Märkte / Aktien

SMI tritt auf der Stelle

Der Schweizer Aktienmarkt ist am Dienstag nach einem insgesamt freundlichen Handelstag nicht vom Fleck gekommen.

(AWP/Reuters) Die Investoren hätten insgesamt von der relativen Ruhe zum Beginn der Woche profitiert, hiess es. Gleichzeitig sei man sich bewusst, dass das «leicht bullische» Momentum recht schnell wieder kippen könnte, hiess es. Am Berichtstag bremsten vor allem die schwachen Valoren von Novartis (NOVN 80.33 -0.64%) und Roche.

Den Anlegern dürften die in der vergangenen Woche erfolgten Zinserhöhungen weiterhin einiges Kopfzerbrechen bereiten, kommentierte ein Marktbeobachter. Auch sei die weitere Konjunkturentwicklung in den USA und in Europa noch mit vielen Fragezeichen versehen. Vor allem die Aussagen von Fed-Chef Jerome Powell am Mittwoch an den halbjährlichen Anhörungen im US-Senat und -Repräsentantenhaus würden dann wieder genau beobachtet werden.

Der Swiss Market Index (SMI (SMI 10'770.40 +0.27%)) schloss 0,06% im Minus auf 10’479, Punkten. Der SLI, in dem die 30 wichtigsten Aktien enthalten sind, legte dagegen um 0,32% auf 1617,75 Punkte zu und der breite SPI (SXGE 13'879.13 +0.32%) stieg um 0,12% auf 13’520,42 Zähler. Von den SLI-Titeln schlossen 20 im Plus und zehn im Minus.

Deutlich zulegen konnten die im laufenden Jahr bisher stark zurückgebliebenen Aktien des Bauchemiekonzerns Sika (SIKA 220.60 +0.27%). Auch weitere typische Zykliker wie die seit Jahresbeginn ebenfalls nach unten korrigierten Givaudan (GIVN 3'388.00 +0.92%) oder SGS (SGSN 2'186.00 +0.05%) legten zu.

Aber auch die Titel des Hörgeräteherstellers Sonova (SOON 309.60 +1.84%) sowie des Zahnimplantateherstellers Straumann (STMN 115.30 +0.57%) standen in der Gunst der Anleger. Die baunahen Titel des Zementkonzerns Holcim (HOLN 40.70 -0.37%) oder des Sanitärkonzerns Geberit (GEBN 458.20 -0.13%) legten ebenfalls wieder zu, nachdem sie am Vortag noch unter den Rezessionsängsten gelitten hatten.

Stark zeigten sich erneut auch technologienahe Titel wie Logitech (LOGN 49.58 -0.58%), VAT oder AMS Osram (AMS 8.35 -2.91%). Sie erhielten am Nachmittag zusätzliche Unterstützung von einer Erholung an der US-Börse Nasdaq.

Die Titel der beiden Uhrenhersteller Richemont (CFR 100.25 -1.38%) und Swatch profitierten von den am Morgen vorgelegten Exportzahlen der Schweizer Uhrenindustrie. Die Uhrenexporte lägen dank des starken obersten Preissegments über den Erwartungen, hiess es bei der ZKB.

Uneinheitlich präsentierten sich dagegen die Finanztitel. So schlossen die Aktien der Grossbank UBS (UBSG 15.29 -0.65%) sowie der Privatbank Julius Bär (BAER 43.65 -0.89%) moderat im Plus, während die gebeutelten Credit Suisse (CSGN 5.42 +0.07%) einmal mehr im Minus schlossen.

Unter Druck standen aber vor allem die Versicherungswerte. So gingen die Aktien der Einzelversicherer Zurich und Swiss Life (SLHN 463.90 -0.24%), aber auch die Titel des Rückversicherers Swiss Re (SREN 73.94 -0.05%) mit recht deutlichen Abgaben aus dem Handel.

Die am Vortag noch festen defensiven Schwergewichte boten dem Markt keine Stütze. Die grosskapitalisierten Aktien des Nahrungsmittelkonzerns Nestlé (NESN 112.76 +1.18%) drehten zum Handelsschluss noch ins Minus. Die Pharmaschwergewichte Novartis und Roche zogen derweil die Indizes mit deutlicheren Abgaben nach unten. Einige Investoren würden nun zuvor gekaufte «Safe-Haven»-Titeln wieder abstossen, hiess es am Markt.

Im Minus schlossen auch die Aktien des Pharmazulieferers Lonza (LONN 519.20 +2.00%). Die deutlichsten Verluste bei den Bluechips gab es für die Aktien des Telekomkonzerns Swisscom (SCMN 525.40 -0.38%), die im laufenden Monate nach einer kritischen Analystenstudie der UBS mit einer Verkaufsempfehlung unter Druck geraten waren.

Am breiten Markt sackten die «Penny-Aktien» von Relief weiter ab. Das Biotech-Unternehmen musste einen weiteren Rücksetzer in den USA für ein potentielles Medikament berichten. Auch die ebenfalls im Rappenbereich notierenden Titel des indonesischen Biotechs Achiko (ACHI 0.0424 +0.00%) schlossen nach einer weiteren Verschiebung des Geschäftsberichts schwächer.

