Märkte / Aktien

SMI schliesst kaum verändert

Die Schweizer Börse kann sich über der Marke von 9800 halten. Swiss Life ziehen an. Dufry sind gefragt. Die Schwergewichte belasten. Die Wallstreet legt zu.

(AWP/SPU) Der Schweizer Aktienmarkt hat am Dienstag wenig verändert geschlossen. Der Swiss Market Index SMI (SMI 10205.66 0.61%) stand bei Eröffnung noch 0,5% höher. Im frühen Handel gab er seine Avancen jedoch preis. Am Nachmittag rutschte er zwischenzeitlich unter die Marke von 9800. Gewinnmitnahmen in den gut gelaufenen defensiven Werten drückten den SMI laut Händlern ins Minus. Dagegen profitierten zyklische und Finanzwerte weiterhin von der Hoffnung auf eine Erholung der Konjunktur. Mit Eröffnung der Wallstreet baute der Schweizer Markt sein Minus ab und schloss letztendlich praktisch stabil.

In New York starteten die Aktienmärkte fulminant in die neue Woche. Gestern war die Wallstreet wegen des Memorial Day geschlossen gewesen. Bei Handelsende in Europa und zum ersten Mal seit Anfang März notierte der S&P 500 (SP500 3152.05 -0.56%) über der Marke von 3000. Der breit gefasste Index legte 1,9% zu. Der Dow Jones (Dow Jones 25706.09 -1.39%) überschritt dank Avancen von 2,5% die Marke von 25’000 Punkten. Der Index der Technologiebörse Nasdaq Composite gewann 0,8%.

Es kamen gute Nachrichten aus den USA: Der Impfstoffhersteller Novavax startet klinische Tests mit seinem Wirkstoffkandidaten gegen die vom Coronavirus ausgelöste Erkrankung Covid-19. Erste Ergebnisse werden für Juli erwartet. «Die Anleger surfen gerade auf einer Welle der Euphorie», sagte Portfoliomanager Thomas Altmann von QC Partners. «Daran, dass diese Welle auch schnell vorbei sein könnte, denkt an der Börse derzeit niemand.» Dabei dürften die Sorgen wegen der Spannungen zwischen den USA und China nur vorübergehend in den Hintergrund gerückt sein.

Schwache SMI-Schwergewichte

Im SMI fielen die Versicherertitel Swiss Life (SLHN 346 0.35%), Swiss Re (SREN 73.2 0.22%) und Zurich Insurance (ZURN 336.3 0.36%) mit Avancen auf. Swiss Life hatte 2019 im Geschäft mit der beruflichen Vorsorge die Anzahl der Verträge und die Prämieneinnahmen gesteigert. Auch die Bankaktien Credit Suisse (CSGN 9.716 0.6%) und UBS (UBSG 11.095 0.86%) schlossen klar im Plus.

Die Valoren von Richemont (CFR 62.14 -0.13%) und Swatch Group (UHR 189.4 0.03%) gewannen. Die Schweizer Uhrenexporte waren im April nach dem Lockdown nominal um 81,3% auf 329 Mio. Fr. eingebrochen. «Alles andere wäre eine Überraschung gewesen», sagte ein Händler. In den Kursen der zwei Luxusgüterhersteller sei aber bereits sehr viel Negatives eingepreist.

Die Pharmawerte Novartis (NOVN 82.02 0.15%) und Roche (ROG 334.8 0.56%) bremsten den SMI mit Verlusten. Ebenfalls drückten Nestlé (NESN 106.56 0.93%) auf den Leitindex.

Schwächer schlossen die Aktien des Bauchemiekonzerns Sika (SIKA 190.25 1.68%). Mainfirst hatte sie von «Buy» auf «Hold» zurückgestuft.

Gewinnmitnahmen belasteten Lonza (LONN 538.8 2.2%), die Papiere des Life-Science-Konzerns markierten im frühen Handel noch bei 504 Fr. ein neues Rekordhoch, nachdem sie bereits am Montag erstmals über der Marke von 500 Fr. geschlossen hatten.

