diese Schwelle gilt als psychologisch wichtig. Grund dafür ist die US-Notenbank, die erklärt hatte, dass die Unsicherheiten für den wirtschaftlichen Ausblick zugenommen hätten.

Bei CS haben Börsianer zudem auf einen Bericht der «Financial Times» verwiesen, wonach ein Rechtsstreit zwischen einem Pekinger Grosskonzern und einer der renommiertesten Universitäten des Landes die Absicht der Grossbank, die Kontrolle über einen chinesischen Wertpapierhändler zu übernehmen, gefährden könnte.

Zykliker haben sich am zweitletzten Handelstag der Woche stark gezeigt. So beenden ABB (ABBN 18.15 -0.82%) und Sika (SIKA 137.05 -1.9%) den Handelstag mit einem Kurssprung.

Mit Blick auf die drei Schwergewichte Nestlé (NESN 107.96 -1.03%), Roche (ROG 273 -0.62%) und Novartis (NOVN 87.64 -0.28%) verweisen Marktteilnehmer schon seit einigen Tagen auf die zum Wochenschluss bevorstehende SMI-Revision mit der Deckelung der Gewichtung der drei Schwergewichte bei 18%. Dies habe bereits im Vorfeld einen gewissen Einfluss gehabt, sagen sie.

CS-Kommentar beflügelt Barry Callebaut

Im SMIM (SMIM 2499.553 -0.48%) haben Barry Callebaut (BARN 1923 -0.77%) nach einem Analystenkommentar überdurchschnittlich zugelegt. CS nimmt die Abdeckung mit «Outperform» wieder auf.

Klare Avancen haben die Tech-Werte um AMS (AMS 39.97 -2.01%) verzeichnet. Auch die Aktien des Vakuumventilherstellers VAT Group (VACN 113.4 -0.96%) haben Gewinne verbucht. Andere zyklische Werte wie OC Oerlikon (OERL 8.885 -1.66%) und Georg Fischer (FI-N 790 -0.88%) sind ebenfalls gestiegen.

Flughafen Zürich (FHZN 177.8 -0.67%) haben nach den jüngsten Gewinnen eingebüsst.

Im breiten Markt wiederum haben sich Investoren in grösserem Stil von Biotechtiteln wie Kuros, Polyphor (POLN 4.395 -0.11%) und Molecular Partners getrennt. Auf der anderen Seite haben die konjunktursensitiven Aktien des Bau- und Baudienstleistungsunternehmens Implenia (IMPN 29.58 -2.18%) zugelegt.

Chinas Börse profitiert von Indexanpassung

In Japan ist die Reaktion auf den Fed-Entscheid positiv ausgefallen. Der Nikkei gewinnt 0,6%, der Topix legt 0,3% zu. In China werden ab dem 24. Juni mehr als tausend in Yuan ausgestellte Aktien in den FTSE Russell Index einbezogen. Das stützt die Börsen, Chinas Leitindex CSI 300 gewinnt 2,8%, der Hang Seng in Hongkong notiert 0,9% höher. Der koreanische Kospi (Kospi 1963.62 1.25%) steigt 0,2%.

Euro zum Dollar klar fester

Der Euro steigt nach dem Zinsentscheid der US-Notenbank zum Dollar deutlich. Die Gemeinschaftswährung kostet mit 1.1293 $ markant mehr. Dagegen bewegt sie sich zum Franken kaum. Aktuell geht sie zu 1.1147 Fr. um. Der Dollar zeigt sich zum Franken klar tiefer und steht mit 0.9871 Fr. klar unter der 0.99er-Marke.

Rohöl im Höhenflug

Gold (Gold 1506.59 0.72%) legt klar zu und notiert auf dem höchsten Stand seit fünf Jahren. Der Ölpreis steigt aufgrund von Spannungen in der Golfregion. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent (Brent 60.25 1.12%) kostet gut 63 $. Der WTI-Preis ist auf ein Tageshoch von 57,02 $ gestiegen. Der Iran hat nach eigenen Angaben eine US-Spionagedrohne abgeschossen, die in der südlichen Provinz Hormosgan in den iranischen Luftraum eingedrungen sei.

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