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SMI dreht nach Schlussrally deutlich ins Plus

Die Schweizer Börse hat sich am Mittwoch vom Abwärtstrend anderer europäischer Aktienmärkte abgekoppelt.

(AWP/Reuters) Der Schweizer Aktienmarkt hat zur Wochenmitte im Plus geschlossen. Nach anfänglichen deutlichen Verlusten drehte der Swiss Market Index (SMI (SMI 10'770.40 +0.27%)) im Windschatten der Wall Street am späten Nachmittag deutlich ins Plus. Getragen wurden die Zugewinne vor allem durch defensiven Werte Nestlé (NESN 112.76 +1.18%) und Roche.

Fed-Chef Jerome Powell hat sich bei der halbjährlichen Anhörung vor dem Bankenausschuss des US-Senats eine energische Bekämpfung der Inflation in Aussicht gestellt. Dies bedeute steigende Zinsen, bis sich eine Senkung der Inflation definitiv eingestellt habe. Gleichzeitig bemühte sich Powell, allfällige Rezessionsängste zu zerstreuen. Seiner Ansicht nach sei die US-Wirtschaft stark genug aufgestellt, die anstehenden Zinsschritte zu verkraften. Eine Rezession schloss er aber auch nicht aus. Im Anschluss an die Rede drehten die US-Märkte deutlich ins Plus und zogen auch den Schweizer Markt mit nach oben.

Der Swiss Market Index schloss 0,46% stärker bei 10’528,34 Punkten. Der SLI, in dem die 30 wichtigsten Aktien enthalten sind, legte dagegen um 0,12% auf 1619,71 Punkte zu und der breite SPI (SXGE 13'879.13 +0.32%) stieg um 0,49% auf 13’575,73 Zähler. Von den SLI-Titeln schlossen 17 im Minus und 13 im Plus.

Der SMI schloss deutlich besser als die grossen europäischen Börsen. Der DAX (DAX 12'813.03 +0.23%) gab 1,1% nach und CAC wie auch FTSE 100 schlossen rund 0,8% tiefer. Getragen wurden die Zuwächse in der Schweiz vor allem durch die defensiven Schwergewichte Nestlé und Roche GS (ROG 320.40 +0.58%). Novartis (NOVN 80.33 -0.64%) schlossen hingegen 0,3% im Minus, was vor allem auf eine Niederlage in einem Patentprozess vom Vorabend zurückzuführen war.

Mit den positiven Vorgaben aus den USA drehten auch zahlreiche SLI-Firmen ins Plus, nachdem frühen Nachmittag noch die roten Zahlen überwogen. Die Papiere von Temenos (TEMN 81.48 -0.17%) vollzogen am späten Nachmittag sogar eine regelrechte Kursrally. Zählten sie am Mittag noch zu den schwächsten Werten, schossen sie zwischenzeitlich auf über 6%hoch. Befeuert wurde die Rally durch Übernahmegerüchte. Händlern zufolge sollen die Abu Dhabi Investment Authority und das Canadian Pension Plan Investment Board Gespräche mit Investmentfirmen über den Kauf von Temenos geführt haben.

Ebenso eine Kurswende machten die Papiere des Hörgeräteherstellers Sonova (SOON 309.60 +1.84%). Gleich zu Handelsbeginn lagen die Valoren noch mehr als 2% im Minus. Im Verlauf des Handelstages stiegen sie kontinuierlich und drehten am späten Nachmittag bis über 3% ins Plus. Aus den Handel gingen sie mit einem Zugewinn von 2,6%.

Schlusslicht im SLI waren die Papiere des Logistikers Kühne + Nagel (KNIN 224.50 -0.66%), die 2,8% einbüssten. Ebenso deutliche Verluste fuhren die Industriefirmen Schindler (SCHP 174.55 +0.26%) und ABB (ABBN 25.25 -0.82%) ein. Bei ABB wirkte sich vor allem eine neuerliche Reduktion des Aktienanteils durch die Capital Group negativ aus.

