Märkte / Aktien

SMI mit sattem Plus

Zum Wochenschluss ist es am Schweizer Aktienmarkt deutlich aufwärts gegangen. Auch an der Wall Street sind die Anleger positiv gestimmt.

(AWP/Reuters) Nach einem bereits freundlichen Auftakt zog der Leitindex SMI (SMI 10'770.40 +0.27%) im Verlauf weiter an und gewann vor allem nach einer positiven Eröffnung der US-Börsen weiter an Schwung. Der US-Aktienmarkt setzte seine im späten Vortageshandel eingeschlagene Erholung am Freitag fort, weil Börsianer es für denkbar halten, dass die US-Notenbank Fed auf ihrem schnellen Zinserhöhungskurs etwas den Fuss vom Gas nehmen könnte, sollte die Wirtschaft in eine Rezession rutschen und die Inflation sich etwas abkühlen.

Dies dürfe aber auch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Stimmung am Markt nach wie vor sehr angespannt sei, betonte ein Händler. Denn nicht nur in den USA, auch in Europa ist das «R-Wort» ein Reizthema. Vor allem die Energiekrise ist auf dem alten Kontinent das grösste Wirtschaftsrisiko. In Deutschland trübte sich der Ifo-Geschäftsklima-Index denn auch etwas stärker als erwartet. Daher fehlt einigen Beobachtern im Hinblick auf die kommenden Handelstage der Glaube, dass das Stimmungstief schon überwunden ist. «Die Angst, auf dem falschen Fuss erwischt zu werden, ist allgegenwärtig», sagte der Händler.

Der SMI gewann schliesslich 3,54% auf 10’823,12 Punkte. Das Tagesplus entspricht auch in etwa dem Wochenplus, das somit am Freitag eingefahren wurde. Es war erst das zweite Plus der vergangenen zehn Wochen. Der SLI, in dem die 30 wichtigsten Aktien enthalten sind, stieg um 3,65% auf 1665,31 und der breite SPI (SXGE 13'879.13 +0.32%) um 3,37% auf 13’945,94 Zähler. Alle 30 SLI-Werte legten zu.

Investoren griffen vor allem bei jenen Werten zu, die in diesem Jahr bereits stark Federn lassen mussten, nachdem sie im vergangenen Jahr zu den Favoriten gehört hatten. So verteuerten sich beispielsweise die Papiere des Dentalbedarfherstellers Straumann (STMN 115.30 +0.57%) um 6,5%. Auch Lonza (LONN 519.20 +2.00%), Givaudan (GIVN 3'388.00 +0.92%) oder Partners Group (PGHN 860.40 +0.02%) gehören zu dieser Kategorie und zogen allesamt zwischen knapp 4 und rund 5% an.

Zulegen konnten mit kräftiger Unterstützung aus den USA derweil auch die Technologiewerte. Temenos (TEMN 81.48 -0.17%), Logitech (LOGN 49.58 -0.58%) oder VAT etwa gewannen klar hinzu. Letztere profitierten neben positiven US-Vorgaben von einer verteidigenden Kaufempfehlung durch die UBS (UBSG 15.29 -0.65%).

Auf den Einkaufslisten standen auch Aktien wie Geberit (GEBN 458.20 -0.13%) oder Sika (SIKA 220.60 +0.27%). Rezessionsängste hatten baunahen Werten in den letzten Tagen verstärkt zugesetzt.

Die Schwergewichte Nestlé (NESN 112.76 +1.18%), Novartis (NOVN 80.33 -0.64%) und Roche GS (ROG 320.40 +0.58%) legten etwa im Rahmen des Gesamtmarktes zu. Absicherungstransaktionen wurden geschlossen und zuvor leerverkaufte SMI-Futures zurückerworben, sagte ein Händler.

Stark entwickelten sich auch die Vertreter der Finanzbranche. Julius Bär (BAER 43.65 -0.89%), Zurich, UBS und Credit Suisse (CSGN 5.42 +0.07%) verteuerten sich allesamt um mehr als 4%. Die Aktien des Versicherer Zurich profitierten dabei vom Verkauf des Altbestands eines Lebensversicherungsportfolios in Deutschland.

Die US-Töchter der Banken UBS und CS bestanden einerseits den Stresstest der US-Notenbank Fed. Andererseits teilte die CS am späten Freitagnachmittag noch mit, weiteres Geld für die Greensill-Fonds aufgetrieben zu haben.

AMS Osram (AMS 8.35 -2.91%) hinkten im frühen Handel etwas hinterher, nahmen dann aber ebenfalls Fahrt auf.

Swiss Life (SLHN 463.90 -0.24%) und die Swiss Re (SREN 73.94 -0.05%) schlossen mit Aufschlägen von «nur» rund 2,5% etwas unter dem Gesamtmarkt. Die Titel der Swiss Life hatten bereits am Vortag unter einem negativen Analystenkommentar gelitten. Am Freitag bremsten Aussagen von Goldman Sachs (GS 299.23 +0.74%) die Papiere des Rückversicherers Swiss Re etwas aus.

Im breiten Markt zogen Bell um 3,1% an, nachdem der Mehrheitsaktionär Coop eine weitere Aufstockung der Beteiligung angekündigte.

Basilea (BSLN 38.90 +0.78%) waren nach einer Medikamenten-Zulassung in China gesucht. Ausserdem war hier von Deckungskäufen aus dem Lager ausländischer Leerverkäufer zu hören.

Bystronic (BYS 687.00 -1.01%) wurden hingegen von der Kurszielreduktion durch Kepler Cheuvreux belastet. Und auch einige andere Titel wie Xlife oder Schlatter (STRN 27.80 -3.47%) verloren deutlich.

