Märkte / Aktien

SMI schliesst unter 11’700

Die Schweizer Börse gibt zum Wochenbeginn ihre frühen Gewinne her und büsst klar ein. Wallstreet uneinheitlich. Der Ölpreis legt auf ein Dreijahreshoch zu.

(AWP/SPU) Der Schweizer Aktienmarkt hat die neue Woche schwächer eröffnet. Der SMI (SMI 11'961.34 +0.58%) startete zwar mit einem Plus von 0,5% am Montag, baute im frühen Handel seine Avancen jedoch ab und rutschte in der Folge wegen Abgaben auf die Marke von 11’700 zu. Erst bei Handelsende in Zürich notierte der SMI darunter. Die technische Gegenbewegung sei nur von kurzer Dauer gewesen, die Bodenbildungsphase halte somit weiter an, sagte ein Händler. Der Markt sei nun allmählich stark überverkauft. Zudem sei es hilfreich, dass es über das Wochenende weder bei den deutschen Bundestagswahlen noch bezüglich der Entwicklung um den in Schieflage geratenen chinesischen Immobilienkonzern Evergrande (3333 0.31 -5.27%) negative Überraschungen gegeben habe. Aber für neue Käufe fehlten eben die Impulse. Weiter für Verunsicherung sorgen könnte die US-Haushaltspolitik, wo ohne Einigung bald ein Regierungs-Shutdown droht.

Die Bundestagswahlen seien wie erwartet ausgefallen und beeinflussten die Märkte daher wenig, hiess es weiter. Bis eine neue Regierung steht, könnte es noch etwas dauern. «Der deutsche Wahlkrimi endet mit einem Cliffhanger», kommentierte ING. Es sei positiv für die Märkte, dass es für ein rot-rot-grünes Bündnis keine Mehrheit gebe, sagte ein Händler. Zudem schienen die Märkte Evergrande als ein vollständig kontrollierbares Ergebnis einzupreisen, das nicht über Chinas Grenzen hinaus auf das breitere Finanzuniversum übergreifen werde, kommentierte Oanda. Dies dürfte dazu führen, dass die vorsichtigen Anleger wieder eher einen Bogen um den sicheren Hafen Schweiz machen dürften, was auch die Underperformance des SMI gegenüber ausländischen Indizes zeige, sagte ein Händler.

Keine Unterstützung konnten die US-Börsen bieten. Die Wallstreet-Indizes lagen bei Börsenschluss in Europa mehrheitlich im Minus. Der breit gefasste S&P 500 (S&P 500 4'464.33 -0.22%) gab 0,2% nach. Der Dow Jones lag 0,4% im Plus und überschritt zwischenzeitlich die Marke von 35’000. Deutliche Abgaben in Höhe von 0,5% verzeichnete die Technologiebörse, gemessen am Nasdaq Composite.

Finanzaktien gesucht

Die Aktien von UBS (UBSG 15.88 +0.6%) legten zu. Im mit Spannung erwarteten Rechtsfall im Steuerstreit zwischen der Grossbank und Frankreich wird das Urteil erst am 13.12. gefällt. Eigentlich war der Entscheid für heute Nachmittag terminiert. Die Grossbank war vor bald zweieihalb Jahren in erster Instanz zu einer Zahlung von insgesamt 4,5 Mrd. € verurteilt worden. Die Anteile der Rivalin Credit Suisse (CSGN 9.79 +1.92%) gewannen am deutlichsten von allen SMI-Valoren. Auch die Versicherer stemmten sich gegen die Abwärtsbewegung, was sich in Avancen bei Zurich Insurance (ZURN 392.10 +0.44%), Swiss Re (SREN 81.26 +1.09%) und Swiss Life (SLHN 483.80 +1.17%) zeigte.

Holcim (HOLN 44.46 +0.32%) legten zu. Der Zementhersteller tätigte in den USA und Polen Übernahmen.

Schwächer zeigten sich die defensiven Schwergewichte: Während die Pharmatitel Roche (ROG 360.25 +0.87%) und Novartis (NOVN 76.93 +0.61%) ihr Minus gering halten konnten, belasteten die Aktien von Nestlé (NESN 114.82 +0.35%), der schwersten Firma im SMI, den Markt deutlich.

