Märkte / Aktien

SMI schliesst etwas fester – Dow Jones über 30’000

Die Schweizer Börse gewinnt dank Wallstreet. Novartis und Credit Suisse stehen im Fokus. UBS trotzen dem Dividendenabgang. Lonza, Sika und Geberit leiden.

(AWP/SPU) Der Schweizer Aktienmarkt hat am Dienstag dank Rückenwind aus den USA etwas fester geschlossen. Der Swiss Market Index SMI (SMI 10'806.05 -0.9%) lag bei Eröffnung 0,4% im Plus und damit über 10’500. Im frühen Handel schaltete er einen Gang zurück und fiel in der Folge ins Minus. Bis zur Wallstreet-Eröffnung verharrte der Leitindex auf diesem Niveau. Danach erholte er sich von seinem bisherigen Tagestief und drehte erneut in die Gewinnzone.

In New York legten die Kurse mehrheitlich zu. Die drei wichtigen Wallstreet-Indizes notierten bei Börsenschluss in Europa im Plus. So legte der S&P 500 (S&P 500 3'744.20 -2.56%) 1,4% zu. Der Dow Jones (Dow Jones 30'303.17 -2.05%) stieg 1,5%. Er erreichte einen neuen Rekordstand und lag über der Marke von 30’000. Ein Plus 1% verzeichnete der Index der Technologiebörse, der Nasdaq Composite.

In Frankfurt legte der Dax (DAX 13'496.35 -0.91%) klar zu und schloss auf dem höchsten Stand seit neun Monaten. Im deutschen Leitindex kommt es zu grossen Veränderungen. Auch der europäische Index, EuroStoxx 50 avancierte deutlich.

US-Politik sorgte für gute Stimmung

Für Optimismus bei den Investoren sorgte Donald Trump. Seine Ankündigung, den Weg für den neu gewählten Präsidenten Joe Biden frei zu machen, sorgte in weiten Kreisen für Erleichterung. Der Amtsinhaber wies die Behörden an, mit Biden zu kooperieren, wie er über Twitter (TWTR 48.19 -2.98%) mitteilte. Zuvor hatte die Behörde GSA Biden als wahrscheinlichen Wahlsieger eingestuft und damit grünes Licht für die Kooperation der Trump-Regierung mit dem Team des Demokraten gegeben.

Positiv aufgenommen wurde auch, dass die ehemalige Notenbankchefin Janet Yellen als erste Frau die Führung des US-Finanzministeriums übernehmen soll. Dies nähre die Hoffnungen auf ein weiteres Konjunkturprogramm, hiess es in Marktkreisen. Der Blick auf die Fundamentaldaten lasse die Bäume aber nicht in den Himmel wachsen. In Deutschland war die Konjunkturerholung im dritten Quartal zwar stärker als erwartet, die Indikatoren zum Geschäftsklima in Deutschland und Frankreich gaben jedoch deutlich nach. Hier schlagen die Massnahmen in der zweiten Coronawelle durch.

Novartis stützten

Im SMI Novartis (NOVN 83.01 -0.97%) legten zu. Am Investorentag hatte der Pharmakonzern die Absicht geäussert, zu einem der grössten Player in der Pharmaindustrie zu werden. Mittelfristig bestätigte er, in der Pharmasparte eine Marge im hohen 30%-Bereich anzustreben. Auf finanzieller Seite kündigt er zudem den Start eines Aktienrückkaufprogramms über bis zu 2,5 Mrd. $ an.

Roche (ROG 316.35 -1.2%) gaben derweil nach, und das dritte Schwergewicht Nestlé (NESN 103.30 -0.5%) schloss leicht im Plus.

Credit Suisse (CSGN 11.67 -1.06%) stiegen trotz schlechter Nachrichten. Die Grossbank muss im vierten Quartal eine hohe Wertberichtigung vornehmen. Bei der Investmentfirma York Capital Management, an der sie beteiligt ist, kommt es zu grossen Veränderungen.

Bei UBS (UBSG 12.91 -1.3%) wurde der zweite Teil der Dividende (0.3335 Fr.) für das Geschäftsjahr 2019 abgezogen. Dennoch legten die Titel zu.

Die Aktien des Baustoffkonzerns LafargeHolcim (LHN 47.98 -1.17%) wurden durch Zahlen des Wettbewerbers CRH (CRG 3'061.00 +0.26%) gestützt. Der Konzern mit Sitz in Irland hatte am Morgen stabile Quartalszahlen veröffentlicht und traut sich auch wieder, eine positive Gewinnprognose für das Gesamtjahr abzugeben.

