Märkte / Aktien

SMI dank Roche leicht im Plus

Der Schweizer Aktienmarkt hat nach dem guten Wochenstart den Handel am Dienstag etwas fester abgeschlossen.

(AWP/Reuters) Wären allerdings nicht die kräftigen Kursgewinne des Börsenschwergewichts Roche gewesen, dann hätte der Leitindex SMI (SMI 10'770.40 +0.27%) wie andere europäische Indizes den Tag im Minus abgeschlossen. Halt gaben dem SMI auch die beiden weiteren Schwergewichte Novartis (NOVN 80.33 -0.64%) und Nestlé (NESN 112.76 +1.18%), während es Tech-Aktien nach wie vor schwer hatten. Die Gewinnwarnung des Social-Media-Giganten Snap (SNAP 13.17 +0.30%) belastet den Sektor und die Anlegerstimmung nach wie vor.

Händler warnten trotz des guten Wochenstarts davor, zu früh auf eine nachhaltige Erholung an den Börsen zu setzen. «Die Trendwende an den Aktienmärkten ist noch lange nicht geschafft», meinte ein Börsianer dazu. Weiterhin stritten sich Bullen und Bären und der Markt kämpfe «zwischen Euphorie und dem Tal der Tränen». Die Sorgen vor steigenden Zinsen und einer weltweiten Rezession bleiben gross. Gleichzeitig verunsichern geopolitische Spannungen wie der Ukraine-Krieg oder die Beziehungen der USA mit China die Anleger zusätzlich. Eingetrübt blieb etwa auch der Ausblick der europäischen Einkaufsmanager.

Der SMI rückte am Dienstag zu Börsenende um 0,15% auf 11’483,56 Punkte vor und schloss den Handel damit knapp unterhalb der 11’500-Punktemarke ab, um die er während des Tages heftig gerungen hatte. Der SLI, in dem die 30 wichtigsten Aktien enthalten sind, verlor dagegen aufgrund der eingeschränkten Unterstützung durch die Schwergewichte 0,30% auf 1780,03 Punkte und der breite SPI (SXGE 13'879.13 +0.32%) sank leicht um 0,12% auf 14’702,53 Zähler. Von den 30 SLI-Werten gewannen am Ende 24 an Wert und fünf Titel gaben nach. Novartis schlossen derweil unverändert.

Nach einem harzigen Start in den Tag führten die Genussscheine des Pharmakonzerns Roche den SMI ins Plus. Die Roche-Bons rückten um 2,1% vor und konnten damit einen Teil des in den letzten Tagen verlorenen Terrains zurückerobern. Die weiteren Schwergewichte Novartis und Nestlé bewegten sich indessen kaum vom Fleck. Nestlé hatte nebenbei in Brasilien die auf Nahrungsergänzungsmittel und pflanzliche Lebensmittel spezialisierte Puravida gekauft. Es handle sich um einen kleinen Zukauf, hiess es im Handel.

Stark zulegen konnten bei den Blue Chips die ebenfalls defensiven Swisscom-Aktien sowie die Partizipationsscheine des Rolltreppen- und Liftbauers Schindler (SCHP 174.55 +0.26%). Schindler habe von Umschichtungen aus anderen europäischen Industrietiteln profitiert, hiess es. Avancen verzeichneten auch die zuletzt arg gebeutelten Richemont-Papiere.

Belastet vom angeschlagenen Sentiment im US-Tech-Sektor zählten auch hierzulande Branchenvertreter wie Temenos (TEMN 81.48 -0.17%), AMS-Osram und Logitech (LOGN 49.58 -0.58%) zu den grössten Verlierern. Logitech profitierten dabei nur kurz von guten Zahlen des US-Videokonferenzanbieters Zoom. Grössere Abgaben waren zudem bei Zyklikern wie dem Logistiker Kühne + Nagel (KNIN 224.50 -0.66%), dem Personalvermittler Adecco (ADEN 32.69 +0.77%) oder VAT Group (VACN 219.20 -3.69%) zu sehen.

Im breiten Markt rutschten Dätwyler (DAE 197.00 -0.10%) nach einer Ratingsenkung durch die Credit Suisse (CSGN 5.42 +0.07%) um 4,9% ab, während U-Blox im Zuge der Ernennung von Stephan Zizala zum neuen CEO ebenfalls nachgaben. Der Rücksetzer dürfte aber eher mit der allgemeinen Schwäche des Tech-Sektors zusammenhängen.

Klar tiefer schlossen unter anderen auch die Papiere der Online-Apotheke Zur Rose (ROSE 75.75 +5.72%) oder des Metallverarbeiters SFS (SFSN 95.50 -1.04%). Zu SFS gab es angesichts der wachsenden Wirtschafts- und Inflationsrisiken kritische Analystenkommentare.

Positiv schlossen Evolva (EVE 0.0890 +0.00%) das Geschäft ab. Das Biopharmaunternehmen hat sich frische Mittel beschafft und im Rahmen einer Privatplatzierung 6,3 Mio. Fr. eingenommen, die in Wachstumsinitiativen gesteckt werden sollen. Die Aktien von V-Zug (VZUG 90.80 +2.02%) vollzogen nach dem Kurseinbruch des Vortages eine Gegenbewegung.