Reisevaloren gefragt

Im SMIM (SMIM 2537.046 0.52%) fielen erneut Dufry (DUFN 24.55 -7.15%) mit starken Erholungsgewinnen auf. Die gute Stimmung am Markt übertrage sich zunehmend auch auf andere Werte, die punkto Erholung deutlich zurückgeblieben oder in der Krise heftig abgestraft worden seien, erklärte ein Händler. Dazu zählen unter anderem Valoren mit Reisebezug wie Dufry, Flughafen Zürich (FHZN 124 0.08%) oder auch LM Group (LMN 22.2 -1.77%) und die Jungfraubahnen (JFN 118.8 -0.17%). Diese profitierten noch zusätzlich von der sich abzeichnenden Lockerung bei den Reisewarnungen und den Reisbeschränkungen, sagte der Händler.

Markant höher schlossen AMS (AMS 15.78 2.37%), nachdem die Deutsche Bank (DBK 8.647 0.38%) die Abdeckung des Sensorenherstellers mit «Buy» wieder aufgenommen hatte. Während mit Temenos (TEMN 155.2 -1.33%) ein weiterer Tech-Wert zulegte, drehten Logitech (LOGN 63.3 1.44%) ins Minus.

Aryzta mit Kurssprung

Am breiten Markt zogen Aryzta (ARYN 0.4288 -0.74%) an. Der Backwarenhersteller hatte im dritten Quartal 2019/20 zwar deutlich weniger Umsatz erzielt als im Vorjahreszeitraum, aber die Erwartungen der Analysten trotzdem deutlich übertroffen. Zudem geht die angeschlagene Firma auf den Antrag der Aktionärsgruppe um Veraison und Cobas ein und will Mitte August eine ausserordentliche Generalversammlung abhalten.

Von Hochstufungen profitierten zudem Inficon (IFCN 742 -0.13%) und VAT Group (VACN 182.1 0.5%). Berenberg hatte die Empfehlung für die beiden Technologiewerte von «Hold» auf «Buy» erhöht.

Klares Plus in Asien

Die asiatischen Börsen rückten am Dienstag den zweiten Tag in Folge zum Teil kräftig vor. Die Kurse wurden von der Aussicht beflügelt, dass eine weitere Lockerung des Coronastillstands weltweit die Wirtschaft anschiebt. Die Sorgen um ein Aufflammen des Handelskonflikts zwischen den USA und China rückten etwas in den Hintergrund. Zur guten Stimmung trugen auch Äusserungen aus der Notenbank in Peking bei, wonach sie die Wirtschaft mit sinkenden Zinsen nochmals stützen werde. Der japanische Nikkei 225 gewann 2,6%, und der breiter gefasste Topix schloss 2,2% im Plus. Der Hang Seng in Hongkong stieg um 2,3%, Chinas Leitindex CSI 300 rückte 1% vor. Der südkoreanische Kospi legte 1,8% zu, und der australische S&P/ASX 200 gewann 2,1%.

Euro fast bei 1.10 $

Der Eurokurs legte am Dienstag deutlich zu. Am Abend kostete die europäische Gemeinschaftswährung 1.0991 $. In der Nacht hatte der Euro noch unter der Marke von 1.09 $ notiert. Auch gegenüber dem Schweizer Franken legte der Euro am Dienstag zu und kletterte über die Marke von 1.06 Fr. Bei Börsenschluss in Europa ging die Gemeinschaftswährung zu 1.0627 Fr. um. Der Dollar schwächte sich dagegen zum Franken klar ab. Der Dollar fiel unter die Marke von 0.97 Franken und kostete 0.9668 Fr.

Ölpreis wenig verändert

Der Ölpreis gab im Verlauf des Handelstages deutliche Gewinne her. Bei Börsenschluss kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent (Brent 41.86 -1.27%) 35.50 $. Gold (Gold 1802.98 -0%) notierte leichter bei 1713 $ pro Feinunze.

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