Luxusgüteraktien wie Richemont (CFR 82.50 -0.31%) und Swatch Group (UHR 245.20 -3.04%) waren gefragt.

Am Tabellenende standen Sika (SIKA 245.20 +0.7%), Lonza (LONN 576.60 -2.2%) und Geberit (GEBN 551.80 +0.55%). Das sei ein Indiz dafür, dass die Sektorrotation weitergehe, hiess es am Markt. Die Gewinner der vergangenen Monate würden abgestossen, während die am meisten gebeutelten Titel zugekauft würden.

AMS zogen an

Im SMIM (SMIM 2'844.13 -0.33%) waren die Titel des Chipherstellers AMS (AMS 22.07 +0.36%) am meisten gesucht. Hier sorgten eine Kurszielerhöhung durch JPMorgan und die Bekräftigung der Kaufempfehlung für Rückenwind. AMS habe eine Reihe von Möglichkeiten, die Profitabilität von Osram (OSR 52.00 +0.62%) sowie den Free Cashflow zu verbessern, hiess es.

Finanzwerte wie Julius Bär (BAER 53.84 -1.07%) oder die Versichereraktien von Helvetia (HELN 88.70 -2.21%) oder Baloise (BALN 149.80 -1.64%) legten zu.

Zudem fielen reisenahe Werte wie Dufry (DUFN 48.59 +3.65%) oder Flughafen Zürich (FHZN 147.70 +0.48%) mit Avancen auf. Auch europaweit zogen die Aktien der Flug- und Reisebranche gestützt durch die Impfstoffhoffnungen deutlich an.

Stark waren indes die Verluste beim Laborausrüter Tecan (TECN 438.80 -0.59%) sowie beim Verpackungsspezialisten SIG Combibloc (SIGN 21.64 +1.41%).

Bossard (BOSN 201.50 -0.74%) stiegen. Das Unternehmen hatte am Morgen die strategische Beteiligung an dem Start-up MultiMaterial-Welding bekanntgegeben.

Im breiten Markt fielen Relief Therapeutics (RLF 0.40 +5%) nach einem grossen Plus am Morgen ab, dies nach ermutigenden Studiendaten bei der Coronanachbehandlung mit dem Produktkandidaten RLF-100.

Auch die Aktien von ObsEva (OBSV 3.00 -4.15%) kamen nach der Einreichung eines Zulassungsantrags zurück.

Nikkei stark

Die Hoffnung auf eine grossflächige Impfung gegen das Coronavirus und einen Wachstumsschub im nächsten Jahr half vor allem den japanischen Aktien. In Tokio schloss der Nikkei 225 2,5% höher als am Vortag und markierte den höchsten Stand seit 29 Jahren. Der Topix stieg 2%. In Hongkong lag der Hang Seng (Hang Seng 28'550.77 -2.55%) knapp im Plus. Eher schwächer tendierten hingegen die Festlandbörsen. Der Shanghai Composite verlor 0,3%, der CSI 300 mit den grössten Titeln von Schanghai und Shenzhen 0,6%. Deutlich stieg am Dienstag die australische Börse mit einem Plus von 1,2%.

Euro legte zu

Der Euro gewinnt am Dienstag nach starken Kursschwankungen zum Wochenbeginn. Zum Dollar und Franken legte er zu. Die Gemeinschaftswährung profitierte von einer allgemein freundlichen Stimmung an den Finanzmärkten und stieg wieder in Richtung der Marke von 1.19 $. Am Abend notierte sie bei 1.1875 $. Zum Franken arbeitete sie sich auf 1.0825 Fr. vor, nachdem sie am Vormittag bei nahezu 1.0850 Fr. gelegen und am Vortag zeitweise unter die 1.08er Marke gefallen war. Der Dollar wiederum ging mit 0.9120 Fr. etwas tiefer um.

Ölpreis klar fester

Der Ölpreis stieg am Dienstag deutlich und knüpfte damit an die Gewinne vom Wochenauftakt an. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent (Brent 55.71 +0.31%) kostete bei Börsenschluss in Europa 47.50 $. Gold (Gold 1'840.80 -0.4%) gab klar nach und liegt bei 1814 $ pro Feinunze.

Bitcoin zog weiter an

Bitcoin (Bitcoin 31'490.00 +4.17%), die grösste Kryptowährung, setzte den Höhenflug weiter vor und arbeitet sich an das Allzeithoch von gut 20’000 $ heran. Am Dienstag nimmt der Bitcoin die Marke von 19’000 $.