Märkte / Aktien

SMI schliesst unter 12’4000

Der Schweizer Aktienmarkt zeigte sich zur Wochenmitte leicht stabiler als noch am Vortag schliesst aber trotzdem unter 12'400 Punkten.

(AWP/Reuters) Der Schweizer Aktienmarkt hat sich am Mittwoch nur leicht von den in den vergangenen Tagen erlittenen Einbussen erholt. Die Stimmung an den internationalen Finanzmärkten bleibt angesichts der sich vor allem in Europa verschlechternden Corona-Lage angespannt. Dabei schloss der Leitindex SMI (SMI 12'175.77 -0.01%) mit der Unterstützung vor allem von Finanzwerten und dem Schwergewicht Roche (ROG 362.25 -0.33%) nah an der Marke von 12’400 Punkten. Techaktien, einige Zykliker sowie die Abgaben der beiden weiteren Elefanten Novartis (NOVN 73.57 -0.31%) und Nestlé (NESN 118.82 +0.87%) liessen einen deutlicheren Anstieg allerdings nicht zu.

An der Börse seien die Belastungsfaktoren zu dominant, als dass der Markt problemlos wieder auf Rekordkurs einschwenken könne, meinten Händler. In Europa drücken vor allem die schlechten Nachrichten zur Coronapandemie auf die Stimmung. Der Lockdown in Österreich oder auch die schärferen Massnahmen zur Corona-Bekämpfung in Deutschland führen den Anlegern seit Tagen vor Augen, dass das Thema Pandemie noch nicht beiseite geschoben werden kann. Eine Reihe vor dem verlängerten Thanksgiving-Wochenende in den USA veröffentlichte Konjunkturdaten sowie das Zustandekommen des Koalitionsvertrags der deutschen Ampel-Regierung bewegten die Aktien kaum.

Bis Börsenschluss rückte der SMI um 0,23% auf 12’395,72 Punkte vor. Das vergangene Woche bei 12’626 Stellen gesetzte Allzeithoch gerät damit etwas aus den Augen. Der SLI, der die 30 wichtigsten Aktien umfasst, stieg um 0,21% auf 1999,25 Zähler und der breite SPI (SXGE 15'540.56 -0.13%) um 0,13% auf 15’837,86 Punkte. Im SLI hielten sich Gewinner und Verlierer in etwa die Waage.

Angeführt wurden die Gewinner bei den Blue Chips von Finanzaktien. Sie erhielten von der Erwartung auf steigende Zinsen etwas Rückenwind. Weitere Hinweise auf ein rascheres Tempo der US-Notenbank Fed bei möglichen Zinserhöhungen hätten gute Daten zum Arbeitsmarkt oder zu den Einkommen und Ausgaben der Amerikaner gegeben, hiess es. Dagegen bleibt das Konsumklima und die Auftragsentwicklung bei langlebigen Gütern unter Druck.

Gefragt waren die Grossbanken UBS (UBSG 16.14 -0.77%) und Credit Suisse (CSGN 8.84 -0.63%) sowie der Vermögensverwalter Julius Bär (BAER 57.78 -1.83%). Aber auch Versicherer wie Swiss Life (SLHN 535.20 +1.52%), Zurich oder Swiss Re (SREN 88.14 +0.64%) verbuchten Kursgewinne. Swiss Life wird am Donnerstag die Pläne und Ziele für die kommenden drei Jahre vorlegen. Dabei darf mit einer noch stärkeren Ausrichtung auf das Gebühren-Geschäft sowie mit grosszügigeren Ausschüttungen gerechnet werden.

Unter die Finanztitel mischten sich bei den Gewinnern die Titel des Zementkonzerns Holcim (LHN 44.36 -0.43%) und jene des Luxusgüterriesen Richemont (CFR 135.70 -0.22%). Beide werden seit Wochen gut nachgefragt, Richemont insbesondere dank starker Erholungstrends an den weltweiten Schmuck- und Uhrenmärkten sowie einer geplanten Neuausrichtung im Onlinevertrieb. Ausserdem bekräftigte die Bank of America (BAC 43.87 -2.27%) ihre Kaufempfehlung für die Genfer.

