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SMI schliesst im Minus

Die Schweizer Börse wird von Coronasorgen und anderen Aktienmärkten belastet. Viele Werte verlieren. Doch die Schwergewichte stützen. Aryzta büssen markant ein. Wallstreet gibt klar nach.

(AWP/SPU) Die Schweizer Börse hat sich am Montag etwas schwächer präsentiert. Der SMI (SMI 10'501.18 +0.03%) sank bei Eröffnung 0,6%. Im frühen Handel baute er seine Abgaben ab. Gegen die Mittagszeit notierte der Leitindex sogar unverändert. Doch die Erholung währte nicht lange. Am Nachmittag drehte er wieder ins Minus. Vergleichen mit anderen Börsenplätzen war das Minus aber gering – die SMI-Schwergewichte verhinderten grössere Abgaben. Am Freitag hatte der Leitindex zwar 0,3% zugelegt, über die gesamte Woche hinweg aber 1,8% eingebüsst. Die steigenden Infektionszahlen mit dem Coronavirus schürten die Angst vor einem neuerlichen Lockdown und den damit verbundenen negativen Folgen für die Wirtschaft, hiess es am Markt.

In den USA waren die Kursverluste deutlicher als in der Schweiz. Die drei Wallstreet-Hauptindizes gaben bei Handelsende in Zürich klar nach. Der breit gefasste S&P 500 (S&P 500 3'636.50 +0.21%) büsste 2,3% ein. Der Dow Jones (Dow Jones 29'910.37 +0.13%) gab 2,9% nach. Die Technologiebörse Nasdaq Composite lag 2% im Minus. In Frankfurt schloss der Dax (DAX 13'335.68 +0.37%) 3,7% tiefer. Damit notiert der deutsche Leitindex auf dem niedrigsten Stand seit Anfang Juli. Ähnlich stark waren die Einbussen beim EuroStoxx 50 (–2,8%).

Die Stimmung sei merklich eingetrübt, sagte ein Börsianer. Neben Corona dämpften auch enttäuschende Konjunkturzahlen aus Deutschland und die Zurückhaltung der Anleger vor den am Dienstag kommender Woche anstehenden US-Präsidentenwahlen den Risikoappetit. Erst nach den US-Wahlen werde sich der Markt aus seiner volatilen Seitwärtsbewegung lösen können. Dass die im Laufe der Woche noch anstehenden Konjunkturzahlen oder die Zinsbeschlüsse der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Bank of Japan am kommenden Donnerstag noch Kursakzente setzen, sei nicht sehr wahrscheinlich, hiess es weiter im Handel.

Roche stützten

Die Mehrheit der zwanzig SMI-Titel schloss tiefer. Bei den Schwergewichten stützten vor allem Roche (ROG 302.50 -0.2%). Die Roche-Tochter Foundation Medicine hatte von der US-Gesundheitsbehörde FDA die Zulassung für einen diagnostischen Begleit-Test erhalten. Damit kann bestimmt werden, ob sich ein Tumor für die Behandlung mit dem Krebsmittel Vitrakvi des deutschen Bayer-Konzerns eignet, wie die FDA am Montag mitteilte.

Auch Nestlé (NESN 102.30 -0.08%) und Novartis (NOVN 81.06 -0.25%) hielten sich besser als der Gesamtmarkt. Die Nestlé-Tierfuttermarke Purina setzt ihren Expansionskurs in den USA fort. In ein neues Werk in Williamsburg Township im Bundesstaat Ohio will Nestlé rund 550 Mio. $ investieren. Damit soll die steigende Nachfrage nach Tierfutter abgedeckt werden.

Der Pharmakonzern Novartis hatte mit Iptacopan (LNP023) positive Resultate in einer Phase-II-Studie erzielt. Demnach ist das Medikament bei der seltenen Nierenerkrankung C3-Glomerulopathie wirksam.

Swisscom (SCMN 481.10 +0.23%) notierten im Plus. Dabei untersagt die italienische Regierung laut Insidern eine Kooperation der Tochter Fastweb mit Huawei angeblich.

Den Aktien von Swatch Group (UHR 229.40 -1.12%) und Richemont (CFR 76.78 -0.29%) machten die als trüb eingeschätzten Aussichten der Branche zu schaffen. Für viele in der Branche tätige Manager ist noch kein Ende der Krise im Zusammenhang mit der Coronapandemie in Sicht. Dies geht aus einer Umfrage der Beratungsfirma Deloitte hervor.

