Märkte / Aktien

SMI schliesst nach Verlusten über 11’700

Die Schweizer Börse erholt sich vom Tagestief. Finanzwerte und Zykliker werden am stärksten verkauft. Logitech sind seit heute im SMI. Wallstreet notiert klar im Minus.

(AWP/Reuters/SPU) Der Schweizer Aktienmarkt hat am Montag seine jüngste Schwächephase fortgesetzt. Der SMI (SMI 11'961.34 +0.58%) fiel bereits bei Eröffnung unter die Marke von 11’800 und gab im weiteren Handel noch deutlicher nach. Am Nachmittag rutschte der Leitindex zeitweise sogar unter 11’700, erholte sich aber bis Handelsende von seinem Tagestief. Investoren seien mit Blick auf die laufende Notenbankwoche ohnehin schon nervös, hiess es am Markt. So steht die US-Notenbank Fed am Mittwoch auf der Agenda, bevor einen Tag später die SNB (SNBN 5'100.00 -0.39%) folgt. Bereits seit längerem wird an den Märkten die Reduzierung der Anleihenkäufe durch Fed und EZB diskutiert, kommentierten Börsianer. Investoren erwarten vom Fed denn auch ein deutliches Signal für ein Zurückfahren der milliardenschweren Anleihenkäufe. Dazu gesellen sich derzeit Sorgen um die Entwicklung in China.

«Die zunehmenden regulatorischen Eingriffe der chinesischen Regierung in vielen Sektoren belasten die Wirtschaft», hiess es in einem Kommentar. Wichtige Frühindikatoren wie die Einkaufsmanagerindizes seien bereits unter die Expansionsschwelle gefallen. «Die massiven Probleme beim zweitgrössten Immobilienentwickler Evergrande (3333 0.31 -5.27%) verstärken die Sorgen um ein breiteres Verschuldungsproblem im Immobiliensektor, der für rund 25% des BIP verantwortlich ist.» Währenddessen warnen die Aufsichtsbehörden erneut, dass Evergrandes Schulden über 300 Mrd. $ das Finanzsystem Chinas destabilisieren könnten. «Ob es zu einer staatlichen Rettung kommt, ist noch unklar», meinte ein Händler.

Negative Signale kamen auch aus New York. Die grossen Wallstreet-Indizes büssten bei Börsenschluss in Europa allesamt klar ein. Der S&P 500 (S&P 500 4'464.33 -0.22%) verlor 1,6%. Der Dow Jones lag 1,5% im Minus. Noch deutlicher ging es an der Technologiebörse abwärts. Dort gab der Nasdaq Composite 2% nach.

SMI-Neuling Logitech (LOGN 81.26 -1.91%) fester

Viele der zwanzig SMI-Werte verzeichneten Abgaben. Seit heute notieren die Aktien des Computer- und Gamingzubehörherstellers Logitech im Leitindex. Sie stemmten sich gegen den Abwärtsdruck.

Mit grossen Abgaben notierten vor allem die Papiere der Grossbanken Credit Suisse (CSGN 9.79 +1.92%) und UBS (UBSG 15.88 +0.6%). Gerade bei UBS kommen am Markt nun Befürchtungen auf, sie könnte im Falle eines Kollapses des chinesischen Bauträgers Evergrande in Mitleidenschaft gezogen werden. Gemäss FuW-Informationen wären die Auswirkungen jedoch nicht sonderlich tragisch.

Neben den Grossbanken wurden auch die Versicherer Swiss Life (SLHN 483.80 +1.17%), Swiss Re (SREN 81.26 +1.09%) und Zurich Insurance (ZURN 392.10 +0.44%) aus den Depots entfernt.

Im Minus schlossen zudem die Titel des Bauchemieherstellers Sika (SIKA 311.00 +0.91%) sowie des Sanitärtechnikers Geberit (GEBN 707.60 +0.97%), diese Werte haben sich über lange Strecken des Berichtstages besser als der Markt gehalten. Zu den grössten Verlierern zählten andere Zykliker wie Holcim (HOLN 44.46 +0.32%) oder ABB (ABBN 31.91 +0.73%). Beim Baustoffhersteller Holcim sorgten gleich zwei negative Analystenkommentare für Zurückhaltung.

