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Schwergewichte schieben SMI über 10’900 Punkte

An der Schweizer Börse hat die Erholung von den jüngsten Verlusten auch in der neuen Woche angehalten.

(AWP/Reuters) Der Schweizer Aktienmarkt ist am Montag in einem ruhigen Handel fester in die neue Börsenwoche gestartet. Der Leitindex SMI (SMI 11'184.53 +0.55%) gewann weitere 84 Punkte dazu, nachdem er am Freitag im Sog der starken US-Börse um 370 Punkte in die Höhe geklettert war. Die Fortsetzung des Erholungsbewegung war in erster Linie den Kursgewinnen von Novartis (NOVN 82.22 +0.21%) und auch der beiden weiteren Schwergewichte Roche und Nestlé (NESN 116.48 +0.85%) zu verdanken. Die Anleger seien nach wie vor vorsichtig gestimmt, hiess es im Handel. Sie warteten auf weitere richtungsweisende Nachrichten etwa zur Geldpolitik der US-Notenbank.

Der jüngste Aufwärtstrend an der Schweizer Börse könnte laut Händlern und Marktstrategen aber durchaus noch länger anhalten. Grund für die wieder freundlichere Stimmung an der Börse sind die derzeit abflauenden Zinssorgen und Rezessionsängste. «Zwar bleibt die US-Notenbank auf dem geldpolitischen Bremspedal. Die Investoren trauen ihr aber zu, dass sie die entsprechenden Spuren in der Wirtschaft genau beobachten und gegebenenfalls nachjustieren wird», sagte ein Händler. Am Montagnachmittag fielen Daten zu den US-Auftragseingängen besser aus als erwartet, was allerdings an den Finanzmärkten eine Randnotiz blieb.

Bis Börsenschluss legte der SMI um 0,77% auf 10’906,82 Punkte zu und konnte damit die Marke von 10’900 Zählern zurückerobern. Der SLI, in dem die 30 wichtigsten Aktien enthalten sind, schloss 0,42% höher auf 1672,27 Punkten und der breite SPI (SXGE 14'508.04 +0.64%) rückte um 0,72% auf 14’045,97 Zähler vor. Von den 30 SLI-Werten standen zu Börsenschluss 17 Titel im Plus und 13 im Minus.

Rückenwind gab es für den SMI von den Schwergewichten. Insbesondere Novartis kletterten mit 1,5% in die Höhe. Der Pharmakonzern hatte am Morgen Meldungen zu zwei Medikamenten veröffentlicht: So ist gemäss neuen Daten die MS-Therapie Kesimpta auch langfristig wirksam. Zudem gab es eine erweiterte Zulassung für Cosentyx in der EU zur Behandlung arthritischer Erkrankungen im Kindesalter. Roche GS (ROG 315.25 -0.46%) und Nestlé waren ebenfalls im SMI weit vorne zu finden.

Auf dem Vormarsch waren zudem die Bankentitel von Julius Bär (BAER 50.44 +0.40%) und UBS (UBSG 15.81 +1.61%). Medienberichten zufolge versucht die UBS-Führung einflussreiche US-Fondsmanager dazu zu bewegen, ihre Anteile an der Bank zu erhöhen. Verwaltungsratspräsident Colm Kelleher und CEO Ralph Hamers persönlich hätten für die Bank die Werbetrommel gerührt, hiess es.

Credit Suisse (CSGN 5.32 +1.26%) rückten um 0,4% vor. Am Nachmittag sprach das Bundesstrafgericht gegen die CS im Geldwäscherei-Prozess um die bulgarische Mafia eine Geldstrafe in Höhe von 2 Mio. Fr. aus. Das Verdikt hatte an der Börse keine grösseren Kursbewegungen zur Folge.

Uneinheitlich präsentierten sich am Berichtstag die Zykliker: Auf der Gewinnerseite waren etwa ABB (ABBN 28.59 +0.63%), Schindler (SCHP 183.00 +2.15%), Kühne + Nagel (KNIN 243.20 -0.69%) oder aus dem Tech-Sektor VAT Group (VACN 287.20 +3.76%) zu finden. Der Vakuumventilhersteller VAT habe von ermutigenden Aussagen von Analysten aus dem Hause UBS zu den Ergebnissen im laufenden Jahr profitiert, hiess es im Markt.

Auf der Verliererseite fielen Holcim (HOLN 44.87 +0.40%) mit 2,1% zurück, nachdem die Titel von der UBS auf «Neutral» zurückgestuft wurden. Zudem haben Kurszielsenkungen wohl auch den Titeln von Swatch Group (UHR 253.20 +1.16%), Adecco (ADEN 32.33 +0.25%) oder Sonova (SOON 346.70 +0.84%) etwas zugesetzt. Im Gegensatz zu Swatch rückte Konkurrent Richemont (CFR 114.35 +1.42%) an der Börse um 1,0% vor.

Im breiten Markt fielen die deutlichen Verluste von Achiko (ACHI 0.0424 -27.89%) oder Addex (ADXN 0.2100 +0.00%) ins Auge, die mit Finanzierungsproblemen zu kämpfen haben. Basilea (BSLN 41.50 +0.00%) rückten demgegenüber um 0,9% vor – dies nach einer Meldung, dass das Biotechunternehmen beim dem geplanten Ausstieg aus der Krebsforschung vorankommt.

Klar höher schlossen auch Clariant (CLN 18.57 +1.20%) nach positiv gestimmten Aussagen des Konzernchefs am Wochenende in der FuW. DKSH (DKSH 77.05 -0.06%) hatte eine Übernahme verkündet, welche die Sparte Performance Materials stärken soll.

