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Schweizer Börse schliesst erneut markant tiefer

Sorgen um das Coronavirus haben den Schweizer Aktienmarkt weiter im Griff. Der Leitindex notiert an der Marke von 10'200. Der Dollar kostet 97 Rappen.

(AWP/SPU) Am Schweizer Aktienmarkt ging der Ausverkauf am Donnerstag weiter. Der Swiss Market Index SMI (SMI 9048.18 0.58%) gab bei Eröffnung um weitere 0,6% nach. Nur wenige Minuten später war das Minus bereits bei 1,8%. Am Vormittag dämmte der SMI seine Verluste zwar teilweise ein. Gegen die Mittagszeit waren die Kurstafeln allerdings wieder tiefrot. Am Nachmittag rutschte der SMI sogar nah an die Marke von 10’100 und damit auf den tiefsten Stand seit rund vier Monaten. Kurz vor Handelsende kam der SMI von seinem Tagestief etwas zurück. Am Vortag war es am Nachmittag noch zu einer Gegenbewegung nach der jüngsten Verlustserie gekommen.

Weltweit stürzten die Aktienmärkte ab. Markant waren auch die Einbussen in Frankfurt im Dax (DAX 9653.54 0.22%) sowie im EuroStoxx 50. Auch die Kurse an der Wallstreet lagen tief im roten Bereich. Der Dow Jones (Dow Jones 21667.43 0.14%) büsste bei Handelsende in Zürich 2,1% ein. Der breiter gefasste S&P 500 (SP500 2561.6 0.79%) rauschte 2% nach unten. Damit erholten sie sich zwar leicht von den Einbussen im frühen New Yorker Handel, steuerten möglicherweise aber dennoch auf die grössten Verluste seit etwa zwei Jahren zu. Noch massiver waren die Abgaben an der Technologiebörse, wo der Nasdaq Composite 2,3% tiefer handelte.

Die Sorge um die wirtschaftlichen Folgen des sich weiter ausbreitenden Coronavirus hatte Investoren fest im Griff. «Die aktuellen Verluste sind keine Korrektur der jüngsten Rally, sondern spiegeln vielmehr die Angst vor den Auswirkungen des Virus auf die Unternehmensgewinne», kommentierte ein Händler. «Die jüngste Korrektur scheint drastisch. Zieht man aber in Betracht, dass die Aktienmärkte das Risiko des Coronavirus zuvor deutlich unterschätzt hatten und die Konsequenzen für die Weltwirtschaft ungewiss sind, kommen die Kursverluste nicht überraschend», fasste ein weiterer Experte das aktuelle Geschehen zusammen.

LafargeHolcim stemmten sich gegen den Trend

Bei den Blue Chips hat der Baustoffkonzern LafargeHolcim (LHN 33.4 -2.45%) Jahreszahlen vorgelegt. Die Aktien stemmten sich lange als Einzige im SMI gegen den Abwärtstrend, am Ende resultierte ein vergleichsweise kleines Minus. Wie der Konzern mitteilte, wurden 2019 die Wachstumsziele erreicht und der Gewinn deutlich gesteigert.

Es waren erneut die beiden Uhrenhersteller Swatch Group (UHR 185.1 -0.72%) und Richemont (CFR 51.58 -2.5%), die besonders stark gebeutelt wurden. In Genf war wegen Risiken aufgrund des Coronavirus die Messe «Watches & Wonders» abgesagt worden. Sehr schwach präsentierten sich erneut auch die Bankaktien UBS (UBSG 8.87 -2.21%) und Credit Suisse (Credit Suisse 7.86 -2.38%) sowie Versichererwerte um Swiss Life (SLHN 313.7 -2.58%), Zurich Insurance (ZURN 322 -0.43%) und Swiss Re (SREN 68.1 -3.65%). Aber auch andere konjunktursensible Titel wie ABB (ABB 16.475 -6.71%) und Adecco (Adecco 36.16 -2.19%) wurden gemieden.

