Märkte / Aktien

SMI geht schwächer ins Wochenende

Die Schweizer Börse tendiert am Freitag nach der jüngsten Erholung abwärts. Bankaktien zeigen sich besser als der Gesamtmarkt.

(AWP/SPU) Der Schweizer Aktienmarkt hat am Freitag klar im Minus geschlossen und damit die vierte Woche mit Verlusten in Folge beendet. Nach einem dreitägigen Erholungsversuch hatte damit vor dem Wochenende die Skepsis wieder überhandgenommen. Die Situation beim in Schieflage geratenen chinesischen Immobilienkonzern Evergrande (3333 0.31 -5.27%) bleibt spannend, auch wenn eine Mehrheit der Marktteilnehmer die Gefahr einer durch Evergrande ausgelösten globalen Krise als gering einschätzt. Dass die chinesische Regierung darüber informiert hatte, dass das Unternehmen in dieser Woche keine Zinszahlungen vornehmen werde, wird als Zeichen für eine Unterstützung durch die Regierung gelesen.

Leichten Gegenwind gab es am Berichtstag auch von der Konjunkturfront. Der ifo-Index, der die Stimmung in der deutschen Wirtschaft widergibt, war zum dritten Mal in Folge gesunken, zwar nicht sehr stark, aber doch mehr als gedacht. Für die VP Bank (VPBN 100.00 +1.63%) waren die Signale mittlerweile eindeutig, wie sie in einem Kommentar dazu schrieb: «Die kräftige Erholung nach der Corona-Pandemie verlangsamt sich.» Belastet wurde das Börsensentiment überdies von einer Umsatzwarnung von Nike im Zusammenhang mit geschlossenen Fabriken in Vietnam.

Die Signale aus New York waren tendenziell etwas schwächer. Die drei Wallstreet-Indizes tendierten jedoch in unterschiedliche Richtungen. Der S&P 500 (S&P 500 4'464.33 -0.22%) trat bei Börsenschluss in Europa auf der Stelle. Der Dow Jones bewegte sich ebenfalls seitwärts. Einen Verlust von 0,4% verzeichnete die Technologiebörse, gemessen am Nasdaq Composite.

Viele Verlierer im Schweizer Markt

Die grössten Abschläge bei den Blue Chips verzeichneten die Aktien, die sich im bisherigen Jahresverlauf sehr gut entwickelt haben. So litten vor allem die Medizintechnikwerte Straumann (STMN 1'806.50 +1.23%) und Sonova (SOON 359.60 +0.33%), der Pharmazulieferer Lonza (LONN 721.80 +0.36%) und die auf alternative Anlagen spezialisierte Partners Group (PGHN 1'522.50 +0.23%) stark unter Gewinnmitnahmen. Beim Sanitärtechniker Geberit (GEBN 707.60 +0.97%) kam noch eine Verkaufsempfehlung von Exane hinzu. Auch die zyklischen Werte Givaudan (GIVN 4'221.00 -0.14%), ABB (ABBN 31.91 +0.73%), Sika (SIKA 311.00 +0.91%) und SGS (SGSN 2'746.00 -0.51%) gaben nach.

Von Abgaben nicht verschont wurden zudem die Schwergewichte Nestlé (NESN 114.82 +0.35%) und Roche (ROG 360.25 +0.87%). Dabei gab es noch positive Nachrichten zu Roche. Die Weltgesundheitsorganisation hatte erstmals ein Medikament als Vorbeugung gegen eine schwere Covid-19-Erkrankung bei infizierten Risikopatienten empfohlen. Die WHO verwies dabei auf einen Corona-Cocktail von Roche und dem US-Partner Regeneron.

Die Luxusgüterwerte Richemont (CFR 109.90 +1.2%) und Swatch Group (UHR 251.00 +0.28%) nahmen nach der Erholung an den Vortagen die Talfahrt wieder auf. «Die beiden bewegen sich fast analog zur Nachrichtenlage aus China», sagte ein Händler.

Dagegen gehörten die Banken UBS (UBSG 15.88 +0.6%) und Credit Suisse (CSGN 9.79 +1.92%) zu den Gewinnern. Das Exposure der UBS gegenüber Evergrande ist laut ihrem CEO Ralph Hamers «unwesentlich». Die Grossbank musste aber einige Nachforderungen an Kunden mit besicherten Krediten stellen, wie Hamers gemäss der Nachrichtenagentur Bloomberg an einer Konferenz der Bank of America (BAC 46.37 +2.88%) erklärte. Auch bei Credit Suisse hält sich das Engagement ihrer Fonds in engen Grenzen. Die Grossbank Credit Suisse hatte laut einem Bericht der «Financial Times» noch vergangenes Jahr in ihrem Besitz verbleibende Schuldpapiere des angeschlagenen chinesischen Immobilienkonzern Evergrande verkauft. Die CS war während Jahren ein wichtiger Lead Manager bei der Emission von Evergrande-Anleihen gewesen.

Im SMIM (SMIM 3'348.12 -0.02%) fielen Dufry (DUFN 51.50 +1.46%) positiv auf. Dem Duty-Free-Shop-Betreiber kommt ein neues Gesetz in Spanien zugute, wonach auf spanischen Flughäfen die Höhe der Konzessionsgebühren an die Passagierzahlen gekoppelt wird, bis wieder das Passagierniveau von 2019 erreicht ist.

MCH Group (MCHN 13.00 -1.14%) avancierten. Der Messebetreiber stehe angesichts der erfolgreichen Messe Art Basel wieder etwas höher in der Gunst der Anleger, hiess es.

Asiens Börsen mehrheitlich im Plus

An den asiatischen Börsen war das Vertrauen der Anleger teilweise zurückgekehrt. Der japanische Leitindex Nikkei 225 legte 2,1% zu. Der breite Topix gewann 2,3%. Der chinesische Shanghai Composite verlor hingegen 0,5%. Der Hang Seng in Hongkong schloss unverändert. In Südkorea büsste der Kospi 0,1% ein.

Euro über 1.17 $ und 1.08 Fr.

Der Euro notieret am Freitag zum Dollar trotz Verlusten über der Marke von 1.17 $. Bei Börsenschluss in Europa kostete die Gemeinschaftswährung 1.1712 $. Zum Franken notierte sie ebenfalls leichter bei 1.0835 Fr. Derweil stand die US-Währung zum Franken wenig verändert bei 0.9250 Fr.

Ölpreis weiter im Aufwärtstrend – Kryptos stark unter Druck

Der Ölpreis baute am Freitag seine Aufschläge der vergangenen Tage aus. Um 17.30 Uhr MESZ kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent rund 77.50 $.

Gold legte etwas zu. Das Edelmetall stand bei Börsenschluss in Europa bei 1752 $ pro Feinunze.

Sehr schwach zeigte sich Bitcoin (Bitcoin 61'471.00 +7.11%). Die Cyberdevise notierte am Abend bei rund 41’000 $. China hatte den Druck auf Kryptowährung massiv erhöht.