 

Die Luxusgüteraktien Richemont (CFR 109.90 +1.2%) standen unter Druck. Auch Swatch Group (UHR 251.00 +0.28%) – seit heute sind die Inhabertitel Mitglied im SMIM (SMIM 3'348.12 -0.02%) – büssten deutlich ein.

Die Schwergewichte, Novartis (NOVN 76.93 +0.61%), Roche (ROG 360.25 +0.87%) und Nestlé (NESN 114.82 +0.35%), hielten sich besser als der Gesamtmarkt.

USA heben Einreiseverbot auf – Dufry (DUFN 51.50 +1.46%) und Flughafen Zürich (FHZN 168.30 +0.36%) klar fester

Unter den mittelgrossen Werten gab es ebenfalls kaum Gewinner. Am Nachmittag drehten mit Dufry und Flughafen Zürich zwei reisenahe Werte ins Plus. Hintergrund: Die USA verlangen von ausländischen Fluggästen künftig einen Corona-Impfnachweis und heben zugleich bestehende Einreiseverbote für viele europäische Länder und andere Staaten auf. Laut Präsidialamt soll ab Anfang November die Einreisesperre für Ausländer fallen, die über Staaten des Schengenraums, Grossbritannien, China, Brasilien und andere Länder einreisen.

Grosse Verlierer waren SMIM-Neuling Zur Rose (ROSE 369.00 +0.82%) sowie die Finanzwerte Julius Bär (BAER 64.96 +0.31%).

Dass der aktuelle Abverkauf breit gestützt war, zeigte sich auch bei den Verlusten der weniger konjunktursensiblen Vertreter der Gesundheits- und Lifescience-Branche Straumann (STMN 1'806.50 +1.23%), Vifor Pharma (VIFN 124.00 -1.04%) oder Sonova (SOON 359.60 +0.33%).

Im breiten Markt brachen Santhera (SANN 1.40 -1.27%) ein, nachdem das Biotech-Unternehmen über eine Finanzierungsrunde und die Halbjahreszahlen informiert hatte.

Asien mehrheitlich geschlossen

Die Entwicklungen rund um den angeschlagenen chinesischen Immobilienkonzern Evergrande sorgten in Hongkong zum Wochenstart für einen Kurssturz. Der Hang Seng brach 3,2% ein. Evergrande versucht Berichten zufolge Geld aufzutreiben, um Investoren auszuzahlen. Weitere Indikatoren aus dem asiatischen Raum waren rar. Wegen eines Feiertags blieben die Aktienmärkte in Japan und China am Montag geschlossen. Auch in Südkorea stand der Handel still.

Euro zum Dollar zeitweise auf Einmonatstief

Der Euro weitete am Montag seine Verluste aus der vergangen Woche zunächst aus und wurde zeitweise zu 1.17 $ gehandelt und damit so tief wie seit knapp einem Monat nicht mehr. Bei Börsenschluss in Europa kostete die europäische Gemeinschaftswährung dann aber mit 1.1725 $ wieder etwa gleich viel wie noch am Freitagabend. Gegenüber dem Franken gab der Euro dagegen leicht nach. Um 17.30 Uhr MESZ wurde er zu 1.0885 Fr. gehandelt, nach 1.0920 Fr. im frühen Geschäft und 1.0932 Fr. zum Vorwochenschluss. Der Dollar schwächte sich derweil auf 0.9282 von 0.9321 Fr. klar ab.

Ölpreis etwas tiefer – Goldpreis etwas fester

Der Ölpreis startete mit weiteren Abschlägen in die neue Handelswoche. Am Abend kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent rund 74.50 $.

Gold notierte nach den jüngsten Verlusten fester bei einem Kurs von 1766 $ pro Feinunze.

Die grösste Cyberdevise Bitcoin (Bitcoin 61'416.00 +7.02%) gab deutlich nach und pendelte weiter um die Marke von 45’000 $.

Leser-Kommentare