Dow stagniert bei steigenden Anleiherenditen

Nach einer starken Vorwoche ist am Montag an der Wall Street wieder Tristesse eingekehrt. Der Leitindex Dow Jones Industrial trat zuletzt mit 31’494 Punkten quasi auf der Stelle. Robuste Konjunkturdaten stützen Ökonomen zufolge die Erwartung rasch und kräftig steigender Zinsen in den USA. Am Anleihemarkt stiegen denn auch die Renditen wieder, das könnte die Aktienkurse im Zaum halten.

Der technologielastige Nasdaq 100 (NDX 13'207.69 -0.78%) gab im frühen Handel um ein Viertelprozent auf 12’076 Punkte nach. Der marktbreite S&P 500 lag mit 0,08% moderat im Minus bei 3909 Zählern.

Im Mai stiegen die Auftragsdaten für langlebige Güter aus der US-Industrie stärker als erwartet. Laut der Landesbank Helaba untermauern die Zahlen die Zinserwartungen mit Blick auf die US-Notenbank Fed. Eine solide Konjunktur ermögliche «einen schnellen geldpolitischen Straffungsprozess, um die Inflation in den Griff zu bekommen».

Bei Einzelwerten lag der Fokus auf Handelsplattformen, die sich bei privaten Börsenspekulanten grosser Beliebtheit erfreuen. Die Experten von Goldman Sachs (GS 334.67 +0.84%) äusserten sich pessimistisch zur Krypto-Plattform Coinbase wegen der anhaltenden Turbulenzen bei Kryptowährungen. Sie gaben zugleich ihre bisherige Verkaufsempfehlung für den Broker Robinhood (HOOD 10.40 -4.41%) auf, dessen Chancen und Risiken Analyst Will Nance nun im Gleichgewicht sieht. Coinbase sackten um 8% ab, während Robinhood nur leicht nachgaben.

Einen Blick wert waren auch die Anteilsscheine von Biontech mit einem Anstieg um fast 7%. Der Corona-Impfstoffpionier hatte am Wochenende gemeinsam mit dem Partner Pfizer (PFE 49.27 -1.18%) davon berichtet, dass ein angepasstes Vakzin gegen die Omikron-Variante eine gute Immunantwort ergeben hat.

Bei McDonald’s gibt es derweil bald einen neuen Finanzchef. Die Nachricht, dass mit Ian Borden ein Manager aus den eigenen Reihen im September das Amt von Kevin Ozan übernehmen wird, liess die Anleger aber weitgehend kalt: Die Aktien der Fastfood-Kette gaben um 0,4% nach.

Euro legt leicht zu – wieder leicht tiefer zum Franken

Der Euro hat zu Wochenbeginn leicht zugelegt. Am späten Montagnachmittag kostet die Gemeinschaftswährung 1,0594 $ und damit etwas mehr als am Morgen. Starke Impulse blieben allerdings aus.

Gegenüber dem Schweizer Franken gab der Euro derweil ein Teil seiner Tagesgewinne wieder ab. Mit 1,0134 Fr. liegt der Kurs aber noch immer etwas höher als am Morgen. Der Dollar notiert derweil mit 1,0134 Fr. im Tagesverlauf leicht tiefer.

Am Vormittag erhielt der Euro etwas Rückenwind durch die insgesamt freundliche Stimmung an den Finanzmärkten. Im Gegenzug geriet der als sichere Alternative geschätzte Dollar unter Druck. Am Nachmittag trübte sich das Stimmungsbild an den Märkten aber ein, woraufhin auch der Eurokurs nachgab. Zuletzt zeigte die Richtung aber wieder nach oben.

Keine grössere Rolle spielte am Devisenmarkt der sich abzeichnende Zahlungsausfall Russlands. Marktteilnehmern ist die Problematik seit Wochen bekannt, Fachleute der Dekabank sprachen in einer ersten Reaktion von einem symbolischen Vorfall. Im Kern geht es darum, ob Russland es erstmals seit mehr als 100 Jahren versäumt hat, fällige Zahlungen auf Auslandsschulden zu leisten. Die Sache ist kompliziert und im Wesentlichen Folge der scharfen Finanzsanktionen westlicher Länder aufgrund des russischen Kriegs gegen die Ukraine.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,86200 (0,85773) britische Pfund und 143,25 (142,19) japanische Yen fest.

Die Feinunze Gold wurde am Nachmittag in London mit 1825 $ gehandelt. Das waren knapp ein Dollar weniger als am Freitag.

Ölpreise legen zu

Die Ölpreise haben am Montag zugelegt. Zuletzt kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 114,63 $. Das waren 1,55 $ mehr als am Freitag. Der Preis für ein Fass der US-amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI (WBS 88.64 +0.62%)) stieg um 1,62 $ auf 109,28 $.

Die Ölpreise knüpften so an ihre Gewinne vom Vortag an. Erneut wurden die Ölpreise durch Nachrichten aus dem nordafrikanischen Ölförderland Libyen gestützt. Die staatliche Ölfördergesellschaft hat Exporte vom Golf von Sidra wegen politischer Unruhen unterbunden. Dort befinden sich die wichtigsten Ölterminals des Landes. Bereits Ende der vergangenen Woche hatten Meldungen über Produktionsausfälle in Libyen den Preis für Brent-Öl um rund 3 $ je Barrel steigen lassen.

Anleger schauen auf die weitere Entwicklung auf dem G7-Gipfeltreffen. Rohstoffexperte Carsten Fritsch von der Commerzbank (CBK 7.10 -1.88%) verwies auf den Plan der sieben grössten westlichen Industriestaaten, eine Preisobergrenze für russisches Öl zu beschliessen. Allerdings machte Fritsch auch deutlich, dass die G7-Staaten kaum mehr Öl aus Russland kaufen und die Importe bis zum Jahresende komplett einstellen wollen.

 

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