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Kurssprung an der Börse: SMI schliesst über 8700

Die Schweizer Börse legt nach den deutlichen Verlusten stark zu. Alle SMI-Werte gewinnen klar. Auch Wallstreet zieht massiv an. Gold steigt über 1600 $.

(AWP/SPU) Der Schweizer Aktienmarkt notierte am Dienstag deutlich im Plus. Die jüngsten Kursverluste wurden durch die klaren Avancen aufgeholt. Das starke Auf und Ab an der Börse setzte sich somit fort. Der Swiss Market Index SMI (SMI 9373.64 -1.48%) legte bei Eröffnung 3,9% zu. Im frühen Handel arbeitete er sich über die Marke von 8500. Am Nachmittag stieg er über 8600. Und bei Handelsende lag er sogar über der Marke von 8700 Am Vortag war er um 5,4% eingebrochen.

Der Dax (DAX 10255.31 -0.98%) in Frankfurt schnellte 11% nach oben und schloss über 9700. Das war der grösste Kursgewinn an einem Tag seit Oktober 2008. In New York zogen die Kurse ebenfalls kräftig an. Die drei grossen Wallstreetindizes verzeichneten bei Handelsende in Zürich jeweils einen Kurssprung. Der Dow (DOW 32.8 1.45%) Jones (Dow Jones 22815.52 0.71%) avancierte 9,6%. Der breiter gefasste S&P 500 (SP500 2676.74 0.65%) kletterte 8,7%. Der Index der Technologiebörse Nasdaq Composite lag 7,4% im Plus. Die Sprecherin des US-Repräsentantenhauses Nanci Pelosi äussert sich im Sender MSNBC zuversichtlich, dass es noch am Dienstag zu einer Einigung auf ein Konjunkturpaket im Kampf gegen die Folgen der Coronavirus-Pandemie kommt. Eine Abstimmung könne sich möglicherweise aber bis Mittwoch verzögern.

Viele Investoren hätten zudem die Effekte der fiskal- und geldpolitischen Massnahmen gegen das Coronavirus unterschätzt und reagierten nun, hiess es in Händlerkreisen. Zudem stimmten Nachrichten aus China zuversichtlich, wo sich allmählich eine Rückkehr zur Normalität in der Provinz Hubei abzeichnet. Zudem mache die abflachende Infizierten-Kurve in Italien zusätzlich Hoffnung.

«Die geldpolitischen Druckerpressen laufen weltweit auf Hochtouren, viele Staaten haben gigantische Unterstützungsmassnahmen angestossen, und die US-Notenbank geht aufs Ganze», umschrieb ein Analyst die aktuelle Lage. «Die Korrektur ist aber noch nicht beendet, und der Boden wurde noch nicht erreicht», sagte ein Händler. Zudem dürften die wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise erst noch zutage treten.

SMI-Finanzwerte stark

Sämtliche SMI-Papiere schlossen im Plus. Angeführt wurde das Feld von den Valoren der Versicherer Swiss Re (SREN 75.22 -2.08%), Zurich Insurance (ZURN 311.7 -1.27%) und Swiss Life (SLHN 330.8 -1.64%) sowie der Grossbanken UBS (UBSG 9.196 -3.14%) und Credit Suisse (Credit Suisse 8.148 -2.09%). Zykliker wie Sika (SIKA 161.5 -0.8%), LafargeHolcim (LHN 36.58 -1.96%), ABB (ABBN 17.085 -2.95%) und Adecco (Adecco 38.44 -2.41%) waren ebenfalls äusserst gut aufgelegt. Klar avancierten aber auch die Luxusgüterpapiere Swatch Group (UHR 200.6 -0.99%) und Richemont (CFR 54.28 -1.74%). Bei Swatch Group hatte sich das Management zuletzt mit Aktien eingedeckt.

Und auch die beiden Pharmaschwergewichte verzeichneten satte Gewinne. Von ihnen gab es Neuigkeiten. So startete der Pharmakonzern Roche (ROG 311.9 -1.33%) eine zulassungsrelevante Studie für Actemra. Darin untersucht er den potenziellen Nutzen des Mittels bei Patienten mit einer schweren Coronavirus-Lungenentzündung. Novartis (NOVN 81.79 -1.22%) stellte ausserdem positive Daten aus klinischen Studien mit ihrer Genersatztherapie Zolgensma vor.

