Märkte / Aktien

SMI schliesst klar tiefer

Sorgen um die Ausbreitung des Coronavirus belasten den Schweizer Aktienmarkt. Landis+Gyr brechen ein. Der Franken erstarkt.

(AWP/Reuters/SPU) Die Sorgen um die Folgen des Coronavirus in China haben auch den Schweizer Aktienmarkt zum Wochenstart fest im Griff. Das Virus verbreitet sich immer schneller, sodass die Zahl der Todesfälle und auch der infizierten Personen stetig zunimmt. Die chinesische Regierung hat mehrere Millionenmetropolen unter Quarantäne gestellt und Reiseverbote ausgesprochen.

Europaweit gingen die Märkte auf Tauchgang. Hierzulande hatte der Swiss Market Index SMI (SMI 11144.78 -0.09%) gleich zu Beginn bis zu 1,5% verloren und bewegte sich bis zum frühen Nachmittag auf dem tieferen Niveau mehr oder weniger seitwärts. Danach rutschte der Leitindex weiter ab. Nach der Eröffnung der US-Börsen kam der SMI von seinem Tagestief bei 10’640 zurück, er schloss aber deutlich schwächer bei 10’676. Erst in der vergangenen Woche hatte er bei 10’960 Punkten eine neue Bestmarke gesetzt. Am Markt waren denn auch Stimmen zu hören, die die aktuellen Verluste als eine nötige Gegenreaktion auf die Rekordjagd der Märkte sehen – die menschlichen Tragödien ausgeblendet.

Deutliche Verluste fuhren auch die Aktien an den US-Börsen ein. Die drei grossen Wallstreet-Indizes lagen bei Börsenschluss in Europa relativ klar im Minus. So verlor der Dow Jones (Dow Jones 29219.98 -0.44%) 1,6%. Der breiter gefasste S&P 500 (SP500 3373.23 -0.38%) büsste ebenfalls 1,6% ein. Noch deutlicher waren die Abgaben an der New Yorker Technologiebörse, wo der Nasdaq Composite 2% nachgab. David Bahnsen, Chefinvestor bei The Bahnsen Group, schrieb an seine Kunden: «Der Dow hat unglaubliche 3000 Punkte in gerade einmal gut drei Monaten zugelegt – es braucht kaum eine Entschuldigung, um hier eine höhere Volatilität zu sehen.»

Nur Verlierer im SMI

Alle zwanzig SMI-Werte schlossen tiefer. Selbst Givaudan (GIVN 3385 -0.06%) lagen leicht im Minus, während sich die Aktien lange Zeit als Einzige gegen den Abwärtstrend gestemmt hatten. Der Aromen- und Riechstoffkonzern hatte am Freitag Zahlen veröffentlicht.

Besonders deutlich kamen einmal mehr die Uhrenhersteller Richemont (CFR 72.02 -0.28%) und Swatch Group (UHR 245.2 -0.81%) unter die Räder. Der Ausbruch des Virus hatte die Kurse bereits in der vergangenen Woche deutlich nach unten gedrückt.

Darüber hinaus verzeichneten Zykliker wie ABB (ABBN 23.72 -0.75%), LafargeHolcim (LHN 48.83 -0.51%) und Adecco (ADEN 58.66 0.41%) sowie die Grossbanken UBS (UBSG 12.845 -1.38%) und Credit Suisse (CSGN 13.455 -0.81%) überdurchschnittliche Abgaben. Die beiden Bankaktien hatten die vergangene Woche ebenfalls mit Verlusten beendet.

Derweil hielten sich Nestlé (NESN 109.6 0.22%) minimal besser als der Gesamtmarkt. Der Nahrungsmittelkonzern baut den Bereich therapeutische Produkte aus und übernimmt vom Pharmakonzern Allergan dessen Magen-Darm-Medikament Zenpep. Nur leichte Verluste verzeichneten Lonza (LONN 422.3 0.45%) und Geberit (GEBN 542 0.86%).

Die Genussscheine von Roche (ROG 345.8 0.04%) erwiesen sich als Belastung für den Gesamtmarkt. Nach enttäuschenden Studienergebnissen hatten sie sich bereits am Freitag mit Verlusten in das Wochenende verabschiedet.

Dufry unter Druck

Im SMIM (SMIM 2861.673 -0.05%) gab es keine Gewinner. Die Titel aller mittelgrossen Unternehmen gaben nach. Die Aktien von Dufry (DUFN 83.98 -0.62%) oder Flughafen Zürich (FHZN 170.7 -1.16%) wurden auf den Markt geworfen. Sie gehören zu den Branchen, die am deutlichsten unter den Folgen der derzeitigen Epidemie leiden dürften, wie es in verschiedenen Studien hiess. Auch Jungfraubahnen (JFN 163.4 -2.04%) büssten wegen der chinesischen Touristen, die möglicherweise ausbleiben, an Terrain ein.

Die Aktien von Julius Bär (BAER 48.34 -0.04%) standen überdurchschnittlich unter Druck. Ein Kommentar der italienischen Mediobanca setzte den Papieren der Zürcher Bank sichtlich zu und sorgte dafür, dass spekulativ aufgebaute Titelpositionen wieder auf den Markt geworfen wurden.

Im breiten Markt ging es für die Papiere von Landis+Gyr (Landis+Gyr 91.65 -0.65%) markant abwärts; der Anbieter von Energiemanagementlösungen sieht für das Geschäftsjahr 2019/20 die Ergebnisse «am unteren Ende» der prognostizierten Spanne.

Auch im breiten Markt war die Gewinnerliste recht übersichtlich. Hier stemmten sich etwa GAM (GAM 3.676 5.21%) gegen den Trend. UBS empfiehlt die Aktien neu zum Kauf.

Japan deutlich im Minus

Der Leitindex Nikkei 225 in Tokio verlor am Montag 2%, weil die Ausbreitung des Coronavirus die Investoren beschäftigte. Gefragt war der japanische Yen als sicherer Hafen. Die Aktienbörsen in China und Hongkong sowie Südkorea waren aufgrund des chinesischen Neujahrs geschlossen. Die Börse in Shanghai verschob am Montag die Wiederaufnahme des Handels nach den Neujahrs-Feiertagen auf den 3. Februar. Zuvor hatte die Regierung das Neujahrsfest bis zum 2. Februar verlängert.

Euro unter 1.07 Fr.

Der Franken war am Montag als sicherer Hafen gesucht. Der Euro rutschte zum Franken unter die Marke von 1.07. Bei Börsenschluss lag der Kurs bei 1.0679 Fr. Die europäische Gemeinschaftswährung wurde zum Dollar bei 1.1011 $ gehandelt. Der Dollar notierte zum Franken unter 0.97 Fr. bei 0.9694 Fr.

Öl tiefer, Gold höher

Die rasante Ausbreitung des Coronavirus in China drückte den Ölpreis zum Wochenauftakt weiter nach unten. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent (Brent 58.32 -1.74%) kostete knapp 59 $. Derweil legte die «Krisenwährung» Gold (Gold 1643.16 1.33%) zu. Mit einem Preis von 1586 $ je Feinunze war Gold so teuer wie zuletzt während der USA-Iran-Krise vor drei Wochen.

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