Mobilezone (MOZN 16.48 -1.08%) legten nach einem angekündigten neuen Aktienrückkaufprogramm zu. Burckhardt Compression (BCHN 393.00 -1.87%) wurden durch eine neu ausgesprochene Kaufempfehlung von Vontobel (VONN 66.80 -0.45%) gestützt.

Dollar schwächt sich zu Euro und Franken ab

Der US-Dollar ist am Dienstag zum Euro wie zum Franken unter Druck geraten. Am späten Nachmittag kostet die europäische Gemeinschaftswährung 1,0566 $. Sie notiert damit rund einen halben Cent höher als am Morgen.

Auch zum Franken gab die US-Währung ab und notiert aktuell mit 0,9636 Fr. rund einen halben Rappen tiefer als noch am Vortag. Der Euro schwächte sich allerdings zum Franken nach einem Anstieg im Tagesverlauf ebenfalls etwas ab und wird am Nachmittag noch zu 1,0181 Fr. und damit in etwa auf dem Niveau des Vorabends gehandelt.

Der Dollar als Weltleitwährung war laut Beobachtern angesichts der etwas zuversichtlicheren Stimmung weniger gefragt. Zudem stellten einige EZB-Vertreter erneut Leitzinserhöhungen für den Juli und September in Aussicht. Laut dem slowakischen Notenbankchef Peter Kazimir ist im September eine grössere Zinsanhebung um 0,50 Prozentpunkte «sehr wahrscheinlich».

Der japanische Yen geriet unterdessen erneut deutlich unter Druck. Der Dollar stieg im Gegenzug auf 136,33 Yen und erreichte so den höchsten Stand seit 24 Jahren. Der Yen war als sicherere Alternative weniger gefragt. Die Bank of Japan gehört zudem zu den wenigen Zentralbanken, die ihre Geldpolitik angesichts der wachsenden Inflation noch nicht gestrafft haben. Die Notenbank begründet ihr Festhalten mit der zwar steigenden, aber vergleichsweise niedrigen Inflation, die sie zudem als nicht nachhaltig erachtet. Ein niedriger Leitzins macht eine Währung für Anleger weniger attraktiv.

Ölpreise steigen merklich

Die Ölpreise haben am Dienstag spürbar zugelegt. Am Nachmittag kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 115,48 $. Das waren 1,36 $ mehr als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI (WBS 117.46 +2.28%)) stieg um 1,95 $ auf 111,51 $.

Nach der Talfahrt der vergangenen Woche scheinen sich die Ölpreise wieder zu stabilisieren. Für etwas Zuversicht am Ölmarkt hatten zuletzt Bemerkungen von US-Präsident Joe Biden gesorgt, der eine Rezession in den USA für nicht unabwendbar hält. Konjunktursorgen löst vor allem der entschlossene Kampf der US-Notenbank Fed gegen die hohe Inflation aus, den sie mit deutlichen Zinsanhebungen führt. Sollte die US-Konjunktur dadurch stark gebremst werden, hätte dies auch Auswirkungen auf den Verbrauch von Rohöl, Benzin und Diesel.

Commerzbank-Experte Carsten Fritsch verweist zudem auf die gestiegene Preisdifferenz zwischen WTI und Brent-Öl. Die Lieferausfälle in Libyen hätten zu dieser Differenz beigetragen und den Brent-Preis verteuert. Zudem werde die Preisentwicklung in den USA durch die gestiegene Bohraktivität gebremst. Dies führt zu einem wachsenden Angebot.

Ungeachtet dessen befinden sich die Ölpreise weiterhin auf hohem Niveau. Seit Jahresbeginn sind die Preise um knapp 50% gestiegen. Hauptgründe sind der Krieg Russlands gegen die Ukraine und die Reaktion des Westens in Form scharfer Sanktionen. Russland ist einer der grössten Ölproduzenten der Welt.

Asien

Am Dienstag zeigen sich die meisten asiatischen Märkte von ihrer freundlichen Seite. Der japanische Nikkei 225 steht 2,5% im Plus. Der Shanghai Composite liegt 0,1% im Minus. Der Hang Seng in Hongkong gewinnt 1,6%. Der südkoreanische Kospi avanciert 1,1%. Der australische S&P/ASP 200 notiert 1,3% höher.

In Japan kann der Elektronikkonzern Sony 4,4% zulegen. Auch die Werft Tokio Marine Holdings (+3,6%) und der Mobilfunkkonzern Softbank (+3,5%) avancieren. Unter Abgabedruck stehen Taiwan Semiconductor (–0,6%) und der australische Pharmaproduzent CSL (–1,2%).

Auch die Futures für die westlichen Märkte zeigen nach oben. Für den S&P 500 zeigen die Kontrakte ein Plus 1,5% an. Für den Dax geht es gemäss Futures 0,6% nach oben. Auch der Euro Stoxx 50 wird 0,6% höher indiziert.

USA

Die US-Märkte waren am Montag wegen des Feiertags Juneteenth National Independence Day geschlossen.

Leser-Kommentare

Beat Aebischer 21.06.2022 - 21:01

Das wird sehr lange gehen bis der Schweizer Aktien wieder oben geht! in den nechste Monaten gehts nur eine Richtung nach unten.😡