Märkte / Aktien

SMI schliesst etwas erholt

Nach dem starken Kursrutsch sucht die Schweizer Börse die Richtung. Diverse Abschlüsse bewegen die Kurse. Wallstreet klar im Minus.

(AWP/Reuters/SPU) Am Schweizer Aktienmarkt ist es am Dienstag zu einer Richtungssuche gekommen. Bei Handelsende in Zürich resultierte zwar ein Plus von rund 0,5%, ein Befreiungsschlag sieht aber anders aus. Der Leitindex SMI (SMI 11'647.17 +1.35%) stieg bei Eröffnung 0,3%. Er baute seine Avancen aus und arbeitete sich an die Marke von 12’000 heran. Am Nachmittag drehte er vor dem Hintergrund einer schwachen Wallstreet kurzzeitig sogar ins Minus. Dies nach dem Ausverkauf am Vortag, als der SMI mit einem Minus von 3,8% so stark fiel wie seit März 2020 nicht mehr.

Die New Yorker Börsen tendierten klar schwächer, nachdem sie gestern eine sagenhafte Erholung vollzogen hatten. Wallstreet holte am Montag einen Verlust von rund 4% auf und schloss fester.  Am Dienstag lagen die drei wichtigen Indizes bei Börsenschluss in Europa klar im Minus. Der S&P 500 büsste 1,7% ein. Der Dow Jones verlor 1%. An der Technologiebörse, gemessen am Nasdaq Composite, ging es 2,4% abwärts.

Die Zins- und die Inflationssorgen sowie die Ukrainekrise bleiben ungelöst. Manche Händler hoffen, dass die genannten Problemherde nun zu einem guten Teil eingepreist sind. Die Abwärtsbewegung könnte sich aber auch fortsetzen, meinten andere. Daher sollte man in Erholungsphasen Verkäufe erwägen. Vor der mit Spannung erwarteten Bekanntgabe der Zinsentscheidung der US-Notenbank Fed am Mittwochabend dürften die Märkte sehr nervös bleiben. Dies zeigt etwa der Volatilitätsindex VSMI, der sich zwar leicht entspannt hat, aber weiterhin nahe dem höchsten Niveau seit November 2020 steht. Händler erhoffen sich vom Fed Hinweise, wie stark die Zinsen erhöht werden. Dass das Fed wegen der aktuellen Marktentwicklung von einer Straffung der Zügel absieht, wie so oft in den vergangenen Jahren, glauben nicht mehr viele Marktteilnehmer. «Dafür hat sich die Inflation zu sehr verselbständigt», meinte ein Händler.

CS unter Druck

Credit Suisse (CSGN 6.97 +3.20%) zeigten sich schwächer und sackten auf ein Mehrjahrestief ab. Bei CS hatten gemäss vorläufigen Angaben auch im vierten Quartal bedeutende Sonderfaktoren wie Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten das Ergebnis negativ beeinflusst. Vor der bereits angekündigten Goodwillwertverminderung werde für das ausgewiesene Vorsteuerresultat der Gruppe im vierten Quartal 2021 ungefähr ein Break-Even resultieren, teilte die Bank mit. Die CS-Aktie hatte am Vortag mit einem Minus von 6,8% die Verlierer bei den SMI-Werten angeführt.

Zu den Gewinnern zählten derweil die anderen Finanzvaloren UBS (UBSG 17.99 +1.35%), Swiss Re (SREN 80.36 +1.80%) und Zurich Insurance (ZURN 441.70 +0.00%) sowie Partners Group (PGHN 1'048.00 +3.40%).

