Märkte / Aktien

SMI schliesst unter 12’200 Punkten

Der Schweizer Aktienmarkt erlebte zum Wochenschluss wegen einer neuen Corona-Variante im südlichen Afrika eine Talfahrt.

(AWP) Der Schweizer Aktienmarkt ist am Freitag von den News zu einer neuen, viel ansteckenderen Coronavirus-Variante auf eine rasante Talfahrt geschickt worden. Die Meldungen zur neuen Variante hätten die Investoren an den Börsen weltweit aufgeschreckt und Gewinne seien ins Trockene gebracht worden, hiess es im Handel. Die Sorge am Markt war gross, dass über das Wochenende weitere beunruhigende Nachrichten die Stimmung an den Finanzmärkten zusätzlich eintrüben könnten.

In die grassierende vierte Infektionswelle platze nun eine Mutation, welche die wochenlange Sorglosigkeit an der Börse krass zutage treten lasse, sagte ein Händler. Die neue, zuerst in Südafrika aufgetretene Variante gilt als wesentlich aggressiver als die derzeit dominierende Delta-Variante und die heutigen Impfstoffe könnten weniger gut davor schützen. Es wird im Kampf gegen die Pandemie ein herber Rückschlag befürchtet.

Das Thema Corona drängte am «Black Friday» alles andere in den Hintergrund, während in den USA nur ein verkürzter Handel lief. In der Schweiz sackte der Leitindex SMI (SMI 12'159.69 -0.5%) zu Handelsbeginn um mehr als 2% bis auf 12’157 Punkte ab. In der Folge wurden die Verluste ein wenig eingegrenzt, zu Handelsende büsste der SMI jedoch erneut deutliche 2,01% auf 12’199,21 Stellen ein. Im Vergleich zur Vorwoche resultierte ein Abschlag von 2,8%.

Auch der SLI, der die 30 wichtigsten Aktien umfasst, liess Federn und sank um 2,25% auf 1963,70 Punkte. Der breite SPI (SXGE 15'532.99 -0.64%) brach derweil um 1,89% auf 15’600,34 Zähler ein. Im SLI standen am Ende 26 Verlierer 4 Gewinnern gegenüber.

Die wachsenden Coronasorgen machten sich auch im Volatilitätsindex VSMI bemerkbar: Das Sorgenbarometer der Schweizer Börse kletterte um über 40% in die Höhe. Und am Devisenmarkt wurden «sichere Häfen» wie der Schweizer Franken angesteuert. Der Euro fiel auf 1,0440 und der US-Dollar auf 0,9225 Franken zurück. Ausserdem gaben die Ölpreise stark nach.

Die Anleger trennten sich vor allem von den Papieren von Firmen, die unter neuerlichen Corona-Lockdowns und Reisebeschränkungen besonders leiden werden. Dazu zählen die Luxusgüteraktien von Swatch und Richemont (CFR 136.70 -1.58%). Für die Uhren- und Schmuckverkäufer sind eine gute Stimmungslage unter Konsumenten sowie das Tourismus-Shopping von besonderer Wichtigkeit.

Im breiten Markt fielen die Papiere des Reisedetailhändlers Dufry (DUFN 41.54 -3.24%) und des Flughafens Zürich den Sorgen um die globale Tourismusindustrie zum Opfer. Die Schweiz schickt wegen der Sorge vor der Ausbreitung der neuen Variante Reisende aus Staaten wie Südafrika, Hongkong, Israel oder Belgien in Quarantäne.

Auf dem Verkaufszettel standen bei den Blue Chips auch eine Reihe von Finanztiteln wie UBS (UBSG 15.94 +1.17%), Swiss Re (SREN 86.44 -0.25%), Julius Bär (BAER 57.24 +0.1%), Zurich Insurance (ZURN 379.10 -0.71%) oder CS. Händler verwiesen auf die derzeit stark rückläufigen Renditen, die den Finanzsektor belasten. Und auch Verwerfungen an den Börsen drücken besonders auf die Kurse von Banken und Versicherungen.

Desweiteren kamen mit den wachsenden Konjunkturängsten auch Zykliker stark unter Druck: ABB (ABBN 31.89 -0.16%) büssten 4,2%, Holcim (LHN 44.45 -2.26%) 3,0% oder Adecco (ADEN 42.80 -2.15%) 3,3% ein. Einen Rücksetzer von über 3% musste auch Alcon (ALC 72.72 -0.49%) hinnehmen.

Nur bedingt boten die Schwergewichte Nestlé (NESN 118.00 -1.75%) und Roche (ROG 359.65 +0.6%) dem SMI eine Stütze. Novartis (NOVN 73.44 -1.08%) büssten gar 2,4% ein. Im Vorfeld des Investorentages der nächsten Woche warnten UBS-Analysten bei Novartis vor einer schwachen Umsatzentwicklung.

Die wenigen Gewinner wurden vom Computerzubehörhersteller Logitech (LOGN 72.86 -3.42%) angeführt, dessen Produkte für den Gebrauch im Home-Office rege bestellt werden. Lonza (LONN 743.00 +1.73%) gewannen 3,1%. Der Hersteller des Wirkstoffs für den Moderna-Impfstoff gilt ebenfalls als Gewinner der Krise.