Wall Street fester

US-Aktienanleger haben ihre Inflationssorgen am Freitag beiseite geschoben und der Wall Street Auftrieb verschafft. Der Dow-Jones-Index.DJI der Standardwerte stieg um 1,1% auf 31’018 Punkte, der breiter gefasste S&P 500 um 1,4% auf 3849 Punkte. Der Index der Technologiebörse Nasdaq kletterte um 1,9% auf 11’447 Punkte.

Etwas Erleichterung verschafften den Börsen zuletzt verlangsamte Konjunkturindikatoren, durch die sich die Investoren weniger aggressive Zinserhöhungen der US-Notenbank erhofften. «Das kombiniert mit niedrigeren Rohstoffpreisen und Anleiherenditen sind die Gründe, die Investoren nennen, warum wir einen kurzfristigen Börsenaufschwung erleben könnten», sagte Sam Stovall, Investmentstratege bei CFRA Research in New York.

Ein Anstieg des Nettogewinns und ein optimistischer Ausblick von FedEx (FDX 223.61 -1.37%) kamen bei den Anlegern gut an. Die Aktien des Deutsche-PostDPWGn.DE-Rivalen legten mehr als 7% zu. Die geplanten Einsparungen sollten die Belastungen durch steigende Lohn- und Treibstoffkosten bei dem Paketzusteller abfedern, prognostizierte Analystin Helane Becker vom Vermögensverwalter Cowen.

Aktien von Zendesk schossen um knapp 30% auf 75 $ nach oben. Eine von Permira und Hellman & Friedman angeführte Gruppe von Finanzinvestoren übernimmt die US-Softwareschmiede für 10,2 Mrd. $ in bar.

Euro legt zum Dollar etwas zu

Der Euro hat am Freitag trotz schwacher Konjunkturdaten aus Deutschland etwas zugelegt. Am Nachmittag kostete die Gemeinschaftswährung 1,0556 $. Am Morgen hatte er nur knapp über 1,05 $ notiert.

Gegenüber dem Franken ist die Gemeinschaftswährung wieder unter die Marke von 1,01 Fr. gefallen. Am späten Nachmittag liegt der Kurs bei 1,0077 Fr. Der Dollar notiert mit 0,9554 Fr. derweil inzwischen klar unter 0,96er-Marke – am Morgen lag der Kurs noch darüber.

Schwache Konjunkturdaten aus Deutschland hatten indes kaum einen Einfluss. Das Ifo-Geschäftsklima enttäuschte die Erwartungen und gab im Juni stärker nach als erwartet. «Steigende Energiepreise und die drohende Gasknappheit bereitet der deutschen Wirtschaft grosse Sorgen», kommentierte Ifo-Präsident Clemens Fuest.

Am Donnerstag hatte die Bundesregierung im Notfallplan Gas die Alarmstufe ausgerufen. Grund ist eine starke Verringerung der Gaslieferungen durch Russland. Ökonomen warnen vor erheblichen Folgen für die deutsche Wirtschaft, sollten die russischen Gaslieferungen komplett ausfallen. «Tatsächlich ist die konjunkturelle Situation labil», erklärte Commerzbank-Chefökonom Jörg Krämer. So könnte es nach einer weiteren Reduzierung der russischen Gaslieferungen zu einer folgenschweren Rationierung von Gas in der Industrie kommen.

Auch in den USA lastet die hohe Inflation auf der Wirtschaft. Die Stimmung der US-Verbraucher ist auf ein Rekordtief gefallen. Das von der Universität Michigan erhobene Konsumklima sank zum Vormonat um 8,4 Punkte auf 50,0 Punkte. Dies ist niedrigste jemals gemessene Wert. Vor allem Inflationssorgen belasteten.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,85773 (0,85818) britische Pfund und 142,19 (142,11) japanische Yen fest.

Ölpreise steigen deutlcih

Die Ölpreise haben am Freitag merklich zugelegt. Zuletzt kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 113,13 $. Das waren 3,08 $ mehr als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI (WBS 117.46 +2.28%)) stieg um 3,33 Dollar auf 107,60 $.

Berichte über erneute Produktionsausfälle im nordafrikanischen Ölförderland Libyen stützten die Preise, schreibt Commerzbank-Analyst Carsten Fritsch. Dort musste die Ölproduktion einer Ölgesellschaft im Osten des Landes wegen abermaliger politischer Proteste eingestellt werden. Laut Fritsch dürfte die Ölproduktion in Libyen um rund ein Viertel zurückgehen.

In der abgelaufenen Woche sind die Ölpreise jedoch merklich gefallen. Seit Mitte Juni stehen die Erdölpreise tendenziell unter Druck. Auslöser sind aufkommende Rezessionsängste. Befürchtet wird, dass die deutlichen Zinsanhebungen vieler Notenbanken im Kampf gegen die hohe Inflation die ohnehin fragile Konjunktur ins Straucheln bringt. Belastet wird die Wirtschaft seit längerem durch erhebliche Verspannungen im Welthandel, ausgelöst durch die Corona-Krise und verstärkt durch den Ukraine-Krieg.

Ungeachtet dessen befinden sich die Rohölpreise immer noch auf hohem Niveau. Der Krieg Russlands gegen die Ukraine hat das weltweite Angebot deutlich reduziert, da russisches Öl im Westen von vielen Ländern boykottiert wird und zahlreiche andere Staaten aus Angst vor Sanktionen auf russisches Öl eher verzichten. Die Energienachfrage hat nach Beruhigung der Corona-Pandemie deutlich angezogen.

 

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