Märkte / Aktien

SMI schliesst nach Ausverkauf unter 11’900

Die Schweizer Börse setzt ihren Abwärtstrend fort und verliert im Tief fast 4%. Wallstreet ebenfalls tiefrot. Der Euro fällt zeitweise unter 1.03 Fr.

(AWP/SPU) Der Schweizer Aktienmarkt hat zum Start in die neue Handelswoche den Abwärtstrend der ersten drei Handelswochen 2022 fortgesetzt. Die Hundertermarken fielen wie Dominosteine. Bei Eröffnung verlor der SMI (SMI 11'491.80 +0.07%) 0,5% und rutschte damit unter 12’300. Im frühen Handel beschleunigte sich die Talfahrt, noch am Vormittag sank der Leitindex auch unter 12’200. Vor dem Mittag fielen die 12’100. Am Nachmittag unterschritt der SMI sogar noch die psychologisch wichtige Hürde von 12’000, kurz darauf auch noch 11’900. Seit seinem Rekordhoch am ersten Handelstag 2022 hat der SMI damit mittlerweile rund 8% eingebüsst.

Stärker als heute das Bluechip-Barometer letztmals im März 2020 gefallen. Wie gross die Unsicherheit derzeit ist, zeigte sich auch am Volatilitätsindex VSMI, der zeitweise ein Plus von rund 37% aufwies und auf dem höchsten Niveau seit Ende November notierte. Verstärkt werde dies auch durch charttechnisch negative Signale weltweit, heisst es im Handel. Im Zuge des jüngsten Ausverkaufs hätten viele Indizes wichtige Unterstützungszonen nach unten durchbrochen.

Auch Wallstreet erlebte einen tiefroten Tag. Die drei grossen US-Indizes büssten allesamt stark ein. Der S&P 500 verlor bei Handelsende in Europa 2,5%. Der Dow Jones rutschte 2% ab. Erneut ausserordentlich schwach präsentierten sich Technologieaktien. Folglich büsste der Nasdaq Composite 3,1% ein. Dax und EuroStoxx50 verloren ebenfalls massiv.

Insgesamt steht den Investoren «eine gewaltige Woche» bevor, kommentierte ein Händler. So würde eine Vielzahl von Unternehmensergebnissen mit einem prall gefüllten makroökonomischen Kalender kollidieren. Der Höhepunkt auf Makroseite werde die US-FOMC-Sitzung zur Wochenmitte sein, bei der die Anleger mit angehaltenem Atem auf Hinweise des Fed warteten, wie es mit der Zinspolitik weitergehen werde. Darüber hinaus werden aber auch die Daten zum US-BIP und zur Inflation erwartet. Auf Unternehmensseite wird am Montagabend nach Börsenschluss das Schwergewicht IBM (IBM 134.39 +0.44%) seine Zahlen vorlegen. Auch hierzulande nimmt die Berichtssaison diese Woche Fahrt auf. Neben Logitech (LOGN 55.14 +0.80%) morgen stehen Zahlen von Lonza (LONN 547.80 -1.30%), SGS (SGSN 2'403.00 +0.00%) und Givaudan (GIVN 3'475.00 -1.67%) auf der Agenda.

Starke Verluste im SMI

Im SMI tendierten lediglich Swisscom (SCMN 572.40 -0.24%) stabil. Händler verwiesen auf den defensiven Charakter und die üblicherweise recht üppigen Dividenden der Telecommunikationsbranche.

Alle anderen Werte gaben nach. Swiss Re (SREN 78.94 +0.30%) entwickelten sich weniger schwach als der Gesamtmarkt. UBS (UBSG 17.75 -0.20%) und Richemont (CFR 94.80 +1.96%) gerieten wie die meisten anderen Werte unter Druck. Alle drei hatten am Morgen Schub durch Analystenkommentare erhalten. Im Fall von Swiss Re und UBS wurden gar die Ratings angehoben.

Derweil wurde das Rating für Credit Suisse (CSGN 6.75 +0.21%) gesenkt, was den Papieren denn auch einen der grössten Verluste unter den Blue Chips einbrockte. Sehr schwach entwickelten sich im SMI erneut die Aktien des Vermögensverwalters Partners Group (PGHN 1'013.50 +0.70%).

