Märkte / Aktien

SMI schliesst knapp über 10’000

Handelsdrohungen der USA gegen die EU belasten: Die Schweizer Börse weitet ihre Verluste aus. Alle SMI-Werte verlieren. AMS ziehen dagegen an.

(AWP/Reuters/ SPU) Der Schweizer Aktienmarkt hat am Mittwoch im Handelsverlauf sein Minus ausgeweitet und deutlich schwächer geschlossen. Der Swiss Market Index notierte bei Eröffnung 0,5% tiefer. Im frühen Handel gab er weiter nach und entfernte sich zusehends von der Marke von 10’200. Noch vor dem Mittag rutschte er für kurze Zeit unter 10’100. Am Nachmittag büsste er dann weiter deutlich ein, bis er bei Handelsende knapp über 10’000 zu liegen kam.

Auch in New York dominierten die Verkäufer. Die drei Hauptindizes an der Wallstreet lagen bei Börsenschluss in Europa klar im Minus. Der breit gefasste S&P 500 (SP500 3130.01 0.45%) gab 2,5% nach. Der Dow Jones (Dow Jones 25827.36 0.36%) notierte 2,6% tiefer. Abgaben in Höhe von 2% verzeichnete der Nasdaq Composite. In Frankfut fuhr der Dax (DAX 12528.18 -0.64%) den grössten Tagesverlust seit zwei Wochen ein und schloss knapp über der Marke von 12’000.

Der Grund für die markanten Verluste: Die USA könnten im Streit mit der EU über Subventionen für den europäischen Flugzeugbauer Airbus (AIR 65.33 -1.49%) erneut an der Zollschraube drehen. Die Regierung prüfe derzeit die Lage und erwäge Änderungen an den Zöllen, teilte das Büro des US-Handelsbeauftragten Robert Lighthizer mit. Neben einem Festhalten an den Zöllen seien auch Erhöhungen und Zölle auf weitere Produkte aus Deutschland, Frankreich, Spanien und Grossbritannien möglich. Die USA hatten die Zölle erst im März angehoben.

Am Vortag hatten noch überraschend stark ausgefallene Konjunkturdaten aus Europa die Kaufstimmung angeheizt. Aktuell hielten sich positivere Konjunkturdaten und negative Entwicklungen bei den Infektionen die Waage, erklärten Beobachter. Das Ifo-Geschäftsklima in Deutschland hat sich im Juni verbessert. Auch aus der Schweiz kommt mit dem CFA-Indikator der CS ein Signal der Erholung. Die Markteilnehmer seien also weiterhin zwischen der Hoffnung auf eine schnelle Erholung der Weltwirtschaft und der Sorge vor einer zweiten Infektionswelle hin- und hergerissen.

Nur Verlierer im SMI

Im SMI (SMI 10125.84 -0.61%) schlossen alle 20 Werte im Minus. Es waren vor allem die am Vortag gesuchten Papiere, die wieder Terrain einbüssten. So sanken die Aktien der Banken Credit Suisse (CSGN 9.852 -0.44%) und UBS (UBSG 11.04 -0.45%). Auch Versicherer wurden verkauft: Zurich Insurance (ZURN 338.2 -0.53%), Swiss Re (SREN 74.4 -0.4%) und Swiss Life (SLHN 353 0%) verloren.

Klare Einbussen erfuhren auch die Luxusgüterwerte Swatch Group (UHR 190.3 -0.73%) und Richemont (CFR 61.5 -0.16%).

Die Titel der Schwergewichte gaben zwar nach, hielten sich aber besser als der Markt. Sowohl die Aktien des Nahrungsmittelkonzerns Nestlé (NESN 105.12 -0.61%) als auch die Pharmawerte von Roche (ROG 328.8 -1.23%) und Novartis (NOVN 82.38 -0.79%) schlossen tiefer. Die grössten Abgaben gingen auf die Aktien des Augenheilspezialisten Alcon (ALC 55.62 0.11%).

Lonza (LONN 512.6 1.06%) gönnten sich derweil lediglich eine Verschnaufpause. Die Aktie des Life-Science-Konzerns läuft und läuft seit Monaten – am Mittwoch zogen gleich drei Analysten daher ihr Kursziel nach.