Die unter den steigenden Zinsen besonders leidenden Technologiefirmen standen auch heute unter Druck. Logitech (LOGN 49.58 -0.58%) und AMS Osram (AMS 8.35 -2.91%) schlossen daher teils deutlich im Minus. VAT Group (VACN 219.20 -3.69%) konnte sich mit leichten Abgaben deutlich besser halten.

Bei den Bankentiteln zeigt sich ein uneinheitliches Bild. Die Valoren der UBS (UBSG 15.29 -0.65%) lagen mit Zugewinnen von 0,3% in etwas im Marktdurchschnitt. Konkurrent Credit Suisse (CSGN 5.42 +0.07%) wurde hingegen 0,5% tiefer gehandelt. Julius Bär (BAER 43.65 -0.89%) gaben sogar 1,8% nach und zählte zu den schwächsten Titeln am heutigen Tag.

Im breiten Markt stechen die Papiere von Wisekey (WIHN 0.2525 +1.00%) mit einem Zugewinn von 9,0% hervor; zwischenzeitlich notierten sie sogar zweistellig im Plus. Grund für den deutlichen Anstieg waren positive Verkaufszahlen im Halbleitergeschäft.

Am Ende des SPI standen die Valoren von Addex (ADXN 0.1960 +8.89%) (-6,1%). GAM (GAM 0.7980 +1.01%) und Blackstone gaben je -5,9% nach. Auch Zur Rose (ROSE 75.75 +5.72%) wurde wieder deutlich abgestraft. Grund waren erneut Verzögerungen bei der Einführung des E-Rezepts in Deutschland und eine Herabstufung durch die Credit Suisse.

Dow dreht ins Plus nach Powell-Aussagen

Die Wall Street hat am Mittwoch ihre klaren Anfangsverluste nach Aussagen von US-Notenbankchef Jerome Powell rasch wettgemacht und leichte Gewinne verbucht. Der Dow Jones Industrial notierte zuletzt 0,02% höher bei 30’535 Punkten, nachdem er zum Handelsstart noch 1,2% im Minus gelegen hatte. Der marktbreite S&P 500 stieg zuletzt um 0,2% auf 3774 Zähler. Der technologiewertelastige Nasdaq 100 (NDX 11'503.72 -1.33%) gewann 0,7% auf 11’628 Punkte.

In seiner regelmässigen Anhörung vor dem US-Senat bekräftigte Powell, dass die Federal Reserve weiter gegen die hohe Inflation vorgehen wird. Zuletzt hatte die Fed deshalb die Leitzinsen ungewöhnlich deutlich um 0,75 Prozentpunkte angehoben. Die US-Wirtschaft sei sehr stark und könne eine straffere Geldpolitik verkraften, betonte der Notenbankchef. Er verwies zudem darauf, dass die von den Finanzmärkten bereits eingepreisten Zinserhöhungen angemessen seien.

Marktteilnehmer bezweifeln allerdings, ob es der Fed gelingen wird, die Wirtschaft angesichts der schnellen Zinswende vor einem harten Absturz zu bewahren. Fallende Ölpreise spiegeln die Rezessionsängste aktuell wider. Die am Vortag hohen Kursgewinne von Ölkonzernen lösten sich bereits wieder auf. Die Aktien von Chevron (CVX 146.51 +1.19%) gehörten mit einem Minus von 3,3% zu den schwächsten Werten im Dow. Die Titel von ExxonMobil (XOM 87.55 +2.23%) büssten 2,6% ein.

Noch höhere Verluste mit minus 8,4% mussten die Papiere von Altria hinnehmen. Wie das «Wall Street Journal» berichtet, steht die US-Gesundheitsbehörde FDA kurz davor, die E-Zigaretten der Altria-Tochter Juul Labs vom US-Markt zu verbannen. Kritiker werfen Juul unter anderem vor, mit seinen Produkten viele Kinder und Jugendliche nikotinabhängig gemacht zu haben. Altria hatte im Jahr 2018 fast 13 Mrd. $ ausgegeben, um eine 35-prozentige Beteiligung an Juul zu erwerben.

Euro legt nach anfänglichen Verlusten merklich zu

Der Euro hat am Mittwoch nach anfänglichen Verlusten merklich zugelegt. Zuletzt kostete die Gemeinschaftswährung 1,0589 $. Am Vormittag war der Euro noch unter 1,05 $ gefallen.