Auch am breiten Markt wurden mögliche Nutzniesser der Coronakrise gesucht: So sprangen die Aktien des Laborausrüsters Tecan (TECN 548.50 0%) ebenso an wie die Papiere der Online-Apotheke Zur Rose (ROSE 349.00 -1.97%) oder des Pharmazulieferers Polypeptide.

Euro legt zum Dollar zu – Sichere Häfen wegen Virus-Variante gesucht

Der Euro hat am Freitag zum US-Dollar deutlich zugelegt. Am Mittag kostet die Gemeinschaftswährung 1,1282 $. Im frühen Handel hatte der Euro nur knapp über 1,12 $ notiert.

Der Schweizer Franken zieht ebenfalls an. Die Nachricht über eine neue Virus-Mutation haben an den Märkten zum Wochenschluss einen Run auf sichere Währungen wie den Schweizer Franken ausgelöst, heisst es in einem Devisenkommentar. Zum Franken notiert der Euro im Mittagshandel auf 1,0441 und damit leicht tiefer als noch im Frühen Handel. Der US-Dollar hat gegenüber dem Franken nahezu einen halben Rappen verloren und geht zu 0,9256 um.

Neben dem Schweizer Franken werden auch als sicher geltende Währungen wie der japanische Yen gesucht. Der südafrikanische Rand steht hingegen deutlich unter Druck. Grund ist die Ausbreitung der neuen und möglicherweise sehr gefährlichen Variante des Coronavirus im südlichen Teil Afrikas.

Experten befürchten, dass die Variante B.1.1.529 wegen ungewöhnlich vieler Mutationen nicht nur hoch ansteckend sei, sondern auch den Schutzschild der Impfstoffe leichter durchdringen könnte. «Die Vorstellung einer Welt nach Corona gerät bei solchen Meldungen ins Wanken», kommentierte Commerzbank-Analyst Ulrich Leuchtmann. Jede neue Variante berge die Gefahr, dass die Impffortschritte zunichte gemacht werden könnten.

Am Vormittag wurden in der Eurozone keine marktbewegenden Daten veröffentlicht. In den USA stehen am Nachmittag keine Konjunkturdaten an.

Virusangst löst Talfahrt aus

Der Dow-Jones-Index startete nach dem Feiertag Thanksgiving tiefrot in den verkürzten Handelstag und verlor zweieinhalb Prozent auf 34’923 Punkte. Der breiter gefasste S&P 500 sackte 1,7% auf 4’618 Zähler ab. Der Index der Technologiebörse Nasdaq fiel um 1,3% auf 15’730 Zähler. Die in Südafrika entdeckte Mutation des Coronavirus könnte Experten zufolge ansteckender als der aktuell grassierende Delta-Typ und resistenter gegen die bisherigen Impfstoffe sein.

Zwar sei das alles noch nicht erwiesen, doch das Stimmungsbild an den Finanzmärkten habe sich deswegen innerhalb weniger Stunden verändert, sagte NordLB-Stratege Bernd Krampen. «Wurde gestern noch über die viel zu hohen Inflationsraten in den USA und Europa diskutiert, welche ein zügigeres Gegensteuern der Notenbanken zwingend erforderlich machen werde, könnte die neue Variante vielleicht das gesamte generell optimistische Konjunkturbild wieder verändern.»

Ölpreise geben kräftig nach – Neue Virusvariante verunsichert

Die Ölpreise haben am Freitag im frühen Handel kräftig nachgegeben. Marktbeobachter nannten die hohe Unsicherheit wegen einer neuen und möglicherweise hochgefährlichen Variante des Coronavirus als Grund. Am Morgen kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 80,17 $. Das waren 2,05 $ weniger als am Vortag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI (WTI 65.69 -7.32%)) fiel um 2,49 $ auf 75,90 Dollar.

Für erhebliche Verunsicherung an den Finanz- und Rohstoffmärkten sorgte die Ausbreitung einer neuen Variante des Coronavirus im südlichen Teil Afrikas. Experten befürchten, dass die Variante B.1.1.529 wegen ungewöhnlich vieler Mutationen nicht nur hoch ansteckend sei, sondern auch den Schutzschild der Impfstoffe leichter durchdringen könnte. Grossbritannien und Israel schränkten vorsorglich den Flugverkehr in die Staaten der Region ein.

Während der ersten Corona-Welle im Frühjahr 2020 waren die Erdölpreise drastisch abgestürzt. Ausschlaggebend waren die sehr umfangreichen Gegenmassnahmen wie die Schliessung vieler Bereiche des Wirtschaftslebens. Neue Varianten des Coronavirus wecken Erinnerungen an diese Zeit und schüren Ängste vor wirtschaftlichem Schaden, der auch auf der Energie- und Erdölnachfrage lasten würde.

Die neue Virusvariante fällt in eine Zeit, in der grosse Verbrauchsländer wie die USA angesichts hoher Rohölpreise auf ihre strategischen Erdölreserven zurückgreifen. Wie die Förderländer auf den Schritt reagieren werden, dürfte angesichts der neuen Variante noch fraglicher sein. Seit Sommer weitet der Ölverbund Opec+ seine Produktion schrittweise aus. Das moderate Tempo hat Kritik der Verbrauchsländer hervorgerufen und letztlich deren Rückgriff auf die Notreserven ausgelöst. Die Förderländer beraten sich kommende Woche.

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