Das defensive Schwergewicht Nestlé (NESN 102.88 -0.98%) notierte höher, nachdem die UBS-Analysten die «Buy»-Empfehlung bei gesenktem Kursziel bestätigt hatten.

Unterstützung für Dufry

Finanzwerte schlugen sich auch im SMIM (SMIM 2216.704 0.24%) überdurchschnittlich gut. So zogen Julius Bär (BAER 34.09 -3.29%) an. Auch Partners Group (PGHN 713.6 0.08%) schlossen den Handel mit einem Kurssprung ab.

Stark präsentierten sich die arg gebeutelten Aktien des Reisedetailhändlers Dufry (DUFN 27.94 -2.51%). Die Experten von Goldman Sachs (GS 170.82 2.89%) hatten eine ausführliche Studie zum internationalen Luftverkehr in Zeiten des Coronavirus publiziert. Gemäss dem Basisszenario sei es wahrscheinlich, dass Dufry für das laufende Jahr einen operativen Verlust ausweisen werde. Entwarnung gab Goldman Sachs dagegen bezüglich der Liquiditätssituation: Die nächste Refinanzierung stehe erst im Jahr 2022 an, und bis dahin sollte die Liquidität aufgrund der relativ flexiblen Kostenstruktur, ungenutzter Kreditlinien sowie der Möglichkeit zur Dividendenkürzung ausreichen.

Auch mittelgrosse Industriewerte zogen an. Darunter waren VAT Group (VACN 138.8 0.73%), Georg Fischer (FI-N 691 -0.58%) und OC Oerlikon (OERL 7.965 -2.27%) zu finden.

Am breiten Markt sind Santhera (SANN 8.61 7.62%) im Fokus, weil sich die Finanzlage des Spezialitätenpharmaunternehmens düster präsentiert.

Aryzta (ARYN 0.3492 0.17%) aeben nach. Der krisengeplagte Backwarenhersteller bekommt mit den Effekten der Coronakrise ein weiteres Problemfeld.

Manche Industrietitel erholten sich stark und legten kräftig zu, wie Meyer Burger (MBTN 0.1522 -2.19%), Burckhardt Compression (BCHN 190.6 -1.14%), Vetropack (VET 2625 -1.5%).

Klare Gewinne in Asien

Die asiatischen Börsen notierten am Dienstag fester. In Tokio gewann der Topix 3,2%. Der Nikkei 225 notierte sogar 7,1% höher. Auch in Hongkong startete der Aktienmarkt zuversichtlich. Der Leitindex Hang Seng rückte im Handelsverlauf 3,5% vor. Gemächlicher entwickelte sich der Handel in China. Der Shanghai Composite verzeichnete ein Plus von 1,9%. In Shenzhen lag der CSI300 2,3% im Plus. Noch deutlicher nach oben als in Japan ging es in Korea, wo der Kospi 8,6% zulegte.

Dollar kam wieder zurück

Zum Dollar waren Euro und Franken stärker, die Schwankungen waren jedoch erneut markant.  Der Euro stand zum Greenback um 17.30 Uhr MEZ klar höher bei 1.0816 $. Zeitweise arbeitete er sich an die Marke von 1.09 heran. Das Währungspaar Dollar-Franken notierte an der Marke von 0.98 Fr. Am Abend lag der Kurs bei 0.9795 Fr. Fester zeigte sich der Euro-Franken-Kurs bei einem Stand von 1.0595 Fr.

Gold über 1600 $

Gold (Gold 1649.11 -0.31%) legte am Dienstag nach den kräftigen Avancen vom Montag erneut zu und überschritt die Marke von 1600 $ pro Feinunze. Es notierte bei Börsenschluss in Europa bei 1627 $. Beim Ölpreis verpuffte am Dienstag die Erholung vom Vortag, Brent (Brent 32.32 -0.71%) drehte sogar ins Minus. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte lag bei knapp 27.50 $.

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