Bei den schwergewichtigen Papieren rückten die Roche-Bons um deutliche 1,1% vor. Daten zum anstehenden Hämatologie-Kongress ASH, besonders Aussagen in einer Studie zum Roche-Mittel Polivy, hätten das Interesse der Analysten geweckt, hiess es. Nestlé und Novartis boten dem Gesamtmarkt dagegen keine Stütze.

Die mit Abstand grössten Abgaben erlitten am Berichtstag Vifor Pharma (VIFN 119.75 -4.62%) und AMS. Beim Pharmaunternehmen verwiesen Experten auf die angespannte charttechnische Lage. AMS wiederum litten dagegen unter durchwachsenen Zahlen aus der US-Halbleiterbranche. Zu den grössten Verlierern zählten auch Schindler (SCHP 244.30 -0.93%), Lonza (LONN 718.40 +0.25%) oder ABB (ABBN 32.41 +0.19%).

Am breiten Markt gaben Zur Rose (ROSE 333.50 +1.52%) nach. Beobachter erklärten sich den Verkaufsdruck mit Plänen der Ampel-Koalition in Berlin, wonach Grossapotheken künftig Ausgleichszahlungen an kleinere Apotheken leisten müssen. In der Schweiz zeichne sich hingegen eine Vereinfachung beim Versandhandel mit nicht-verschreibungspflichtigen Medikamenten ab, was ebenfalls für Verunsicherung sorge, hiess es.

Noch stärker verloren Santhera (SANN 1.31 +0.77%) an Wert. Das Biotechunternehmen plant eine Kapitalerhöhung. U-blox setzten dagegen ihre Klettertour vom Vortag nach Aussagen am Investorentag fort. Am Markt war von Deckungskäufen die Rede.

Euro fällt erneut auf Tief seit Mitte 2020 – zum Franken stabil

Der  Euro hat am Mittwoch nachgegeben und hat abermals einen Tiefstand seit Mitte 2020 erreicht. Am Mittag fiel die Gemeinschaftswährung bis auf 1,1204 $ und damit auf den tiefsten Stand seit Ende Juni 2020.

Zum Franken bewegt sich die europäische Gemeinschaftswährung weiterhin um die 1,05-Marke. Im Mittagshandel notiert das Währungspaar leicht darunter auf 1,0496. Der Dollar steht zur Schweizer Währung unterdessen leicht höher auf 0,9360 nach 0,9337 Fr. im frühen Handel.

Der Euro wird derzeit vor allem durch die deutlich angespannte Corona-Lage in vielen Euroländern belastet. Dazu passend trübte sich die Unternehmensstimmung in Deutschland zum fünften Mal in Folge ein. Ökonomen deuteten den abermaligen Rückgang des Ifo-Geschäftsklimas als Zeichen wirtschaftlicher Stagnation, schlimmstenfalls sogar Schrumpfung. «Die deutsche Wirtschaft dürfte im Winterhalbjahr bestenfalls stagnieren», kommentierte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer.

Am Nachmittag steht in den USA eine wahre Flut an Konjunkturdaten auf dem Programm. Grund ist der nationale Feiertag «Thanksgiving» am Donnerstag, den viele US-Bürger und Behörden für ein verlängertes Wochenende nutzen. Daher werden viele Wirtschaftszahlen vorgezogen.

Darüber hinaus veröffentlicht die US-Notenbank Fed am Abend ihr Protokoll zur jüngsten Zinssitzung. Analysten und Anleger dürften die Mitschrift nach zusätzlichen Hinweisen auf die geldpolitische Ausrichtung des Fed durchforsten. Das Fed hat damit begonnen, die Geldpolitik etwas zu straffen, indem sie die immensen Wertpapierkäufe schrittweise zurückfährt.