Gegenüber dem Franken büsste der Dollar am späten Nachmittag an Wert ein. Das Währungspaar wird mit 0,9588 gehandelt, nachdem der Kurs am Mittag noch bei 0,9651 lag. Der Euro erholte sich zum Franken im Tagesverlauf etwas. Am Abend wird er bei 1,0160 Fr. gehandelt.

Nur zwischenzeitlich wurde der Euro durch die allgemein trübe Finanzmarktstimmung belastet. Der Dollar hatte im Gegenzug zunächst zugelegt, gab dann aber wieder nach. An den Märkten herrscht zunehmend die Furcht vor einer wirtschaftlichen Rezession. Der Kampf vieler Notenbanken gegen die hohe Inflation ist eine wichtige Ursache. Steigende Zinsen können zwar die Teuerung dämpfen, stellen aber auch eine Belastung für das ohnehin fragile Wirtschaftswachstum dar.

US-Notenbankchef Jerome Powell stellte unterdessen erneut weitere Leitzinserhöhungen in Aussicht. Die Fed sei «stark entschlossen», die Jahresinflationsrate auf 2% zu drücken. Er versuchte jedoch Sorgen vor einer Rezession zu dämpfen. Die Wirtschaft sei sehr stark und könne eine straffere Geldpolitik verkraften. Die Fed hatte zuletzt den Leitzins mit einem ungewöhnlich grossen Zinsschritt um 0,75 Prozentpunkte angehoben. Powell bestätigten damit jüngste Aussagen.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,85885 (0,86010) britische Pfund, 143,11 (143,75) japanische Yen und 1,0153 (1,0214) Schweizer Franken fest. Die Feinunze Gold wurde am Nachmittag in London mit 1841 $ gehandelt. Das war 8 $ mehr als am Vortag.

Ölpreise fallen auf einmonatige Tiefstände

Die Ölpreise haben am Mittwoch im Sog von Konjunktursorgen deutlich nachgegeben. Sie fielen auf insgesamt weiterhin hohem Niveau auf die tiefsten Stände seit rund einem Monat. Am Nachmittag kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 110,03 $. Das waren 4,62 $ weniger als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI (WBS 117.46 +2.28%)) sank um 5,02 $ auf 104,50 $.

Am Markt wurde die zunehmende Rezessionsangst als Grund für die Preisabschläge bei Rohöl genannt. Ein Auslöser ist der entschlossene Kampf vieler Zentralbanken gegen die hohe Inflation. Im Fokus steht die US-Notenbank Fed, die ihre Geldpolitik zuletzt mit einer ungewöhnlich deutlichen Zinsanhebung um 0,75 Punkte gestrafft hat.

Zur Wochenmitte absolviert Fed-Chef Jerome Powell seinen regelmässigen Auftritt vor dem US-Senat. Auch Bundesfinanzminister Christian Lindner zeigt sich besorgt: «Es besteht die Gefahr einer sehr ernstzunehmenden Wirtschaftskrise aufgrund der stark gestiegenen Energiepreise, aufgrund der Lieferketten-Probleme, aufgrund auch der Inflation.»

Commerzbank (CBK 6.38 -4.58%) Analyst Carsten Fritsch verweist zudem auf das am Donnerstag anstehende Treffen von US-Präsident Joe Biden mit Vertretern der US-Ölindustrie. Biden hatte den Raffinerien in der vergangenen Woche vorgeworfen, zu wenig Benzin zu produzieren. «Offenbar geht eine Reihe von Marktteilnehmern davon aus, dass sich die Ölindustrie gefügig zeigen und das Benzinangebot deutlich ausweiten wird», schreibt Fritsch. Allerdings dürfte dies aufgrund begrenzter freier Verarbeitungskapazitäten kaum möglich sein.

Trotz der jüngsten Abschläge bewegen sich die Ölpreise auf hohem Niveau. Aktuell liegen sie gut 40% höher als zu Jahresbeginn. Hauptgründe sind der Krieg Russlands gegen die Ukraine und scharfe Sanktionen überwiegend westlicher Länder. Russland ist einer der weltgrössten Öllieferanten.

 

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