AMS gesucht

Im SMIM (SMIM 2491.345 -0.13%) zogen AMS (AMS 14.765 3.07%) kräftig an. Für den Halbleiterhersteller hatte die US-Bank JPMorgan das Rating auf «Overweight» erhöht. Die Angst vor dem Verlust von Apple-Aufträgen sei unbegründet, erklärte der zuständige Analyst.

Fester zeigten sich erneut Kühne + Nagel (KNIN 158.45 0.19%). Die Aktien des Logistikers gehörten schon gestern zu den besten Werten im SMIM.

Der von der Coronaviruskrise schwer getroffene Dutyfree-Shop-Betreiber Dufry (DUFN 28.69 -2.88%) setzt eine früher in Aussicht gestellte Restrukturierung um. Die Personalkosten sollen um bis zu 35% sinken. Die Aktien drehten nach einem guten Start ins Minus und schlossen mit deutlichen Verlusten.

Basilea (BSLN 51.6 2.48%) büssten stark ein. Das Biopharmaunternehmen verkauft seine Konzernzentrale in Basel an die Pensionskasse der UBS und mietet sich dort zugleich wieder ein. Zudem plant es die Ausgabe einer Wandelanleihe.

Vontobel (VONN 68.05 0.37%) bewegten sich leicht abwärts. Das Ziel von 4 bis 6% Netto-Neugeldzuwachs erscheine im aktuellen Umfeld «ehrgeizig», sagte Konzernchef Zeno Staub im FuW-Interview.

Die Aktien des Maschinenherstellers Komax (KOMN 154 0.07%) hielten sich stabil in einem schwachen Markt. Dabei dürfte der Wiedereinstieg von der Beteiligungsgesellschaft Veraison dem Titel Impulse verliehen haben. Gemäss einer Beteiligungsmeldung der Schweizer Börse SIX vom Mittwoch hat Veraison einen Anteil von 3,9% aufgebaut.

Nach schwachen Jahreszahlen schlossen Carlo Gavazzi (GAV 174.5 -0.57%) dennoch im Plus.

Vorsichtiger Handel in Asien

Am Mittwoch hielten sich die Anleger an den Börsen in Asien zurück. In Tokio notierte der Topix im Minus (–0,4%), der Nikkei 225 verpasste das Vortagesniveau knapp (–0,1%). Der Hang Seng notierte in Hongkong 0,2% tiefer. In Schanghai verzeichnete der chinesische Leitindex CSI 300 mit +0,4% einen leichten Gewinn. Nur in Korea lag der Leitindex Kospi klar im Plus (+1,4%).

Dollar stärker

Der Eurokurs ist am Mittwoch trotz robuster Konjunkturdaten aus der Eurozone gefallen. Belastet wurde er durch die Furcht vor einem verschärften Handelskonflikt zwischen den USA und der EU. Die Regierung von Präsident Donald Trump denkt über Zölle auf Waren im Wert von 3,1 Mrd. $ nach. Betroffen davon seien Güter aus Frankreich, Deutschland, Spanien und Grossbritannien. Am Abend kostete die europäische Gemeinschaftswährung 1.1267 $. Am Morgen hatte sie noch über 1.13 $ notiert. Auch zum Franken legte der Dollar zu und kostete bei Börsenschluss in Europa 0.9478 Fr. Dagegen bewegte sich das Währungspaar Euro-Franken in einer engen Spanne und blieb mit einem Stand von 1.0682 $ klar unter der 1.07er Marke.

Ölpreis klar tiefer – Goldpreis weiter im Hoch

Der Ölpreis gab am Mittwoch deutlich nach. Um 17.30 Uhr MESZ kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent (Brent 42.76 0.21%) noch gut 40 $. Der Goldpreis notierte weiter auf einem Stand, den er seit 2012 nicht gesehen hat. Das Edelmetall arbeitete sich zeitweise Richtung 1800 $ vor und lag zuletzt bei 1766 $ pro Feinunze.

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