Märkte / Aktien

SMI schliesst unter 8200 – Wallstreet weitet Minus aus

Die Schweizer Börse wird durch weitere Entwicklungen in der Coronakrise belastet. Fed-Ankündigung sorgt nur kurzzeitig für Erholung. Der Goldpreis steigt.

(AWP/Reuters/SPU) Das Auf und Ab am Schweizer Aktienmarkt geht auch in der neuen Woche weiter – unverändert dominiert das Coronavirus die Nachrichtenlage und damit das Geschehen. Die Zahlen der infizierten Patienten und Todesopfer zeigen weiter nach oben. Gleichzeitig melden sich immer mehr Unternehmen, die im Kampf gegen die möglichen Folgen den Rotstift ansetzen und Produktionsstätten vorübergehend schliessen oder auf Kurzarbeit setzen.

Der Schweizer Leitindex SMI (SMI 9392.44 -1.28%) notierte nach seinem Stabilisierungsversuch in der Vorwoche wieder mit deutlichen Abgaben. Er sackte bei Eröffnung 4% ab und notierte unter der Marke von 8300. Die Ankündigung neuer Hilfen durch die US-Notenbank Fed sorgte für eine Kurserholung. Doch diese erwies sich als nicht nachhaltig. Denn mit Eröffnung der Wallstreet wurden die Verluste wieder grösser. Die Marke von 8200 fiel. Vergangene Woche hatte der Leitindex erstmals seit Mitte Februar auf Wochensicht ein Plus erzielt. In Frankfurt rutschte der Dax (DAX 10247.06 -1.06%) an die Marke von 8500 heran, erholte sich bis Handelsende aber etwas.

In New York notierten die drei wichtigen Indizes klar im Minus. Auch hier schwankten die Kurse erneut stark. Der Dow (DOW 33.1 2.38%) Jones (Dow Jones 22899.25 1.08%) verlor bei Börsenschluss in Europa 3,2%. Der S&P 500 (SP500 2688.62 1.1%) büsste 3,1% ein. Ein Minus von 1,5% verzeichnete der Index der Technologiebörse, der Nasdaq Composite.

Schwache Zykliker

Im SMI drehten am frühen Nachmittag einige Werte ins Plus, doch bei Handelsende gaben wieder alle zwanzig Werte nach. Dazu zählten die Anteilsscheine der Grossbanken Credit Suisse (Credit Suisse 8.122 -2.4%) und UBS (UBSG 9.19 -3.2%). Sie bekommen die derzeitige Marktsituation von Kunden- und Marktseite derzeit besonders deutlich zu spüren. Versicherertitel wie Swiss Re (SREN 75.38 -1.87%), Zurich Insurance (ZURN 311.9 -1.2%) und Swiss Life (SLHN 331.4 -1.46%) notierten wieder im Minus.

Erneut kommen konjunktursensible Valoren und Banken unter die Räder. Unter den Blue Chips sackten ABB (ABBN 17.055 -3.12%) und Adecco (Adecco 38.67 -1.83%) ab. Swatch Group (UHR 200.9 -0.84%) und Richemont (CFR 54.16 -1.96%) gaben erneut nach.

Der Abwärtstrend ergriff auch defensive Werte. So büssten Alcon (ALC 49.72 -0.48%) klar ein. Auch alle Schwergewichte wie Novartis (NOVN 82.17 -0.76%) und Roche (ROG 312.5 -1.14%) gaben nach. Gerade Roche hatte zuletzt von sich reden gemacht mit ihren Bemühungen, Heilmittel im Kampf gegen das Virus zu finden. Ausserdem sind die Bestellungen für das Diagnosegerät Cobas 6800/8800 sprunghaft gestiegen, mit dem bis zu 4000 Coronavirustests am Tag ausgewertet werden können.

Nestlé (NESN 103.48 -0.4%) schlossen ebenfalls tiefer. Der Nahrungsmittelriese schwört seine Mitarbeiter angesichts der Coronaviruskrise auf schwierige Zeiten ein. «Bitte machen Sie sich auf den Sturm gefasst – denn er wird kommen», hiess es in einer der Nachrichtenagentur Reuters am Montag vorliegenden internen Mitteilung von Konzernchef Mark Schneider an die Belegschaft. Er forderte die Mitarbeiter auf, alle notwendigen Anstrengungen zu unternehmen, um die Kunden mit den benötigten Lebensmitteln und Getränken zu versorgen.

