Märkte / Aktien

SMI geht mit knapp 9700 ins Wochenende

Die Schweizer Börse handelt zum Wochenschluss geschwächt. Nestlé und Zykliker belasten. Der Euro fällt unter 1.06 Fr. Der Ölpreis büsst stark ein.

(AWP/SPU) Der Schweizer Aktienmarkt hat am Freitag Verluste eingefahren, aber die Handelswoche insgesamt positiv abgeschlossen. Der Swiss Market Index SMI (SMI 9831.49 -0.95%) stand bei Eröffnung 0,7% tiefer. Im frühen Handel gab er 1,4% nach und bewegte sich am Vormittag auf diesem Niveau. Trotz der Verluste konnte sich der Leitindex über der Marke von 9600 halten. Am Nachmittag erholte sich der SMI, dämmte sein Minus ein, konnte die Marke von 9700 aber nicht zurückerobern. Nach drei Tagen mit steigenden Kursen und dem Feiertag am Donnerstag wurde ein Teil der Gewinne vom Wochenbeginn wieder mitgenommen.

In New York hielten sich die Anleger zurück. Die Hauptindizes an der Wallstreet verloren bei Handelsende in Europa. Der S&P 500 (SP500 3044.31 0.48%) gab 0,5% nach. Der Dow Jones (Dow Jones 25383.11 -0.07%) büsste 0,7% ein. Die Technologiebörse, gemessen am Nasdaq Composite, handelte 0,3% tiefer.

Belastet wurde das Sentiment von neuen politischen Spannungen zwischen den USA und China. US-Präsident Donald Trump hatte dem chinesischen Premierminister Xi Jinping vorgeworfen, dass dieser persönlich hinter Attacken von Desinformation und Propaganda in den USA und Europa stehe. Trumps Angriff richtet sich gegen Chinas Verhalten, mit sauberer Weste aus der Coronakrise zu kommen, samt entsprechenden Aussagen zur Pandemie. In Marktkreisen hiess es dazu, die neuerliche Zuspitzung der Lage sorge unter den Investoren für eine gewisse Nervosität.

Viele Verlierer im SMI

Von den zwanzig SMI-Titeln gaben viele nach. Zurich Insurance (ZURN 309.5 -1.5%), Sika (SIKA 164.5 -1.91%) und Lonza (LONN 471.5 -1.36%) konnten sich gegen den Trend stemmen und schlossen fester. Um den Schlusskurs vom Mittwoch pendelten Swisscom (SCMN 499.8 1.42%) und SGS (SGSN 2255 0.31%).

Ein deutliches Minus der Aktien des Nahrungsmittelriesen Nestlé (NESN 103.86 0.99%) drückte auf den SMI. Weniger deutlich fielen die Abgaben bei den Pharmariesen Novartis (NOVN 83.03 -0.42%) und Roche (ROG 332.7 -2.51%) aus. Roche hatte am Morgen die Übernahme des auf DNA-Sequenzierung spezialisierten US-Unternehmens Stratos Genomics angekündigt.

Von den neuen Turbulenzen um China zeigten sich die Luxusgütervaloren Swatch Group (UHR 191.9 -1.72%) und Richemont (CFR 55.88 -1.59%) betroffen. Für Swatch Group hat JPMorgan das Kursziel zurückgenommen. Begründet wird dies mit dem Umstand, dass weltweit die Läden später geöffnet hätten als ursprünglich erwartet. Dies betreffe sowohl die Läden von Swatch Group wie auch anderer Detailhändler, die Uhren von Swatch Group verkauften.

Richemont hatte das im Frühling 2017 gestartete Aktienrückkaufprogramm am vergangenen Mittwoch beendet. Wie das Unternehmen am Freitag mitteilte, hat es während der drei Jahre rund 4,2 Mio. Titel zurückgekauft.

Deutlich tiefer schlossen die Bankaktien UBS (UBSG 10.3 -1.86%) und Credit Suisse (CSGN 8.768 -3.96%). Für diese beiden hatte Goldman Sachs (GS 196.49 -1.74%) jeweils das Kursziel etwas gesenkt, die Einstufung «Buy» allerdings beibehalten.