Klare Verluste bei den Schwergewichten Nestlé (NESN 97.8 0.37%), Roche (ROG 307.65 3.71%) und Novartis (NOVN 77.2 1.58%) zogen den SMI zusätzlich nach unten.

Dividendensenkung belastete Kühne + Nagel

Zahlen legte am Morgen unter anderem Kühne + Nagel (KNIN 130.45 -0.95%) vor. Der Logistikdienstleister hatte zwar erneut mehr Rohertrag und Reingewinn erzielt, die Erwartungen aber teilweise verfehlt. Es ist jedoch vor allem der um ein Drittel gekappte Dividendenvorschlag, der schlecht bei den Anlegern ankam.

Wegen des Coronavirus hatte der Softwarekonzern Microsoft eine Umsatzwarnung für seine Windows-Sparte «More Personal Computing» ausgegeben. Die Aussagen von Microsoft (MSFT 154.05 2.91%) und eine mögliche Verzögerung beim neuen iPhone von Apple (AAPL 252.095 1.76%) strahlten auf AMS (AMS 9.228 -1.3%), Logitech (LOGN 41.13 4.26%) und Temenos (TEMN 121.05 0.33%) ab.

Für Gesprächsstoff sorgten die Zahlen von Sunrise (SRCG 79.15 5.25%). Der geplatzte UPC-Deal belastete die Zahlen des Telecomunternehmens. Zudem ändert Sunrise die Festnetzstrategie: Neu will der zweitgrösste Telecomkonzern der Schweiz auf den ultraschnellen Glasfasern kräftig Gas geben.

Gute Zahlen und ein Gewinnsprung von Swiss Prime Site (SPSN 92.5 -3.6%) liessen die Aktien des Immobilienkonzerns besser als den Gesamtmarkt performen.

Zudem litten VAT Group (VACN 132.45 5.37%), U-Blox (UBXN 57.5 -3.28%) und Inficon (IFCN 611 4%) unter dem eingetrübten Sentiment.

Darüber hinaus präsentierten noch verschiedene Unternehmen aus den hinteren Reihen ihre Zahlen:

Also (ALSN 148 -1.73%) zogen im schwachen Markt an. Der IT-Spezialist hatte mit den Geschäftszahlen die Erwartungen übertroffen.

Kudelski (KUD 2.9 0.69%) fielen mit einem Abschlag auf, nachdem der Technologiekonzern auch 2019 in den roten Zahlen geblieben war.

Unbeeindruckt zeigten sich erneut Implenia (IMPN 33.06 -3.84%). Die Valoren des Baukonzerns setzten ihren rasanten Anstieg der letzen beiden Tage fort.

Asien im Minus

Die Furcht vor einer weltweiten Coronaviruspandemie verunsicherte die Anleger in Asien erneut. Die Kurse gaben mehrheitlich nach. Der Nikkei 225 verlor rund 2%. Der breiter gefasste Topix büsste 2,4% ein. Der Shanghai Composite hielt sich mit –0,1% stabil. In Hongkong verlor der Leitindex 0,6%. Der Kospi in Seoul gab 1,1% nach.

Euro zog zum Dollar massiv an

Spekulationen auf sinkende Zinsen in den USA stützten den Kurs des Euros. Der Euro stieg am Donnerstag zeitweise über 1.10 $. Bei Börsenschluss in Europa notierte sie bei 1.0980 $. Zum Franken festigte sie sich bei Kursen von 1.0657 Fr. weiter oberhalb der 1.06er Marke. Der Dollar büsste zur Schweizer Währung klar ein und lag bei 0.97 Fr.

Ölpreis auf Talfahrt

Der Ölpreis setzte am Donnerstag seine Talfahrt der vergangenen Handelstage fort. Nach wie vor sorgte die Furcht vor wirtschaftlichen Folgen der Coronaviruskrise für Verkaufsdruck am Ölmarkt. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent (Brent 22.94 -2.13%) kostete bei Börsenschluss in Europa 52 $. Derweil baute der Goldpreis seine Avancen der letzten Wochen aus. Die Feinunze des Edelmetalls liegt bei 1650 $.

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