Dufry und Flughafen Zürich erneut abgestraft

Auch im SMIM (SMIM 2222.055 0.48%) waren die Kurstafeln tiefrot. Die jüngste Bärenrally von Dufry (DUFN 27.94 -2.51%) scheint vorbei. Die Aktien des Reisedetailhändlers gaben wieder stark nach. Ähnlich erging es wieder einmal den Aktien vom Flughafen Zürich (FHZN 118.9 -0.08%).

Zu den grössten Verlierern zähtlen vor allem einige Zykliker. So sackten die Titel des Computer- und Gamingzubehörherstellers Logitech (LOGN 43.15 0.44%) und des Bankensoftwarespezialisten Temenos (TEMN 115.9 1.36%) ab. Händler befürchten, dass auch Temenos stark unter der durch die Bekämpfung des Coronavirus gebremsten Wirtschaftsentwicklung leiden wird.

Zyklischen Industrietiteln wie Schindler (SCHP 210 -1.36%) PS oder VAT Group (VACN 138.7 0.65%) erging es schlecht. Vor diesem Hintergrund konnten sich die minimalen Verluste bei AMS (AMS 9.082 3.49%) noch sehen lassen.

Besser als der Gesamtmarkt schlugen sich die Straumann (STMN 734 4.86%). Sie schlossen sogar in der Gewinnzone. Markant waren hingegen die Verluste bei Sonova (SOON 175.5 2.72%).

Zur Rose (ROSE 146.6 1.1%) legten zu. Die Versandapotheke hat beim Bundesamt für Gesundheit (BAG) einen Antrag eingereicht. In Anbetracht der Coronaviruskrise soll eine befristete Ausnahmebewilligung für den Versand von rezeptfreien Notfall-, Erkältungs- und Grippearzneimitteln gewährt werden, teilte die Versandapotheke am Montag mit. Dies soll während der Gültigkeit der Verordnung zum Coronavirus helfen, die stationären Apotheken zu entlasten.

Im breiten Markt fielen zudem die Aktien von Bobst (BOBNN 46.62 -2.71%) und Autoneum (AUTN 64.8 -1.89%) mit Abgaben auf. Bobst hatte bereits am Freitag berichtet, dass die Gruppe an mehreren Standorten die Produktion auf ein Minimum zurückfahren werde. Autoneum gab am Montagmorgen eine Warnung aus, dass die Ziele für 2020 verfehlt werden dürften.

Andere Industrieaktien wie Interroll (INRN 1642 3.53%) oder Dätwyler (DAE 161.2 1.9%) büssten markant ein.

Kursverluste in Asien – Japan stemmte sich gegen den Trend

Die Märkte in Asien starteten schwächer in die neue Börsenwoche. In Hongkong verlor der Hang Seng 4,1%, in Schanghai der chinesische Leitindex CSI 300 2,5%. Der Kospi in Korea gab 5,6% ab. Nur in Japan hielten die Kurse: Der Nikkei 225 notierte 2% höher, und der breit gefasste Topix legte immerhin 0,7% zu.

Euro zeitweise markant stärker 

Der Euro schwankte stark und stand am Abend nach jüngsten Kursverlusten der letzten Tage höher. Der Kurs der Gemeinschaftswährung war in der vergangenen Nacht bis auf 1.0636 $ gefallen und damit auf den tiefsten Stand seit drei Jahren. Der Euro wurde zum Dollar am Montag zeitweise über 1.08 $ gehandelt. Bei Börsenschluss in Europa lag er noch bei 1.0736 $. Gegenüber dem Franken legte er ebenfalls zu. Die Gemeinschaftswährung kostete 1.0565 Fr. Der Dollar büsste zum Franken ein. Er wurde zu 0.9840 Fr. gehandelt.

Ölpreis erholt – Gold wieder über 1500 $

Der Ölpreis erholte sich am Montag. Zuvor hatten eine steigende Fördermenge in Russland, Verzögerungen beim US-Hilfspaket für die Wirtschaft im Kampf gegen die wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise sowie verhärtete Fronten im Preiskrieg der führenden Ölförderländer die Notierungen stark belastet. Bei Börsenschluss kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent (Brent 31.65 -2.77%) knapp 26 $. Gold (Gold 1647.71 -0.4%) schaffte den Sprung über die Marke von 1500 $. Die Feinunze des Edelmetalls lag bei 1548 $.

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