Schwache Social-Media-Branche zieht Wall Street nach unten

Wegen schlechter Nachrichten aus der Social-Media-Branche haben die US-Aktienmärkte am Dienstag ihre Gewinne des Vortags grösstenteils wieder abgegeben. Schlechte Stimmung verbreitete vor allem die kassierte Prognose von Snap , die weite Teile der Branche mit nach unten zog. Die Nachrichten des Snapchat-Konzerns schürten erneut Sorgen über Risiken rund um das Wirtschaftswachstum.

«Alles in allem glauben wir, dass der Gegenwind für Snap aus vielen Richtungen kommt», schreibt Analyst Doug Anmuth von der Bank JPMorgan. Er gehe davon aus, dass der vorsichtige Tenor des Konzerns auch Abwärtsrisiken für andere Werte aus der Onlinebranche berge.

Vor diesem Hintergrund gab der Leitindex Dow Jones Industrial im frühen Handel um 1,31% auf 31’463,94 Punkte nach. Am Vortag hatte er noch um knapp 2% zugelegt. Deutlicher waren die Verluste beim marktbreiten S&P 500 , der um 2,12% auf 3889,44 Zähler sank. Der technologielastige Nasdaq 100 (NDX 11'503.72 -1.33%) rutschte um 3,28% auf 11’639,27 Punkte ab.

Euro steigt über 1,07 $

Der Euro ist am Dienstag erstmals seit Ende April über 1,07 $ gestiegen. Am Nachmittag kletterte der Kurs der Gemeinschaftswährung bis auf 1,0747 $. Am Morgen hatte sie noch merklich unter 1,07 $ notiert.

Zur Schweizer Währung gab der Euro am Nachmittag hingegen etwas nach und fiel unter die 1,03-Marke. Das EUR/CHF-Paar notiert aktuell bei 1,0292 nach 1,0346 Fr. am Mittag. Der Dollar fiel derweil unter die Marke von 0,96 Fr. und wurde zu 0,9596 nach 0,9661 Fr.am Mittag gehandelt.

Gestützt wurde der Euro zum Dollar durch die Aussicht auf Leitzinsanhebungen durch die EZB. Präsidentin Christine Lagarde hatte bereits am Montag den erwarteten Straffungskurs der Zentralbank konkretisiert, indem sie für den Spätsommer ein Ende negativer Leitzinsen in Aussicht stellte. Hintergrund der Straffung ist die hohe Inflation. Steigende Zinsen machen eine Währung für Anleger attraktiver.

Frankreichs Notenbankchef Francois Villeroy de Galhau machte jedoch klar, dass die EZB derzeit für den Juli keinen grossen Zinsschritt um 0,50 Prozentpunkte anstrebt. Die kommenden Zinsanhebungen würden vielmehr graduell ausfallen. Der österreichische Notenbankchef, Robert Holzmann, sprach sich hingegen für einen grossen Zinsschritt aus. Er gilt jedoch als geldpolitischer Falke und spricht sich im Zweifel für eine restriktivere Geldpolitik aus.

Am Nachmittag lasteten schwache US-Konjunkturdaten auf dem Dollar. Der Einkaufsmanagerindex von S&P Global trübte sich im Mai überraschend deutlich ein. Zudem schwächt sich der Immobilienmarkt immer weiter ab. So sind die Verkäufe neuer Häuser im April überraschend deutlich gefallen. Die steigenden Hypothekenzinsen und die gestiegenen Preise lasten auf dem Markt.

Erheblich eingetrübt hat sich die Unternehmensstimmung in Grossbritannien. Der Einkaufsmanagerindex von S&P Global signalisiert nur noch ein schwaches Wachstum. Besonders die Stimmung im Dienstleistungssektor trübte sich ein. «Die Umfragedaten deuten darauf hin, dass das Wirtschaftswachstum fast zum Stillstand gekommen ist, während der Inflationsdruck auf ein noch nie dagewesenes Niveau gestiegen ist», kommentierte Chris Williamson, Chefvolkswirt bei S&P Global Market Intelligence. «Die jüngsten Daten deuten auf ein erhöhtes Risiko einer Rezession hin.» Das britische Pfund geriet daraufhin zum Dollar und zum Euro unter Druck.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,85750 (0,84783) britische Pfund und 136,49 (136,05) japanische Yen fest.

Die Feinunze Gold wurde in London am Nachmittag mit 1’863 $ gehandelt. Das waren rund 9 $ mehr als am Vortag.

Ölpreise geben leicht nach

Die Ölpreise sind am Dienstag etwas gefallen. Im Mittagshandel kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 112,98 $. Das waren 44 Cent weniger als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI (WBS 117.46 +2.28%)) fiel um 52 Cent auf 109,77 $.

«Das Auf und Ab am Ölmarkt setzt sich fort», kommentierte Rohstoffexperte Carsten Fritsch von der Commerzbank (CBK 6.38 -4.58%) das Handelsgeschehen. Der Ölmarkt befinde sich nach wie vor in einem Spannungsfeld zwischen den wirtschaftlichen Folgen des Kriegs in der Ukraine und harten Massnahmen Chinas im Kampf gegen das Coronavirus auf der einen Seite und der Sorge vor einem knappen Angebot auf der anderen Seite.

Unterstützung erhalten die Ölpreise seit längerem durch das deutlich verminderte Ölangebot aus Russland – eine Folge scharfer Sanktionen des Westens gegen Russland wegen des Kriegs gegen die Ukraine. Zuletzt hat Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck ein Öl-Embargo gegen Russland nach eigenen Worten «in greifbarer Nähe» gesehen.

 

Leser-Kommentare