Abgaben verzeichneten auch die konjunktursensitiven Papiere wie ABB (ABBN 18.89 -2.05%) und Adecco (ADEN 45.62 -2.25%) oder auch LafargeHolcim (LHN 39.74 -0.48%).

Tech-Werte schwach

Im SMIM (SMIM 2448.219 -0.61%) standen die Aktien des Chipherstellers AMS (AMS 14.45 -4.84%) im frühen Handel am Freitag deutlich unter Druck. Sie erholten sich jedoch von ihrem Tagestief. Auch andere Tech-Werte wie Logitech (LOGN 56.68 2.35%) oder Temenos (TEMN 146.7 -0.2%) schlossen schwächer.

Die Hauptleidtragenden der Coronakrise entwickelten sich unterschiedlich. Während sich Flughafen Zürich (FHZN 132.2 1.38%) gegen den Trend stemmten, büssten Dufry (DUFN 28.33 -4.39%) ein.

Die mittelgrossen Vertreter des Gesundheitssektors wie Straumann (STMN 778 -2.31%), Sonova (SOON 210.5 2.18%) oder Vifor Pharma (VIFN 146.1 -2.47%) schlossen leichter.

Derweil stiegen die Aktien der Versandapotheke Zur Rose (ROSE 193 3.32%) weiter. Sie erreichten im Tagesverlauf erstmals die Marke von 200 Fr.

Aryzta (ARYN 0.5 -6.98%) zogen an. Die Aktionärsgruppe um Veraison und Cobas Management fordert den Umbau des Verwaltungsrats beim Backwarenhersteller.

Im breiteren Markt standen Stadler Rail (SRAIL 40.64 0.74%) im Fokus. Peter Spuhler nimmt beim Zugbauer per sofort wieder das Heft in die Hand. Er übernimmt die Aufgaben von CEO Thomas Ahlburg, der das Unternehmen wegen Differenzen in strategischen Fragen verlässt.

Asien von Wallstreet und politischen Spannungen belastet

Die Aktienmärkte in Asien gaben wegen der Spannungen zwischen China und den USA nach. Damit folgten sie den Vorgaben der Wallstreet vom Donnerstag. US-Präsident Donald Trump hatte erklärt, noch wisse zwar niemand, was genau China mit einem neuen Sicherheitsgesetz in Hongkong plane. Im Zweifel würden die USA aber sehr deutlich reagieren. Die Börse in Tokio zeigte sich schwächer. Der 225 Werte umfassende Nikkei verlor 0,8%, der Topix 0,9%. Der Hang Seng in Hongkong büsste 5% ein. Schanghai handelte 1,5% im Minus. Der Kospi (Kospi 2038.37 0.29%) in Südkorea verlor 1,5%.

Euro unter 1.06 Fr.

Der Euro gab am Freitag zum Franken wie zum Dollar spürbar nach. Am Abend kostete die Gemeinschaftswährung 1.0898 $ und damit gut einen halben Cent weniger als im frühen Handel. Zur Schweizer Währung gab der Euro im Tagesverlauf die Marke von 1.06 Fr. preisgegeben, am Abend notierte er bei 1.0590 Fr. Der Dollar bewegte sich zum Franken unter dem Strich wenig, er notierte mit 0.9720 Fr. nur leicht höher als am Morgen.

Auslöser der Euro-Schwäche war ein auf breiter Front stärkerer Dollar. Die amerikanische Währung profitierte von ihrem Status als weltweite Reservewährung, die in unsicheren Zeiten verstärkt nachgefragt wird.

Ölpreis mit klaren Verlusten

Der Ölpreis fiel am Freitag wegen Konjunktursorgen stark. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent (Brent 37.38 -0.64%) kostete bei Börsenschluss in Europa rund 34 $. Gold (Gold 1729.87 0.51%) zeigte sich etwas fester bei 1736 $ pro Feinunze.

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