Bei den im laufenden Jahr kräftig gestiegenen Aktien Kühne + Nagel (KNIN 286.70 -2.71%), Straumann (STMN 1'806.50 +1.23%), Geberit (GEBN 707.60 +0.97%), Givaudan (GIVN 4'221.00 -0.14%), Sika (SIKA 311.00 +0.91%), Sonova (SOON 359.60 +0.33%), Tecan (TECN 545.00 +1.11%), VAT Group (VACN 406.20 +0.79%) und Partners Group (PGHN 1'522.50 +0.23%) kam es teils zu deutlichen Verlusten aufgrund von Gewinnmitnahmen, wie Händler sagten.

Dufry (DUFN 51.50 +1.46%) und Flughafen Zürich (FHZN 168.30 +0.36%) gesucht

Dufry gewannen und setzten damit die Erholung fort. In der Vorwoche hatte die Mitteilung, dass die USA die pandemiebedingten Reiserestriktionen lockern werden, für Aufwind gesorgt. Zudem hatte Baader Helvea die Empfehlung für den Reisedetailhändler auf «Add» von «Reduce» angehoben.

Mit Flughafen Zürich erholten sich auch andere reisenahe Werte im SMIM (SMIM 3'348.12 -0.02%) weitere deutlich. Ganz anders sah es bei den Aktien des Online-Reisevermittlers LM Group (LMN 42.10 +2.18%) aus.

Im SMIM gehörten Finanzwerte zu den Gewinnern, konkret ging es für Julius Bär (BAER 64.96 +0.31%), Helvetia (HELN 106.20 +0.47%) oder Baloise (BALN 142.80 +0.85%) aufwärts.

Auf den hinteren Rängen fielen Santhera (SANN 1.40 -1.27%) positiv auf. Das Biotechunternehmen hatte die verbleibenden knapp 2,7 Mio. Aktien aus der Privatplatzierung und 5,4 Mio. Vorratsaktien ausgegeben.

Evolva (EVE 0.14 +1.59%) hatte 40 Mio. neue Aktien aus dem genehmigten Kapital ausgegeben. Mit diesen kann das Biopharmaunternehmen künftige Lieferverpflichtungen aus einem früher abgeschlossenen Wandeldarlehensvertrag mit der Investmentgesellschaft Nice & Green erfüllen.

Achiko (ACHI 0.18 -2.66%) erholten sich von grösseren Verlusten. Das indonesische Unternehmen hatte auch im ersten Halbjahr einen Ebitda-Verlust, von 4,6 Mio. $, eingefahren.

Asiens Börsen ohne einheitliche Richtung

Der japanische Leitindex Nikkei startete unverändert in die Woche, beim breiter gefassten Topix ging es um 0,1% nach unten. In Seoul ging es für den koreanischen Kospi minimal um 0,1% nach oben. Der Hang-Seng-Leitindex in Hongkong stieg 0,7%, während der Shanghai Composite um 0,5% abrutschte. Am besten war der CSI 300 aufgelegt, Chinas Leitindex gewann 1%.

Euro schwächer

Nach der Bundestagswahl rutschte der Euro zum Dollar am Montag zeitweise unter die Marke von 1.17 $. Am Abend kostete die Gemeinschaftswährung 1.1703 $ und damit etwas weniger als vor dem Wahlwochenende. Zum Franken notierte der Euro leicht schwächer mit 1.0827 nach 1.0839 Fr. am Freitagabend. Die US-Währung wurde zum Franken mit 0.9252 Fr. minimal höher bewertet.

Ölpreis auf Dreijahreshoch

Der Ölpreis setzte am Montag seinen Kletterkurs der vergangenen Woche fort. Während Nordseeöl der Marke Brent auf einen dreijährigen Höchststand stieg, notierte US-Rohöl auf einem Zweimonatshoch. Gründe für die hohen Ölpreise sind sowohl eine starke Nachfrage als auch ein knappes Angebot. Bei Börsenschluss in Europa kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 79.50 $.

Gold zeigte sich wenig bewegt bei einem Kurs von 1752 $ pro Feinunze.

Bitcoin (Bitcoin 61'325.00 -0.22%) gab seine zwischenzeitlichen Avancen preis. Um 17.30 Uhr MESZ wurde die Cyberdevise zu gut 43’000 $ gehandelt.