Logitech (LOGN 57.06 +3.48%) reagierten mit einem Kurssprung auf den Bericht zum dritten Quartal 2021/22. Der Computerzubehörhersteller hatte zwar weniger verdient als im Vorjahr, aber die Analystenerwartungen dennoch übertroffen. Zudem erhöhte er die Prognosen für das ganze Jahr. Neben Logitech machten auch andere Technologieaktien, die zuletzt arg gebeutelt wurden, Boden gut. Allerdings dämmten sie ihre Gewinne aufgrund schwacher US-Einflüsse ein. Dazu zählten etwa AMS Osram (AMS 11.40 +4.78%), VAT Group (VACN 278.00 +5.22%) oder Temenos (TEMN 95.36 +2.91%).

Gefragt waren zudem auch Aktien zyklischer Firmen wie Adecco (ADEN 37.15 +4.41%), ABB (ABBN 29.36 +1.94%) und Holcim (HOLN 48.00 +0.82%). Der Baustoffkonzern Holcim setzt den Umbau ihres Portfolios mit einer Devestition weiter fort. Er veräussert das Zementgeschäft in Nordirland, wie er am Dienstag mitgeteilt hat. Der Transaktion liegt ein Unternehmenswert von 70 Mio. Fr. zugrunde.

Schindler (SCHP 196.80 +0.87%), die am Vortag nach dem unerwarteten Führungswechsel 6,6% eingebüsst hatten, gewannen.

Den Markt bremsten derweil Nestlé (NESN 116.58 +2.05%) mit leichten Verlusten. Von Novartis (NOVN 87.12 -0.80%) und Roche gingen Erholungstendenzen aus.

Swatch Group (UHR 235.10 +4.03%) schlossen tiefer, obwohl sich der Uhrenhersteller vom Coronaeinbruch gut erholt und im vergangenen Jahr mehr Umsatz erzielt und mehr verdient hatte als erwartet. Im laufenden Jahr will der Uhrenkonzern den Umsatz in Lokalwährungen im zweistelligen Prozentbereich steigern. Richemont (CFR 103.85 +9.55%) legen im Fahrwasser davon zu.

Nach Vorabzahlen 2021 zogen die Aktien des Industrieunternehmens Komax (KOMN 251.50 +2.03%) klar an.

Asiatische Anleger skeptisch

Der Endspurt an den US-Börsen am Montag vermochte die asiatischen Anleger nicht zu überzeugen. Der Nikkei 225 (N225 26'781.68 +0.66%) und der Topix in Tokio notierten 1,7% tiefer. In Hongkong büsste der Hang Seng (HSI 20'697.36 +2.89%) 2% ein und der chinesische Shanghai Composite 2,6%. In Sydney fiel der ASX All Ordinaries 2,6% auf den tiefsten Stand seit acht Monaten. Auch in Australien werden steigende Leitzinsen erwartet. In Singapur haben die Währungshüter bereits den ersten Zinsschritt vollzogen, der lokale Aktienindex Straits Times verlor 1,3%.

Euro unter 1.13 $ – knapp unter 1.04 Fr.

Der Euro fiel am Dienstag unter 1.13 $. Die Gemeinschaftswährung erreichte im Handelsverlauf den tiefsten Stand seit Ende Dezember und notierte bei Börsenschluss in Europa bei 1.1276 $. Auch zum Franken steig der Dollar. Das Währungspaar USD/CHF (USD/CHF 0.9576 +0.03%) wurde zu 0.9184 gehandelt nach 0.9164 am Morgen. Dagegen wertete sich EUR/CHF (EUR/CHF 1.0279 -0.17%) nicht weiter auf und kostete um 17.30 Uhr MEZ 1.0365. Am Vortag war der Euro kurzzeitig unter die Marke von 1.03 auf den tiefsten Stand seit sechs Jahren gefallen.

Ölpreis erholt

Der Ölpreis erholte sich am Dienstag von seinem Kursrutsch am Vortag. Bei Börsenschluss in Europa kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 87 $.

Gold zeigte sich etwas fester. Die Feinunze lag am Abend bei 1846 $.

Bitcoin schwankte weiter deutlich und pendelte in einer grossen Spanne von mehr als 2000 $ um die Marke von 35’000 $.