 

Finanzaktien gehörten zu den schwächeren Werten. Im Minus schlossen die Versicherer um Swiss Re (SREN 83.74 -0.43%), Zurich Insurance (ZURN 372.30 -0.08%) und Swiss Life (SLHN 409.10 +0.07%). Kurzzeitig drehten die Bankaktien von UBS (UBSG 13.16 +0.19%) und Credit Suisse (CSGN 11.72 +0.51%) zwar ins Plus, doch bei Handelsende lagen sie wieder unter dem Schlusskurs vorm Freitag.

Temenos unter Druck

Zyklische Werte wie Adecco (ADEN 53.90 +0.15%) waren angesichts der zunehmenden konjunkturellen Bedenken vieler Marktteilnehmer nicht gefragt.

Während sich die Chipaktien AMS (AMS 23.62 +3.69%) und die Aktien des Computer- und Gamingzubehörherstellers Logitech (LOGN 78.36 +0.28%) über weite Strecken des Handels recht gut hielten, gaben die Aktien des Banksoftwarespezialisten Temenos (TEMN 115.10 -0.56%) deutlich nach.

Die Valoren des Reisedetailhändlers Dufry (DUFN 52.44 +3.03%) sowie Flughafen Zürich (FHZN 155.60 -0.89%) fielen mit deutlichen Verlusten auf.

Aryzta fielen stark

Grössere Aufmerksamkeit erhielten einmal mehr Aryzta (ARYN 0.69 +1.18%). Die Titel verloren klar. Der Tiefkühlbackwarenhersteller hatte die Übernahmegespräche mit der Investmentfirma Elliott beendet. Wie es nun weitergehen soll, will Aryzta an der kommenden Generalversammlung den Aktionären vorlegen. Diese soll nun am 15. Dezember stattfinden.

Die Aktien von SoftwareOne (SWON 23.20 0%) büssten stark an Wert ein. Händler verwiesen auf die Prognosesenkung bei dem deutschen Softwarehaus SAP.

In der zweiten Reihe bewegten sich Siegfried (SFZN 626.50 +0.32%) kaum. Der Pharmazulieferer muss für die Abfüllung des Covid-19-Impfstoffes der deutschen Biontech eine neue Anlage bauen. Diese Investitionen lohnten sich, sagte CEO Wolfgang Wienand in einem am Montag veröffentlichten Interview mit dem Finanzportal «The Market».

Basilea (BSLN 54.50 +3.02%) verloren in einem schwachen Gesamtmarkt. Das Biotech-Unternehmen hatte auf dem Fachkonferenz ENA 2020 präklinische Daten zu seinem Krebskandidaten Derazantinib präsentiert.

Asien mit Verlusten

Die Börsen in Asien starteten am Montag verhalten und schlossen im Minus. In Tokio sank der Nikkei 225 um 0,1%, und der breiter diversifizierte Topix verlor 0,4%. In Hongkong war die Börse geschlossen, während auf dem chinesischen Festland der CSI 300 um 0,8% fiel. Der koreanische Kospi büsste 0,7% ein.

Euro klar tiefer

Der Euro geriet am Montag zum Dollar belastet durch die sich zuspitzende Corona-Lage unter Druck. Am Abend kostete die europäische Gemeinschaftswährung 1.1820 $. In der Nacht hatte er rund einen halben Cent mehr gekostet. Zum Franken ging der Euro mit 1.0720 Fr. indes wenig verändert um, während der Dollar zum Franken am Montag auf 0.9070 Fr. zulegte.

Der Wertverfall der türkischen Währung geht derweil ungebremst weiter. Am Montag fiel die Lira nach Drohungen des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan an die Adresse Frankreichs zum US-Dollar und zum Euro erneut auf Rekordtiefs. Erstmals mussten für einen Dollar mehr als acht Lira gezahlt werden.

Ölpreis gibt nach

Der Ölpreis notierte am Montag im Minus. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent (Brent 48.24 +1.13%) kostete bei Börsenschluss in Europa rund 40.50 $. Der Goldpreis lag an der Schwelle von 1900 bei einem Kurs von 1904 $ pro Feinunze des Edelmetalls.

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