Zykliker litten mehr als defensive Valoren. So büssten Sika (SIKA 255.00 -0.78%), Holcim (HOLN 47.61 +1.28%) und Geberit (GEBN 517.00 +0.66%) klar ein. Jedoch ging auch von den Schwergewichten keine Stabilisierung aus. Zwar gaben Nestlé (NESN 114.24 -0.44%) nicht so deutlich nach wie Novartis (NOVN 87.82 +0.16%) oder Roche, doch zeigte die Entwicklung, dass der Ausverkauf auf breiter Front geschah.

Noch stärker sackten erneut Logitech ab, die damit weiterhin unter dem grossflächigen Ausverkauf im Technologiesektor leiden. Das Unternehmen wird am (morgigen) Dienstag Quartalszahlen veröffentlichen. Auch AMS Osram (AMS 10.88 -1.23%) und VAT Group (VACN 264.20 -1.20%) büssten deutlich ein.

Schindler (SCHP 195.10 +1.09%) standen nach dem überraschenden CEO-Abgang ebenfalls unter Druck. Beim Lift- und Rolltreppenbauer hatte Thomas Oetterli am Freitag den Hut genommen. Der frühere Konzernchef Silvio Napoli übernimmt per sofort wieder die operative Leitung.

Etwas weniger schwach als der Markt bewegten sich Swatch Group (UHR 226.00 +0.31%). Sie werden laut Händlern von HSBC (HSBAl 5.23 +0.77%) neu zum Kauf empfohlen.

Positiv tendierten Vifor Pharma (VIFN 169.50 -1.80%). Für den Pharmakonzern liegt ein Übernahmeangebot vor, was den Kurs nach unten abstützte.

Die Aktien von Zur Rose (ROSE 102.80 +3.47%) standen stark unter Druck. Nach zwei Kurszielsenkungen gaben sie die Gewinne her, die sie letzte Woche nach Zahlen eingefahren hatten. Analysten rückten einmal mehr die Verzögerungen bei der Einführung des digitalen Rezepts in Deutschland in den Mittelpunkt.

Die Werte, die 2021 besonders deutlich zugelegt hatten, wurden aktuell im grossen Stil aus den Depots entfernt. Dazu zählten etwa Zehnder (ZEHN 70.00 +2.79%), Rieter (RIEN 115.40 +0.00%) oder auch TX Group (TXGN 131.00 +0.61%), deren Kurse sich teilweise verdoppelt hatten.

Anleger in Asien zurückhaltend

Die Börsen in Asien starteten am Montag vorsichtig in die neue Woche. In Tokio drehte der Nikkei 225 (N225 26'677.80 -0.26%) ins Minus und verlor 0,9%. Der breiter gefasste Topix schloss 0,6% tiefer. Der Hongkonger Hang Seng (HSI 20'171.27 +0.29%) gab 0,2%% nach, während auf dem chinesischen Festland der CSI 300 0,9% verlor. Der koreanische Kospi büsste 1% ein.

Euro schwankte stark

Der Euro begann die neue Woche mit einer hohen Volatilität. Der Franken gewann zeitweise deutlich Boden. So ist das Euro-Franken-Paar kurzzeitig unter 1.03 Fr. gerutscht und lag aber am Abend wesentlich höher bei 1.0350 Fr. Der Dollar kostete um 17.30 Uhr MEZ mit 0.9150 Fr. klar mehr als noch im frühen Handel. Die europäische Gemeinschaftswährung büsste zum Greenback zeitweise stark ein und notierte im Tief unter 1.13 $. Der Euro lag bei Börsenschluss in Europa bei 1.1310 $.

Bitcoin unter 35’000 $

Der Ölpreis verzeichnete am Montag moderate Aufschläge. Am Abend kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 88 $.

Gold lag leicht im Plus und kostete 1834 $ pro Feinunze.

Der Ausverkauf der Kryptowährungen ging weiter. Bitcoin und Ethereum notierten nach markanten Verlusten jeweils so niedrig wie zuletzt vor einem halben Jahr. Bitcoin rutschte unter die Marke von 35’000 $.