Wall Street im Minus – Firmenprognosen belasten

Trübe Ausblicke von US-Einzelhändlern machen der Wall Street zu schaffen. Die Leitindizes Dow Jones, Nasdaq und S&P 500 fielen zur Eröffnung am Mittwoch um bis zu ein Prozent. «Das Problem ist, dass alle mit einer sehr starken und robusten Weihnachtseinkaufssaison rechnen», sagte Analyst Ken Mahoney, Chef des Vermögensverwalters Mahoney. «Alles, was dahinter zurückbleibt, wird eine Enttäuschung sein.»

Auf die Stimmung schlug Investoren unter anderem die gesenkten Umsatz- und Gewinnziele von Gap. Die Modefirma leidet unter Liefer-Engpässen. Die Probleme seien aber vorübergehend, schrieb Analyst David Swartz vom Research-Haus Morningstar (MORN 314.21 -2.11%). Gap-Aktien fielen dennoch um knapp 23% auf ein 13-Monats-Tief von 18,16 $.

Den Papieren von Nordstrom drohte mit einem Minus von knapp 25% sogar der grösste Tagesverlust der Firmengeschichte. Die Kaufhauskette warnte ebenfalls vor Engpässen im wichtigen Weihnachtsgeschäft. Ausserdem blieb der Gewinn im abgelaufenen Quartal mit 64 Mio. $ hinter den Erwartungen zurück. Die geplante Modernisierung des Geschäfts dauere länger und sei teurer als erwartet, monierte Analystin Stephanie Wissink von der Investmentbank Jefferies. Sie stufte die Nordstrom-Titel daher auf «Hold» von «Buy» zurück.

Ölpreise geben nach Reservefreigabe leicht nach

Die Ölpreise haben am Mittwoch einen kleinen Teil ihrer deutlichen Aufschläge vom Vortag abgegeben. Die Freigabe nationaler Notreserven zahlreicher Länder erzielt damit unter dem Strich noch nicht die gewünschte Wirkung. Am Mittag kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 81,91 $. Das waren 40 Cent weniger als am Vortag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI (WTI 66.15 -0.21%)) sank um 32 Cent auf 78,18 $.

Am Vortag hatten die USA in einer abgestimmten Aktion mit anderen grossen Volkswirtschaften den Rückgriff auf ihre nationale Erdölreserven bekanntgegeben. An der Freigabe wollen sich China, Indien, Japan, Südkorea und Grossbritannien beteiligen. Hintergrund sind die hohen Rohölpreise, die im Oktober mehrjährige Höchststände erreicht hatten und die wirtschaftliche Erholung vom Corona-Einbruch abzuwürgen drohen.

Dass die Ölpreise seit der Freigabe in der Tendenz gestiegen und nicht gefallen sind, führen Marktbeobachter auf mehrere Gründe zurück. Zum einen wurde über eine Freigabe seit Wochen spekuliert und an den Märkten in Form fallender Ölnotierungen eingepreist. Zum anderen zeigten sich einige Marktteilnehmer enttäuscht über die freizugebenden Ölmengen und die Tatsache, dass ein Teil dieser Menge später wieder in die Reserve eingelagert werden soll.

Ungewiss ist, wie der Ölverbund Opec+ auf den Schritt der Verbrauchsländer reagiert. In der kommenden Woche wollen sich die 23 Förderländer beraten. Seit Sommer weitet der von Saudi-Arabien und Russland angeführte Ölverbund seine Förderung aus, allerdings nur schrittweise und in moderatem Tempo. Das hat zunächst Kritik aus den Verbrauchsländern und dann die Reservefreigabe hervorgerufen.

Als Reaktion auf die Freigabe könnte die Opec+ ihre geplanten Produktionserhöhungen für zweieinhalb Monate aussetzen, ohne dass es zu einer Verknappung am Ölmarkt komme, erklärte Rohstoffexperte Carsten Fritsch von der Commerzbank (CBK 6.38 -0.3%). «Es bleibt allerdings abzuwarten, ob die USA die gesamte Menge überhaupt an den Markt bringen werden.» Denn das angebotene Öl müsse von den privaten Ölunternehmen erst einmal abgenommen werden. «Wenn kein akuter Angebotsengpass besteht, werden die angesprochenen Unternehmen ohne einen zusätzlichen Anreiz von dieser Möglichkeit kaum Gebrauch machen.»

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